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Hexenküche nicht nur im Advent: St. Hildegards psychoaktive Nervenkekse

HILDEGARD-KEKSE

Hildegard

St. Hildegardis

Zutaten:

  • 35g Muskatnusspulver,
  • 40g Zimtpulver, kein Cassia-Zimt!
  • 10g Gewürznelkenpulver,
  • 1000g Dinkelfeinmehl,
  • 300g grob gemahlene Mandeln,
  • 300g Rohrzucker,
  • 500g Butter,
  • 3 Eier,
  • 1 Prise Salz
  • alle Zutaten in BIO-Qualität, daher Gewürze frisch vermahlen!

Zubereitung:

Die Gewürzpulver mischen, unter das Mehl mengen und mit den übrigen Zutaten einen Knetteig herstellen, kalt stellen und davon Kekse backen  -  ausgestochene Plätzchen sind am Besten! Auf Backpapier geben und bei OH/UH 180° C ca. 5-8 Minuten backen, Heissluft ca. 160 °C: 10-12 min. Mit Heissluft gelingen sie besser. Von diesen Keksen soll man je nach Größe  4-8 Stück über den Tag verteilt essen. Feinschmecker können dem Teig noch zusätzlich feingehackte Mandeln zugeben oder die Plätzchen mit geschälten Mandeln oder Mandelplättchen garnieren. Besonders, wenn man dickere “Cookies” bäckt. Dann bei 160° Heissluft 13-15 min.

Ich nehme eine Mischung von Feinstzucker und echtem Vanillezucker und wende die noch heissen Plätzchen darin.

Achtung: KEIN Alkohol zusammen mit Muskatnuss! Die Muskat-Dosis in den Plätzchen reicht zwar nur für ein angenehmes Relax-Gefühl, aber trotzdem!

Eine festlichere Variante, die sich auch zur Weihnachtsbäckerei eignet, gibt es hier, bei der Adventsbäckerei.

 

Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen

Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen

Die Muskatnuss, ein altes Rauschmittel des Orients:

Die Nuss enthält zu großen Teilen den psychotropen Wirkstoff Myristicin, welcher das Hauptagens  für die halluzinogenen Eigenschaften ist und von nicht wenigen Menschen im Körper zu MMDA verstoffwechselt werden kann. MMDA weist strukturelle Ähnlichkeiten mit Meskalin aus der Lophophora williamsii (Schnapskopf-Kaktus, Peyotl) auf. Dazu kommen in der  Muskatnuss zu kleineren Teilen noch die psychoaktiven Wirkstoffe Elemicin und Safrol. Myristicin ist ein sogenannter MAO-Hemmer. Die Wirkung von MAO (Mono-Amin-Oxidase, ein Enzym) Hemmern wird folgendermassen beschrieben:

  • Steigerung des Antriebes
  • Verbesserung der Stimmung
  • Steigerung der Potenz –> als Beimengung von Kautabaken
  • unerwünschte psychische Agitationsteigerungen
  • Steigerung der Suizidgefahr
  • Delirium

Nun, soweit scheinen zumindest gewisse MAO-Hemmer als Rauschmittel geeignet (mit deutlichen Nebenwirkungen  wie mindestens starke Übelkeit und Kopfschmerzen!). Es gibt aber eine schwerwiegende Komplikation. Das MAO-Enzym ist nicht nur für den Abbau von körpereigenen Aminen, sondern auch für den von Fremdaminen verantwortlich. Ohne MAO-Hemmer im Körper werden diese Amine ganz normal verstoffwechselt und sind völlig ungefährlich. Sobald aber die Wirkung von MAO ausgeschaltet ist, können diese Amine sehr gefährlich werden. Demzufolge kommen oben genannte Begleiterscheinungen durch eine veritable Vergiftung zustande ! Die unkontrollierte Anwendung von MAO-Hemmern zusammen mit anderen Stoffen ist daher schwer LEBENSGEFÄHRLICH. Ein paar Beispiele aus dem Bereich der Ethnomedizin, mit dem jeweiligen Drogen-Wirkstoff, welche normalerweise auch nur von kundigen Heilern verabreicht werden:

  • Ayahuasca, Yahe
    (Harmin)
  • Muskatnuss
    (Elemicin, Myristicin, Safrol)
  • Passionsblume –> ein gebräuchlicher Stimmungsaufheller
    (Harmin)
  • Steppenraute
    (Harmin)

Es gibt ältere Antidepressiva vom Typ MAO-Hemmer, die auch nicht unproblematisch sind. Die Wirkung von DMT-Rauschmitteln wie Ayahuasca, DER kultischen oder Schamanendroge wird erst durch den MAO Hemmer möglich, eine quasi binäre Droge also, wie auch Yahe. Eine solche binäre Wirkung mit MAO-Hemmern gibt es auch bei:

Myristicin

Myristicin, der Hauptwirkstoff der Muskatnuss.

Drogen und Medikamente:

  •  Alkohol (Alkohole)
  • Ayahuasca (DMT)
  • DXM ((Dextromethorphan)
  • Herba Ephedra (Ephedrin)
  • Kaffee (Koffein)
  • Kalmus (Asaron)
  • Koffein-Tabletten (Koffein)
  • Kolanuss (Koffein)
  • Peyote  (Meskalin)

Allgemein: Amphetamine, Asaron, Antiasthmatika, Beruhigungsmittel, Tranquilizer.

Lebensmittel:

Ananas,Bananen (Thyramin),Chianti-Wein (Tyrosin), Cola und ähnliche Getränke (Koffein), Dill, Fenchelöl, Fisch (Tyrosin), Geflügelleber (Tyrosin), Kaffee (Koffein), Käse (Thyramin), Petersilie (Asaron), Pferdebohnen (Tyrosin), Tomaten (Thyramin).

  • Es wird immer behauptet, es könne sich bei dem Rezept nicht um ein mittelalterliches handeln, da Muskatnuss zur Zeit Hildegards im 12. Jhd nicht in Europa bekannt gewesen sei. Davon abgesehen, dass Hildegard viel von Avicennas Schriften entlehnt hat, der als Iraner dieses Gewürz sicher kannte, ist es schon länger im Umlauf als man denkt:

Um 50 n. Chr. beschrieb der römische Schriftsteller Plinius die Muskatnuss und die Macis in seiner 36-bändigen Naturgeschichte. Im 6. Jh. wurde die Muskatnuss dann durch die Araber nach Europa gebracht. Durch den Hiatus der Pestzeit im 14. Jhd. gingen allerdings viele alte Handelsrouten verloren. Ab dem 16. Jh. begannen die Portugiesen wieder mit dem Handel, die Muskatnuss avancierte zum beliebtesten und teuersten Gewürz überhaupt. Daher hat sie bei den Spagyrikern eine Jupitersignatur erhalten: Aus exotischen Ländern (Schütze, 9. Haus) , teuer  (Jupiter=Üppigkeit) und stimmungsaufhellend (Jupiter=Zuversicht). Als Alternative zum Muskat wäre natürlich Haschisch-Harz im Originalrezept, ob es nun vom iranischen Arzt Avicenna (Ibn Sina) oder Hildegard stammt, denkbar.  Cannabis-Usus wird im Koran nicht verdammt (zumindest nicht als Medizin), und war auch in Europa bis zum 2. Weltkrieg üblich. Zusammen mit dem hohen Fettanteil der Kekse wären diese wohl recht potent gewesen! Die Nebenwirkungen hätten sich wohl auch weniger drastisch oder toxisch gestaltet als bei Muskat, obwohl eine Gefahr der Überdosierung bei oraler Einnahme von jeglichen psychoaktiven Substanzen wegen eines stoffwechselbedingten Verzögerungs-Effekts durchaus auch besteht.

Posted by on Dezember 2nd, 2015 Kommentare deaktiviert