Archive for August 20th, 2015

 

Goldene Pracht des Spätsommers: Sonnenblumen

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Letzer Gruss der Sommersonne:
Sonnenblumen im August und September ©beast666

Keine Blume repräsentiert das Zeichen Löwe besser: Stolze Sonnenblume, ihre  imposante und auffällige Gestalt von bis 2m Höhe zieht sofort bewundernde Blicke an.

Der lateinische Namen Helianthus setzt sich aus den griechischen Worten helios (Sonne) und anthos (Blume) zusammen. Ihren botanischen Namen verdankt sie der Interpretation eines Gedichtes des römischen Schriftstellers Ovid:

Ein junges Mädchen namens Clytia hatte sich in den Sonnengott Helios oder Apollon verliebt, der ihre Liebe leider nicht erwiderte. Ihre Leidenschaft war so groß, dass sie die ganze Zeit damit verbrachte, ihn anzuschauen; letztendlich verwandelte sie sich in Helianthemum, die Blume, die sich stets zur Sonne dreht.

Die Sonnenblume und einige andere Arten wenden stets die Blüte, manche auch ihre Blätter der Sonne zu. Das bezeichnet man als Heliotropismus. Diese Eigenschaft nutzte man in alten Zeit als Zeitmesser und auch zur Bestimmung der Himmelsrichtung. Daher nennt man die Sonnenblume auch eine Kompasspflanze.

Die Blüten erinnern tatsächlich an eine große Sonne und die Blütenköpfe wenden sich im Laufe des Tages auch der Sonne zu. Der Blütenboden kann einen Durchmesser von 50 cm erreichen und besteht aus ca.18 000 spiralförmig angeordneten Blüten, die von einem Ring aus leuchtend gelben Blütenblättern umrahmt sind. Die Spiralen sind im Samen-Stadium besonders gut sichtbar und folgen den Proportionen des Goldenen Schnitt oder der Fibunacci-Folge.  Auch im vegetativen Bereich sind die Seitenorgane (Blätter und Blütenstände) so angeordnet, dass die Pflanze die beste Lichtausbeute erzielt. Der Versatz um das irrationale Verhältnis des Goldenen Winkels sorgt dafür, dass ein Organ nie genau senkrecht über einem anderen steht, sondern diese sich bei optimaler Raumnutzung gegenseitig nur wenig beschatten. Der reichliche Nektar wird gern von Insekten, besonders auch der Honigbiene, gesammelt. Die Blütenblätter werden auch als Färbemittel benutzt und schmücken Kräutertees.

Fibunacci-Proportionen

Fibunacci-Proportionen

Aber nicht nur Optik hat die Pflanze zu bieten: Wie viele Gewächse mit Sonnen-Signatur enthät sie wertvolle Öle oder Harze, hier findet man sie in den grossen, dunkelschaligen Kernen. Ihre Inhaltstoffe machen sie zu begehrten Feldfrüchten. Daher wird die Sonnenblume auch regelrecht angebaut: In der Toskana oder Südfrankreich, aber auch der Ukraine und Südrussland breiten sich goldene Felder aus, in manchen Regionen prägen sie sogar das Landschaftsbild. Aber auch in unseren Breiten sieht man die eindrucksvollen Blumen seit einiger Zeit nicht mehr nur im Bauergarten. Für die Landwirtschaft stehen mittlerweile Ertrags-Sorten mit besonders grossen Kernen zur Verfügung. Als Einstreu ist Stroh aus den Grün-Anteilen nicht gut geeinget, dafür fertigten in Ungarn Hirten aus den hohlen Stengeln der Sonnenblume gerne Flöten.

Je nach Sorte entwickeln sich aus den schönen Blüten graugrüne oder schwarze Samen, die Sonnenblumenkerne, aus denen dann das begehrte Öl gepresst wird, das einen hohen Anteilan essentieller Linolsäure hat, und im Zusammenhang mit gesunder Ernährung als z.B. Vitamin E-Träger eine wichtige Rolle spielt. Es kann erhitzt werden und eignet sich in der Küche für vielerlei Zwecke, da es relativ geschmacksneutral ist. In der Kosmetik wird das Öl der Sonnenblumenkerne wegen seiner lindernden und schützenden Eigenschaften verwendet. Außerdem sind die Sonnenblumenkerne bei Backwaren wie Brötchen oder Brot, in geschälter Form oder ganz auch als Snack beliebt. Vögel schätzen die nahrhaften Samen als Winterfutter. Nicht zuletzt sind Sonnenblumenkerne auch ein guter Eiweisslieferant.

Die Pflanzengattung der Sonnenblumen stammt ursprünglich aus Peru und Mexiko und wurde als Symbol des Sonnengottes verehrt und an vielen Kultstätten abgebildet. Archäologische Funde belegen, dass die amerikanischen Ureinwohner bereits vor 5000 Jahren die ölhaltigen Samenkerne sowie auch die Stiele, Blüten und Wurzeln der Pflanze in der Medizin nutzten. Ab dem 15. Jahrhundert wurde sie von den Spaniern in Europa gezüchtet und gelangte danach in andere europäische Länder. In der russischen und ukrainischen Volksmedizin wird Sonnenblumenöl für Ölkuren verwendet. Bei der auch als Ölziehen bezeichneten Praktik soll der Organismus entgiftet und entschlackt werden. Hinweise auf eine Wirkung gibt es allerdings nicht. Wobei das schwer nachzuweisen ist, da die Schulmedizin das Konzept von Schlacken bisher ablehnt. Biochemisch gesehen gibt  sie aber tatsächlich: Toxische Metaboliten, deren übermässige Anhäufung in z.b. Zellzwischenräumen schon für gesundheitliches Misbefinden sorgen können. Purgiermittel waren in der Medizin des Altertums in allen Kulturen verbreitet. Die russische Ölziehkur errinnert mich an ayurvedische Methoden, die ein ähnliches Ziel verfolgen.

Die Sonnenblume
möchte dich begrüßen
dieweil sie sich so gern zur Sonne wendet.
Nur steht zur Zeit
sie noch zurückgewiesen;
doch du erscheinst
und sie ist gleich vollendet

Johann Wolfgang von Goethe

Die Sonnenblume bewahrt etwas vom sommerlichen Glanz.

Die Sonnenblume bewahrt etwas vom sommerlichen Glanz.
©beast666

Ebenfalls zu den Sonnenblumen gehört das Wurzelgemüse Topinambur, auch eine von amerikanischen Ureinwohnern stammende Nahrungspflanze. Ihre knollenartigen Speicherwurzeln enthalten Inulin, ein für Diabetiker wertvolles Kohlenhydrat, welches auch hilft, die Darmflora gesund zu erhalten. Daneben Antioxidantien, krebs- und virushemmende Wirkstoffe und sehr viel entwässerndes Kalium sowie eine für Pflanzen hohe Konzentration an biologisch verwertbrem Eisen. Besonders zur Gewichtsreduktion geeignet, da länger sättigend als Kartoffeln, dank vieler Ballaststoffe.

Hierzulande wird Topinambur hauptsächlich in Süddeutschland angebaut, unter dem Namen Erdbirne oder Erdartischocke kann man sie im Spätherbst auf Märkten finden. In Baden-Württemberg und Bayern wird aus der Knolle Schnaps gebrannt, hier heisst die kleinblütige Sonnenblumenart deshalb auch Schnapswurzel. Wenn man die Knollen verzehren will, sollte man wie bei Kartoffeln tüchtig Kümmel beigeben, da wegen der Polysaccharide bei empfindlichen Menschen Darmwinde entstehen können. Das ist auch bei anderen stärker ballaststoffhaltigen Nahrungsmitteln der Fall, vor allem wenn an seine Ernährung erst kürzlich umgestellt hat.

Rezepte mit Topiambur: Knollen entweder schälen oder unter fliessendem Wasser abbürsten. Sie eigen sich geraspelt zum Rohverzehr, zusammen beispielsweise mit Äpfeln und Nüssen. Da an Luft Braunfärbung eintritt: Etwas Zitronensaft lässt sie schön hell bleiben. Ansonsten kann man sie dünsten oder weichkochen und pürieren, eine Beilage zu Fisch oder Fleisch. Auch in Scheiben geschnitten und in Buter gebraten mit Rosmarin und Thymian eine leckere Beilage. Für eifrige Brotbäcker ein Tipp: Wie bei Maronen gibt es Topinambur in Form von Mehl, auch weil er keine so lange Lagerfähigkeit hat wie Kartoffeln. Dieses Mehl eignet sich gut für Mischbrote, mit z.B. Dinkel.

Waiting

Waiting for the Light … Knospen der Sonnenblume haben eine
besondere Ausstrahlung. Feld im Spätsommer – es liefert zusätzlich
eine gute Bienenweide.

 

Posted by on August 20th, 2015 Kommentare deaktiviert