21.3. Ingress der Sonne in den Widder

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Rothaarige Storm Queen – auch die Widderfrau kann den Mars nicht verleugnen.
Aries ©scrano 2016 feathereffect:falln-stock, 3D-model:ecathe

Das Sternbild Widder ist nicht sehr auffällig. Nur die Sterne am Kopf sind leicht am Himmel zu finden. Der Widder ist ein Herbst-Sternbild, zwar klein aber doch markant.  Für die alten Hirtenvölker, die hauptsächlich Ziegen und Schafe weideten, war der Widder ein Symbol für Fruchtbarkeit und Wohlstand. Früheste Erwähnung findet das Sternbild Widder im 3. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und wurde dort Ackerbauer / Ackerbesteller genannt. Man findet es westlich der ebenfalls zum Tierkreis gehöreneden Fische, und südlich des Dreiecks. Die 2000 Jahre vor dem Fische-Zeitalter waren von der Widder-Symbolik stark durchdrungen: Der ägyptische, widderhornige Fruchtbarkeitsgott Amun und auch die Böcke von Thor (zwar Ziegen, aber in derselben Kategorie) sind Beispiele für Lebens-Symbolik, aber das Lamm gilt als Sinnbild des Opfers: Nicht nur im Alten Testament wird Isaak durch einen jungen Widder ersetzt, als ihn sein Vater opfern will. Das Lamm ist das sprichwörtliche Sühneopfer, zusammen mit dem Ziegenbock. Letzterer soll als Sündenbock das Böse aus der Gemeinschaft tragen.

Der Widder ist ein Herbststernbild, bleibt aber bis weit in den Winter hinein sichtbar. Auf der Suche nach ihm kann man sich am auffälligen Sternviereck des Pagasus orientieren. Über seiner linken oberen Ecke sieht man das bekannte grosse W der Kassiopeia. Darunter liegt das V der Andromeda, dann das Dreick. Genau unterhalb dieses kleinen Sternbilds findet man dann den Widder.

Eine andere Möglichkeit, den Widder auszumachen, bietet uns der Lauf des Mondes durch den Tierkreis.  Da der Widder auch zu den Zeichen des Zodiak gehört, wird er von der Ekliptik durchzogen. Das Sternbild wird also von Zeit zu Zeit von Planeten durchwandert, der Mond zieht einmal im Monat hindurch. Das bedeutet aber, dass der Mond jeden Monat einmal im Widder stehen muss. In astronomischen und astrologischen Jahrbüchern, den Ephemeris,  ist der Aufenthaltsort des Mondes für jeden Tag des Jahres verzeichnet, inklusive seiner Phasen, daher braucht man nur dort nachzuforschen, um den richtigen Zeitpukt zu finden. Vollmondtage sind aus nachvollziehbaren Gründen eher nicht geeignet, aber das Licht einer schmalen Mondsichel stört nicht zu sehr.

Die Sonne finden wir im Sternbild Widder zur Frühlingszeit: Wegen der Präzession nicht mehr zum Datum des ersten Jahres-Äquinoktiums sondern  vom 19. April bis 4. Mai. Allerdings sieht man es dann nicht, da es sich am Taghimmel befindet.

Gerade in der Sagenwelt des sogenannten Widder-Zeitalters finden wir den Widder als Opfertier, aber auch als Symbol der männlichen Fruchtbarkeit.

In Griechenland gab es einen mythischen König mit Namen Athamas. Er war mit der Wolkenfrau Nephele verheiratet und hatte mit ihr die Kinder Helle und Phrixos. Nach einiger Zeit suchte sich der König eine menschliche Frau, Ino. Diese wollte Nepheles Kinder zugunsten ihrer eigenen loswerden. Also brachte sie die Frauen im Land dazu, das Saatgut für das kommende Jahr zu rösten, so dass nicht aufgehen konnte und eine Hungersnot drohte. Dann gab sie den Kindern die Schuld daran. (Hexenkinder, wegen ihrer übernatürlichen Mutter, einer Art Succubus). Athamas müsse nun seinen Sohn Phrixos auf dem Altar des Zeus opfern, um die Not von seinem Volk abzuwenden. Als Phrixos gefesselt auf dem Altar lag, erschien ein Widder mit einem goldenen Fell. Er nahm die beiden Kinder auf seinen Rücken und floh mit ihnen in ein fernes Land namens Kolchis. Helle fiel dabei ins Meer (den Hellespont), Phrixos kam heil ans rettende Gestade. Der König von Kolchis, Aietes,  opferte den Widder, hängte sein goldenes Fell an einen Baum und ließ es von einem Drachen  (Erdmutter) bewachen. Der Widder aber wurde zum Dank für seine guten Taten in den Himmel aufgenommen. Das goldene Vlies hat einen realen Kern: In Kolchis wurde das natürliche Wollfett des Widderfells als Hilfe beim Waschen des reichlich vorhandenen Flussgoldes verwendet. Nuggets haften sich gerne an die fettigen Zotteln von auf dem Bachboden ausgelegten Schaffellen.

Diese Sage erinnert stark an die bereits erwähnte Geschichte von Abraham und Isaak. Interessanterweise wird ausgerechnet Kolchis das Zufluchtsland der Kinder: Von dieser Region wird vermutet, dass dort das Knabenopfer an den Frühling (die Grosse Mutter) praktiziert wurde. Bereits in der Antike wird dies geschildert, in der Argonautensage, etwa, wo Medea, die Tochter des Aietes damit in Verbindung gebracht wird.  Die Zerstückelung ihres Bruders, aber auch das Verjüngungsritual an Pelias deuten für mich eher auf schamanische Zusammenhänge, welche in der heutigen Region Georgien (Kolchis) durchaus anzusiedeln wären. Trotzdem sind Frühlingsopfer an die Grosse Mutter (Jahreskönig) nicht auszuschliessen. Als später Archetyp der Erdmutter gilt im griechischen Pantheon Hera, deren parthenogenetisch geborener Sohn (der Zorn Heras) der Gott Ares, oder Mars war.  Dieser regiert den Widder astrologisch.  Er ist einer der Feuergötter, wie sie als primordiale Schöpfer auch in der Veden anzutreffen sind: Agni, etwa. Auch in der nordischen Götterwelt gibt es hier Parallelen:

Schonenhammer:
Thors Hammer, ein Phallus.
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Thor ist der stärkste der germanischen Götter und der Bekämpfer der Eis-Riesen. Er besitzt die mächtigste Waffe überhaupt. Den Hammer Mjöllnir (“Zermalmer”), mit dem er alles zerschmettern kann was ihm vor die Augen tritt. Allerdings ist diese Waffe, die wie ein Bumerang wieder zum Besitzer zurückkehrt, ein wenig seltsam geformt: Ein Phallus-Symbol eher als ein Dampfhammer. Thor wurde vor allem von den Bauern verehrt. Diese hatten für die Krieger der Wikinger und ihren Kriegsgott Odin aus den Skaldengesängen nicht viel übrig. Sie verehrten lieber den ehrlichen, mächtigen und umkomplizierten Thor. Insbesondere auf Island und in Norwegen war Thors Macht größer als die von Odin. Der Thor-Kult dort überstieg den Odin-Kult bei weitem! Wenn man sich die vulkanische Natur der eigentlich eisigen Gletscher-Insel ansieht  wundert das eigentlich nicht. Thor war für die Fruchtbarkeit (des Himmels, Regen) zustaändig, das zeigt schon sein Bocks-Gespann. In dieser Rolle als Frühlingsgott ähnelt er dem Mars der Römer, der auch kein wilder Wüterich war, wie der Zorn der Hera, Ares.

An Wikipedia angelehnt: “In zahlreichen skandinavischen Felszeichnungen und Abbildungen in Steingräbern sind männliche Figuren mit Hörnern zu finden, die einen Hammer oder vielmehr Äxte (Doppeläxte) bzw. Beile erheben, oftmals in phallischer Pose (z.B. Grab von Kivik), weshalb sie als göttliche Wesen gedeutet werden. Was die teilweise als Bock dargestellten „hammerschwingenden“ Figuren der Felszeichnungen betrifft, so weist Franz Rolf Schröder auf die Darstellung in der nordischen Mythologie und die geschilderte enge Bindung von Thor zu seinen attributiven, wagenziehenden Ziegenböcken hin. Im indogermanischen Vergleich ist festzustellen, dass die dem Thor/Donar verwandten Donnergottheiten zwischen Axt, Hammer und Keule variieren. Ein Amulett mit der Darstellung des Thorshammers im nordgermanischen Raum bzw. der Donarskeule im südgermanischen Raum galt in spätheidnischer Zeit besonders bei Frauen als Fruchtbarkeitssymbol (Grabungsfunde in Haithabu) und taucht als solches erst zu dieser späten Zeit auf.”

Tatsächlich sind die Funde von Thors-Hämmern mehrheitlich in Gräbern weiblicher Personen festgestellt worden und stehen unter Umständen eher mit Fruchtbarkeitsriten und Eheweihungen in Verbindung. Eine weitere gleichsinnige Verwendung findet der Thorhammer auf einigen Runensteinen in Dänemark und Schweden. Doppeläxte sind im Mittelmeerraum eigentlich mit der “Grossen Mutter” als Mondgöttin assoziert: Die Labrys stellt die Mondphasen dar, oder einen Schmetterling, Sinnbild des sich erneuernden Lebens. In Mesopotamien sind sie Wahrzeichen der Göttinnen Innana oder Ishtar, ebenso der  späteren zypriotischen Aphrodite. Diese Göttinen stellen den Gegenpol der Achse Widder/Waage oder Mars/Venus dar.

Heissblütiger Durchstarter: Im Widder herrscht der Mars.

Heissblütiger Durchstarter: Im Widder herrscht der Mars.
Aries ©scrano 2014

Der Widder zählt, wie seine Archetypen, die mythischen Helden Herakles oder Jason,  zu den hilfsbereiten, offenen und ehrlichen Menschen. Allerdings neigt er dazu, sich auffällig in Szene zu setzen, und gibt auch gern den Rudelführer. Mutig und selbstsicher stellt er sich den Gefahren und liebt Herausforderungen, manchmal ein wenig unüberlegt. Die wichtigste Eigenschaft des Widders ist sein feuriges Naturell und seine Direktheit. Widder-Menschen sind wie ihr Patron Mars regelrechte Energiebündel, geprägt von Impulsivität, aber auch wie Thor ein wenig naiv. Daher  entscheiden sie oft viel zu schnell und unbedacht, was in der Folge zu ernsten Problemen führen kann.
Seine Mitmenschen sieht er als Konkurrenten und Herausforderer, daher ist wenig zum Teamplayer geeignet. Es ist schwer für ihn einem Streit aus dem Weg zu gehen. Da wäre dann noch die Cholerik, die aber schnell verraucht. Er findet zu einem Problem im Nu eine Lösung und schafft es diese unkompliziert und geradlinig in die Tat umzusetzen. Ein Widder hört nicht gern, wenn man ihm sagt, was er tun soll. Er ist von Natur aus sehr ichbezogen und liebt es bewundert zu werden, fast wie der Löwe. Er will auf das Siegertreppchen, auch beim Sport, einer seiner Leidenschaften.  In der Liebe fasziniert ihn die Eroberung, hat er es geschafft verliert er fast augenblicklich das Interesse: Der regelrechte Casanova, also, der nicht nur ein Liebhaber, sondern auch ein Geheimagent, Gelehrter und Abenteurer war.  Der galante und umtriebige Casanova hatte nicht nur die Sonne im Widder, sondern auch einen feurigen Schütze-Mond und als Gegengewicht einen allerdings ebenfalls vom Mars mitregierten tiefgründigen Skorpionaszendenten. Das Motto: “Im Krieg und der Liebe sind alle Mittel erlaubt”, gilt für beide Geschlechter des Widder-Zeichens.
Durch seinen Elan und Kampfgeist kann ein Widder-Mensch es sehr weit auf der Karriereleiter bringen. Er ist zielstrebig und sehr ungeduldig. Wenn er etwas möchte, dann will er es am Liebsten gestern. Ist er an Regeln gebunden und darf nicht nach seinen spontanen Impulsen bestimmen, kann es schwer für ihn werden.
Widder sollten einen Beruf wählen, in dem sie meist als Anführer oder Pionier fungieren dürfen und am besten ihr eigener Chef sind. Niederlagen und Nackenschläge (ein Körperteil, das ihm zugeordnet ist) steckt der Widder schnell weg. Widder-Menschen beißen sich durch. Sätze wie: „Das schaffe ich schon allein.“ sind typisch für die Angehörigen der kardinalen Zeichen, z.B. auch des Steinbocks. Deren Aufgabe ist es, Dinge in Gang zu setzen. Scarlett o’ Hara aus “Vom Winde verweht” stellt wohl die typische Widderfrau dar. Alexander der Grosse, (Sonne Krebs, auch kardinal + ASC Widder)  aber noch mehr sein Vorbild Achilles repräsentieren ebenfalls das Widderprinzip, einschliesslich seiner Schwächen.

Positive Eigenschaften

  • Zielstrebiggraphics-zodiac-signs-337712
  • Diszipliniert
  • Selbstbewusst
  • Mutig
  • Leidenschaftlich
  • Abenteuerlustig
  • Belastbar
  • Durchsetzungsfähig
  • Direkt
  • Tatendrang
  • Unternehmergeist
  • Pionier
  • Unkompliziert
  • Spontan
  • Herzlich
  • Eigenmotiviert

Negative Eigenschaften

  • Egoistisch
  • Rücksichtslos
  • Aufbrausend
  • Ungeduldig
  • Aggressiv
  • Impulsiv
  • Neidisch
  • schlampig
  • Trotzig

Der Widder gehört zum 1. Haus des Zodiak, hier herrscht der Mars in seinem Taghaus.

  • Element: Feuer, kardinal, Yang
  • Farbe: Feuerrot und Rotorange
  • Kristalle: Rubin, Diamant, roter Yaspis, Hämatit, Magnetit
  • Tarot: Der Herrscher, fünf Stäbe, Der Magier, König der Stäbe
  • Domizil: Mars (Pluto)
  • Exil: Venus
  • erhöht: Sonne
  • Fall: Saturn (Uranus)
  • Pflanzen: Alle Mars- und Feuerpflanzen, vor allem Pionierpflanzen.

Zur Zeit fühlen wir alle die Auswirkungen des langsamen Transits von Uranus über den Widder. Unfälle, extremes Impulsverhalten, Gewaltausbrüche, Sprunghaftigkeit. Hoffentlich wird auch die positive Seite spürbar: Genieblitz – wir brauchen Dich!

 

 

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This entry was posted on Montag, März 21st, 2016 at 00:30 and is filed under Astrologie, Astronomie, Galerie, Geschichte, Mars, Philosophie, Planeten-Archetypen, Pluto, Sonne, The Weekly Sky, Uranus. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

 
 

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