Archive for Februar 3rd, 2016

 

Mandala im Februar: Merkaba

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Himmelstränen: Hoffnung und Versprechen
The Merkaba ©scrano 2015

Der sich Bezwingende
Löst sich vom Ding.
Der nicht mehr Ringende
Werde zum Ring!

Gustav Meyrink

Merkaba ist eigentlich der Thronwagen Gottes, aus der Vision des Prophetet Ezechiel. Diese Thronschau wurde eine der Strömungen in der jüdischen Mystik, eine Form des Seelenwegs war es diesen Zustand der Gotteserfahrung zu erreichen. Auch die Apokalyptiker des Johannesevangeliums greifen das Thema auf. Was allerdings New Age Pseudo-Gurus daraus machen, um neue profitable Weidegründe naiver Anhänger zu generieren,  ist eher wahnwitzig.

Im Zusammenhang mit den zugegebenermassen mathematisch netten Spielereien mit der sogenannten “Heiligen Geometrie” werden die absurdesten Behauptungen aufgestellt:

Eine Einweihungslehre aus dem Land der Pharaonen soll es gegeben haben:

  • Mer-Ka-Ba wird einfach dahingehend gedeutet: Ba und Ka sind im alten Ägypten Geist-Seele und Körper-Seele, und was ist dann bitte Mer? Die dritte Seele des Volks am Nil hiess doch Ach …?
  • Ooops … dann stellen wir doch schlicht die These auf, Mer wäre ein rotierendes Energiefeld, das den Köper umgibt, und das wohl so was wie den Seelen- oder Astralanteil des Menschen darstellt. Woher kommen solche Eingebungen? Echte Kabbalisten staunen! Das schlägt das Aiwass-Channeling von Aleister Crowley glatt um Längen. Und der war immerhin in Ägypten.
  • Dazu ein bisschen geometrische Zauberei: Mit einem tri- oder hexagonalen 2d-Gitternetz aus überlappenden Kreisen, der sogenannten Blume des Lebens, lassen sich, oh Wunder, alle Platonischen Körper darstellen.
  • Die Grundform hierfür ist der Metatron-Würfel, Hauptsache ein cooler Name***, aus 13 ausgewählten Schnittpunkten, der sogennnten Frucht des Lebens.
  • Man führt einfach eine Projektion des flachen Gebildes in die 3. Dimension durch. Das geht eigentlich immer, mit so einem Gitternetz, und als Krönung wird dann ein sogenannter Merkaba-Sterntetraeder präsentiert. Der gehört aber nicht zu den Platonischen Körpern, höchstens zu den archimedischen Ergänzungen. Und mit der jüdischen Merkaba hat er auch nichts zu tun. Das war der umtriebige Magus Eliphas Levi, der solcherlei Verbindungen zwischen vor allem jüdischer Mystik und und antikem Wissen herstellen wollte: z.B. Kabbala-> Tarot oder Kabbala -> Geometrie. Aber das Teil sieht einfach sooo gut aus.
  • Die Blume des Lebens selbst ist keinesfalls ein sakrales, eher ein gerne genutztes Dekormotiv. Dafür sprechen die Plätze, wo man dieses Muster gefunden hat. Im alten Ägypten ist es nur an einer Stelle überhaupt überliefert (Osireion von Abydos), und das nicht einmal an einem für theologische Assoziationen relevanten Ort. Schon von Margaret Murray wurden die meisten Zeichnungen als Graffitto eher neueren Datums angesehen. Sie sind in 4m Höhe angebracht – da der Tempel zur ptolemaischen Zeit (3. Jhd. v. Chr.) halb verschüttet war, lagen diese Positionen in jener Epoche in gut erreichbarer Höhe. Von einem globalen Schöpfungs-Symbol eher keine Spur, fast alle Abbildungen sind Bodenmosaike, Dekomuster an Wänden oder auf Vasen etc. Das Supergitter ist auch sehr leicht zu produzieren: Viele von uns haben beim Herumspielen mit einem Zirkel schon so etwas angefertigt. Und ein Alter von 18000 Jahren zu postulieren, oder dass die “Blume des Lebens” mit einem Laser durch den ganzen Steinblock hindurch eingebrannt worden wäre, ist doch eher aberwitzig. Davon abgesehen, dass, das mit einem Laser nicht geht. Vielleicht waren es die umtriebigen “Ancient aliens”, s.unten ?
  • Man kann es natürlich, wie ein Koordinatenpapier mit unterliegenden Symmetrien (4-zählig, sechs-zählig) etc. gut für Konstruktionsaufgaben nutzen. Da man im Altertum und auch im Mittelalter gerne mit Zirkel und Schnur gearbeitet hat, um geometrische Probleme zu lösen, ist die sogenannte “Blume des Lebens” natürlich auch gut dafür geeignet.

die-weltApropos Tarot: Die Karte “Die Welt” bedient sich auch bei der Thronwagen-Ikonographie. Es erscheinen die mythischen Tiere (Tierkreiszeichen***) als Symbol der vier Weltecken, der Apostel oder eben auch Engel aus Hesekiels Bericht, ebenso die menschliche Figur. Sie ist ein Hermaphrodit, was in der Alchemie als Zeichen der Vollendung der chymischen Hochzeit angesehen wurde.In der Kabbala wurde Adam Kadmon, der vollkommene Mensch auch als solch ein duales Wesen dargestellt.  Die Mandorla des Siegerkranzes mit ihren roten Bändern bedeutet ebenfalls eine Zuordnung zum Göttlichen. Diese Schnittfigur, auch Vescia Pisicis genannt, stellt eigentlich einen Mutterschoss dar, ähnlich den Baubo- oder Shela Na Gig Figuren.

Eso-Freunde, lasst die heilige Geometrie mal aus dem Spiel, da geht es nämlich um etwas ganz anderes, als Geschäftemacherei und Hirngespinste. Für ernsthaft Interessierte: Beschäftigt Euch lieber mit den interessanten Mustern, Symmetrien und harmonischen Gesetzen in der Natur: Pythagoras, Kepler, Newton und natürlich auch die Fraktalisten seit B. Mandelbrot haben durchaus was zu bieten. Aber auch Ficino, Spinoza, G.Bruno und Paracelsus schufen erstaunliche gedankliche Konzepte.

Und ja, ganz zum Schluss: Was Ezechiel (Hesekiel) wohl wirklich sah …? Darüber haben auch Ingenieure spekuliert, und einige sind zur Ansicht gekommen, es handele sich wohl um ein Raumfahrzeug. Interessante Idee, ein wenig archäologisches Out-of-the-Box Denken schadet nicht, wenn man nicht daraus gleich wieder eine neue “Ancient aliens” Sektiererei machen würde, wo ganz spannende Überlegungen mit absolutem Schwachmatentum munter verquirlt werden. Nicht die wenig wahrscheinlichen Aliens sind hier das Novum, sondern der Gedanke Technologie in antiken Zeiten als Möglichkeit anzusehen, und den Alten nicht immer so gar nichts zuzutrauen. Es stellt sich immer mehr heraus, dass es antike Hochtechnologie durchaus gegeben hat – nicht gerade Flugzeuge aber immerhin augeklügelte mechanische Konstruktionen, wie die Verwendung der Dampfkraft oder der Differentialrechnung aus der archimedischen Zeit, oder vielleicht sogar einfache Formen von Elektrizität.

Ok – holt Euch schon so ein Sterntetraeder und astralisiert Euch damit den A… äh … finstersten Teil Eures Wesens!

Licht und Liebe allenthalben!

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Jesus in der Mandorla – die christliche Version
von Ezechiels Gottes-Vision.
quelle:wiki (Codex Bruchsal)

  • ***Metatron – Stimme Gottes, der Engel neben dem Thron. Eine Parodie dieser Wesenheit gibt es im schwarzhumorigen Film Dogma und in der Buchtrilogie:”His Dark Materials” von Philip Pullman. In der Kabbalistik gibt es auch eine Auffassung, dass es sich um den aufgestiegenen Propheten Henoch handele.
  • ****Tierkreiszeichen Adler (Skorpion) – Johannes, Löwe – Markus, Stier – Lukas, Engel – Matthäus, es handelt sich um das sogenannte fixe Kreuz des Zodiak. Die hellsten Sterne dieser Konstellationen galten als Hüter der Weltecken im alten Babylon.
quelle: Dr. Olaf Hoffman

quelle: Dr. Olaf Hoffman, wikibooks
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merki

Kleiner Keplerstern aus echtem Quarz.

 

 

 

 

 

 

 

Beim Quarz-Sterntetraeder sieht man deutlich die Verwandschaft zum Kubus, in den er vollständig eingeschrieben werden kann.

Tesseract - auch ein cooles Teil …Was Eso-freaks wohl dazu einfällt?Quelle: wiki

Quelle: wiki

Tesseract oder Hypercube – auch ein cooles Teil … ! Was New Age Freaks wohl dazu Originelles einfällt? Immerhin ist es ein 4-Dimensionales Objekt – oder vielmehr dessen Projektion als 3D-Darstellung. Grundlage ist auch hier der Würfel.

 

Posted by on Februar 3rd, 2016 Kommentare deaktiviert