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Spagyrik – Heilmittel der Alchemie

hahnemann-neuWas sind Spagyrik-Essenzen?

Spagyrik-Essenzen sind nach alchemistischen Grundlagen hergestellte Arzneimittel aus organischen oder anorganischen Grundstoffen. In der Regel bilden Heilpflanzen und Mineralien die Basis für diese Essenzen. Sie kommen entweder als Einzelmittel zur Anwendung oder werden nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten zu Rezepturmischungen kombiniert.  In Deutschland und Österreich sind Spagyrik-Essenzen apothekenpflichtig, in der Schweiz auch über Drogerien erhältlich.

Die Herstellung der Pflanzenessenzen:

Für die Herstellung von Spagyrik-Essenzen aus Heilpflanzen gelten die Vorschriften 25 (frisches Pflanzenmaterial) und 26 (getrocknetes Pflanzenmaterial) des Homöopathischen Arzneibuches (HAB). Die pflanzliche Substanz durchläuft dabei einen alchemistischen Prozess, der das Auflösen und das Wiederverbinden als Grundlage hat: “Solve Et Coagula!” Der Weg beginnt mit der mechanischen Zerkleinerung und dem anschließenden biochemischen Umbau durch Gärung unter Zusatz von Wasser und einer kleinen Menge Hefe. Nach Abschluss der Gärprozesse wird die Masse einer Wasserdampfdestillation unterworfen. Die in der Pflanze angelegten, und während der Gärung freigesetzten bzw. neu entstandenen, flüchtigen Substanzen werden dabei aus der Gärmasse gelöst und finden sich anschließend im Destillat. Der nach dem Destillieren zurückbleibende Rest wird eingetrocknet, verbrannt und einer kontrollierten Kalzination (Veraschung) unterworfen. Ist diese vollständig durchgeführt, erfolgt die Vereinigung der abgetrennten Fraktionen durch Mischung von Pflanzenasche und Destillat. Über mehrere Tage werden die löslichen Salze ausgezogen und die unlöslichen schließlich abfiltriert. Damit ist der Prozess abgeschlossen. Doch erst nach mehrmonatiger Reifezeit wird die fertige Spagyrik-Essenz in den Handel gebracht.

Die Pflanzen für die Essenzen und Tinkturen werden gemäss ihrer Signatur ausgewählt und auch entsprechend bestimmten Gestirnsständen geerntet und prozessiert. Die Anzahl der Stufen entspricht entweder wie bei der Essenz den sieben klassischen Planeten oder den zugehörigen Planetenrhythmen. Ebenso zählen diese bei den Mischungsverhältnissen des Heilmittels und bei der Einnahme: 3 x 7 Tropfen oder 3 x 3 Tropfen etwa, je nach Signatur der Krankheit. Das Ziel der Prozedur ist die Trennung der Rohstoffe in ihr Sulfur, Merkur und Sal-Prinzip, um diese dann in einer gereinigten und stärkeren Form wieder zusammenzuführen. Dies soll eine Veredelung der Bestandteile und bewirken, ganz im Sinne des “Magnum Opus“,  wobei nicht nur der rein stoffliche Anteil gemeint ist. Sulfur, Merkur und Sal besitzen auch eine Entsprechung in den Prinzipien von Körper, Geist, Seele und ähneln ein bisschen den Ayurvedischen Prinzipien von Kapha, Pitta, Vata. Generell findet man viele Gemeinsamkeiten bei den medizinischen Lehrsystemen der antiken Welt, da ihnen zumeist eine Elementelehre, wie die des Empedokles zugrundeliegt: Feuer, Wasser, Erde, Luft und die daraus abgeleiteten Eigenschaften. Die in der abendländischen Welt daraus entwickelte Medizinlehre nennt man Humoralpathologie, das Prinzip von den vier Körpersäften: Blut, gelbe und schwarze Galle, sowie Schleim. Heilverfahren wie Ayurveda oder TCM  besitzen eine analoge Grundlage. Die Spagyrik selbst geht zurück auf Paracelsus, der damit zuerst eine systematischere Bereitung von Arzneimitteln im Sinn hatte. Da es eine feste Abfolge mit genauen Vorschriften für die Anteile der unterschiedlichen Bestandteile und auch ihre Prozessierung bei der alchemischen Herstellung der Arznei gibt, ist dies schon ein deutlicher Schritt in Richtung Standardpräparat. Die von ihm praktizierte Signaturlehre war ebenfalls kein okkulter Mumpitz, sondern das Ergebis von Naturbeobachtung und astrologischem Wissen, auch sie ein Weg zur Systematisierung der Pharmaka. Das Sammeln oder Ernten der Heilpflanzen nach astrologischen Gesichtspunkten an bestimmten immer gleichen Zeitpunkten und Standorten ist zudem nützlich in Hinsicht auf einen gleichmässigeren Wirkstoffgehalt. In der mittelalterlichen Heilkunde galt bei der Zusammenstellung von Medizinpräparaten oft das Prinzip “Viel hilft viel”, mit zweifelhaftem Ausgang.  Nicht umsonst war es Paracelsus, der den sehr richtigen Satz prägte: “Kein Ding ist ohne Gift, die Dosis macht das Gift.”

paracelsus

Paracelsus

Das gilt nicht nur im stofflichen Bereich, Übertreibung ist generell schädlich. Das wusste man auch schon in der Antike, wo am Apollon-Heiligtum von Delphi nicht nur das bekannte: “Erkenne Dich selbst!” zu lesen ist, sondern auch “Und nichts im Übermass!” Apollon sollte es wissen, er galt als der Schutzherr der Heilkunst und Vater des Vaters der abendländischen Medizin, Asklepios.

Die spagyrische Tinktur:

Die spagyrische Tinktur ist etwas einfacher in der Herstellung, allerdings auch nicht so feinstofflich in der Wirkung und nicht so lange haltbar wie die Essenz. Die Prozesse sind sind in groben Zügen:

1. Die Mazeration der Pflanzen (Herauslösen der Wirkstoffe) mit Alkohol

2. Die Veraschung der Pflanzenreste

3. Die Gewinnung der wasserlöslichen Salze aus der Pflanzenasche

4. Die Vereinigung des alkoholischen Auszugs mit dem Salz

Soluna und Phylak sind noch zwei Arzneimittelproduzenten, die sich der Spagyrik verschrieben haben. Ihren Webseiten habe ich auch Teile meiner Beschreibungen des Bearbeitungsprozesses entnommen.

 

 

Posted by on Januar 20th, 2016 Kommentare deaktiviert