21. September: Mabon, Fruchtfest – Apfelernte und Klimaproteste

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Gartenelfe mit Aroniabeeren aus unserem Garten

 Wieder so  viele Äpfel dieses Jahr, wie 2014?

In der Menge ja, aber in der Qualität leider nicht, wegen der Trockenheit sind die Früchte eher klein. Unsere Apfelbäume als “Alte Sorten” tragen nur im Zwei-Jahresrythmus reichlich, daher ist nächstes Jahr auch nicht viel drin. Es gibt aber immer noch genug, um sich auf Apfelstrudel, Most und Bratäpfel zu freuen!

Mabon, das Frucht-und Weinfest ist eines der Erntedankfeste. Daher sollte man an all die Gaben denken, mit denen uns Mutter Erde versorgt – und wie undankbar sind wir dafür.

Überall macht sich eine Räuber- und Plünderermentalität breit, statt Achtsamkeit und logisches Denken. Grenzenlose Dummheit ist wohl ein echt globales Phänomen. Denn letztlich sägen wir am eigenen Ast: Die Erde kann sehr wohl ohne uns – wir aber nicht ohne sie. Auch wenn einige Spinner schon von Terraforming träumen: Was für eine Heuschreckenmentaliät. Das was uns anvertraut wurde, verwüsten wir, aus anthropozentrischer Arroganz und Gottesgnadentum. Wobei zu letzterem auch sehr schlichte Weltanschauungen diverser Buchreligionen beitragen. Von den Nihilisten aus dem Plutokratenlager ganz zu schweigen. Terraforming ist eine komplette Idiotie, wir haben unser eigenes Ökosystem nicht einmal richtig verstanden, schon überlegen wir wie wir andere Planeten zugrunde richten können. Von einer fragwürdigen Moral abgesehen: Terrraforming heisst unter Umständen den auf dem Zielplaneten bereits existierenden Lebensformen den Garaus zu machen. Eine typisch technokratische Überlegung, von Hybris und Zynismus befeuert. Vielleicht auch nur von niedrigen  Instinkten getrieben wie im Ameisenstaat bzw. Heuschreckenschwarm. Selbst in SciFi-Serien wie Stargate SG-1 hat man die mangelnde Ethik solcher Planspiele kritisiert.

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Apfelsaison zu Mabon, dem Fest der Frucht- und Weinernte.

Wenn man noch mit dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten im Einklang ist, empfindet man das September-Äquinoktium  auch als den Punkt einer ersten Rückschau, der inneren Sammlung, des langsamer Werdens.  Es ist der Höhepunkt des Herbstes.  Zeit zum Innehalten und der stiller werdenden Natur zu lauschen. Den letzten Flammen des sommerlichen solaren Feuers in den bunten Blättern nachspüren. Sich bewusst als Teil der Natur empfinden: Dann fühlt man das lebendige in Allem auf dieser Welt, und dass es kostbar ist. Entschleunigung täte not, aber das stört den Konsummotor, und man hätte Zeit nachzudenken, statt den neuesten Trends nachzujagen. Doch damit ist man nur der Erfüllungsgehilfe für die Wünsche anderer. Überbordender Konsum heisst die Erwartungshaltung derer  zu erfüllen, die daraus einen Vorteil ziehen. Zu viel von  Huxley’s “Brave New World” in dieser Zeit.

Für Menschen, die sich noch den Naturreligionen verbunden fühlen, ist die Herbst-Tag-und Nachtgleiche tatsächlich noch die Zeit für das zweite Erntefest: Mabon, an dem für die Gaben der Frucht- und Weinernte gedankt wird.

In diesem Sinne: Ein fröhliches Mabon, einen reichen Erntesegen, und einen guten Start in den Winter. Seid achtsam auf Euch selbst und werdet aktiv! Der Wechsel der Sonne an den Sonnenwenden/Equinoktien findet immer in ein kardinales Zeichen statt: Das heisst mutig voranschreiten, wie der Widder, dem Bauchgefühl folgen wie der Krebs, gerecht sein wie die Waage,  und ausdauernd wie der Steinbock. Um noch eine Chance auf ein gutes Ende zu haben, für eine Zukunft, die wir mitgestalten müssen, soll davon noch etwas übrigbleiben.

Ambrosia

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Mabon ist eines der acht Eckfeste, die bei den vorchristlichen, europäischen Völkern mit Feuerzeremonien in Verbindung standen:

Mabon: Herbstfeuer

Sonne an Mabon: Herbstfeuer ersetzen jetzt ihre Wärme

Doch jetzt noch was Leckeres:

Apfelstrudel:

  •  300 g Mehl (Wiener Griessler, doppeltgriffiges Mehl klappt am Besten)
  • 5 El Öl (Raps, Saflor)
  • 50 g Butter
  • 50 g Sultaninen ohne Schwefel
  • 4 El brauner Rum
  • 50 g gehackte Mandeln
  • 100 g Butter
  • 50 g Semmelbrösel (selbst gerieben!)
  • 110 g  Demerara-Feinzucker
  • 1 Bio-Zitrone
  • 1 kg säuerliche Äpfel , (z.B. Boskop, Elstar,  Geheimrat Dr. Oldenburg oder mein Liebling: Sternrenette – eine alte Sorte mit rot geädertem Fruchfleisch***)
  • 0,5 Tl Zimtpulver
  • 1 Prise Salz
  • Mehl zum Bearbeiten
  • Außerdem:Küchentuch & Backpapier
  • Holz-Backbrett

Zubereitung

1. Sultaninen mit Rum mischen und ziehen lassen (über Nacht). Mandeln in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten und beiseite stellen. 50 g Butter in der Pfanne zerlassen und Semmelbrösel kurz darin rösten. 50 g Zucker hinzufügen und abkühlen lassen.

2. Mehl, 1 Prise Salz, 4 El Öl und 150 ml lauwarmes Wasser in eine Schüssel geben und verrühren. Den Teig auf einem Holz-Backbrett mit den Händen kneten, bis er glatt und geschmeidig ist. Maximal 8 Minuten kneten – sonst wird der Teig zu fest und reißt. Zu einer Kugel formen, mit dem restlichen Öl einreiben und auf einen Teller legen. Den Teig unter einem heißen Topf ruhen lassen. Dazu etwas Wasser in einem Topf aufkochen, ausgießen und den Topf über den Teig stülpen. Im 50° warmen Backrohr und einem nassen Tuch über einer Keramikschüssel  geht der Teig auch gut. Mindestens 30 Minuten ruhen lassen.

3. 1 Tl Zitronenschale fein abreiben und 4 El Saft auspressen. Äpfel schälen, vierteln, Kernhaus ausstechen und in 5 mm dicke Spalten schneiden. Apfelscheiben in einer Schüssel mit Zitronensaft und -schale, Sultaninen, Rum, Mandeln, dem restlichen Zucker, Zimt und 1 Prise Salz mischen. Zitronensaft verhindert das Braunwerden der Äpfel.

4. Butter zerlassen und beiseite stellen. Den Strudelteig auf einem leicht bemehlten Küchentuch flach drücken, dann mit einem Nudelholz ausrollen. Teig mit beiden Händen hochheben und über den Handrücken hauchdünn auf ca. 60 x 60 cm ausziehen, dabei drehen.. Den Teig mit der Hälfte der Butter dünn einpinseln. Semmelbrösel auf dem unteren Teigviertel verteilen, dabei jeweils einen 3 cm breiten Rand lassen. Die Apfel-Füllung auf den Bröseln verteilen. Die Außenseiten über die Füllung klappen. Den Strudel mithilfe eines Küchentuchs aufrollen und mit der Nahtstelle nach unten auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Strudel mit der restlichen zerlassenen Butter bepinseln. Im vorgeheizten Backofen auf der 2. Schiene von unten bei Umluft, 180° C, 30–35 Minuten backen. Abbgekühlten Strudel mit Puderzucker bestäuben. Eignet sich auch gut zum portionsweisen Einfrieren.

5. Vanille-Sauce: Aus Saucenpulver zum Kochen, nicht das aufdriglich aromatisierte Instant-Zeug verwenden!

Hüftgold: 450 kcal/Stück

Immer Bio-Zutaten, wenn möglich mit Transfair-Label!

wicca

***Sternrenette liefert auch ein tolles Apfelmus, pfisichrosa mit wunderbarem Aroma.

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Reife Birnen: Alexander Lukas, eine feste Kompottbirne, besonders lecker:
Engemacht mit Zimt und Nelken, das gab es immer bei fiebrigen Erkältungen.

Auch Birnen werden jetzt geerntet, die Traubenlese beginnt. Im Garten sind auch noch späte Holunderbeeren und Aronias (Aronia melanocarpa) anzutreffen, beide liefern violett-schwarze Früchte mit verborgenen Schätzen: Vitaminbomben und voller sekundärer Pflanzenstoffe, die als Antioxidantien wirken.  Wohlschmeckende Marmelade, Saft oder Likör lässt sich daraus zubereiten. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ertrag und der Resistenz gegen Schädlinge der nordamerikanischen Apfelbeere, wie dieser fruchttragende Busch auch heisst. Die Aronia-Pflanze ist als Rosengewächs wirklich mit den Äpfeln verwandt, obwohl ihre Doldenblüten eher an Ebereschen erinnern, mit denen sie zum Obstbau in Russland sogar gekreuzt wurde. Auch unsere Gartenelfen freut soviel wertvolle Nützlichkeit. Mit der Sonne in der Waage werden die Hagebutten reif, Frau Venus sorgt mit den Früchten ihrer Wappenblume für die Vitamin-C Versorgung der Menschen im Winter. Hagebuttenmark und getrocknete Schalen waren sehr wichtig gegen Skorbut, als es im Winter kaum Frischobst gab. Aus den Kernchen wurde Tee bereitet, der nach Vanille duftet.

In der antiken Welt waren in der Zeit der Herbst-Tag-und Nachtgleiche die Mysterien von Eleusis angesiedelt, deren Inhalt der Kreislauf von Werden und Vergehen, aber auch die Unsterblichkeit der Seele thematisierte. Die antiken Kulte der Grossen Mutter, zu denen auch  die Feierlichkeiten von Eleusis gehörten, werde ich noch gesondert behandeln.
Bei den alten Germanen wurde um diese Zeit das große Herbstthing abgehalten. Sie dankten in erster Linie dem Donnergott Thor für die glückliche Einbringung der Ernte. Die Schnitter klopften nach dem Schärfen ihrer Sensen mit deren Holzgriff dreimal auf den Schleifstein, mit der  Anrufung Thor, Thor, Thor, oder der älteren Variante Tyr, Tyr,Tyr – daher kommt  “Toi, Toi, Toi!
Den Göttern wurde an diesem dreitägigen Fest für die Ernte gedankt. Als Opfer wurde der letzte Apfel am Baum hängen gelassen, die letzte Wolle zwischen den Ohren beim Schaf nicht geschoren. Bei den Kelten blieb die letzte Garbe, die Roggenmuhme oder Kornmutter auf dem Feld. Sie wurde zusammengeflochten und mit gelben und weissen Blumen geschmückt (Kamille, Alant, Arnika), stellvertetend für die Sonne. So glaubte man die Fruchtbarkeit des Feldes über den Winter quasi zu konservieren.

Bei allen Erntefesten wurde auch hier ein gemeinsames Mahl abgehalten, bei den Teile der Gaben der Ermutter geopfert wurden, auch Erntefeuer, um die getanzt wurde, brannten wohl bei allen bäuerlichen Kulturen.

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Mabon Strauss: Mit kleinen Äpfeln, Dahlien und Hagebutten.

Rituale mit Freunden, zuhause oder an einem geeigneten Platz in der Natur, an dem ein kleines Erntefeuer erlaubt ist.

  • Ein gemeinsames Essen oder Picknick  mit frisch gebackenem Brot, Maronen, Pilzen, Wurzelgemüse, Kartoffeln, Äpfeln und Birnen, Brombeeren, Weintrauben. Frischer Apfel- und Traubensaft als Getränk und Libation. Oder ein leckerer Apfelstrudel, wie in meinem Rezept.
  • Ein frisch gezapftes Bier aus einer kleinen Familien-Brauerei gehört in Ländern mit keltisch/germanischer Tradition auf jeden Fall zum Brauchtum: Jetzt wurde die Hopfenernte eingebracht, die Tage werden kühler. die Brausaison startet. Hopfen ist ein Hanfgewächs, mit dem Cannabis und der Brennessel verwandt. Seine Signatur ist Merkur/Neptun, daher passt er sehr gut in berauschende Getränke. Ausserdem dient er der Haltbarmachung. Mönche entdeckten dieses eigentlich alte Verfahren schon früh für sich, auch den für sie günstigen Nebeneffekt des Rankengewächses: Wie viele Neptunspflanzen ist er ein Anaphrodisiakum.  Er enthält ausserdem Phytoöstrogene, die bei übertriebenen Genuss zu den belächelten “Biertitten” führen können. Schon von den Alemannen des 7. Jhds ist gehopftes Bier überliefert. Die Theorie, dass Bilsenkraut früher eine übliche Bierzutat war halte ich für eher übertrieben, da für ein alltägliches Getränk und Ersatznahrungsmitel die drastischen Wirkungen dieser, zudem giftigen Pflanze, wohl nicht gewünscht waren. In sogenannten “berüchtigten” Schankstuben oder Badhäusern mit schlechtem Ruf gab es Bier mit diversen Rauschzusätzen sehr wohl: Bilsenkraut, Stechapfel und andere vor allem stimulierende Substanzen (pflanzliches Viagra: Stechapfel  und Bilsen erzeugen eine starke Erektion und gleich ein paar heftig erotische Träume dazu). Nicht gaz ungefährlich, da beide Pflanzen stark toxische Alkaloide enthalten.
  • Kastanien, Eicheln, Bucheckern, Nüsse, buntes Weinlaub aber auch Efeu und Hopfenranken, letzte Getreideähren und rotbackige Äpfel ergeben eine schöne saisonale Dekoration. Mit passenden Kerzen auf  Keramik- oder Holztellern anordnen.
  • Sonnenblumen, Dahlien, Brombeerranken, Hagebutten, Ebereschenbeeren und Sedum lassen sich zu prächtigen Herbststräussen für den Schrein oder Meditationsplatz arrangieren.
  • Von selbstgeerntetem Obst im eigenen Garten etwas für die Tierwelt übriglassen – unter den Beerensträuchern z.B. Fallobst.

Räuchern und Danken:

  • Beifuss, Salbei, Ringelblume, Myrrhe, Apfelschalen in einem Mörser zu Pulver mahlen, kleine Prisen auf Holkohle streuen.
  • An Mabon zum Räucherritual farbige Kerzen anzünden: Braun, dunkelrot und grün. Auf einem Keramikteller mit sieben oder neun Teelichten umstellen (astrologische Zuordnung oder Mondzyklen seit Neujahr).

 

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This entry was posted on Montag, September 21st, 2015 at 02:03 and is filed under Alchemistenküche, Daily Sledgehammer, Heilpflanzen, Kräuterhex, Kulinarisch, magisch, Planeten-Archetypen, Political Incorrectness, Seasons Greetings, Signaturen, Vitriol. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

 
 

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