Archive for Januar 16th, 2016

 

Mandala im Januar: Der Winter ist zurück …

Eigentlich schaut er erstmals vorbei! Trotzdem, bereits Unmengen von Neuschnee seit gestern – Frau Holle hat wohl geschnarcht und macht jetzt Überstunden!

st_petersburg_by_scrano-d9b8cef

Winternacht in St. Petersburg
©scrano 2015

Aber es braucht gar keine russischen Nächte für Väterchen Frost:

winter_at_breitenstein_iv_by_scrano-d9gj7wu

Januar am Breitenstein

 

Winternacht

Vor Kälte ist die Luft erstarrt,
es kracht der Schnee von meinen Tritten,
es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart;
nur fort, nur immer fort geschritten!

Wie feierlich die Gegend schweigt!
Der Mond bescheint die alten Fichten,
die sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,
den Zweig zurück zur Erde richten.

Frost! Friere mir ins Herz hinein!
Tief in das heißbewegte, wilde!
Daß einmal Ruhe mag da drinnen sein,
wie hier im nächtlichen Gefilde!

Nikolaus Lenau
(1802 – 1850), eigentlich Nikolaus Franz Niembsch, Edler von Strehlenau,
österreichischer Dichter und melancholischer Lyriker

 

 

Posted by on Januar 16th, 2016 Kommentare deaktiviert

Voll verbockt: Wüstendämon Azazel – Saturn

Azazel

Sündenbock: Ein Bock für Azazel … ein ebenfalls ziegengestaltiger Wüstendämon.
Azazel ©scrano 2014

Der Wüstendämon, zu dem in Alt-Israel der Sündenbock geschickt wurde … um die Sünde aus der Mitte der Gemeinschaft  zu tragen.

Der Name Azazel bedeutet eigentlich “Wegträger…”.  Ursprünglich war Azazel wohl eine Art jüdische Variante von Seth (ägyptischer Gott der Wüste und der feindlichen Natur), dem ein Bock geopfert wurde. Später wurde er zum Dämon und schliesslich zur Sünde selbst die man einem Bock gleichen Namens stellvertretend aufladen konnte. Ein Sinnbild für das Steinbocksprinzip und den Saturn, der die Menschen ebenso mit der Verantwortung für ihre Taten konfrontiert.  Wie der Sündenbock ist auch das saturnisch geprüfte Individuum dabei auf sich allein gestellt, wenn es seinen Dämonen gegenübertritt.

goat_stock_i_by_scrano-d9b7auj

Ziegenbock vom Bio-Hof:
Ein nützliches, harmloses, wenn auch etwas geruchsintensives Geschöpf.

 

Saturn und Jupiter
Du waltest hoch am Tag und es blühet dein
Gesetz, du hältst die Waage, Saturnus Sohn!
Und teilst die Los’ und ruhest froh im
Ruhm der unsterblichen Herrscherkünste.
Doch in den Abgrund, sagen die Sänger sich,
Habst du den heilgen Vater, den eignen, einst
Verwiesen und es jammre drunten,
Da, wo die Wilden vor dir mit Recht sind,
Schuldlos der Gott der goldenen Zeit schon längst:
Einst mühelos, und größer, wie du, wenn schon
Er kein Gebot aussprach und ihn der
Sterblichen keiner mit Namen nannte.
Herab denn! oder schäme des Danks dich nicht!
Und willst du bleiben, diene dem Älteren,
Und gönn es ihm, daß ihn vor allen,
Göttern und Menschen, der Sänger nenne!
Denn, wie aus dem Gewölke dein Blitz, so kömmt
Von ihm, was dein ist, siehe! so zeugt von ihm,
Was du gebeutst, und aus Saturnus Frieden ist jegliche Macht erwachsen.
Und hab ich erst am Herzen Lebendiges
Gefühlt und dämmert, was du gestaltetest,
Und war in ihrer Wiege mir in
Wonne die wechselnde Zeit entschlummert:
Dann kenn ich dich, Kronion***! dann hör ich dich,
Den weisen Meister, welcher, wie wir, ein Sohn
Der Zeit, Gesetze gibt und, was die
Heilige Dämmerung birgt, verkündet.
Hölderlin
KRONION: Sohn des Kronos=Zeus/Jupiter.

Zeus/Jupiter steht hier für das formale, abstrakte Rechtswesen in den urbanen Gemeinschaften, Kronos/Saturn für die soziale Verantwortung, das Gewissen, welche im Menschen selbst verankert sind. Damit ist er auch Sinnbild für das Prinzip von Schuld und Sühne, wie es im Naturrrecht der bäuerlichen Gemeinschaften üblich war. Trotz Jupiters Glamour wird Saturn von Hölderlin höher eingeschätzt, nach seiner Ansicht (römisches Vorbild) war der Titanenherrscher zu Unrecht gestürzt und verbannt worden.

Posted by on Januar 16th, 2016 Kommentare deaktiviert