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Zahlenmystik: Die Macht der Acht

Ein kleiner Auszug aus meinem Vortrag: “Die Macht der Zahl”.

Acht:

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Pluto – Buddha – Lemniskate – Tarot

Bei den Pythagoräern war die Acht herausragend durch die Tatsache, dass sie die erste Kubikzahl unter den natürlichen Zahlen darstellt. Sie symbolisierte Freundschaft und Gerechtigkeit, da sie die Potenzierung der ersten geraden Zahl ist. Als Erhöhung der Zwei symbolisierte sie die Gleichheit aller Menschen und den Ausgleich durch das Naturrecht. Ausserdem legt die Zahl acht durch die Oktave in der Musik die Ordnung der natürlichen Tonreihe fest. Daher gehört die Acht auch zur Maat, der Asträa und damit zur Tarot-Karte Gerechtigkeit, und nicht die 11. Die Zuordnung der Lemniskate (Acht) zur Ikonographie von Magier und Stärke hängt mit Prozessen der Überwindung zusammen: Der Elemente beim Magier, des eigenen Stolzes und Egoismus bei der Stärke. Letztere passt daher eher zur 11 des Wassermannprinzips: Der Löwe, Gegenpol des 11. Hauses wird nämlich in der Symbolik durch den Geist in Form einer Frauengestalt  überwunden.

Im Christentum war die Acht die Zahl der Auferstehung, da die Aufaddierung aller gematrischen Werte des Namens Jesu in griechischen Buchstaben 888 ergibt. Es gab acht Seligpreisungen in der Bergpredigt.

Im Judentum:  Acht Menschen werden mit der Arche gerettet, acht Tage nach der Geburt fand die Beschneidung statt,  am 8. Tag nach Beginn der Monatsblutung gilt die verheiratete jüdische Frau wieder als rein. Das Fest der Tempelweihe dauert acht Tage: Es wird „mit Öl gefeiert, das acht Tage lang brennt“; die Worte Öl (schemen), Acht (schmona) und Messias (maschiach: Öl-Gesalbter) als „König des achten Tages“ hängen im Hebräischen untrennbar zusammen.

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Pluto: Astrologische Chiffren. Coatlicue: Aztekische “Magna Mater”.

Die Einheit mit Gott als Neuanfang und Weltvollendung (Verklärung der Materie: 2³ -> die Materie, der Körper aus dem 2. Haus mit der göttlichen Drei zusammengeführt). Die Zahl der Unendlichkeit, daher auch die liegende Acht als Symbol des Unendlichen in der Mathematik. Acht im Zodiak stellt das Prinzip des Hauses dar, in dem das Plutoprinzip und der Skorpion regieren. Tod, Loslassen und Lösen von Bindungen, Kreisläufe und Wiedergeburt, Erneuerung und Transformation. Wie der Schmetterling von der Raupe über die Puppe zum Falter wird, wobei er seine Form zwischendurch vollständig aufgeben muss, hat auch das Zeichen Skorpion drei Phasen: Skorpion oder Schlange, Adler und Phönix. In dem archaischen Bild erkennt man noch Reste des alten sumerischen Etana-Mythos, welches im Kern das uralte Schöpfungsepos von Schlange, Adler und Weltenbaum der schamanischen Kosmologie enthält. Die Reifungsstufen des achten Hauses durchläuft der Mensch nur, indem er sich seiner dunklen Seite stellt: Hier herrscht Pluto, der Schatten, der Gegenspieler des Prinzips des Begehrens aus dem 2. Haus und des solaren Ego. “Total Eclipse of The Heart” , wie im Song von Bonnie Tyler beschreibt dieses Gefühl, von seinem Schatten überwältigt zu werden. Eclipse heisst: Finsternis, die Bedeckung der Sonne durch den “Schwarzen Mond”. Die astrologische Symbolik des Pluto ist interessant, abgesehen von PL (nach Percival Lowell, seinem Entdecker), einerseits eine Ähre, wie Pluton, “der Reiche” als Bündel auf dem Kopf trägt. Eine Verbindung zum Demetermythos. Dann die Schalen-oder Kelchartigen Chiffren: Allesamt sehr weiblich, pures Yin, ein dunkler Mond. Eine schwarze Mutter, wie die atztekische Coatlicue, die auf der Abbildung dargestellt ist. Eine chtonische Figur, wie die alten “Magna Mater” Göttinnen, gleichzeitig erd-und mondhaft, der voreisenzeitlichen Gesellschaften. Immer der Gegenpol zum solaren Prinzip: Schön ausgedrückt wird dies im Mythos von Apollon, der in Delphi die Erdschlange, den Python bezwingt und dessen heilige Stätte zum Ort seiner eigenen Verehrung macht. Der Name Pythia für die Orakelpriesterinnnen lässt das noch erkennen: Deren Weissagung entspringt den Dämpfen einer Erdspalte. “Gnothi Seauthon”: Erkenne Dich Selbst, stelle Dich Deinem Schatten.

Auch in hinduistischen Glaubensvorstellungen ist die Zahl acht wichtig: Sie ist die Zahl Shivas, acht Speichen hat das kosmische Rad der Veden. Generell ist im indoeuropäischen Raum die Acht ein Symbol für die Zeit: Acht Eckfeste gab es bei den Kelten: 4 Mond- und 4 Sonnenfeiern. Acht ist auch die Zahl des Saturn, neben dem Pluto der andere Herrscher über die Endlichkeit. Zusammen mit Asträa/Nemesis verkörpern diese Archetypen das Prinzip: “Abgerechnet wird zum Schluss!” Im asiatischen oder indischen Kulturraum bedeutet das Karma. Auch hier ist die Acht vertreten: Das alte China verehrt diese Zahl ebenfalls als kosmisch: Es gibt acht Weltecken, die acht ist die Grundlage des I-Ching: 8×8 Hexagramme. Global anzutreffen ist das Phänomen der Verbindung der Acht mit Schlangen oder Drachen, was in der Chiffre selbst schon zu sehen ist.

Die allegorische Figur hierzu liefert der Ourobouros, der schon im alten Ägypten bekannt war: Die Schlange, die sich in den Schwanz beisst. Ebenso ein Symbol der Alchemie, da das achte Haus des Zodiak auch für Transmutation steht, vor allem aber für die Putrefaktion. Er lieferte auch die Grundform der Lemniskate, der liegenden Acht für Unendlichkeit.

Im Buddhismus gibt es dann den “Achtfachen Pfad zur Erleuchtung“. Der Weg zur Erkenntnis führt über vier edle Wahrheiten und das Verständnis der Ursachen für das Leiden:

  1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
  2. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
  3. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
  4. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.

Das klingt ganz nach der Thematik des achten Hauses und des Skorpion-Prinzps.

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Der achtfache Pfad zur Erleuchtung

Nach der Krise der Materie in der Acht, nun die Weisheit der Neun: Sinnfindung, das Erlangen eines höheren Wertesystems, Ethik, Weitblick. Die potenzierte 3, Göttlichkeit im Quadrat sozusagen, wenn da nicht … aber davon mehr später. Der Zusammenhang zwischen 2, 3, 8 und 9 spielt auch in der Freimaurerei eine Rolle. Last but not least: Eine mathematische Kuriosität, diese Abfolge 2^3 -> 3^2, einzigartig in der Welt der natürlichen Zahlen. Bewiesen wurde diese Tatsache vom Mathematiker Catalan 1851.

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Shiva tanzt

In meinen Vorträgen gibt es eine noch ausführlichere Darstellung der hier umrissenen Thematik. Für Brr. Freimaurer habe ich eine komplette Vortragsreihe zur Zahlenmystik im freimaurerischen Ritual und dessen Symbolik zusammengestellt, die auch in Form eines 1-2 tägigen Workshops stattfinden kann.

 

 

Posted by on Oktober 28th, 2014 Kommentare deaktiviert