Magie der Worte: Abrasax – Abraxas – Abrakadabra – Avada Kedavra

Schutzmagie: Abrasax- Abraxas - Abrakadabra.

Schutzmagie: Abrasax- Abraxas – Abrakadabra.

Abraxas ( ΑΒΡΑΞΑΣ, Variante von Abrasax, ΑΒΡΑΣΑΞ) war ein Wort mit mystischer Bedeutung im Glaubenssystem des Gnostikers Basilides. Damit meinte er den “Grossen Archon” ( megas archōn), den Herrscher über die 365 Himmel (ouranoi). Die Anzahl sieben für die Buchstaben des Wortes ist ein Hinweis auf die sieben klassischen Planeten – Sonne Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, und Saturn. Die gematrische Quersumme aller Lettern ergibt 365, eine Verbindung zur Sonne und dem Kosmos. Neben gnostischen Texten findet man es auch in Hellenistischen Zauberpapyri. Auf Schutzamulette wurde das Wort ebenfalls eingraviert, welche eine weite Verbreitung bis ins Mittelalter hatten. Abraxas (ΑΒΡΑΞΑΣ), das vermutlich aus der Verwechslung der griechischen Buchstaben Sigma und Xi in der lateinischen Übersetzung entstanden ist, wird in der Volksmagie zum gemeinhin verwendeten, populären Begriff, obwohl ABRASAX in den gnostischen Texten nur in der richtigen Schreibweise zu finden ist.  Auch die Zauberformel Abrakadabra könnte von ihm abstammen, obwohl auch andere Erklärungen existieren. Die seltsam-atavistische Gestalt des Abraxas wurde wahlweise als eine ägyptische Gottheit oder ein Dämon angesehen. C.G. Jung bezeichnete ihn als eine Vereinigung der kosmischen Gegenpole, in dem sich die Figuren des christlichen Gottes und des Teufels vermischen. Schon in der Antike war Abraxas als Allegorie vielen Gottheiten zugeordnet, vor allem solchen mit sonnenhaften Bezügen: Mithras, Jesus, Belenus oder sogar Yahweh. Er war sehr populär und sein Kult hielt sich bis ins Mittelalter, wobei er immer mehr ins dämonische Lager wechselte. Seine Gestalt als Portrait eines hahnenköpfigen (solares Prinzip, der Hahn begrüsst morgens die Sonne als erster) Mannes auf Schlangenfüssen, (vom Caducceus der Hermes stammend), die Geist und Wort versinnbildlichen, mutet etwas bizarr an. Er trägt den Schild der Weisheit (Athenas Gorgonenschild) und die Geissel der Macht, letzteres wohl ein ägyptischer Einfluss, den man von Darstellungen von Pharaonen kennt. Manchmal fährt er einen Wagen mit einem Gespann von vier Pferden, die die Elemente symbolisieren. Es finden sich oft auch Chiffren: IAΩ, das die göttliche Allheit bedeutet, ähnlich wie AUM im Hinduismus: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft oder Werden, Sein, Vergehen. Dazu noch die Anrufung: Ewige Sonne. Das Ganze erinnert auch ein Bisschen an die Tarot-Karte: “Der Wagen”.der-wagen Diese wird mit dem Willen, der Durchsetzung und dem Triumph in Zusammenhang gebracht. Hierzu passt auch die Kartennummer 7, hier solar im Kontext mit der 7-Tage Woche und den 7 klassischen Planeten zu sehen, sowie die Darstellung des Wagenlenkers mit Horus-Schild und den Zügen des Apollon. Zur Zeit der Wiederbelebung antiker Glaubensvorstellungen in der Renaissance liessen sich auch viele Künstler von den ABRAXAS-Darstellungen und ihrer Symbolik inspirieren. Leider wird der Abraxas trotz seiner lichten Herkunft heute aufgrund seiner blasphemischen Deutungsmöglichkeit oft mit satanistischen Strömungen in Verbindung gebracht.

Abrakadabra (auch: Abracadabra) gilt als das Wort, welches in den meisten Sprachen die gleiche Aussprache hat. Es ist ein bereits in der Antike als magische Anrufung geläufiger Begriff, der möglicherweise hebräischen, arabischen, persischen oder römischen Ursprungs ist. Erwähnt wird es als „abracadabra“ zum ersten Mal nachweisbar im Liber medicinalis von Quintus Serenus Sammonicus (um 200 n. Chr.). Er rät, gegen Malaria das Schwindeschema (s. u.) der Zauberformel in einem Amulett bei sich zu tragen.

Die Abkunft des Wortes ist vieldeutig (in Anlehnung und Ergänzung zu einem Artikel in Wikipedia).

  •  A-Bra-Ca-Dabra spielt mit den ersten 4 Buchstaben des lateinischen Alphabets und kann sich aus Buchstaben-Magie und Alphabet-Zauber erklären, die in der Spätantike weit verbreitet waren: Das Alphabet hat magische Kraft, weil sich mit ihm alle Dinge der Welt darstellen lassen. Ein Alphabet symbolisiert den Kosmos, ebenso wie die Zahl 365, für das solare Jahr, auch wieder ein Hinweis auf Abraxas:
  • Ein Zusammenhang besteht wahrscheinlich auch zu Abraxas, einem Wort, das in der Gnosis ein Wort für die All-Heit Gottes war. Im Hellenismus wurde zudem es für die Anrufung eines mächtigen Dämons gebraucht. Dazu passt der Gebrauch als Schutzformel. Auch Abrakadabra als Kurzformel für die Anrufung der 365 persischen Tagesgötter passt hier ins Bild, da diese Zahl einen solaren Bezug hat.
  • Abrakadabra kann aber auch von dem arabischen Zauber „abreq ad habra“ abgeleitet sein, was angeblich „den Donner, der tötet“beschwört, ein erster Hinweis auf den Todesfluch des “Harry Potter” Magie-versums:
  • Avada Kedavra oder der tödliche Fluch (aramäisch avd/אבד, „verlorengehen, verschwinden“; aram. ke/כ, „wie“; aram. davar/דבאר, „die Sache“; Zauberformel: Avada Kedavra), der Lebewesen auf der Stelle tötet. Während der Ausführung dieses unverzeihlichen Fluchs ist ein greller, grüner Blitz zu sehen; das Opfer ist schon vor dem Aufprall auf den Boden tot. Am Körper des Opfers bleiben keine Spuren zurück, durch die auf die Todesursache geschlossen werden kann. Für Avada Kedavra gibt es keinen Gegenfluch. Eigentlich ist der Zusammenhang mit Tötungsabsicht aus dem Wortsinn nicht ableitbar. Ausser es ist gemeint, das Leben solle verschwinden. So wie beim Golem aus emet (Wahrheit) met (Tod) wird, indem ein Buchstabe des magischen Siegels entfernt wird, das dem Kunstgeschöpf das Leben einhaucht.
  • Es kann sich um verballhornte Formen der hebräischen Wörter ברכה (b’racha) „Segnung“ und דבר (dabar) „Wort“, „reden“, aber auch „Seuche“ handeln. Vielleicht leitet es sich vom hebräischen הברכה דברה „ha-bracha dab’ra“ ab (deutsch etwa: „Sprich die Segnung“). Eine analoge Version existiert in der Verwendung der Konsekrationsformel der Wandlung aus der lateinischen Liturgie „Hoc est (enim) corpus meum“ als Zauberformel „Hokuspokus“.
  • Eine weitere Herleitung stammt aus der kabbalistischen Tradition. Abra vom aramäischen ‘bra’, bedeutet “schaffen”, Ka wird mit “während” übersetzt und Dabra ist die erste Person des Verbs ‘daber’, “sprechen”. Abrakadabra bedeutet demnach: “Ich schaffe, während ich spreche.”  Eine mögliche Erklärung, da die Wortmagie, vor allem der magischen Namen in der Kabbala eine wesentliche Rolle spielt: Der wahre Name Gottes als Schlüssel zur höchsten Magie bzw. Erleuchtung. Dagegen spricht die Verwendung in Zusammenhang mit dem Verringern von üblen Einflüssen, das entspricht mehr dem Ursprung aus Wörtern, die mit Verschwinden zu tun haben.
  • Ebenso das Schwinde-Schema:
Abrakadabra im Schwinde-Schema

In der Symbollehre des Gnostizismus wurde das Wort verwendet, um drohendes Unheil abzuwenden, insbesondere um Krankheiten zu vertreiben. Hierbei deutete es als Inschrift oder Gravur auf Amuletten im Schwindeschema das schrittweise Zurückweichen des Bösen an. Die Vorschrift verlangte in der ersten Zeile das Wort vollständig niederzuschreiben, danach um jeweils einen oder in manchen Anweisungen auch zwei Buchstaben zu verkürzen, bis zuletzt nur noch ein Buchstabe übrig blieb. Die Inschrift sollte Dreiecksform besitzen. Man glaubte, so wie das Wort mit jeder Zeile einen Buchstaben verliert, so schwindet auch die Krankheit.

Noch ein Nachtrag:

Hokuspokus:

“Hoc est enim corpus meum”

Eine bekannte Theorie sieht einen Ursprung in der früher in lateinischer Sprache abbehaltenen Eucharistiefeier der katholischen Kirche. Der Zelebrant spricht dabei während der Transsubstantiation die Weiheformel: Hoc est enim corpus meum, was bedeutet: „Denn dies ist mein Leib.“  Gemeint ist der Leib Jesu Christi. Die Gläubigen, die kein Latein verstanden, hörten nur so etwas wie Hokuspokus. Da nach katholischem Verständnis tatsächlich etwas verwandelt wird – nämlich die Hostie in den Leib Jesu Christi – war der magische Zusammenhang geschaffen. Andere vermuten eine Form der Verspottung der katholischen Zeremonie durch Reformatoren, deren Bestrebung die Abschaffung der lateinischen Texte in der Liturgie zugunsten der regional gesprochen Sprache war. Dort wird auch der magische Zusammenhang aufgehoben: Nicht mehr: “Dies IST mein Leib” sondern “Dies BEDEUTET mein Leib”,  ist jetzt die Aussage der Wandlung. Auch der Klerus-kritische Goethe gebrauchte den Begriff Hockuspockus für eine kirchliche Zeremonie, eine Kerzenweihe in der Sixtinischen Kapelle, die er während seiner Italienreise beobachtete.

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