Archive for Januar 9th, 2016

 

Nordstern – Stella Polaris, Wegweiser durch die Nacht

devious_star_by_scrano-d7hc9c4

Stella Polaris
© Scrano 2015.

An den Nordstern

Sitzest oben in dem Hause,
Abgelöst von dem Geschick,
Und die ganze Weltenklause
Dreht sich unter deinem Blick.

Keine Zeit rückt von der Stelle
Deinen Schemel! Treu bewährt
Leitest du mit steter Helle,
Was auf irren Wegen fährt.

Welten werden und vergehen,
Sonnen löschen und erglühn:
Dir ist Kreiseln das Geschehen,
Kreiselspiel der Kräfte Mühn.

Darum ist dein Blick so milde.
Als ein Wissender und Greis
Überm ganzen Weltgebilde
Thronest du und lächelst leis.

Jakob Boßhart

(1862 – 1924), Dr. phil., Schweizer Schriftsteller
Quelle: »Gedichte«, Zürich: Grethlein & Co., 1924
 

Der Polarstern wird manchmal auch Polaris oder Nordstern genannt – aus gutem Grund! Er befindet sich nämlich genau im Norden. Der Polarstern hat noch eine Besonderheit: Er ändert seine Position im Laufe der Nacht nicht. Er ist stets an der gleichen Stelle des Himmels zu finden. Alle anderen Sterne wandern weiter. Der Polarstern scheint der Mittelpunkt der Himmelskuppel zu sein. Alle Sterne laufen im Laufe der Nacht in Kreisbahnen um ihn herum, nur er bleibt scheinbar unbeweglich an Ort und Stelle.

Das kann man schön an den sogenannten Sternspur-Fotos sehen, die man ducrch lange Belichtungszeiten erhält. Der Polarstern selbst ist dabei nur ein relativ lichtschwacher Punkt in der Mitte. Was wir als Himmelsdrehung beobachten können, ist in Wirklichkeit eine Folge der Erdrotation. Die Erdachse zeigt zufälligerweise fast genau auf auf den Polarstern. Da wir auf der Erde stehen und uns mit ihr mitdrehen, scheint es für uns, als stünden wir fest und unbeweglich, und der Sternenhimmel dreht sich als Sphäre um uns.

Nur die scheinbare Himmelsachse, und somit deren oberer und unterer Schnittpunkt mit der Himmelskugel bleibt stehen. Das ist auf der nördlichen Halbkugel, wo wir in Europa leben, die Gegend um den Polarstern. Auch von der südlichen Halbkugel aus gesehen gibt es einen solchen speziellen fixen Ort am Himmelsgewölbe. Nur befindet sich da eine Lücke, kein Stern.

spiele-0101

Brummkreisel mit Präzession und Nutation.

Der Polarstern wird nicht auf ewig den scheinbaren Drehpunkt des Himmels schmücken. Dieser verschiebt sich im Lauf der Jahrhunderte allmählich und wandert weiter. Dieses Verhalten ist eine Folge der Präzession der Erdachse. Die Erde verhält sich quasi wie ein Brummkreisel, sie tanzt um einen scheinbaren Mittelpunkt, wobei die Achse einen Kreis beschreibt. Diese Präzession bewirkt auch das Wandern des sogenannten Frühlingspunkts durch den Zodiak im Verlauf des sogenannten Platonischen Zyklus von 25.700 bis 25.800 Jahren. Jedes Zodiakzeichen wird während eines sogenannten Platonischen Monats von ca 2000 Jahren  vom Widderpunkt*** durchwandert, die Eigenschaften des jeweiligen Tierkreiszeichens werden in spirituellen Kreisen in Zusammenhang mit dem Auftreten verschiedener Religionen gebracht (Mithraskult, Judentum, Christentum) gebracht.

Polaris gehört zum Sternbild Ursa minor (Kleiner Bär), das auch Kleiner Wagen genannt wird. Er ist der Deichselgriff des Wagens oder eben die Schwanzspitze des Bärenjungen. Der Kleine Bär ist das nördlichste Sternbild und stets in Nordrichtung zu finden. Die Sterne des Kleinen Bären sind mit blossem Auge gut zu sehen, aber nicht so hell wie die der Grossen Bärin (Grosser Wagen)  in seiner Nachbarschaft. Trotzdem ist der Polarstern relativ leicht zu orten, wenn man folgende Hilfsregel anwendet:  Ausgehend von der hinteren “Wagenkante” des Grossen Wagens misst man die fünffache Distanz derselben nach oben: Da ist er zu finden.

Durch seine relative Unbeweglichkeit zum Rest des Himmels und der konstanten Lage als nördlichster Punkt wurde er als wichtigste Navigationsshilfe zu Lande und Wasser während der Nachtstunden verwendet. Auch für Astronomiefreunde ist es üblich, ihr Fernrohr mit Hilfe von Stella Polaris “einzunorden”.

Viel Spass beim Betrachten des Alten Weisen!

 

***Als Frühlingspunkt (auch Widderpunkt) wird in der Astronomie der Schnittpunkt des Himmelsäquators mit der Ekliptik bezeichnet, an dem die Sonne zum Frühlingsanfang der Nordhalbkugel (= Herbstanfang der Südhalbkugel) steht. Der zweite Schnittpunkt des Himmelsäquators mit der Ekliptik heißt Herbstpunkt.

Zum Thema Wassermannzeitalter, mit dem das Platonische Jahr in Zusammenhang steht,, gibt es bereits einen Artikel, der dieses von NewAgern so mystifizierte neue “goldene Aeon” etwas kritisch beleuchtet.

 

Posted by on Januar 9th, 2016 Kommentare deaktiviert