Archive for Februar 10th, 2016

 

Aschermittwoch: Bilanz – Lethe und Fastenspeis’

venuspluto

Der Schatten der tollen Tage – Memento Mori!
©scrano 2013

Es herrscht nicht nur Leere im Geldbeutel, wie das durch manches Brauchtum am Aschermittwoch demonstriert wird: Vielerorts wird die ausgeplünderte Börse unter lautem Wehklagen am Stadtbrunnen oder dem Fluss, wie z.B. in Ulm an der Donau gewaschen. Meistens von den Stadt-Honoratioren. Das Waschen ist auch eine Reinigung von den Sünden der närrischen Zeit. Wie das Aschekreuz, Namensstifter für den 1. Tag der beginnenden Fastenzeit, das nach all der Tollerei die Menschen mahnt: “Memento Mori!”

“Kehrt um und tuet Busse”, dazu rief bereits Johannes der Täufer in seinen Predigten am Jordan auf . 

Im Orakelheiligtum im antiken Delphi hiess es:

Gnothi Seauton -  Erkenne Dich selbst aber auch:
Und Nichts im Übermass!

Beide Aufforderungen konnte man am Apollon-Tempel lesen, bevor man die berühmte Pythia und ihre Priester-Übersetzer aufsuchte, um einen Rat einzuholen. Der Aufruf zu Innenschau und Mässigung war wohl schon damals notwendig. Im Mittelalter, waren es dann die Sieben Todsünden, denen ebenfalls Sieben Kardinaltugenden gegeübergestellt wurden. Diese Auswahl menschlichen Wohl- oder Fehlverhaltens in ihrer Repräsentaion als  Charakterbilder wurde an die positiven und negativen Archetypen der sieben Klassischen Planeten angelehnt. Die Todsünden stellen hierbei den Schattenaspekt dar:

  • Sonne: Superbia, Luzifer, Stolz
  • Mond: Inertia,. Belphegor, Trägheit
  • Merkur: Invidia, Neid, Leviathan
  • Venus: Voluptas, Luxuria, Asmodeus, Wollust
  • Mars: Ira, Zorn, Satan
  • Jupiter: Gula, Völlerei, Beelzebub
  • Saturn:  Avaritia, Geiz, Mammon

So manch einer würde jetzt seine wilden Eskapaden der tollen Tage lieber vergessen … ! Da kann nur gehofft werden, dass sie, dank Handy-Cam nicht morgen bereits in youTube zur Belustigung der Netz-Gemeinde beitragen. Bei den alten Griechen war man da gnädiger, wenigstens am Lebensende konnte die Seele ihre alten Verfehlungen abstreifen, die Erinnerung an schlechte, oder vielleicht auch nur einfach peinliche Erlebnisse wurde durch das Wasser des Unterwelt-Flusses Lethe ausgelöscht. Diese Überlieferung ist vieleicht in profanerer Form auch in die Geldbeutelwäsche-Bräuche einflossen. Allerdings betraf das Vergessen im Hades auch die guten und schönen Ereignisse im früheren Leben. An die Unvergänglichkeit von persönlichen Daten im Internet hatte man da noch nicht gedacht. Da hilft noch ncht einmal der gute alte Löschbolzen aus dem Film TRON. Wer erinnert sich noch – eine der ersten Computeranimationen im Kino, er handelte passenderweise auch von digitalen oder virtuellen Welten. Vielleicht werden wilde Feiern auch einmal dorthin verlegt …? Quasi keim- und katerfrei, ohne Risiken und Nebenwirkungen? Der Haken ist allerdings,  dass erst der Reiz des Verbotenen, vielleicht auch mit ein wenig Gefahr verbunden, solcherlei Treiben interessant macht. No risk – no fun … heisst es nicht umsonst. Darin liegt letzlich auch das Erfolgsrezept der Menschheit als Art auf diesem Planeten, allerdings – wie schon am Apollo-Tempel steht – nichts übertreiben, vor allem nicht die schrankenlose Ausbreitung und Vermehrung. Da hört wirklich der Spass auf.

Trügerisches Wasser - es spült die alten Sünden weg, aber auch die schönen Zeiten. Ein Spiegel, der kein Bild zurückwirft.Lethe ©scrano 2014

Trügerisches Wasser – es spült die alten Sünden weg, aber auch die schönen Zeiten verblassen.
Ein Spiegel, der kein Bild zurückwirft, Tote haben keine Identität, daher auch kein Spiegelbild..
Diese Annahme finden wir in den Vampirmythen wieder. Lethe ©scrano 2014

Da jetzt die Fastenzeit beginnt, kann man sich mit diesem Fisch-Rezept trösten: Karpfen nach nordbayerisch/fränkischem Rezept:

Aischgrund-Karpfen  “Müllerin-Art”

Nach „Müllerin-Art“, das bedeutet für die Zubereitung nichts anderes als „in Mehl gewendet“.
Fisch so vorbereitet bekommt beim Braten in der Pfanne eine schöne goldgelbe Kruste, das Fleisch bleibt zart und saftig und es fällt nicht auseinander. Jeder Fisch lässt sich prinzipiell so zubereiten.
Am besten nimmt man Filets oder schneidet den Karpfen quer in 2-3 cm breite Abschnitte. Man kann da schon Entgrät-Vorarbeit leisten – eine kräftige Pinzette hilft dabei.

Zutaten pro Portion:

  • 250-300 g eingeschnittenes Karpfenfilet oder Tranchen vom Karpfen
  • Salz, Pfeffer
  • 2 EL Pflanzenöl
  • 60 g Butter zerlassen
  • Mehl zum Wenden
  • Zitronenscheiben ohne Schale
  • 1 EL gehackte Petersilie
  • 2 mittlere Kartoffeln, vorwiegend festkochend

Zubereitung:

Kartoffeln waschen, aufsetzen, Salz, Kümmel zugeben, ca. 20 min. kochen. In der Zwischenzeit Karpfenfilet oder -tranchen mit Zitrone beträufelt einige Minuten marinieren. In einer schweren Pfanne das Öl erhitzen, die Karpfenstücke salzen, pfeffern, in Mehl wenden, sofort ins heiße Öl legen und bei starker Hitze 2-3 Minuten auf einer Seite braten. Hitze reduzieren, die Stücke wenden, das Öl abgießen und durch die hälfte der zerlassenen Butter ersetzen. Bei reduzierter Hitze fertig braten. Man kann auch Öl mit Buttergeschmack nehmen, dann erübrigt sich diese Prozedur. Die Karpfenstücke auf einen vorgewärmten Teller (im Backofen) legen,.

Abgegossene Kartoffeln pellen, halbieren. Gehackte Petersilie kurz in übriger zerlassener  Butter schwenken und an die Kartoffeln  gießen. Karpfen aus dem Ofen nehmen, mit Zitronenscheiben ohne Schale garnieren.

Tja, trotz der Üppigkeit eine traditionelle Fastenspeise, die auch als Variante” Karpfen paniert” seviert wird, z.B. auch am Karfreitag. Wer es leichter will, probiert Karpfen blau, oder nimmt einen weniger fetten Fisch, Kabeljau oder Forelle. Ich lasse Butter für Petersilienkartoffeln nicht bräunen, da sie dann bekömmlicher ist.

Andere Gerichte zur Fastenzeit sind Mehlspeisen und fleischlose Eintöpfe oder Suppen. Wenn man etwas für die Frühjahrsfitness tun will: Eine Kur mit einem Entwässerungstee bei gleichzeitigem Trinken von viel Flüssigkeit bietet sich jetzt an. Besser als Herrgotts-Bescheisserle mit geschmälzten Zwiebeln zu verspachteln, ist das für die Figur allemal.

  • Birkenblätter
  • Goldrutenkraut
  • Zinnkraut
  • Holunderblüten
  • Brennesselblätter

Jeweils einen Teelöffel aller Kräuter mischen und mit 1 Liter kochendem Wasser aufbrühen, über den Tag verteilt trinken, am besten während einer kleinen Fastenperiode mit viel Gemüse und Obst.  Wie bei allen Kräuter- aber auch Fastenkuren vorher seinen Haus-Arzt zu Rate ziehen.

 

Posted by on Februar 10th, 2016 Kommentare deaktiviert