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Ebola heute in Afrika, morgen bei uns ?

Auf erschreckende Weise hat die Ausbreitung der tödlichen Virus-Krankheit Ebola in afrikanischen Ländern überhand genommen. Vor allem befördert durch unhaltbare hygienische und politische Zustände. Ein wenig Furcht schleicht sich ein, ob einer möglichen Ausbreitung bei uns. Davor war Ebola eine Randnotiz der Nachrichten irgendwo da draussen, “ganz weit weg”. Nun ja, heute reist der schwarze Tod per Flugzeug, ganz modern. Angelegenheiten von “da draussen” landen sehr schnell bei uns, im realen Wortsinn. Spät, vielleicht viel zu spät haben wir Europäer gemerkt, dass es in Afrika auch Menschen  gibt, die ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben. Vor Jahrhunderten schon sind sie als Sklaven nach Amerika verkauft worden, wobei portugiesische und britische Sklavenhändler Stammeskriege anzettelten um an mehr “Ware”, die Kriegsgefangenen solcher Konflikte, heranzukommen. Auch arabische Interessen gab es in dieser Hinsicht, viele der Menschenhändler kamen aus den jetzigen Golfstaaten. Oder die autochthone Bevölkerung wurde in Quasi-Leibeigenschaft gehalten, um in den afrikanischen Kolonien als billigste Arbeitskräfte oder als Sexobjekte ihren weissen Herren, meist reichen Landbesitzern zu dienen. Die Sklaverei wurde zwar schon lange abgeschafft, doch hat die farbige Bevölkerungsmehrheit erst gegen Ende des letzten Jahrhundert ihre Rechte als nahezu gleichberechtigte Bürger erhalten. Sexuelle Ausbeutung gibt es noch immer in grösserem Ausmass, nur AIDS verhindert ironischerweise eine regelrechte Sextourismus-Industrie wie in Thailand. Auch heute gibt es noch rassistische Anschauungen, welche die Afrikaner als Untermenschen betrachten, weil sie angeblich so dumm wären. Abgesehen von fehlenden Bildungschancen, wenn wir der gleichen Mangelernährung und schlechten medizinische Versorgung ausgeliefert wären, würde es uns auch nicht besser gehen. Wissenschaftlich ist es bewiesen, dass gerade für die Gehirn-Entwicklung eines Menschen in jungen Jahren besonders wichtig ist, eine vernünftige ausgewogene, an Vitaminen und Protein reichhaltige Nahrung zu bekommen. Die Benachteiligung entsteht schon auf dem Teller. Ein übler Kreislauf: Zu viele Kinder, Mangelernährung, Intelligenzminderung, schlechte oder keine Bildung, zu viele Nachkommnen …

Jahrhunderte lang haben wir Industrienationen Afrika ausgebeutet, um selbst sehr gut zu leben und Profit zu machen. Wirklich geholfen hat den Afrikanern keiner. Die vielen sogenannten Förderprojekte aus Europa und den USA hatten als Motivation eine Markterschließung Afrikas für unsere Produkte. Seien es Landmaschinen, Pestizide usw. oder abgelaufene Medikamente und unser Müll. Nicht zuletzt Waffen an zweifelhafte Regierungen.  Oder man entwickelt einen Landstrich, nur um dort billigst an wertvolle Rohstoffe heranzukommen: Öl, Coltan, damit die SMS weiter flutscht, oder Edelsteine. Dazu erzeugt der Klimawandel durch unsere Egomanen-Wirtschaft noch zusätzlichen Druck auf die einheimische Landwirtschaft.

Dabei wäre es angebracht, den Menschen in Afrika wirklich zu helfen, damit sie gute Lebensmittel selbst erzeugen können und eine vernünftige Schulausbildung erhalten. Sicherlich würden dann endlich auch die Frauen sich wehren, als Arbeitsmaid und Bruthenne ein unterdrücktes Dasein zu fristen. In Pilotprojekten mit Frauen als Kleinstunternehmerinnen funktioniert das sehr gut. Eine Verbesserung des sozialen Status der Frau bringt Wohlstand und senkt die Geburtenrate. Vor allem “Bildung für alle” ist DER Schlüssel zum Aufschwung in jeglicher Form. Und den Extremisten aller Art, religiös oder nur durch Machtgier motiviert, muss Einhalt geboten werden. Es gilt den Menschen zu zeigen, dass sie auch zu Hause eine Alternative zu ihrem derzeitigen tristen Leben haben könnten. Dann landen sie sich auch nicht mehr als Treibgut im Meer oder strömen zu Heilsversprechern, die ihnen eine Waffe in die Hand drücken. Erneuerbare Energie wäre ein Hoffnungsträger: Aber nicht Felder mit Pflanzen für Treibstoff, das ist Zynismus pur!

Was die aufgefischten Flüchtlinge anbetrifft: Wir tun ihnen nichts Gutes, wenn wir sie als Entwurzelte nach Europa holen und wiederum als Menschen zweiter Klasse behandeln. Da man sie nicht so ohne weiteres integrieren kann, werden sie doch nur bestenfalls als billigste Arbeitskräfte missbraucht. Für religiöse Gruppen wieder ein paar arme Schäflein mit denen man sich publikumswirksam ablichten lassen kann. Für Neo-Nazis eine neue Opfergruppe, aus Frust schliesslich eine neue Tätergruppe.

Wir können den Afrikanern dort helfen, wo sie geboren wurden, und eine Heimat im eigenen Land ermöglichen. Wir müssen ihre Kultur verstehen lernen und nicht gleich versuchen Sie zu “missionieren” oder zu Europäern  zu machen! Gestattet ihnen ihre eigenen Glaubensvorstellungen, ob christlich, islamisch oder die alten Götter, und deren Eigenarten. Keine Radikalislamisten mehr, die ganze Landstriche terrorisieren. Lasst die übereifrigen Missionare bei uns in Europa, denn häufig genug ängstigen sie die Menschen mit Angst vor Höllenstrafen und dem Satan. Der ist besser bei den Evangelikalen in Amerika aufgehoben. In Afrika haben diese einfältigen “born again” Typen schon blutige Hexenverfolgungen ausgelöst. Finsteren Aberglauben, damit meine ich nicht die lokalen Heiler, die oft wertvolle Dienste in ihren Dörfern leisten, sondern die sogenannten “schwarzmagischen Praktiken” und die bizarren Genitalverstümmelungen bei Frauen, bekämpft man am Besten mit Aufklärung.

Vielleicht ist es aber auch unser verdientes Los, dass über Reisende die Seuche Ebola in unsere “zivilisierte” westliche Welt  eingeführt wird. Wahrscheinlich von hirnlosen Afrika-Touristen, die den Kontinent als Realversion eines Disney-Vergnügungsparks mit “echten” Eingeborenen und Kuschel-Löwen im Streichel-Safari Zoo ansehen.

“Ist der Massa gut bei Kassa, fliegt “First Class” er nach Mombassa”  … Die österreicherische Satiriker&Musikertruppe EAV geisselt genau diese Thematik in ihrem Song “Afrika”:

  • Da sah er zehn kleine Negerlein
  • mit geschwollenen Bäuchen, also muß das sein?
  • Der Ober schenkt ihm einen Cocktail ein.
  • Da fällt eines um und es waren nur mehr neun!
  • Das hat dem Otti den Urlaub vergällt.
  • Tja, das ist der Reiz der dritten Welt!

Das war 1983! Seither hat sich leider nur wenig zum Guten verändert.

In diesem Sinne, gute Reise!

 

Posted by on September 24th, 2014 Kommentare deaktiviert