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Chinesischer Bumerang

Glaubten die Europäer noch bis vor kurzem, sie könnten in China billig produzieren, die Chinesen ausnutzen und ihnen im eigenen Land schlechtere Qualität andrehen, so müssen sie wohl nun umdenken. Denn in China sind die Kunden von VW wegen augenfällig mangelhafter Qualität der Kornzernprodukte vergräzt. Vor allem der Umgang mit den Beanstandungen seitens der Wolfsburger Autoschmiede verärgert:  Man wolle den Mangel nur billigst reparieren und das zu Lasten der Sicherheit der Kunden. Zu wünschen wäre, dass das Qualitätsbewusstsein bei den Chinesen endlich soweit geweckt wird, dass sie uns auch als Hersteller bessere Waren anbieten, zum Beispiel keine Kleidung oder Spielzeug mit Giftstoffen, nachdem sie als Kunden ein gewisses Anspruchsdenken entwickelt haben.

Doch zurück zur Autobauerzunft: Der Ruf bröckelt! Erst der Getriebe-Gau 2013 und nun Probleme mit der Hinterachse? Das sind normalerweise Themen, die man in der Hinterwaldsproduktion eines Drittlandes vermutet. Neben anderen ausländischen Autobauern steht auch der Volkswagen-Konzern in China ohnehin durch Vorwürfe wegen Preisabsprachen unter Druck. Es laufen bereits Ermittlungen seitens der mächtigen Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei. Nun muss gar der VW-China-Chef höchstpersönlich erzürnte Kunden beschwichtigen. Volkswagen wirbt nach Rückrufaktion in China verstärkt um Vertrauen: VW-China-Chef Jochem Heizman hat misstrauischen Kunden im weltgrößten Automarkt versichert, dass die Fahrzeuge des Wolfsburger Autoproduzenten sicher sind. Nun  haben wohl die Chinesen den Europäern unerwarteterweise gezeigt, wo der Hammer hängt. Sie lassen sich nicht mehr alles unterjubeln. Diese Zeiten sind vorbei, auch im Reich der Mitte ist der Kunde König. Vielleicht profitieren wir auch etwas davon, indem wir auch hierzulande wieder bessere Autos bekommen. Denn das Jahr 2014 soll wohl als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die größte Anzahl von Fahrzeugen wegen  zum Teil schwerwiegenden Qualitätsmängeln zurückgerufen wird. Betroffen sind Produzenten weltweit, aber vor allem in USA und Deutschland, den ursprünglichen Platzhirschen der Branche. Tja, wie ein führender Qualitätsfachmann eines Sterne-Autoriesen so trefflich formulierte: “Qualität muss der Lieferant nachweisen, wir prüfen hier nicht mehr”. Das war in den 1990iger Jahren. Die Folgen spüren wir jetzt. Ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein und weniger “Greed is Good” wäre bestimmt nützlich, wenn unsere Industrie nicht in Zukunft das Nachsehen haben will. Mitarbeiterausbeutung und Golfplatzführungsstil alleine reichen dafür wohl nicht.

 

Posted by on November 2nd, 2014 Kommentare deaktiviert