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Sektenprobleme 2.0: Sittenwächter und Seelenfänger

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Huitzilopochtli: Kriegsgott der Azteken – seine Nahrung waren die Herzen der Geopferten.
Das Herz wurde als Sitz der Seele und Zentrum der Lebenskraft angesehen.
Die Anhänger seines Kultes berauschten sich in ihren Ritualen bis zur Raserei.
Der Gott, eine Art Mix aus Sonne und Mars, galt als Erhalter der Weltzeitalter.
Krieg als Grundlage des Kosmos, für eine militaristische Kultur, wie die Azteken,
wohl eine passende Vorstellung. Damit es genug Opfer gab, wurden “heilige Kriege”
veranstaltet, deren Gefangene dem Huitzilopochtli “geweiht” waren.

Sie tragen Schutzwesten wie Unfallhelfer, Bärte und nennen sich Scharia-Police: Wo liegen die wirklichen Ziele dieser islam-puritanischen Moraltruppe? Warum haben sie überhaupt Zulauf?

Die Zeugen Jehovas und ähnliche missionseifrige Gruppen, meist aus dem 19.Jahrhundert, oder die Glatzköpfigen (nein, nicht Skinheads!) aus der “Hare-Krishna” Ecke waren zwar nervig, aber friedfertig. Da gab es nur geistige Verdauungsstörungen durch die Lektüre der Wachturms-Postille zu befürchten. Oder einen Zuckerschock, ob der süsslich-naiven  Weltanschauungen. Psycho-Sekten wollen wenigstens nur Dein Geld. Hier aber sollen labile Menschen geködert werden, um sie über eine Gehirnwäsche zu willigen und aggressiven Zombies zu machen. Dann kann man sie entsenden, damit sie für andere ihre Haut zu Markte tragen, in einem Machtspiel, das sie gar nicht durchschauen.  Ein Zustand, wie bei den Kinderkreuz-Zügen des Mittelalters!  Diese rief man ins Leben, um die armen Pilger-Tröpfe auf den Sklavenmärkten des Orients zu versteigern. Ausbeutung von frommem Idealismus dieser Art lieferte wahrscheinlich den wahren Hintergrund für die Geschichte vom  ”Rattenfänger von Hameln”. Rattenfänger, ja genau: Wie unselbstständig, unsicher und orientierungslos muss ein denkendes Wesen in unserer aufgeklärten Zeit sein, wenn es zu  Versammlungen fundamentalistischer Fanatiker geht, um dort von selbsternannten “Beauftragten Gottes”  jeglicher Richtung eine Heilslehre zu empfangen? Ob Evangelikale oder Salafisten, über den Erfolg von soviel dummdreistem Gehabe kann man nur staunen. Diese Herrschaften haben immer schon ein Paket geschnürt,  mit der Lösung für alle Probleme. Am besten, man vertagt diese ins Jenseits, ins Paradies oder zu den Ausserirdischen.  Nebenwirkungen garantiert, manchmal fatal.

Wo bleibt da der Verstand? Sind viele von uns schon “spaced out”, dass sie solchen Typen hinterlaufen? Wenn ich mir einen Großteil der heutigen Jugend betrachte, muss ich sagen leider ja. Waren es die Atomwaffenversuche in den 50-iger Jahren? Ist es die Umweltverschmutzung? Hat es etwas mit Tschernobyl zu tun? Der Intelligenzquotient sinkt laut Forschungen immer weiter. Jetzt haben wir schon 20 Punkte weniger als zwei Generationen zuvor. Wo führt das hin, bis wir beim Affen gelandet sind ?! Dann reicht statt Seelenheil auch eine Banane als Belohnung – vielleicht weniger gefährlich.

Aber Scherz beiseite, warum sind diese Heilsversprecher wirklich attraktiv?

  • “Fromm sin wa nur wenn wa nischt mehr zum Fressen ham”. Der aus einem Witz stammende Ausspruch einer frechen Berliner Göre zum Pastor ihres Sprengels, enthält wohl mehr als ein Körnchen Wahrheit:

Vielleicht ist es auch unsere korrupte Gesellschaft, die Fluchttendenzen auslöst. Die Reichen werden dadurch immer reicher, dass sie ihre Mitmenschen ausbeuten und über den Tisch ziehen. Undurchsichtige Netzwerke führen dazu, dass die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln ernten. Realen Wettbewerb auf dem Stellenmarkt gibt es oft nicht mehr, da ausgeschriebene Positionen (besonders die lukrativen) schon vorab “unter der Hand” vergeben werden. Der Rest an Menschenmaterial wird gleich im billigeren Ausland rekrutiert. Für die anderen bleibt der zerplatzte Luftballon enttäuschter Hoffnungen. Früher hiess es, wenn Du dich anstrengst, Leistung bringst und gute Abschluss-Noten hast, wirst Du sicher ein vernünftiges Auskommen finden. Das ist heute leider nicht mehr der Fall. Die oben etwas überspitzt dargestellte Bildungsunlust und der Mangel an Eigeninitiative rühren auch von dieser dauernden Demoralisierung. Ist es vielleicht nicht vor allem diese Auswegs- und Aussichtslosigkeit, die junge Menschen die Hände dieser Scharlatane treibt?

Die Kirchen oder Moscheen der moderaten “main stream” Glaubensauslegung bieten keinen echten Trost oder eine Zuflucht. Es mangelt dort an Selbstkritik am eigenen Machtgerangel und der Bereitschaft wirklich über den Tellerrand der angestaubten Dogmen hinaus zu sehen.  Dazu kommt : Die “Coolness”, ein “Ego-Shooter Feeling” mit einer Heilslehre zu verbinden, ist uns seit der Zeit der Glaubenskriege und Kreuzzüge zum Glück abhanden gekommen. Die Attraktivität einer solchen Kombination aus Abenteuer-Trip und religiöser Indoktrination bildete aber schon die Basis der Nazi-Jugendbewegungen, mit trauriger Erfolgsbilanz. Und zeigen wir nicht nur auf den Islam, Anders Breiviks Untaten waren auch vom “Wahren Glauben” inspiriert. Jüdische gewaltbereite Extremisten gibt es ebenfalls, wenn auch selten in globaler Form. Die abrahamitischen Religonen sind allerdings besonders anfällig für eine Radikalisierung, da sie alle glauben die einzig wahre Offenbarung zu sein.

Ein echter Mangel an positiven männlichen Identifikationsfiguren in der Familie, bei Breivik belegt, bei den Jung-Dschihadisten zu vermuten gehört wohl auch mit ins Bild. Eine von Frauen dominierte Männererziehung ist wohl auch nicht so das Gelbe vom Ei: In Stammenskulturen wäre und ist so etwas undenkbar, da die mit der Pubertät aufkeimende natürliche maskuline Aggressivität hier nur unterdrückt, aber nicht zivilisatorisch abgefangen und angenommen werden kann. Fight Club Dschihad? Wie wäre es statt dessen mit den guten alten Pfadfindern – zu spiessig? Gemeinsinn und jeden Tag eine gute Tat – zu anstrengend ? Djihad bedeutet nach seinem Wortsinn “Anstrengung”, es ist der Name eines Berges, der sinnbildhaft überwunden werden soll, und nicht der Aufruf zu Mord und Totschlag. Bei den Pfadfindern kann man auch etwas über Toleranz und soziale Kompetenz lernen: Aber diese Art “soft skill” Training ist wiederum in unserer Gesellschaft nicht sonderlich gefragt, es baut nämlich auf Charakterstärke und unabhängiges Denken, statt auf Stromlinienförmigkeit.  So müssen wir mit den Nachteilen und dem Strandgut  der Globalisierung und neoliberalen “me first” Haltung wohl auskommen.

Wenn unsere Gesellschaft sich nicht von Grund auf ändert, wird das Heer der Anhänger fanatischer Gruppierungen immer größer. Dann bekommen wir die Quittung für  Ignoranz und soziale Kälte.

Posted by on Oktober 1st, 2014 Kommentare deaktiviert