Schafgarbe: Segen von Rain und Wiese

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Golden Yarrow, Zierform der Achillea. ©abrasax 2015
Ihre wilde Schwester Weisenschafgarbe ist eine wertvolle Heilpflanze.

Schafgarbe – Achillea millefolium

Botanik: Ausdauernde krautige bis teilverholzende Pflanze  40 – 60 cm hoch, Pionierpflanze für trockenen Boden. Sie liebt sonnigen bis leicht schattigen Standort. Sie blüht über den ganzen Sommer bis zum Spätherbst in auffallenden doldenartigen, leicht filzigen Blütenständen, obwohl sie zu den Korbblütlern gehört. Ihre auffallenden Blätter sind doppelt- bis 3fach fiederspaltig. Die Blütenfarbe ist woll-weiß oder ila, bei Ziersorten auch dunkelkarminrot und sogar goldgelb. Die Blütenstände scheinen zu leuchten. Alle Vertreter der Pflanzenfamile duften aromatisch. Die Schafgarbe besitzt große Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre, Hitze und Kälte. Es heißt „sie schießt unter dem Zahn der Tiere nach“, denn wenn sie von Weidetieren abgenagt wird wächst sie sofort wieder nach. Sie ist weit verbreitet und mir aus der frühen Kindheit bekannt, weil ihre Stengel so zäh sind, und sie deshalb schlecht für das Blumenpflücken mit der Hand für Blumensträuße geeignet ist. Hingegen kann man schöne Kränzchen flechten, zusammen mit Margeriten oder Kamille, die in vieler Hinsicht ähnliche Eigenschaften hat.

Die Schafgarbe wächst auf trockeneren Wiesen, Bahndämmen, am Wegesrand, Feld-Rainen, Waldlichtungen, Geröll-Felsfluren, Äckern, Feldern und Schutthalden. Einige Arten wachsen sogar in alpiner Höhenlage.

Pflanzenfamilie: Korbblütler – Asteraceae

Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Proazulene, Campher, Thujon, Cineol, Eukalyptol, Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Cumarin, Mineralsstoffe.

Mythologie:

  • Die Bezeichnung Achillea kommt von Achilleus oder Achilles, dem Helden vor Troja, der durch Mut, Schnelligkeit und Schönheit ausgezeichnet war. Er soll die Wunden seiner Krieger, der Myrmidonen (Ameisen) mit der Schafgarbe geheilt haben. Seine Kenntnisse erlernte er vom weisen Centauren Chiron, der viele der antiken Heroen in den Geheimnissen der Natur unterrichtete.
  • Millefolium kommt von Mille = tausend, und Folium = Blatt, also Tausendblatt, wegen der vielfach gefiederten Blätter.
  • Schafgarbe heißt sie weil angenommen wird, dass Schafe die Pflanze bei Krankheit gefressen haben, bzw. damit gefüttert worden sind, und Garbe leitet sich vom althochdeutschen garwe ab was so viel bedeutet wie Heiler, Gesundmacher, garwa heißt „die Heilende“.

Volkstümliche

Namen: Achilles, Blutkraut, Bauchwehkraut, Blutstillkraut, Edelgarben, Frauenkraut, Garbakraut, Garb, Garbe, Garbenkraut,  Herrgotts Ruckenkraut, Heil der Welt, Soldatenkraut, Schabab, Schafszungen, Stankt Margarethenkraut,  Tausendblatt, Wundheiler, das ausgewachsene Blatt wird auch als die Augenbraue der Venus bezeichnet. Es ist wohlgeformt, die feinen Verästelungen wirken elegant.

Heilkunde: Der griechische Arzt Dioskurides bezeichnete die Schafgarbe als ausgezeichnetes Mittel bei Bauchflüssen, Geschwüren und Fisteln. Hildegard von Bingen, Hieronymus Bock und Matthiolus lobten die Heilkraft der Schafgarbe als „köstlich Wundkraut bei allen inneren und äußeren Wunden, gegen geronnenes Blut und übermäßige Mensis“. Es wurde auch eine Wundsalbe mit Schafgarbe, Sanikel und Goldrute gebraucht, ein weiteres Wundsalbenrezept wurde mit Schafgarbe, Bilsenkraut, Beifuß und Brennnessel beschrieben.

In vieler Hinsicht gleicht die Achillea der Kamille, die auch ein Korbblütler ist. Sie wird sowohl in der modernen als auch der antiken Medizin auch oft gleichwertig verwendet. Auch die Schafgarbe enthält ein blaues ätherisches Öl mit dem bestandteil Azulen (azur=blau), das enorm wirkräftig aber auch fast unbezahlbar ist.

Folklore: Sie ist ein Bestandteil des Kräuterbüschels das an Maria Himmelfahrt geweiht wird und eines der sogenannten Bettstrohkräter, was schon ein Indikator für die Frauenheilkunde ist. Schafgarbenbüschel an den Stall gehängt sollen vor Blitzeinschlag schützen. Schafgarbenkränze wurden als Schutz vor Pest ans Haus gehängt. Die Blätter sollen auch eine Ähnlichkeit mit dem Rückgrat haben deshalb wurde ihr auch Heilkräfte gegen Rücken- und Kreuzschmerzen zugesprochen, deshalb auch der Name Herrgotts Ruckenkraut.

 Sie gehört zu den Berufkräutern:

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Farbschafgarbe (Wildform)

Die Schafgarbe soll auch eine schutzmagische Wirkung haben und die Wurzel könne als Amulett getragen oder die ganze Pflanze geräuchert werden. Zum Schutz wurden auch Schafgarbenbüschel getrocknet und ans Haus gehängt. In der magischen Sympathiemedizin wurde die Schafgarbe bei vielen Krankheiten gebraucht. Dabei gab es besondere Sammelrituale, z.B. wann und wie sie gesammelt werden musste, anschließend mussten spezielle Verse aufgesagt werden, so glaubte man, sei die Krankheit auf die Schafgarbe übertragen worden.

In Asien ist sie eine Orakelpflanze: Das sogenannte I-CHING oder I-Ging, eine Vorhersagemethode ähnlich dem Runen- oder Knochenwerfen, benutzt Schafgarbenstängel. Diese werden dann in Trigrammen gedeutet, Anordnungen von jeweils 3 Stängeln in 8 Gruppen:

Acht Trigramme – Wikipedia

Acht Trigramme – Wikipedia

Signatur: Venus/Mars, Mond/Saturn, Merkur/Jupiter(Neptun). Fast schon Panacea: Ein Allheilmittel.

Element: Erde, Wasser (Blüten)

Ein Pflanzendestillat wurde zusätzlich bei: Würmern z.B. Spulwürmer (Saturn), Mundfäule (Venus), zur Stärkung des Zahnfleisches (Saturn, Mond) und bei Hautproblemen (Mond,Saturn) verwendet. Die Schafgarbe war auch Bestandteil in Lebenselixieren, sie sollten das Gedächtnis (Mond) stärken, die Vernunft(Merkur) schärfen,  die Melancholie und Traurigkeit(Saturn) austreiben und die natürliche, angeborene Wärme (Mars) unterstützen sowie die „leblichen Geister erquicken“ (Mars, Jupiter) und vor dem „Schlag“(Jupiter)  bewahren.

Am liebsten als Tee:

Teedroge, frisch oder getrocknet, wobei das ganze Kraut Verwendung findet. Auf ½ Liter heißem Wasser etwa 4,5 g Schafgarbenkraut; 10 min., ziehen lassen und über den Tag verteilt trinken. Für einen Zyklustee oder Wechseljahresmittel kann man auch nur die Blüten verwenden.

Im Magen-Darm-Bereich:

  • Zur Anregung des Gallensaftes (Mars)
  • Bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Blähungen (Merkur)
  • Gegen Krämpfe im Magen-Darm-Bereich (Mond, Merkur)

Als echtes Frauenkraut leistet es gute Dienste bei allen Art von weiblichen Beschwerden:

  • Bei Blasenentzündung (Mond,Venus)
  • Schmerzhafte Regelblutung und Unterleibskrämpfen (Mond,Venus)
  • Unregelmäßigem Zyklus (Mond,Venus)
  • Zu starker Menstruation (Mond,Venus)
  • Wechseljahresbeschwerden (Mond,Venus)
  • Weißfluss (Mond)
  • Myome (Mond,Venus)
  • Juckreiz der Scheide (Mond,Venus)

Am besten bei einer naturheilkundigen Frauenärztin oder Heilpraktikerin nach der passenden Anwendungsform erkundigen. Vorher Ursache der Beschwerden abklären!

Bei nervöser Unruhe:

  • Schafgarbenkraut als Tee getrunken. (Neptun,Merkur)

Atemwegserkrankungen:

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Der magische Trank: Panacea Achillea.
Libation ©scrano 2013

  • Bronchitis und Husten  (Merkur) bei Erkältung.
  • Gut z.B. bei Zahnfleischblutungen

Venenmittel: (Venus und Saturn)

  • Bei Venenschwäche
  • Hämorrhoiden
  • Krampfadern

Über Arzneien mit Schafgarbe gibt es in der Apotheke Informationen, da die Heilpflanze ein recht gebräuchliches Mittel ist. Vorsicht bei Allergien gegen Korbblütler!

Kulinarisch:

Frische, junge Blätter vor allem im Frühjahr zu Wildkräuter-Salaten, zur Blutreinigung und Entschlackung***.

Die Blüten können wie Löwenzahn-oder Holderblüten für Sirup verwendet werden, er ist aber deutlich bitterer:

  • 100g frische Schafgarbenblüten oder 2 EL getrocknete (OHNE Kraut!)
  • 1 Bio-Zitrone, Schale in dünnen Spiralen
  • 2-3 EL Ahornsirup oder Honig

Schafgarbenblüten mit 1/2 Liter Wasser aufkochen, 10 Minuten simmern, abkühlen lassen. In lauwrmen Zustand durch ein Teesieb und ein Kaffefilter giessen, süssen. Kaltstellen und mit Sekt oder Prosecco geniessen. Mit der Zitronenspirale dekorieren. Dieses Getränk ist ein hervoragender Aperitiv.

Weitere Hinweise findet man in:

  • Jacobus Theodorus Tabernaemontanus Neu vollommen kräuter Buch 1731
    Reprint 1975 by Verlag Konrad Kölbl
  • Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel,
    mediamed Verlag ISBN 3-922724-05-1
  • Paracelsus: Sämtliche Werke

By Ghislain118 http://www.fleurs-des-montagnes.net (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Gelbe Schafgarbe, hübsch im Blumenbeet.

***Das leidige Thema Schlacken:

Natürlich gibt es sie nicht im simplen Deutungszusammenhang, aber unerfreuliche Stoffwechselzwischenprodukte, sog, toxische Metaboliten, die sich ansammeln und schädlich (z.B. entzündlich) sein können, werden durch sogenannte Blutreinigungskuren mit Pflanzenmitteln durchaus ausgeleitet. Im Körperfett aber auch in anderen “Abfallsammlern” des Körpers können solche Stoffe zusammen mit Umweltgiften lange Zeit eingelagert werden. Wenn man abnimmt muss man daher sehr viel trinken, da die Konzentration der problematischen Substanzen ansteigt, sie werden regelrecht mobilisiert. Das regelmässige “Durchputzen” (wichtig dabei : auch hier sehr viel trinken) entlastet den Organismus, vor allem wenn man bei der Frühjahrskur ein wenig Winter-Speck verliert.  Welche Konzentrationen abgesehen von pathologischen Leveln, wie sie bei Menschen mit Nieren und Leberschäden auftreten (dann muss man zur Dialyse, oder die Stoffe im Darm binden und ausspülen) beim Gesunden kritisch sind, ist wohl auf ewig strittig. Andererseits, der Mensch ist kein Wassereimer sondern besteht aus lebendigen Mikrostrukturen, deren Funktion bei lokalen Toxizitäten wohl auch schon gestört werden kann,  wenn die Blutkonzentration noch nicht gleich tödlich ist. Daher: Eine Pflanzenkur von Zeit zu Zeit schadet wohl nicht, auch zur Anregung der Verdauung. Von solchen Brachialmassnahmen wie mit Druckwasserspülung am Enddarm anzusetzen, halte ich allerdings persönlich nichts. Das ist quasi die “verkehrte” Richtung. Ausser bei hartnäckiger Verstopfung sind solche Methoden wohl eher unangebracht. Übrigens ist diese sogeannte Darmreinigung nichts Neues: Sie wurde besonders gern bereits im 18. Jhd. und auch der Viktorianischen Zeit des 19. Jhds. praktiziert. Schriftlich bezeugte  Ursprünge liegen wohl im alten Ägypten aber auch in Griechenland und Rom oder der ayurvedischen Medizin. Es wurden neben Laxantien auch Klistiere angewendet, da alle diese Medizinformen von einer Reinigung der Körpersäfte zu Therapiezwecken ausgehen. Trotzdem waren diese antiken Verabreichungen wohl milder und weniger “tiefgehend”.

 

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