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Wenn die Osterglocken schweigen: Ratscherbuam in der Oberpfalz

Muensterschwarzach_Ratschenstandbild_2005

Ratscherbuam Denkmal vor der Abtei Münsterschwarzach.
Modified by scrano 2016 original bei wiki.

Da in den katholischen Gegenden Bayerns in der Karwoche nur eine Art Glocken auffällt – die sonnengelben Osterglocken, unermüdlich blühende Zwiebelblumen – müssen andere Instrumente her, die zum dreimal täglich zum Angelus-Gebet*** rufen … Diese Aufgabe übernehmen junge Burschen, jetzt auch Mädchen, die sich zu Ratschergruppen zusammentun, ähnlich wie die Sternsinger an Dreikönig. Anstatt der Glocken rufen nun die Ratschbuben mit ihren Ratschen von Gründonnerstag Abend bis zur Osternacht zum Gebet und Gottesdienst. Früher war dies zwingend notwendig, da nur wenige Menschen eine eigene Uhr besasssen und die Kirchenuhr nicht immer sichtbar war. Schon zu Klosterzeiten wurde in der Osternacht zur “Rumpelmette” geklappert. Da dieser Brauch immer mehr ausstirbt, möchte ich ihn hier wieder in Erinnerung bringen und einmal näher vorstellen: Eine sogenannte Ratsche oder Klapper ist ein Holzgerät, bei dem man durch Drehen einer Kurbel Holzhämmerchen in Bewegung bringt. Diese prallen auf das Holzgehäuse und erzeugen dadurch klappernde Geräusche. Kleinere Drehratschen haben Kinder früher als lärmerzeugendes Spielzeug besessen, auch in Stadien sieht man sie manchmal noch. Hier geht es aber um die Knieratschen, mit denen sogar ein Takt eingehalten werden kann, so dass die unterschiedlichen Instrumente der Ratschergruppe einen Gleichklang erzielen.

Der bei uns übliche Ratschenspruch lautet:

„Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß
den jeder katholische Christ beten muss.
Fallts nieder,  fallts nieder auf enkere Knie
und bets a Vater Unser und drei Ave Marie.

beim letzten Ratschen am Karsamstag wird manchmal angehängt:

“Wir haben geklappert für`s Heilige Grab
und bitten nun um a milde Gab’“

Ich habe aber auch schon gehört:

Wir haben geklappert für`s Heilige Grab und bevor ma gehn
bitt’ ma schen um a Oa – no bessa warn zehn, aber es glanga a zwoa.

Angelusläuten – Englischer Gruß

yellow_tulips_by_kmygraphic-d7e9vy3Morgens, mittags und abends wird durch Glockengeläut der Kirchenglocken in katholischen Gegenden zum Gebet aufgerufen. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Gläubigen jeweils den Englischen Gruße beten, der auch Angelus genannt wird.

Der Name Englischer Gruß ist kommt von dem Wort Engel und hat nichts mit der englischen Sprache zu tun. In früheren Zeiten wurde beim Morgenläuten an die Geburt Jesu gedacht, beim Mittagläuten an seinen Leidensweg und beim Abendgeläut an seine Menschwerdung.

Der Englische Gruß ist ein Gebet aus den Worten des Erzengel Gabriel bei der Verkündung der Geburt Jesu, das auf Lukas 1,26-38 basiert.

Der Brauch des Glockenläutens zum Gebet besitzt eine ähnliche Grundlage wie der Ruf des Muezzin vom Minarett: Aufforderung mit dem Tagesgeschäft einen Moment innezuhalten, um sich nicht nur den materiellen Dingen zu unterwerfen. Im Islam wird allerdings fünf mal gebetet, was wohl auch einer anderen Tageseinteilung im heissen Wüstenklima geschuldet ist. Und man muss sich vorher reinigen – Körper, Geist, Seele sozusagen. Eigentlich nicht falsch – wenn nur die Sache mit den archaisch-anachronistischen Begleiterscheingen nicht wäre, und natürlich wieder der Alleinseeligmachungsanspruch aller monotheistischen Glaubenssysteme, der eine echte Annährung verhindert.

Ratsche für Ostern

Ratsche aus Ahornholz als Ersatz für Osterglocken- Läuten
quelle:wiki

 

Posted by on März 20th, 2016 1 Comment