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Galerie im März: Le Sacre Du Printemps

Sacre Du Printemps

Sacre Du Printemps: Widderhörner und Yoni.
©scrano 2014

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Macht Josephine Baker Konkurrenz:
Egdvet-Mädchen im Tanzkostüm.

“Nijinsky war der erste Choreograph der Igor Stravinskys “Le Sacre du Printemps  im Jahr 1913 auf die Bühne brachte. Die Uraufführung in Paris sorgte für einen Skandal: Die dargestellten heidnischen Riten, bei denen ein junges Mädchen dem Frühlingsgott geopfert wird, empörten das Publikum.” -arte TV.

Hier irrte Strawinski – eigentlich wurden eher junge Männer geopfert – der Film “Medea” mit der unvergesslichen Maria Callas in der Titelrolle zeigt diesen Sachverhalt, wie er im antiken Kolchis, dem heutigen Georgien wohl Brauch war. Mit dem Blut des Geopferten wurde zur Frühling-Weihe die Gemeinschaft besprengt und es sollte Fruchtbarkeit für die Felder bringen. Zum Glück waren unsere Altvorderen nicht gar so blutrünstig, wie ihnen das von christlichen Missionaren oder römischen Schreiberlingen wie Gaius Julius Cässar aus nicht uneigennützigen Gründen unterstellt wurde.  Die meisten Fruchtbarkeitsriten bestanden eher aus ausgelassenen Feiern mit ekstatischen Tänzen – gemeinschaftlich, wohl um ein Feuer herum oder als Soloauftritt einer Priesterin. So ist ein gut erhaltenes Mädchengrab aus Dänemark bekannt, das wahrscheinlich die letzte Ruhestätte einer Fruchtbarkeits-Tänzerin darstellte. Sie starb eines natürlichen Todes und wurde mit reichen Beigaben beerdigt.

Bemerkenswert: Die goldenene Sonnenscheibe mit einem phallus-förmigen Kegel, die als zentrales Schmuck-Element ihres Tanzkostüms, das einem Bauchtanz-Outfit nicht unähnlich war, fungierte. Bildliche Darstellungen solcher Tänzerinnen zeigen eine akrobatische Darbietung, wobei die Sonnenstrahlen eingefangen und mit dem Kegel zurückreflektiert wurden:

Die lebensspendende Sonne wurde durch den Tanz rituell vom Himmel geholt (drawing down the sun) und ihre Segenungen auf die Gemeinschaft übertragen. Besonders dem Rock aus Filzschnüren kam in dem Tanz wohl eine besondere Bedeutung zu. Interessanterweise gab es bei den Römern ebenfalls einen Frühlingssbrauch, der mit solchen Schnüren aus Tierhaut oder Wolle verbunden war: Die Lupercalia  im Februar, einem Monat der nach diesen Fruchtbarkeits-Riemen benannt war, den sogenannten Februae.

Die Sonnenpriesterin starb jung, mit ca. achtzehn Jahren – und sie kam wohl aus dem Schwarzwald. Auf Grund der Strontium-Isotopenanalyse ihrer Zähne und Haare konnte man nachweisen, dass sie in ihrem Leben mehrmals auf die lange Reise zwischen ihrer ursprünglichen und neuen Heimat gegangen war. Auch das spricht für einen hohen sozialen Staus.

Das bronzezeitliche Egdvet Mädchen war eine wichtige Persönlichkeit, da sie mit vielen, wertvollen  Beigaben in einem 20 Meter-Tumulus bestattet wurde. Man fand in ihrem Baumsarg einen Topf mit der Asche eines männlichen Kindes – ein Opfer, wie in Kolchis, oder bei der hohen Kindersterblichkeit leicht möglich, jemand dem man der wirkmächtigen Priesterin bei der Überfahrt ins Jenseits anvertraut hat – womöglich ein Kind aus ihrer eigenen Familie? Für letztere Annahme spricht, dass die Sonnenpriesterin wohl auf ihrer letzten Reise in die Heimat an einer Krankheit verstarb, der kleine Junge vielleicht ebenfalls.

Die Tatsache, dass dder kleine Junge zur Bestattung eingeäschert wurde, hängt vielleicht mit dem Glauben zusammen, dass die Seele erst “hinübergehen” kann, wenn der Körper ganz zerfallen ist. Um so schneller würde auch eine Reinkarnation erfolgen. Die aufwändige Bestattung mächtiger Persönlichkeiten in der Bronze-und Eisenzeit war vielleicht eine Art Bindezauber, mit dem die Kraft oder auch magische Macht des Verstorbenen an sein Stammland gebunden werden sollte. Selbst beim Ursprung des ägyptischen Mumien- und Gräberkultes kann man solche Überlegungen vermuten. In der Anfangszeit des Landes am Nil war beides nur für den Pharaoh vorgesehen – man opferte regelmässig dem Ka, seiner Körperseele, um den ehemaligen Herrscher im Jenseits zu stärken, aber auch eine nächtliche Wiederkehr zu garantieren. Schliesslich war der einstige König jetzt ein mächtiger Fürsprecher seiner Untertanen bei den Göttern, ein Bote zwischen den Welten.

 

Posted by on März 11th, 2016 Kommentare deaktiviert