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Pretty in Pink: Al Salmone …

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Schule der Lachse ©scrano 2014

Der keltische Lachs ist ein Symbol der Allweisheit: Lachse sind magische Tiere in den irischen Sagen, insbesondere der Lachs des Wissens, der im Fluss Boyne schwimmt. Er hat die Nüsse des universellen Wissens verschluckt, die von den Bäumen der Weisheit fielen, und gilt seither als das weiseste aller Tiere.

Diese Geschichte stammt aus der Erzählung “Die Taten des jungen Fionn” über den legendären Anführer der Fianna, einer Gruppe keltischer halbgöttlicher Heroen. Der Lachs der Weisheit war ein scheinbar gewöhnlicher Fisch, der neun Haselnüsse von der neun Büschen der universellen Weisheit verschluckt hatte, die in den Quellteich fielen, in dem er lebte. Der Kriegerbarde Finn Ecces fing den Lachs schliesslich und gab ihn seinem Schüler Fionn zur Zubereitung. Dieser leckte versehentlich ein Tröpfchen des Fischfetts von seinem Finger, und wurde dadurch allwissend. Sein Lehrer erkannte Fionns Erwählung und gab ihm den Rest des Fisches zu essen. Seither brauchte Fionn nur auf seinen Daumen zu beissen, um auf das gesamte Wissen der Welt zugreifen zu können. Er wurde daher von den Fianna zum Anführer gewählt.

Eine andere Version der Geschichte macht den Lachs zu einem unsterblichen Wesen, das eigentlich ein weiser Mann namens Fintan mac Bóchra war, ein Formwandler, der dem späteren Oberhelden Fionn als Ratgeber diente.

Auch vom walisischen Barden Taliesin (Myrddin=Merlin) und der Göttin Cerridwen, die den Kessel des göttlichen Wissens besass, ist eine ähnliche Geschichte überliefert. Beide Sagen dürften in die Artus-Legende eingeflossen sein.

Die Sache mit dem Daumen ist auch interessant: ” … by the pricking of my thumbs, something wicked this way comes”, ein Shakespeare-Zitat aus Macbeth, das damit vielleicht zusammenhängt. Wicked bedeutete ursprünglich lediglich magisch, nicht aber automatisch böse.  Alte Überlieferungen landen schnell in dämonischen Lager, sogar mancher Wortsinn wird dafür verdreht, besonders da Shakespeare zu dieser Zeit für King James I. arbeitete, dessen Hauptleistung im Verfassen des Machwerks “Demonology” bestand, einer Art britischem Hexenhammer.

Daher fällt auch die Hexenszene in Macbeth, aus der dieser Spruch stammt, so gruselig-klischeehaft aus, wie nur möglich. “Wess Brot ich ess, dess Lied ich singe … “auch ein Sprichwort, sehr treffend, nicht nur damals.

Im Englischen ist das Wortumfeld witch, wicce, wicca, wicked, die allesamt mit der Ausübung besonderen Wissens zu tun haben schwer zu entwirren, Wurzeln reichen bis zum indoeuropäischen wicce=verdrehen, biegen, verwandeln zurück. Die deutsche Hexe dagegen ist vielleicht nur eine schamanische Zaunreiterin:

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Hagazussa bedeutet Zaunreiterin, die zwischen den Welten wandelt= Schamanin, Seidkona (germanische Zauberpriesterin). Für Runenunkundige liest sich der Anfang der Buchstabenreihe wie HEXE. Im Englischen erkennt man die Verwandschaft des Wortes mit Hag=alte Vettel. Der Hag als Ort in einer Umfriedung hängt ebenfalls damit zusammen, genauso wie die Hecke, die früher einen dornigen, beschützenden Zaun um Ansiedlungen bildete. Ausserhalb war es gefährlich, nur nicht für die naturkundige Hagazussa oder Hagetisse. Sie konnte in der als zunehmend als unheimlich und düster eingestuften Wildnis wandeln, oder eben auch in der Anderswelt der Ahnen und Geister.

 

Posted by on April 15th, 2016 Kommentare deaktiviert