Archive for Februar 2nd, 2016

 

1. Februar: Imbolc – Lichtmess, Brigid’s Day

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Brigid’s Kreuz aus Licht und Feuer:
Vorbote des Frühlings, Reinigung von den Anhaftungen des Winters.

Mit Imbolc – einem vielfach belegten keltischen Feiertag – wird in der Nacht von den 1. auf den 2. Februar (eigentlich zum 1. Vollmond im Februar) das zweite der acht Feste im heidnischen Jahresrad gefeiert. Imbolc hat viele Namen, ob nun Imbolc, Imbolg, Oimealc, Mariä Reinigung, Jesu Darstellung, Lichtmess, Kerzenweihe – dieses eigentlich lunare Fest hat in allen Traditionen zwei hervorstechende Charakteristika:  Verehrung des Lichts und den Aspekt der Reinheit und Erneuerung. Die etymologische Herkunft des Namens Imbolc oder Imbolg (ausgesprochen „immol’g”) liegt im Dunkeln. Es gibt hier unterschiedliche Deutungen. So soll sich das Wort auf die gälische Version des Ausdrucks „in the belly” beziehen und „in der Bauchhöhle” bedeuten. Ein Hinweis auf die zu dieser Zeit hochträchtigen Mutterschafe und die Ankunft der neugeborenen Lämmer. Die lautähnliche Bezeichnung „Oimelc” bezieht sich auf die Muttermilch der Schafe (Oi(ewe) = Mutter-Schaf, melcg = Milch). Imbolc kann also als Hirtenfest bezeichnet werden, vergleichbar mit dem römischen Februae und den Lupercalia.

Der Festtag wird generell als Fest des Lichtes gesehen, weil die länger werdenden Tage die Vorfreude auf den Frühlingsbeginn widerspiegeln. Rituale für diesen Tag beinhalten oftmals eine grössere Anzahl an Kerzen.

Der warme Schein der Kerzenflamme symbolisiert das neuerwachte Licht der Sonne – und die keltische Feuergöttin Brigid, heute als St. Brigid noch in Irland gefeiert. Ursprünglich soll Imbolc in Irland der Ehren-Tag dieser dreigestaltigen Göttin gewesen sein. Im 5. Jh. n Chr. wurde diese Bedeutung dem Kult um die später heilig gesprochene Brigida von Kildare einverleibt. Die heutige Schutzpatronin Irlands – und angeblich abtrünnig-konvertierte Tochter eines heidnischen Clan-Chefs – war als historische Figur Äbtissin in einem der ersten Doppelklöster nach der Christianisierung Irlands. Diese Geschichte ähnelt sehr der von Walpurga oder auch Odile, der Patronin des Elsass. Als Schmiedegöttin steht Brigid dem Feuer nahe. Sie ist die ebenfalls Hüterin der Heilquellen und eines heiligen Quells im übertragenen Sinne, nämlich der Inspiration. Brigid gilt  daher  als Göttin der Barden, der Musiker, der Künstler und kunstfertigen Handwerker (wie Hephaistos). Ihr zu Ehren werden am Imbolc-Abend Kerzen entzündet, die ins Fenster gestellt werden und die ganze Nacht über brennen. Brigid beschützt die Gebärenden und hilft den Hebammen, deren Patronin sie ebenfalls ist. Auch mit dem Nutzvieh und und den Haustieren wird sie in Verbindung gebracht: Hier ähnelt sie Vesta und dem Sternzeichen Jungfrau, sowie den Themen des 6. Hauses des Horoskops, wo diese herrschen. Besonders wegen Brigids Beziehung zum Herdfeuer, ebenfalls wie bei der römischen Vesta, gilt ihr Ehrentag als häusliches Fest.

Imbolc ist ein Fest der Stille – in der Stille kann man das zarte Licht des Vorfrühlings am Besten erfahren, der goldene Schimmer einer Kerzenflamme entfaltet in der Stille seine höchste spirituelle Wirkung. Imbolc ist auch das Fest der Reinheit und der Reinigung von den Anhaftungen des Winters, rein und weiß wie frisch gefallener Schnee oder wie frische Milch. In ehemals keltisch geprägten Gegenden, z.B. auch im Alpenraum, ist es Brauch, ein wenig Milch als Dankopfer auf die Türschwelle zu sprengen. Ebenso ist es immer noch üblich, spezielle, “weisse” Lebensmittel zu verzehren (Butter, Milch, Eier), Orakelschau zu betreiben, oder Freudenfeuer zu entzünden. Durch das im Vergleich zu den britischen Inseln härtere Klima des europäischen Festlands steht natürlich die Austreibung des Winters sehr stark im Mittelpunkt jedes Brauchtums, das hier  in diesem Teil des Jahres  ausgeübt wird: Aus Westfalen sind etwa wilde Frauentänze überliefert, bei denen neugierige junge Männer eins mit der Holundergerte übergezogen bekamen, wenn sie den Feiernden zu nahe kamen. In katholischer Überlieferung  verteidigen sie damit ihre Jungfräulichkeit – Naturreligiöse werden diesen Brauch sicher anders deuten … als Quicken der Lebenskraft, wenn die Alte (Holunderstrauch, Saturn, Pluto) sich in die jungfräuliche Form der Göttin (Blüte, Mond, Venus) regeneriert. Ähnlich wilde Praktiken gibt es bei den alpenländischen Perchten-Läufen, deren Beginn bereits in die Zeit der Raunächte fällt. Mensch und Natur stehen nun kurz vor dem Ende des auszehrenden Winters. Das Sonnnenkind, das zu Yul neu geboren wurde, als neugeschenkte Hoffnung und Zuversicht, beginnt nun seine wachsende Kraft zu zeigen. Die Herrschaft des Winters wird gebrochen, mit der Göttin in ihrer Gestalt als junges Mädchen kündigt sich langsam die Rückkehr der fruchtbaren Zeit an. Wir stehen an der Schwelle des Frühlings, oberflächlich mag noch vieles winterlich tot erscheinen, aber der Keim beginnt nun sich grün und frisch zu entfalten und steht kurz davor in die Welt durchzubrechen. Respekt ist dennoch angezeigt, die längeren Tage sind noch trügerisch und Kälte und die gefürchteten Schneemassen des Spätwinters können durchaus nochmals ihre kalten Hände nach Mensch und Natur ausstrecken.

Anderen Sprachforschern zufolge ist die Deutung des Linguisten Joseph Vendryes treffender, nach der man „imb” mit “um” und „-folc” mit “waschen, baden, reinigen” übersetzt. Das würde aber mit den vielen Bräuchen um dieses Fest, die der Winterauskehr und der Vorbereitung auf die Aktivitäten des kommenden Jahres dienen, nicht im Widerspruch stehen.

Brigid's Cross aus Ried.

Brigid Cross aus geflochtenem Ried.

Ein auffälliges und auch in unserem Brauchtum vorkommendes Symbol sind die aus Stroh geflochtenen “Brigid’s crosses”, deutsch: “Brigittenkreuze”. Ursprünglich hatten sie vielleicht drei Arme (Triskell, für die dreigestaltige Brigid), unter christlichen Einfluss wird die Kreuzform mit vier Armen eingeführt. Vielleicht gibt es auch eine Verbindung zum indoeuropäischen Sonnenrad, wie beim Keltenkreuz. Brigittenkreuze werden im Stall oder über der Haustür aufgehängt, um Schutz und Glück anzuziehen. Brigid ist die Beschützerin des neugeborenen Lebens – daher werden auf den schottischen und irischen Inseln bis heute solche Kreuze aus Vogelbeerholz über Kinderbetten gehängt, und die “heilige Brigid” um Schutz für das Kind gebeten. Brigid ist eine eigenartige Symbiose auf der Hekate triformis, die auch für Hebammen, Gebärende und Neugeborene zuständig ist, der Haus- und Herdgöttin Hestia (einer alten Jungfer) und dem Schmiedegott Hepahistos. Einen Zusammenhang zwischen Musik und Schmiedekunst gibt es auch in der Lehre des Pythagoras.. Es wäre interessant zu erkunden, wie die gemeinsamen Wurzeln dieser unterschiedlichen  indoeuropäischen Gottheiten tatsächlich geartet sind.

Janet und Stewart Farrar beschreiben in ihrem Buch „Eight sabbats for witches” verschiedene Brigid-Bräuche.  Über die zu Schottland gehörenden Hebriden-Inseln berichten sie, dass hier am Vorabend von Imbolc der Brauch von „Brigid’s Bed” (Brigids Bett) existiert(e). Singend kleiden Frauen hier eine Garbe aus Haferstroh mit Frauenkleidung an und legen diese als Symbol der Göttin – zusammen mit einem Knüppel (Phallus-Symbol, steht für den Gott) in einen Korb – das Bett Brigids. Dieser wird der Glut des Herdfeuers übergeben. Die Frauen entfernen sich, lassen aber die ganze Nacht über Kerzen brennen. Wenn am nächsten Morgen der Abdruck des Knüppels in der Asche des Herds zu finden war, war die Invokation der Gottheiten erfolgreich und das Jahr würde Fruchtbarkeit und Reichtum mit sich bringen. Erinnert sehr an eine feurige Variante vom indischen Brauch der Hochzeit von Shiva und Parvati mit seinem Kult um Shiva Lingam und die göttliche Yoni, wobei ebenfalls Milch ein wesentliches Element darstellt.

Imbolg ist eine Zeit wetterlichen Umschwungs: Daher gab es eine bäuerliche Tradition, auf das Verhalten von Tieren zu achten, die sich wie der Mensch in einen winterlichen Bau zurückziehen. Es wurde darauf gewartet ob Bär, Dachs oder das Murmeltier sich schon aus ihren Behausungen wagen. Dieses Brauchtum ist zum Wahrzeichen des Frühlinganfangs in den USA geworden: Der berühmte “Groundhog Day(Murmeltier-Tag)” wird dort mit allerlei skurillem Spektakel begangen.

Lichtmess, das christliche Fest der Reinigung, auch ein Kerzenfest:

Einige moderne Heiden behaupten, Lichtmess oder Maria Reinigung, sei eine christliche Überformung Imbolgs. Doch es existieren keine Beweise dafür, dass Imbolg in vorchristlicher Zeit irgendwo anders als im inselkeltischen Brauchtum praktiziert wurde, während die Anfänge von Lichtmesswohl mehr  im östlichen Mittelmeerraum liegen. Die wahren heidnischen Wurzeln des christlichen Festes mit seinen Lichterprozessionen gehen zudem wohl auf das römische Fest der Lupercalien zurück, das ursprünglich um den 14./15. Februar herum gefeiert wurde. In diesem Zeitraum war auch das Datum von Lichtmess angesiedelt, bevor man Christi Geburt vom 6. Januar auf den 24. Dezember verlegte. Es wird angenommen, dass diese entstandene Lücke durch den Tag des heiligen Valentin von Terni – uns bekannt als Valentinstag – gefüllt wurde. Womit wohl auch die Behauptung, dass der Valentinstag eine Erfindung amerikanischer Blumenhändler sei, als urban legend eingestuft werden kann, so wie der Zusammenhang von Santa Claus und CocaCola. Die heute noch üblichen Lichterprozessionen von Kindern verkörpern wie in der  heidnischen Vorstellung auch, die Unschuld des Neubeginns.
Früher wurde während der dunklen Jahreszeit aus dem Talg der im November geschlachteten Tiere Unschlitt-Lichte gefertigt. Auch die kostbaren Bienen-Wachskerzen für heilige Rituale entstanden in Heimarbeit während des Winters. Zu Lichtmess wurde dieser Kerzenvorrat dann gesegnet. Daher rührt die englische Bezeichnung “Candlemass“. Diese Kerzenweihe passte wiederum auch zu den ursprünglichen religiösen Vorstellungen beiderseits der Alpen: Kerzen kommen in fast allen Formen von Schutzmagie zum Einsatz, ob heidnisch oder christlich motiviert. Dem Wachs von an Lichtmess geweihten Kerzen wird im Volksglauben dann auch hohe Schutzkraft zugeschrieben. Solche Kerzen werden in Notsituationen, bei Geburten oder am Krankenbett angezündet, um den Schutz und die Unterstützung von Heiligen, der Jungfrau Maria oder den Elfen und anderen Naturgeistern zu erbitten.

Der Reinigungsaspekt von Imbolc  durchdringt auch die christliche Tradition. Nach jüdischem Brauch und den Gesetzen des Alten Testaments gilt eine Frau nach der Geburt eines Sohnes 40*** Tage als unrein, bei einem Mädchen 80 Tage.  Nach Ablauf dieser Zeit ging eine Mutter  daher in den Tempel um ein Reinigungsopfer darzubringen. Bestandteil dieser Zermonie war auch ein rituelles Bad. Daher der – inzwischen ausgemusterte – Name „Mariä Reinigung”.  Zwischen Weihnachten und Lichtmess liegen daher 40 Tage. Da Jesus der Erstgeborene von Maria und Joseph war, galt er – im Andenken an die Schrecken der Pessach-Nacht – als Eigentum Gottes und musste im Tempel Gott „vorgestellt” und symbolisch „ausgelöst” werden.  Die Bezeichnung „Jesu Darstellung” für Lichtmess bildet diesen Brauch ab. Der Zyklus von Feierlichkeiten rund um die Geburt Christi finden mit diesem Tag im liturgischen Kalender sein Ende.

Informationen für ein kleines eigenes Ritual:

Assoziierte Farben: (z.B. für Kerzen, Blumenschmuck)

  • Spektralfarben, reines Weiß,
  • knospendes zartes Grün,
  • helles Gelb, Orange und Silber als Lichtsymbole,
  • Eisblau für die noch vorhandene Umklammerung des Winters

animaatjes-kaarsen-57605Möglicher Altarschmuck oder für den Tisch:

  • Viele weiße Kerzen,
  • zu Girlanden gedrehte, geflochtene, oder gefilzte Wolle.
  • Weiße Blüten, z.B. Lilien, ein Topf mit Schneeglöckchen, Helleborus oder Amaryllis.
  • Mit Reinheit assoziierte Dinge wie eine Kristall-Schale mit Wasser,
  • ein Silbernäpfchen mit Salz.
  • Eine Schale mit Milch.

Meditation und Magie

  • Imbolc ist ein traditioneller Fest zur Reinigung von Körper, Geist und Seele, bevor man ins Jahr startet.
  • Imbolc ist ein Fest der Läuterung, eher asketisch als schwelgerisch, mit ruhiger Ausstrahlung, die zur inneren Sammlung einlädt.
  • Ein Fastentag davor (mit Reis z.B.) und ein Ausflug in die Natur, danach ein Abend mit viel Kerzenlicht.
  • Alle Lichtquellen des Hauses für ein paar Minuten aktivieren.
  • Kerzen in ein prominentes Fenster der Wohnung oder Hauses stellen.
  • Meditation mit Bergkristall-Körpern (Quarz steht für Reinheit, Wahrheit, als Symbole wären geeignet: Tetraeder, für Feuer, Oktaeder für Luft)
  • Symbolisch kann man auch den Yul-Schmuck wie z.B. Tannenzweige, den Flammen übergeben. (KNUT ist nur eine “urban legend” eines schwedischen Möbelhauses)..
  • Ausfegen und ein “Grosser Badetag” mit reinigendem Salz und sanft erfrischenden Ölen: Kann auch romantisch mit Kerzenschein stattfinden.

Rezept für ein “Cleopatra” Bad

  • 1 l Vollmilch (H-Milch)
  • 1 Glas Bienenhonig
  • 1 El Mandelöl
  • 1 Tl reines Natursalz
  • 2-3 Tropfen Jasminöl (absolue)

Dieses Bad ist wunderbar pflegend für die strapazierte Haut am Ende des Winters. Nicht zu heiss baden, das trocknet die Haut zusätzlich aus. Man kann vor dem Milchbad auch ein Salzpeeling machen. Das glättet wunderbar und die Prozedur schält sozusagen einen “neuen” Menschen heraus.

Speisen:

Wenn möglich sollten heute reine „weiße” Speisen den Tisch/Altar/Meditationsplatz zieren und – nach einem kleinen Opfer – von allen Anwesenden gemeinsam verzehrt werden.

  • Grießbrei oder Milchreis (evtl. mit Zimt, Trockenfrüchten/Obst(mus) aus dem Wintervorrat),
  • weißer Käse (Mozarella Feta etc.),  Yoghurt mit Honig, Milch, Butter,
  • Quark mit Frühlingszwiebeln/Schnittlauch,
  • Buttermilchbrot oder Knäckebrot,
  • Eintöpfe mit Kartoffeln, Lauchsuppe
  • Bananen
  • Schaumzuckerkringel aus Eiweiss(Meringue).

Ich freue mich jedenfalls auf die frische Schafs-und Ziegenmilch vom BIO-Hof!

Räucherwerk

Wer gerne räuchert, hier eine Imbolc Mixtur:

  • 3 Teile Weihrauch (Olibanum) oder Fichtenharz
  • 2 Teile Drachenblut, ein Harz
  • 1/2 Teil Zedernholz
  • 1 Teil Zimtrinde
  • 1 Teil Orangenschale
  • 1 Teil Rosmarinnadeln
  • 1 Prise Salz (natürliches Meer-oder Steinsalz)

Alles im Mörser zerpulvern, dann auf Räucherkohle in kleinen Mengen verräuchern.

 

***40 ist eine prominente heilige Zahl in der Bibel: 40 Tage Regenwetter, äh Sintflut, 40 Tage Fasten in der Wüste (Versuchung Christi), usw.
 
 

Posted by on Februar 2nd, 2016 2 Comments