Archive for März 8th, 2016

 

Stolze Brennessel: Zwischen Venus und Mars

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Junge Brennesseln an einem Bachlauf – Frühlingskraft pur!
©beast666 2014

Die Brennessel – „Königin der Heilpflanzen“

Wehrhaftigkeit, Willenskraft, Reinigung.

Urtica dioica

Urtica von urere = lateinisch brennen

Dioica bedeutet zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen, deren Blüten entweder Pollen spenden oder die Fruchtknoten bereitstellen und die Samen austragen. Sie ist eine bis zu 1,50 m hohe stattliche Staude in sattem Dunkelgrün, die obwohl unbeliebt und verteufelt, den Siedlingsräumen des Menschen treu folgt und die Narben der Boden-Kultivierung bedeckt und integriert. Aus der Familie der Brennesselgewächse stammend, besitzt sie einen ausdauernden, kriechenden, stark verästelten Wurzelstock mit der Neigung zur Rhizombildung. Verwandtschaften bestehen mit dem Hanf und dem Hopfen. Wie der Hanf ist die Nessel auch eine Faserpflanze. Die Urtica wächst bevorzugt in übersäuerten, mit Stickstoff angereicherten Böden. Sie erfüllt eine wesentliche Aufgabe, in dem sie den Böden den überschüssigen Stickstoff entzieht und das biologische Gleichgewicht wieder herstellt. Die Urtica nutzt den Stickstoff, um Eiweissverbindungen aufzubauen, wodurch sie vor allem für Raupen und andere Insekten zu einem begehrter Futterplatz wird, insbesondere für die Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und Admiral. Wegen des hohen Eiweißgehalts tritt rasch Fäulnis ein, wenn man die Pflanzen ins Wasser legt. Aus der Brennesseljauche wird ein natürlicher Dünger und dient als biologisches Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge. Die Urtica blüht im Sommer und Herbst. Als Kulturfolger schafft sie  den Übergang vom Bauwerk zum gewachsenen Boden, sie überwuchert “zurückgelassene” eiserne Geräte, sie bedeckt die Kulturbrache, überwächst offene Stellen an Ufern und sie belebt die Einschläge, welche die moderne Forsttechnik in das empfindliche Waldbiotop reisst.

Urtica urens, die kleinere, einjährige noch stärker brennende Nessel kommt im Verhältnis zur großen Schwester fast schon selten vor. Sie versamt sich gerne in Blumentöpfe.

In der konventionellen Landwirtschaft wird sie zu den schwer bekämpfbaren Ackerunkräutern gezählt und manche Hofstelle wird immer noch mit Round-up und ähnlichen Totalherbiziden vom dortigen Bodenleben entvölkert. In der Biogärtnerei wird das Brennesselpräparat verwendet um die “Marskräfte” in den Pflanzen zu stärken und das Mondenhafte (z. B. die weichen, schleimigen, saftziehenden Mikroorganismen, Schimmelpilze, Mehltau etc. in die Schranken zu weisen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird jedes Pflanzenwesen, auch die Bäume als Vermittler kosmischer Kräfte erkannt und entsprechenden Gestirnen oder kosmischen Archetypen zugeordnet.

Das ist die Signatur der Pflanze:

Die Brennessel zeigt sich marsbetont, aber sie besitzt dennoch alle Elemente der Achse von 2/8 Venus-Pluto und 1/7 Mars-Venus. Die Blätter stehen paarig  wechselständig. Die Blüten sind unscheinbare Windbestäuber, mit sehr viel Pollen, welcher aktiv herausgeschleudert wird, durch ruckartiges Strecken der Blütenstände.  Die weiblichen Blütenrispen warten mit reichlich zukünftigen Nüsschen auf die Befruchtung. Die Pflanze selbst verströmt keinerlei Geruch. Ihr Austrieb ist rötlich und zeigt schon die marsische Natur, wobei die zart wirkenden jungen Blätter mit ihrem frischen Grün eher der Venus zuzuordnen sind. Es ist eine harmonische Mars/Venus Signatur in der Pflanze wirksam: Die Stiervenus mit der nährenden Wirkung von jungen Blättern und den wertvollen Nüsschen, die Waage Venus in der Nierenanregung und der Entwässerung.  Mars mit dem Eisengehalt und der Brennwirkung, Pluto mit der Hilfe bei Prostataleiden, besonders durch die Inhaltsstoffe der Wurzel.

„Illustration Urtica dioica0“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Urtica_dioica0.jpg# mediaviewer/File:Illustration_Urtica_dioica0.jpg

„Illustration Urtica dioica“.

Kein Wunder, dass bei so viel guten Gaben, die Pflanze sich gegen Übergriffe wappnen muss: Als Verteidigung ist die gesamte Nessel mit einem Heer von spitzen Brennhaaren ausgerüstet. Diese brechen bei Berührung schräg spitz ab und bohren sich wie eine Injektionsnadel in die Haut und entlassen das brennende Sekret, u. a. bestehend aus Histamin, Acetylcholin und Ameisensäure. Hautbrennen, Quaddelbildung und erhöhte Durchblutung der betroffenen Region sind die Folgen. Die daraus resultierende Heilwirkung beruht auf einem verbesserten Gewebetonus durch Aktivierung der Muskelzellen und das Ausschwemmen von Schlacken, dadurch erhöht sich die Beweglichkeit.  Das Peitschen mit ganzen Brennesselruten wird auch heute noch in der Volksmedizin praktiziert bei schmerzhaft geschwollenen Gelenken, bei Rheuma, Ischias und Lähmungserscheinungen. Auch die durch den Schmerzreiz gebildeten Endorphine spielen hier eine Rolle.

Die Brennessel wirkt aufgrund der reichlich vorhandenen Phytohormone (wieder die Mars-Venus Signatur) unterstützend auf die hormonelle Umstellung in der Pubertät und fördert eine gesunde Sexualität. Außerdem wirkt sie sowohl hormonell regulierend als auch durch Anregung der Ausscheidungsorgane auf die Talgdrüsen der Haut (Venus) und vermeidet oder lindert so die Akne. Brennessel-Essig ist eine gute Haarspülung (Mars). Brennesselsamen sind früher dem Pferdefutter zugesetzt worden und hauchten so manchem alten Klepper wieder  ein wenig Feurigkeit ein (Vitamine A,B,E). Als Mars-Pflanze wirkt Brennessel auf den Eisenstoffwechsel. Beschwerden durch Eisenmangel wegen zu starker Menstruation können auch durch Brennesselzubereitungen gelindert werden. Brennessel ist generell ein Muskeltonikum. Das im Chlorophyll enthaltene Magnesium verhindert auch gleich nächtliche Wadenkrämpfe. Schon in der Antike war die Brennessel als Heilpflanze bekannt. Der Grieche Dioskurides schreibt, dass sie menstruationsfördernd, wind- und harntreibend wirke und gut gegen Hundebiss (Pluto) , krebsartige Geschwüre und alle schwerwiegenden Entzündungen sei. Die Pflanze wird auch von Hippokrates aufgeführt. Römische Heilkundige beschreiben ihre blutstillende Wirkung. Die Kräuterbücher des Mittelalters bestätigen im Wesentlichen die Indikationen der antiken Ärzte. Sowohl Paracelsus, als später auch Hildegard von Bingen führten die Heilpflanze in ihrem Arzneischatz.

Brennesselgerichte  liefern neben kräftigem natürlichen Aroma und den mineralischen Schätzen wie Na, K, Ca. Fe, P. Mg und Si noch 40 % der Trockenmasse an hochwertigem Pflanzeneiweiß. Für die Ernte von Brennesseln für Spinat, Tee oder besonders der älteren Pflanzen für Jauchen und Dünger schützt man sich entweder durch Leder- oder Gartenhandschuhe. Vor der Verwendung für Gerichte spült man die Pflanzen kräftig lauwarm ab und lässt sie abtropfen. Für Tee und Brennesselspinat ernten wir von den jungen Pflanzen die obersten 2 – 3 Blattpaare samt Stängel.

Küchen-Tipp:
Die unangenehme Wirkung der Brennhaare kann man beseitigen, indem man das Kraut kurz blanchiert oder kräftig abduscht. Wenn man sie als Salat verwendet, so werden die Brennhaare durch das Vermischen mit der Soße zerstört.

Spinat aus Brennesseln

  • 1 milde Zwiebel
  • 4 Sträusschen Brennesseltriebe

Die  Zwiebel in Rapsöl anschwitzen, Brennesseln zugeben und in ca. 5 – 7 Min. weich dünsten. (Ein Schuss Apfelsaft verbessert den Geschmack). Mit Gemüsebrühe , frisch geriebener Muskatnuss, Ingwerpulver, nach Belieben einer Spur Knoblauch und Schmand abschmecken.

 

Brennessel
Spinat
Energie 44 Kcal 15 Kcal
Eiweiss 7 g 2,5 g
Kohlenhydrate
1,3 g 0,6 g
Natrium 18 mg 65 mg
Kalium 320 mg 554 mg
Calcium 713 mg 117 mg
Magnesium 80 mg 40 mg
Eisen 4,1 mg 1,5 mg
Vitamin A 800 μg 549 μg
Vitamin C 300 mg 29 mg

Die hohen Calcium-, Eisen- und Vitamin C-Werte sind besonders auch für Kinder im Wachstum gesund, vor allem ist keine Oxalsäure enthalten, wie im Spinat.

Brennesselbutter:

  • Ein Sträusschen Brennesselspitzen  kurz lauwarm waschen,
  • abschleudern und mit einem Küchentuch nochmals abtupfen.
  • Sehr fein wiegen und in
  • 250 g weiche Sauerrahmbutter zusammen mit
  • 2 zerdrückten Knoblauchzehen, Meersalz und frisch gemahlenem oder zerdrücktem rosa Pfeffer verrühren.
  • Sie passt gut zu Pellkartoffeln oder zu frischem Dinkelbaguette.

Die Samen der Brennessel sind ein ausgezeichnetes Stärkungs- und Nahrungsergänzungsmittel und können ebenso kulinarisch zubereitet werden.

Brennesselnüsschen oder Samen können dem Muesli zugegeben werden.

Oder für Leckermäuler gibt es Brennessel-Honig:

  • 200 ml flüssigen Honig – Akazie oder Linde
  • Brennessselsaat

Die Nesselsamen in einer trockenen Pfanne leicht anrösten, erkalten lassen und unter sen Honig mischen bis eine Pesto-ähnliche Masse entsteht.

Heilwirkungen:
Die Wurzeln der Brennesseln sind medizinisch einsetzbar, da sie östrogenartig wirken. Etliche Untersuchungen zeigen den Nutzen von Brennesselwurzel-Extrakten bei alternden Männern mit gutartiger Prostata-Vergrößerung (BPH) und auch bei Entzündungen. Dabei bewirken Brennesselwurzelextrakte über Einflüsse auf das männliche Hormonsystem (Venus & Pluto-Wirkung!) eine Verkleinerung der vergrößerten Vorsteherdrüse. Dies erleichtert die typischen Beschwerden wie erschwertes Wasserlassen, häufiger (nächtlicher) Harndrang bei Entleerung von nur kleinen Harnmengen. Auch die Menge, das sogenannte „Restharnvolumen“, problematisch wegen der Gefahr von Blaseninfektionen, verringert sich.

Wegen der „königlich, stolzen Unnahbarkeit“ oder auch „Wehrhaftigkeit“ der Brennessel wird die Verabreichung der Brennessel in der Homöopathie zur Bildung von Willensstärke, Selbstüberwindung und Aggression verordnet. Böse Zungen behaupten auch, dass sie besonders rückgratlosen Menschen anzuempfehlen sei, um die Charakterbildung zu unterstützen. Also wälzen wir unsere Politiker und Witschaftsbosse doch mal kräftig in Brennesseln! Obwohl sie sich oft genug selber reinsetzen … aber leider nur sprichwörtlich.

Brennesseltee-Herstellung: Während der Blütezeit (Juli bis Oktober) werden die Blätter von Brennesselpflanzen gesammelt. Wichtig ist dabei, den Standort zu beachten – also nur in unbelasteten, abgelegenen Gebieten sammeln. Die Blätter werden vorsichtig mit Handschuhen vom Stängel abgestreift. Danach werden sie auf Schädlinge hin kontrolliert. Nur einwandfreie Blätter werden ungewaschen an der Luft so lange getrocknet, bis die Blätter beim Anfassen leicht auseinanderfallen. In abgedunkelten Gläsern halten sich die Wirkstoffe über ein Jahr lang.

Tee-Zubereitung:

2 Esslöffel getrocknete Brennesselblätter werden mit  1 Liter kochendem Wasser übergossen, abgedeckt stehen gelassen und nach etwa 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Über den Tag verteilt trinken. Man kann auch eine Kombination aus Brennesselwurzel und Blättern zusammen mit der Saat als Tee verwenden: Als Teedroge („Droge“, so nennt der Apotheker alle getrockneten Kräuter) werden sowohl Brennesselkraut, als auch ihre Wurzeln und ihre Samen verwendet. Brennesseltee wirkt blutreinigend und stimuliert die Bildung von Verdauungssekreten (in Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse, Leber, Galle). Zudem werden ihm Milch bildende, den Blutzucker senkende (Venus), entgiftende und den Stoffwechsel anregende Wirkungen zugesprochen. Auch als Immunregularium bei Allergien ist Brennessel tauglich.

Nesseln für Kleidung, Nesselgrün als Farbstoff:

Da Brennesselfasern außerordentlich reißfest sind und extrem viel Feuchtigkeit aufnehmen können, wurden sie auch zu Stoff verarbeitet, dem so genannten „Nessel“. Mit der Brennessel wurden Stoffe auch gefärbt. Wolle konnte man mit ihrer Wurzel, nach Vorbeizen mit Alaun, hellgelb färben. Unter Verwendung einer Vor- und Nachbeize erzielt man mit den oberirdischen Teilen ein kräftiges Graugrün. Auch Lebensmittelfarbe mit gesunden Inhaltsstoffen liefert  die Nessel, z.B. für Pasta oder Gummibärchen.

Die Brennessel im Biogarten:

Brennessel 24 Stunden in Wasser ausgelaugt ergibt ein ausgezeichnetes Pflanzenstärkungsmittel. Die reichlich vorhandene Kieselsäure der Brennessel festigt die Zellwände der damit gegossenen Pflanzen. Beißende und saugende Insekten haben es nun bei den Pflanzen schwerer. Wird dieser Ansatz deutlich länger als 24 Stunden stehen gelassen, bildet sich durch Gärung eine Jauche, in der zusätzlich Stickstoff und Spurenelemente gelöst sind und dadurch hervorragende Düngewirkung hat.

Brennessel-Jauche: Ein Kilogramm frische Brennesseln in fünf Liter Wasser etwa drei Wochen in einem verschlossenen Topf vergären lassen. Verwendung: In der Verdünnung 1:20 zur Aktivierung des Pflanzenwachstums und Bodenlebens; in der Verdünnung 1:10 als Düngung über junge, heranwachsende Pflanzen verspritzen. Warn-Hinweis: es müffelt ordentlich!

Jauche gegen Blattläuse: Ein Kilogramm frische Brennesseln in fünf Liter Wasser etwa fünf Tage in einem geschlossenen Topf gären lassen. Die Brennesseln ausfiltern und in einer Verdünnung 1:10 verspritzen.

Also eine richtige Garten-Freundin:
Gartenbesitzer betrachten Brennesseln wegen ihrer wuchernder Ausbreitung oft als Unkraut. Dabei verdrängt die Pflanze sogar letzteres, denn ihre kräftigen, verflochtenen Wurzeln lassen keine anderen Pflanzen aufwachsen. Und so wird sie Gerne aus Gärten vertrieben – sehr zum Leidwesen vieler ökologisch denkender Menschen. Diese sehen vor allem den Nutzen der Pflanze: Zum einen sichert eine kleine, kontrollierte Fläche im Garten den Bedarf an ungespritzten Blättern für den Eigenbedarf (Gemüse, Tee-Herstellung). Zum anderen kann die geduldete Brennessel-Fläche den Grundstoff zur kostenlosen Herstellung von Dünger oder natürlichem Schädlingsbekämpfungsmittel zum Beispiel gegen Blattläuse und andere Pflanzensauger liefern.

Zum Schluss noch eins: Ein Heilkräuter-Brevier ersetzt nicht diagnostische Abklärung von Beschwerden durch Arzt oder Heilpraktiker! Viele verordnen immer mehr Naturheilmittel – einfach  direkt nachfragen.

 

Posted by on März 8th, 2016 Kommentare deaktiviert