Archive for März 29th, 2016

 

Galeria alchemica: Deeper And Deeper

Ecstasy of Gold ©scrano 2014

Es lockt, was im Verborgenen liegt: Deeper And Deeper
Burrowing Spirals ©scrano 2014

Schon am Ende der Steinzeit grub der Mensch in der Erde, angezogen vom gelben Glanz des Sonnenmetalls, Sinnbild des Himmelslichts.  Später setzte man systematischen Bergbau ein um sich der Schätze im Untergrund zu bemächtigen. Auf Zypern fand man Malachit-bzw. Azurit-Minen, in denen das grüne oder blaue Erz für die Gewinnung  des rotgoldenen Aes Cuprum, Metall der Aphrodite, geschürft wurde.

Kupfer und Gold, als Tausch-und Zahlungsmittel schon früh die Metalle des Reichtums und der damit einhergehenden Macht. Bereits der spät-neolithische Ötzi aus Südtirol trug als Status-Symbol ein Kupferbeil bei sich. Das Silber wurde erst relativ spät als Münzmetall durch die alten Griechen eingeführt. Seitdem sind Edelmetalle ein Machtfaktor innerhalb von und zwischen Weltreichen. Der Metallhandel war das erste globale Unternehmen der Bronzezeit: Das für die wertvolle Legierung notwendige Zinn musste aus Grossbritannien herbeigeschafft werden. Das zivilisationsstiftende Metall der ersten Gross-Städte war daher dem Jupiter zugeordnet, Synonym für Wohlstand und Rechtsnormen. Das beim Silberabbau oder in den Zinn-Minen anfallende giftige Blei wurde erst zur Römerzeit so richtig gefragt: Blei war in den Städten des Imperium Romanum  ein in vielfältiger Weise genutztes Metall – etwa für Abdichtungen, Überdachnungen, Gewichte, Sargauskleidung, etc. Es galt als Metall des Saturn: Seine Schwere und die Verwendung beim Bauwesen und in Verbindung mit Totenriten gaben wohl Anlass dafür. Vielleicht hat auch seine Giftigkeit, die bei Bleipigmenten schon seit der Antike bekannt war, dazu beigetragen.

Das Eisen des Mars war Fluch und Segen zugleich: Einerseits war das Metall wunderbar für Pflüge und technische Gerätschaften aller Art geignet. Man erlernte durch seine Verhüttung auch viel über chemische Prozesse. Andererseits ist es das Waffenmetall schlechthin. Die anbrechende Eisenzeit ist daher auch gekennzeichnet als Epoche von Zerstörung, gewaltsamer Landnahme und blutigen Feldzügen. Schon Hesiod bezeichnet das eherne Zeitalter als einen Fluch der Menschheit, in dem die Barbarei auf die Erde kam. Leider ist sie wohl geblieben, und Asträa, Sinnbild des im Menschen wohnenden Gerechtigkeitssinns und der Mässigung,  ist in den Olymp entflohen.

Quecksilber, das Element der Transformation, flüssig, was einzigartig unter den Metallen ist. Ein Zauberelexier, als Lösemittel für Edelmetalle bei der Erzverarbeitung schon früh entdeckt wurde es zum Symbol für die Alchemie. Es ist bei Raumtemperatur flüchtig, seine Dämpfe sind extrem giftig. Wegen seiner Wandelbarkeit und der Fähigkeit sich mit anderen Substanzen zu verbinden wurde es dem Merkur zugeordnet. Quecksilberverbindungen wurden lange Zeit als Heilmittel eingesetzt – eine frühe Form der Chemotherapie, z.B. bei Syphilis (einer venerischen Jupiter-Krankheit, eingeschleppt aus den Kolonien).

  • Metall der Venus: Kupfer, Gegenpol und  Schatten – Mars (Krieg, Gewalt) und  Pluto (Machtmissbrauch, Obsession)
  • Metall der Sonne: Gold, Gegenpol und  Schatten – Uranus (soziale Revolution, Zerstörung, Chaos)
  • Metall des Mondes: Silber, Gegenpol und  Schatten – Saturn (Autorität, Bankenübermacht, Kontrolle)
  • Metall des Jupiter: Zinn, Gegenpol und  Schatten – Merkur (Neid, Merkantilismus, Globalisierung, Zauberlehrling)
  • Metall des Saturn: Blei, Gegenpol und Schatten – Mond (Trägheit, Traditionalismus, Patriotismus)
  • Metall des Mars: Eisen, Gegenpol und Schatten – Venus (Begehrlichkeit, eifersüchtiges Besitzstreben, Materialismus)
  • Metall des Merkur: Quecksilber, Gegenpol und Schatten – Jupiter (Wohlstand und Wissen – aber zu einem Preis, Umweltzerstörung, Zauberlehrling)

 All that glisters is not gold;
Often have you heard that told:
Many a man his life hath sold
But my outside to behold:
Gilded tombs do worms enfold.
Had you been as wise as bold,
Young in limbs, in judgement old
Your answer had not been inscroll’d
Fare you well, your suit is cold.

 
William Shakespeare, The Merchant of Venice: Portia’s Riddle of the  three Boxes
 

Der Prozess von der Auffindung der Erzadern bis zur Läuterung des edlen Metalls durch Lösen in Säuren oder Quecksilber und der anschliessenden Fällung wurde zum Ursprung der Alchemie, mit deren Wahlspruch “Solve et Coagula”.  Auch die spirituelle Alchemie, die als Weg zum Veredeln der menschlichen Seele angesehen wurde nimmt Bezug auf die Metallverhüttung:

V.I.T.R.I.O.L

ist das berühmte Akronym der Alchemisten, das auch von den Freimaurern übernommen wurde. Eine Aufforderung zur tiefergehenden Innenschau als Anfang der Verbesserung des eigenen Wesens an jeden Bruder.

Na dann, Glück auf!

Posted by on März 29th, 2016 Kommentare deaktiviert