Archive for September 1st, 2015

 

Lady Liberty: Freimaurerdenkmal “made in France”

Ralf Roletschek / fahrradmonteur.de

Batholdi Denkmal in Colmar

Ob Wahlspruch der Französischen Revolution: “Liberte, Egalite, Fraternite” oder  auch deren Kampflied und spätere Nationalhymne ”Marseillaise” : Sie stammen beide von Freimaurern. Nicht zuletzt kamen aus den Reihen der universellen Bruderschaft aber auch die Schöpfer des bekanntesten Symbol für (Geistes)-Freiheit: Lady Liberty.

Das meistfotografierte Wahrzeichen von New York ist ohne Zweifel die fackeltragende Freiheitsstatue, das Symbol für Freiheit in der ganzen Welt. Nur wenige ausserhalb der USA wissen, dass dies ein freimaurerisches Werk ist. Der Schöpfer, Frédéric-Auguste Bartholdi war ein Freimaurer. Gustave Eiffel, auch ein Bruder, der den Eiffelturm in Paris konstruiert hatte, lieferte die technischen Voraussetzungen für die Innenverstrebung, das Tragegerüst.  Freimaurer in Frankreich sammelten das Geld für die Statue, amerikanische Logen finanzierten den Sockel mit dem berühmten und vielzitierten Spruch von Emma Lazarus, und schliesslich legte die Grossloge von New York den Grundstein für das einzigartige Werk.

 1865 regte der französische Politiker Leboulay den jungen Bildhauer Bartholdi zur Schaffung eines Monumentes an, das die im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg geknüpften Bande zwischen Frankreich und Amerika verherrlichen sollte. Bartholdi gefiel die Idee, gab sie ihm doch die Möglichkeit, seine Vorliebe für monumentale Bildhauerkunst auszuleben. Er griff auf einen Entwurf für eine Statue zurück, die für den Nordeingang des Suezkanals geplant war, aber nie realisiert werden konnte.

Inspiration für seine Idee einer Skulptur nach dem Vorbild des Koloss von Rhodos, eines der sieben Weltwunder, erhielt Bartholdi auf einer Ägypten-Reise. Fortan war er von dem Gedanken besessen, einen gewaltigen Leuchtturm in der Gestalt einer 28 Meter hohen, fackeltragenden Verkörperung der Göttin Isis, über der nördlichen Einfahrt des Sueskanals thronen zu lassen. Motto der Figur: “Das Licht des Fortschritts leuchtet nach Asien”.

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Lady Liberty in Colmar. Eine weitere Kopie von ihr steht am Ufer der Seine in Paris, sehr romantisch beleuchtet. ©beast666

Fortan war es Bartholdi’s unbedingter Vorsatz, diese Statue zu verwirklichen, und er ließ sich auch von den Krieg,(1870/71) oder finanziellen Engpässen nicht von seinem Ziel abbringen. Ab 1875 entwarf und baute er verschiedene zwischen ein und elf Meter hohe Ton- und Gipsmodelle der amerikanischen Freiheitsstatue. Vorbild des Gesichts soll seine Mutter, das Modell für den Körper seine Ehefrau gewesen sein. Der geniale Ingenieur Maurice Koechlin entwickelte ab 1879 ein ausgeklügeltes Trägersystem für das Monument, das alleine 127 Tonnen wiegt.

Im Sommer 1884 schließlich fand in Paris die Probe-Endmontage der aus dreihundert getriebenen Kupferplatten bestehenden Statue statt, bevor sie schließlich, zerlegt und verpackt in 200 Kisten an Bord des Dampfers Isère, als Geschenk des französischen Volkes an ihren Zielort Liberty Island vor New York gebracht wurde. Am 28. Oktober 1886 wurde die Freiheitsstatue schliesslich eingeweiht.

Zur Ikonographie der Kolossalstatue:

Es ist die römische Göttin Libertas, Allegorie der Freiheit, wie auf dem berühmten Revolutionsgemälde von Delacroix. Allerdings musste man wegen der amerikanischen Prüderie die ursprüngliche Barbusigkeit züchtig verhüllen. Daher wirkt sie ein wenig plump, was dann wiederum auch mokiert wurde.

Die von einem Strahlendiadem gekrönte Freiheitsgöttin steht auf den zerbrochenen Ketten der Sklaverei. Die Strahlen der Krone versinnbildlichen die heilige Zahl Sieben, mit ihrem symbolischen Bezug zur Sonne und der Vernunft. In der erhobenen rechten Hand hält sie eine bei Dunkelheit erleuchtete Fackel und in der linken eine Inschrifttafel mit dem Datum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung: July 4th 1776. Diese Tafel ist in Form eines Schluss-Steins gearbeitet und stellt eigentlich ein Gesetzbuch dar. Der Keystone, oder Schluss-Stein ist ein Freimaurersymbol und steht für das “Grosse Werk”, den Tempelbau der Humanität.

In vieler Hinsicht erinnert die Symbolik der Statue an eine weitere freimaurerische Leitfigur, nämlich Asträa, der  griechischen Verkörperung des natürlichen Rechts und der Vernunft. Statt einer Waage hält sie nun Unabhängigkeitserklärung und Verfassung, vor der alle Menschen gleich sind, das Schwert der Gerechtigkeit wird zur Fackel des Geistes. Nicht umsonst war “Common Sense“, ein Werk über Vernunft und Menschenrechte, von Querdenker Thomas Paine eines der einflussreichsten Werke für die amerikanische Revolution. Die Fackel der Freiheit – das Licht der Vernunft, aber auch promethianische Verheissung. Bei soviel Licht gibt es zwangsläufig auch Schatten: Verschwörungstheoretiker sehen hier Luzifer verkörpert – nun liebe Paranoiker, Luzifer heisst zwar “Träger des Lichts” und wird mythologisch durchaus mit Prometheus in Verbindung gebracht. Aber, ihr angeblich so Bibelfesten: Luzifer ist nicht Satan, lest Eure Schriften mal, statt nur darüber herumzuschwurbeln:

Das Wort Luzifer oder Phosphoros, bedeutet Lichtbringer und ist die Verkörperung des Morgensterns, das Licht im Osten, das den Sonnenaufgang ankündigt. Nicht nur Eure babylonische Hure Ishtar ist der Morgenstern, auch Jesus wird so bezeichnet – es ist einfach eine gebräuchliche, orientalische Metapher. Die Beziehung der Symbolik von Lady Liberty zur Sonne steckt neben dem strahlenförmigen Diadem wie bei Apollon oder Helios, auch in der Zahl Sieben, die häufig auftaucht. So interpretiert man die  7 Strahlen der Krone als die klassischen Planeten des antiken Sonnensystems, Tage der Woche,  52 Wochen des solaren Jahres -> QS=7, die sieben Meere (also die ganze Welt) usw. Auch im Masstab und den Proportionen der Figur ist die Sieben eingearbeitet. Die Zahl Sieben war bei den alten Griechen auch die Zahl Athenas, einer weiteren Verkörperung von Weisheit und Verstand.

Für uns Freimaurer wohnt das Licht der Vernunft und der Hoffnung im Osten, der Morgenröte, wo Asträa als Verkörperung der Wahrheit und Menschenliebe wieder erscheinen wird, wenn das Goldene Zeitalter anbricht, und die Finsternis von Dummheit, Gier und Gewalt von der Erde weicht.

Nicht umsonst steht auf ihrem Sockel ein Text aus einem Gedicht von Emma Lazarus:

The New Colossus

Not like the brazen giant of Greek fame,
With conquering limbs astride from land to land;
Here at our sea-washed, sunset gates shall stand
A mighty woman with a torch, whose flame
Is the imprisoned lightning, and her name:
Mother of Exiles. From her beacon-hand
Glows world-wide welcome; her mild eyes command
The air-bridged harbor that twin cities frame.
“Keep, ancient lands, your storied pomp!” cries she
With silent lips. “Give me your tired, your poor,
Your huddled masses yearning to breathe free,
The wretched refuse of your teeming shore.
Send these, the homeless, tempest-tossed to me,
I lift my lamp beside the golden door!”

Emma Lazarus, 1883
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Bartholdi Geburtshaus-und Museum in Colmar.

 

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Posted by on September 1st, 2015 2 Comments