Ingress der Sonne in den Stier … oder ist es eine Himmelskuh?

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Der mächtige Himmelsstier, Liebling der Grossen Göttin.
Zodiak: Taurus ©scrano 2016 Bull render by umrae-thara.
Full credits: original.

Der Stier ist eines der bekanntesten Sternbilder und aufgrund seiner markanten Form und seiner hellen Sterne gut zu erkennen. Außerdem enthält der Stier gleich zwei bekannte Sternhaufen. Der dreieckige Sternhaufen Hyaden hat bildet den Kopf des Stieres. Der bekanntere Sternhaufen Plejaden befindet sich an der Schulter. Im roten Stern Aldebaran glaubte man  das Auge des Stieres zu erkennen. Den Stier findet man im Herbst und Winter abends am Sternenhimmel. Er steht rechts oberhalb des auffälligen Orion und unter der Auriga, deren Sterne teilweise zu ihm gerechnet werden. Ein Fuhrmann mit Zugochse … lol! Ihre regelmässige Form macht es uns leicht, die Konstellation aufzufinden, denn die Sterne bilden ein grosses V am Himmel.  Die Stier-Hörner sind vom V zwar um einiges entfernt, aber auch gut zu erkennen, da sie helle Sterne enthalten.  Zudem ist der Hauptstern Aldebaran einer der hellsten Sterne des Himmels und aufgrund seiner rötlichen Farbe nicht zu übersehen. Dieser Hauptstern im Stier (Alpha Tauri), ist ein Roter Über-Riese, ein aufgeblähter Stern, dessen Wasserstoff-Vorat schon lange aufgezehrt ist. Da er am Ende eines  Lebenszyklus eines Sterns steht, wird es ihn nicht mehr lange geben. Er ist ca. 68 Lichtjahre von uns entfernt und leuchtet 130mal stärker als unsere Sonne. Das Ende kann für Aldebaran in einer Supernova kommen, die da relativ nahe, recht spektakulär ausfallen wird. Ob der Himmels-Stier hier den “Weltenbrand” durch Gamma-Strahlung bringen kann, hängt von der räumlichen Konfiguration unserers Sonnensystems relativ zum Stier-Auge zum Zeitpunkt der Explosion ab. Naja, mal abwarten.Der Stier liegt auf der Ekliptik und gehört zu den Zodiak-Zeichen. Er wird also zyklisch von Planeten durchwandert, der Mond zieht einmal im Monat hindurch, und vom 14. Mai bis 21. Juni befindet sich die Sonne in diesem Sternbild. Dann ist es nicht beobachtbar, da es sich mit der Sonne zusammen am Taghimmel aufhält und mit ihr gemeinsam auf- und untergeht. Die Verschiebung der Sternzeichen (Stier: 21.4.-20.5.) zu den Sternbildern legt an der Präzession.

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Ptolemäische Kosmos-Darstellung mit Zodiak.

Das Sternbild Stier ist eines der 48 klassischen Sternbilder, die im astronomischen Werk des Ptolemäus beschrieben wurden.

Die Ekliptik mit ihren Zodiakzeichen (Sternzeichen) verläuft genau zwischen den auffälligenn Sternhaufen Plejaden und Hyaden hindurch. Diese Stelle des Himmels wird auch das ‘Goldene Tor der Ekliptik’ genannt. Hält sich Mars im Stier auf, ist er leicht mit Aldebaran zu verwechseln, da sie beide in rötlichem Licht leuchten. Ähnliches gibt es von Antares, dem roten Hauptstern des Skorpions zu berichten. Dewegen nannten ihn die Alten auch Ant-Ares: Gegenmars. Mit den Plejaden (älterer deutscher Name ist Glucke) besitzt der Stier einen der bekannteste Sternhaufen überhaupt. Man nennt sie auch Siebengestirn. Mit freiem Augen erkennt man 5 bis 8 der Sterne, bei guten Lichtverhältnissen. In Wirklichkeit besteht der Sternhaufen der Plejaden aus mehr als hundert blau leuchtenden Sternen, was sich erst durch ein Teleskop bewundern lässt. Es ist eine Ansammlung relativ junger Sterne, ca. 125 Millionen Jahre alt. Der Stier beinhaltet noch etwas Eindrucksvolles, wenngleich es sehr schwierig zu beobachten ist – den Krebsnebel. Er ist ein Überrest eines Supernovaausbruchs im Jahre 1054. Er ist wissenschafts-historisch von Bedeutung, da er für den Astronomen Messier der Anlass war, einen Katalog der Nebel und Sternhaufen zu erstellen. 1758 war Messier auf der Suche nach dem Halleyschen Kometen und hätte ihn fast mit dem Krebsnebel verwechselt. Dies verärgerte den Astronomen derart, dass er beschloss, eine Systematik zu erarbeiten, um weitere Missverständnisse auszuschließen. Der Krebsnebel erhielt in diesem berühmten Katalog passenderweise die Nummer M 1.

Natürlich gibt es bei einem solch spektakulären  Himmelsbild entsprechen viele Mythen:

Die griechische Mythologie bringt das Sternbild Stier mit dem Göttervater Zeus und eine seiner vielen Geliebten in Zusammenhang. Diesmal gilt sein Augenmerk der schönen Europa, der Namensgeberin unseres Erdteils. Europa war die schöne Tochter des phönizischen Königs Agenor, also eigentlich eine Orientalin. Die umtriebigen Phönizier brachte auch tatsächlich das Alphabet und ander Kulturleistungen auf ihren Handelsreisen nach Europa. Agenor wachte aber strikt darüber, dass niemand seine liebreizende Tochter entführte. Um an die begehrte Europa heranzukommen, ließ sich Zeus eine ganz besondere Idee einfallen:

Europa und der Stier

Europa und der Stier

Er verwandelte sich in einen schneeweißen Stier und mischte sich unter die Herde Agenors, nahe der Küste am Mittelmeerstrand weidete. Sein Sohn Merkur selbst hatte die Herde zuvor an den Strand getrieben. Europa war von der Zutraulichkeit und Schönheit des weißen Stieres sehr angetan. Sie und ihre Freundinnen trieben ihre Spielchen mit ihm.  Schließlich fasste Europa sich ein Herz und kletterte, von ihren Freundinnnen ermuntert, auf den Rücken des Tieres. Listig näherte der Stier sich nun dem Wasser, watete vorsichtig hinein und schwamm durch die Weiten des Meeres, um die schöne Europa an die Küste Kretas, also nach Europa zu entführen. In Kreta angekommen nahm Zeus wieder menschliche Gestalt an, der Stier fuhr als Sternbild zum Himmel. Zeus offenbarte seine wahre Identität und machte Europa zu seiner Geliebten. Diese gebar ihm drei Söhne, darunter Minos, der später König von Kreta wurde. In einer Variante dieser Erzählung verwandelte sich Zeus nicht selbst in einen Stier, sondern schickte einen echten Stier, um Europa zu entführen. Diesen Stier sollte Minos später dem Poseidon weihen, behielt aber lieber selbst. Der geprellte Poseidon rächte sich am König, indem er bewirkte dass sich Königin Pasiphae, die Gemahlin des Minos in das Tier verliebte. Aus dieser Verbindung ging das Ungeheuer Minotaurus hervor. Der Meeresgott Poseidon bestrafte auch den Stier für den Frevel und er musste von nun an feuerspeiend auf der Insel herumlaufen, wo er als schlimme Plage wirkte. Erst Herkules fing als eine seiner 12 (Zodiak)-Aufgaben*** den Stier dann ein und brachte ihn nach Argos, wo er jedoch das Festland verwüstete. Schließlich wurde er bei Marathon vom Helden Theseus getötet, der auch schon dem Minotauros den Garaus gemacht hatte.

Auffällige Sternhaufen bei den alten Griechen(Quelle: wiki)

  • Die Hyaden tragen auch den Namen Regengestirn, da ihr abendlicher Aufgang im Herbst eine regenreiche Jahreszeit ankündigte. Im frühen Griechenland galten die Hyaden als eigenes Sternbild. Zusammen mit den Plejaden bilden sie das sogenannte Goldene Tor der Ekliptik. Die Hyaden waren nach der griechischen Mythologie Töchter des Titanen Atlas. Da sie nicht aufhören konnten, den Tod ihres Bruders zu beweinen, wurden sie an den Himmel verbannt.
  • Die Plejaden (sieben Schwestern) stellen Atlas, seine Gemahlin Pleione und weitere seiner schönen Töchter dar. Um Pleione und ihre Töchter vor den Nachstellungen des Orion zu schützen, versetzte Zeus sie an den Himmel. Dort läuft Orion immer noch Nacht für Nacht hinter ihnen her, ohne sie je einzuholen.

Ein mächtiges Kultsymbol

Der Stier gehört zu den ältesten Sternbildern und war bereits den früheren Hochkulturen bekannt. Erste Erwähnung findet ein Sternbild Stier (Taurus oder Centaurus) im 3. Jahrtausend v. Chr. bei den Sumerern, wo ein mythologischer Himmelsstier auch im Gilgamesch-Epos vorkommt. Der Stierkopf wird vom hellen, dreieckigen Sternhaufen der Hyaden gebildet, von dem zwei lange Hörner in Richtung des Sternbilds Orion ausgehen. In Mesopotamien wurde Orion jedoch mit dem sagenhaften König Gilgamesch assoziiert, der den Himmelsstier im Kampf bezwang. Bei den Sumerern erhielt das Sternbild daher den Namen Himmelsstier / Stier des Himmels (Gu4-an-na/Gud anna). Der Stierkult ist eigentlich Ur-weiblich. Die Hörner des Tieres symbolisieren den Mond. Der Mond war ein herausragendes Symbol für die kontinuierliche Erneuerung und die Große Göttin selbst. Das zu dieser Epoche sehr auffällige und häufig anzutreffende Bild des Stieres gilt als Versinnbildlichung der schöpferischen und das Leben hervorbringenden Kräfte und stand mit dem Mond in engem Zusammenhang – ebenso „heilige“ Stierhörner, die von ihrer äußeren Erscheinung und tieferen Bedeutung her mit Ideogrammen des Halbmondes korrespondieren. Die Zodiakglyphe für das Zeichen Stier versinnbildlicht die Vereinigung von Sonne und Mond, ein Echo der alten “Grossen Mutter”, Nicht umsonst steht der Mond im Stier erhöht, er besitzt eine natürliche Affinität zu diesem Zeichen und seiner planetaren Herrscherin, der Venus. Auch durch den Tanzreigen der Planeten sind beide verbunden: 13 Venus-Jahre braucht die Venus für ein sogenanntes Himmelspentagramm, 13 Mondzyklen hat das Jahr. Wie der Mond hat die Venus ebenfalls Phasen. Auch das häufig auftretende Symbol der Doppelaxt in Verbindung mit Stierkulten ist ein weibliches, das die Mondphasen repräsentiert oder den “Mondfalter”, Sinnbild der Transformationen des Lebendigen und der Weltachse.  Schlussendlich sind Schädel des Tieres mit seinen Hörnern auch ein verblüffend ähnliches Abbild der weiblichen Fortpflanzungsorgane.  Dass die Milch der ersten domestizierten Kühe für die Menschen besonders wertvoll für das Überleben war und daher die Tiere als Lebensspender schlechthin betrachtet wurden, findet man heute noch im Hinduismus. Die Kuh steht stellvertretend für Mutter Erde, aber auch für Träume ist sie mondenhaft zuständig. Vielleicht nennt man das Sternbild Stier besser Kuh ? Schliesslich ist auch der Grosse Bär (ursa major) in vielen Kulturen eine Bärin mit Jungem (kleiner Bär).

Ur-Beschützerin des Himmelsbullen war die sumerische Inanna, eine auch ehemals lunisolare Urmutter, mit Löwen und Stier als Attributen. Sie wurde ebenfalls zu einer eher launischen, kapriziösen Diva-Venus mit Zicken-Gehabe umfunktioniert. Dazu passt dass sie als Verkörperung des Stier-Prinzips zu ihrer Zwillingsschwester Ereskigal in die Unterwelt muss, wo ihr wegen ihrer Hybris ordentlich eingeheizt wird. Diese plutonische Schwester stellt den Unterweltsaspekt der Fruchtbarkeitsgöttinen dar, ihren Gegenpol im Skorpion. Ein ähnliches Schicksal erlitt Kore/Persephone in der griechischen Mythologie. Eine Unabhängigkeit von den partiarchalen Regeln bestand nur noch in der scheinbar paradoxen Jungfräulichkeit der Fruchtbarkeitsgöttinen, die allerdings nicht mit Keuschheit, eher mit Unnahbarkeit zu tun hatte, ein kläglicher Rest des männlichen Parts, der in der Urmutter selbst inkorporiert war.

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Sonne im Stier: Es grünt so grün!
Jetzt herrscht die Himmelskuh, Venus Pandemos, Hathor.
Fractal Jungle ©scrano 2013

In Ägypten treffen wir auf die Himmelskuh als Hathor, Patronin von Fruchtbarkeit, Wein und Musik. Auch in ihr vereinen sich ursprünglich solare und lunare Attribute. Später werden erstere vom männlichen Sonnengott Re übernommen, sie selbst zur ägyptischen Venus. Die mythologischen Verbindung Hathors mit Re werden wie folgt beschrieben: Re öffnet im Inneren eines blühenden Lotos seine Augen in dem Moment, in dem er das Urchaos verließ. In seinen Augen bildete sich eine Flüssigkeit, die zu Boden fiel: Sie verwandelte sich in eine schöne Frau, der man den Namen „Gold der Götter, Hathor die Große, Herrin von Dendera“ gab. In einem anderen Mythos verwahrt Hathor über Nacht Re in ihrem Leib und gebärt ihn jeden Morgen neu. In vielen Beschreibungen ist Hathor das Auge des Re selbst. Dieser Ausdruck ist nur eine andere Bezeichnung für den Mond. In der Überlieferung „Die Vernichtung der Menschheit“ ist Re über die Schlechtigkeit der Menschen enttäuscht und schickt Hathor in ihrer solaren Variante, der Löwin Sachmet, um die bösen Menschen zu töten. Sachmet verfällt jedoch in einen Blutrausch und tötet immer mehr Menschen. Durch einen Plan des listigen Thot wird Sachmet mit rotgefärbtem Bier betrunken gemacht, um sie aufzuhalten und während sie schläft, verwandelt Re sie in Hathor zurück. Auch hier wird eine lunisolare Urmutter zuerst ihres Löwenaspekts (Sonne) beraubt und dieser durch die Venusattribute ersetzt. Eine andere religiöse Verbindung der ägyptischen Götterwelt zum Sternbild ist der berühmte Apis-Stier. Ursprünglich war das Tier ein Symbol für die männliche Fruchtbarkeit. Er wurde seit der Ersten Dynastie im Tempel des Schöpfergottes Ptah als dessen Tierform besonders in Memphis verehrt. Der Apis-Stier wurde auch als Orakel des Gottes angesehen. In der Spätzeit wird er dann als Frühlingform des Osiris in den Isis-Kult integriert, als wiederkehrende Vegetation. Während der ptolemäischen Herrschaft in Ägypten wird er Aspekt der “Multikulti”-Staatsgottheit Serapis (Osiris+Apis).

Der Stierkulte spielte immer eine bedeutende Rolle in ganz Europa, besonders deutlich zeigt sich das schon früh bei der Kultur Kretas (Bronzezeit) und im alten Anatolien (ab ca. 7500 v.Chr)

Minoische "Grosse Göttin" mit Löwenhut und Schlangen.

Minoische “Grosse Göttin”
mit Löwenhut und Schlangen.

Bei den Minoern taucht der Stier auch in Verbindung mit der Doppelaxt auf. Die Doppelaxt ist ihrerseits, wie schon erwähnt, eine Symbolik der Sonne-Mond-Bewegungen (Phasen, Finsternisse) am Himmel. Stierköpfe, denen eine Doppelaxt zwischen den Hörnern aus dem sonnenverzierten Schädel ragt, verstehen sich als Gleichnis für den mit der Weltenachse verwachsenen Himmelsstier, der um diese in stoisch kreisendem Lauf das Himmelsjoch zieht. In Catal Hüyük, einer stadtähnlichen Ansiedlung in Anatolien aus dem frühesten Neolithikum wurden Tempelräume mit Figurinen einer Muttergottheit (mit Löwinnen!) und Kultnischen mit Stierschädeln gefunden. Auch die Doppelaxt taucht auf.

Eine Ur-Inanna? Catal Hüyük, ca. 8000 Jahre alt.

Muttergöttin mit Löwenthron:
Eine Ur-Inanna?
Catal Hüyük, ca. 8000 Jahre alt.

Ab der späten Bronzezeit drängt dann das Pferd als Kult-Symbol ins Zentrum der religiösen Vorstellungen im nun zusehends indoeuropäisch geprägten Europa. Erst in der Spätzeit der Antike, aus dem hellenistischen Griechenland kam der göttliche Stier, nun als Signum eines Männerkultes, mit der Mithras-Verehrung  wieder nach Europa. Im Römischen Weltreich etablierte sich der Kult um den solaren Heros Mithras bei der Oberschicht und besonders den Offizieren der Legionen ab dem 1. Jhd v. Chr. Ihren Höhepunkt hatte diese Religion im 2. und 3. nachchristlichen Jahrhndert. Möglicherweise  sind mythologische Ursprünge der Stifterfigur beim Himmelsstier Mesopotamiens und im Gilgamesch-Epos zu verorten, welche dann über Persien in die greaco-romanische Welt gelangten. Das Hauptmotiv auf Altären, Reliefs und Wandmalereien in Mithräen, die so genannte Tauroktonie oder Stiertötungsszene, zeigt Mithras, mit Sternen-Umhang und phrygischer Mütze bekleidet, beim Töten eines Stieres. Nach der mithräischen Mythologie hat Mithras diesen Stier verfolgt, eingefangen und auf seinen Schultern in eine Höhle getragen, wo er ihn zur Erneuerung der Welt opfert. Aus dem Blut und Samen des Stiers regenerieren sich die Erde und alles Leben. Außer den beiden Protagonisten sind auf der Tauroktonie eine Reihe anderer Gestalten abgebildet: Eine Schlange, ein Hund, ein Rabe, ein Skorpion sowie manchmal noch ein Löwe und ein Kelch. Historiker vor allem in neuer Zeit deuten diese Figuren als Sternbilder. Dabei entspricht der Stier dem Sternbild Stier, die Schlange dem Sternbild Wasserschlange, der Hund dem Sternbild Kleiner Hund, der Rabe dem Sternbild Rabe und der Skorpion dem Sternbild Skorpion. Der Löwe symbolisiert das Sternbild Löwe und der Kelch entweder das Sternbild Becher oder den Wassermann. Am Nachthimmel zeigen die Plejaden im Sternbild Stier die Stelle an, an der der Dolch von Mithras in die Schulter des Tieres eindringt. Die Mithras-Mysterienreligion wird in moderner Interpretation zunehmend mehr als eine astrale gesehen, worauf auch die 7 Einweihungs-Stufen (nach den Plejaden oder den sieben klassischen Planeten) hindeuten. Auch die Stiertötung bekommt nun einen Zusammenhang mit astronomischen Geschehnissen am Himmelsgewölbe. Weithin galt in der Antike der himmlische Zugstier als das beständige Element des Kosmos, fest eingespannt umrundet er die fixe Axis Mundi.  Als im 2.Jhd. v. Christus Hipparchos die Präzession dieser Himmelsachse entdeckte, suchte man nach einer göttlichen Erklärung für das zunächst angsteinflössende Phänomen. Hier um ca 128 v. Chr. liegen wahrscheinlich die zeitlichen Wurzeln des Mithraskults: Der neugefundene Gott Mithras, ein Sonnenheros, tötet den Stier und wird der Herrscher und Weltenbeweger: Er verursacht die Präzession der Himmelsachse. Den Wechsel des Äquinoktiums in den Widder ca. 2000 Jahre in der Vergangenheit sah man nun als Erneuerung und den Beginn eines neuen Zeitalters an. Die Ära des Stiers um 2000 v. Christus endet mit dem Akt des Mithras: Interessanterweise werden in dieser Zeitperiode, der späten Bronzezeit, die alten Mutterreligionen von den patriachalen Pantheons zusehends verdrängt. Bald wird das Eisen des Mars uber das Kupfer (Bronze) der Venus herrschen. Das passt dazu, dass der Mithraskult nur Männern vorbehalten blieb. Der Name Mithras ist nach neueren Erkenntnissen eventuell sogar nur eine Art öffentlicher, symbolischer Kunst-Name für einen “Verborgenen Gott der Weltbewegung“, dessen Abbild man im Sternbild Perseus zu finden glaubte.  Dieses “kniet” quasi auf dem Sternbild Stier, wie in den Mihras-Szenen auf den Altarsteinen. Mithras stand vielleicht nur stellvertetend für “das Licht einer neuen Weisheit”.

 Der Stier in der Astrologie

Das Sternzeichen Stier gehört zusammen mit dem Steinbock und der Jungfrau zu den Erdzeichen. Daher ist es typisch für Stiere, dass sie sehr an allem Dinglichen aber auch an ihrem vertrauten Umfeld hängen und nur selten sich von etwas trennen. Durch ihre Zugehörigkeit zum fixen Kreuz bevorzugen sie den “Status Quo”. Es fällt den in diesem Zeichen geborenen schwer etwas loszulassen, daher ist der Stier auch sehr loyal gegenüber seinen Mitmenschen. Seine Freundschaften überdauern, allerdings werden sie nicht schnell geschlossen. Oft wird es schwierig für einen Stier Freunde zu finden, er ist sehr misstrauisch und prüft seine Mitmenschen erst ganz genau, bevor eine Freundschaft entstehen kann. Wegen seiner ausgeprägten Zuverlässigkeit kann man auf einen Stier immer bauen, er ist das solide Fundament in einer Beziehung. Wenn Not am Mann ist, dann ist es gut, einen Stier zum Freund zu haben. Sein ausgeprägter Beschützerinstinkt führt dazu, dass er sein direktes Umfeld und die Familie mit aller Entschlossenheit unterstützt und verteidigt. Seine positive Grundeinstellung macht ihn zusätzlich beliebt bei seinen Verwandten und Bekannten. Deshalb ist er auch für viele “der Fels in der Brandung”, an dem man sich orientieren kann. Das wichtigste für einen Stier ist allerdings die Sicherheit einer Wohlfühlzone, die er an der Verfügbarkeit von Ressourcen festmacht. Da er dadurch sehr besitzorientiert erscheint, sehen ihn seine Mitmenschen oft als unersättlich und materialistisch. Durch die Angst, plötzlich “nackt” in der Wildnis zu stehen, möchten Stiergeborene alles aufheben, womöglich könnte man es noch einmal brauchen. Gleichzeitig können sie jedoch sehr hilfsbereit sein und von ihrem „Reichtum“ abgeben. Bittet man sie um etwas, helfen sie gern, denn ihre Mitmenschen und Freunde liegen ihnen sehr am Herzen, und sie lieben eine harmonische Atmosphäre. Stiere sind meist musisch begabt und erfreuen sich an den schönen Künsten, auch als Sammler.  Da sie zu den eher körperlichen Zeichen gehören, ihr Haus regiert diese Aspekte des Lebens, besonders die Nahrungsaufnahme und den Fortpflanzungstrieb, sind sie auch leiblichen Genüssen nicht abhold.  Passend ist dem Stier auch die Mund- und Nasenregion, sowie der Kehlkopf zugeordnet. Ein oraler Typ, würde Papa Freud (auch ein Stier und passionierter Zigarrenraucher)  dazu sagen. Der Mund ist nicht nur zum Essen oder Küssen da, der musische Stier weist oft ein nicht unerhebliches Stimmtalent auf. Oder er ist eine sogenannte “Nase”, ein gefeierter Parfümeur. Interessanterweise selten ein Küchenzauberer, eher ein regelmässiger Gast in Gourmet-Tempeln, oder in seinem Traumberuf: Gastronomiekritiker. Sind deshalb von der Stier-Venus gesegnete Opernsänger, männlich oder weiblich häufiger moppelig? Diese hedonistische Grundeinstellung des Stiers führt leider oft zu Ausschweifungen im Lebensstil, die der Gesundheit meist abträglich ist.  Auch wenn der Stier kreativen Beschäftigungen ausserhalb der Musik nachgeht , etwa dem Kunsthandwerk, was eine seiner Stärken ist – kann er erstaunliche Dinge schaffen.  Man denke zum Beispiel an den Juwelier Faberge, mit seinen unheimlich detaillverliebten, prunkvollen  Zaren-Ostereiern. Hier zahlt sich die Geduld des Stiers aus. Er ist zwar Künstler, aber kein Träumer. Denn schließlich entpuppen sich Träume oft nur als Schäume. Mit seiner berühmten goldenen Nase riecht er das Geld förmlich (man denke an den Parfümeur!) und macht es sich zu eigen. Hat der Stier einmal ein Ziel ins Auge gefasst, dann verfolgt er es auch konsequent. Allerdings wie immer, wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. So auch beim Stier.  Seine zielorientierte Beharrlichkeit ist oft leider verbunden mit seiner ausgeprägten Langsamkeit, die sein Umfeld manchmal wahnsinnig werden lässt. Stiere sind nämlich oft sehr träge und nicht besonders schnell. Die Geduld ist zwar seine Stärke, doch manchmal kann sie auch in Sturheit ausarten. Mit seinem Dickkopf bleibt er beharrlich bei seiner einmal gefassten Meinung und lässt sich nur noch schwer von etwas anderem überzeugen. Dadurch ist er nicht flexibel. Er ist aber kein Bummelant, sondern er benötigt die Zeit, um aufgenommene Dinge quasi wiederzukäuen. Er möchte seinen eigenen, natürlichen Rhythmus finden. Ungeduldige Menschen ergreifen beim Stier lieber gleich die Flucht, sobald sie es mit ihm zu tun bekommen. Intellektuelle Gefechten geht er lieber aus dem Weg, dadurch erscheint er geistig schwerfällig und wenig lernfähig. Dafür ist er sehr gründlich, Flüchtigkeitsfehler gehören nicht zu seinen Schwächen. Viele im Sternzeichen Stier geborene Menschen sind naturverbunden und brauchen deshalb auch regelmäßige Abstecher in ländliche Gefilde um sich zu entspannen. Im Regelfall haben sie viele Pflanzen die liebevoll gepflegt werden.

Positive Eigenschaften

  • Loyalgraphics-zodiac-signs-356126
  • Zuverlässig
  • Musisch
  • Praktisch
  • Pragmatisch
  • Belastbar
  • Bewahrend
  • Beschützend
  • Sicherheitsorientiert
  • Handwerklich begabt
  • Lebensbejahend
  • Sinnlich
  • Beharrlich
  • Geduldig
  • Vorsichtig

Negative Eigenschaften

  • Stur
  • Konservativ
  • Starrsinnig
  • Besitzorientiert
  • Träge
  • Misstrauisch
  • Hedonistisch
  • Schlicht gestrickt
  • Materialistisch
  • Ängstlich

Der Stier gehört zum 2. Haus des Zodiak, hier herrscht die Venus in ihrem Nachthaus..

  • Element: Erde, fix, Yin
  • Farbe: Grün, rosa
  • Kristalle: Turmalin, Jade, Peridot
  • Tarot: Die Kaiserin, Königin und König der Münzen
  • Domizil: Venus,
  • Exil: Pluto /(Mars)
  • erhöht: Mond
  • Fall: Saturn(Uranus), Begründung:  Der Mond steht im Stier erhöht, sein Gegenpol Saturn daher im Fall: Die Askese des Saturn liegt dem Stier nicht. Uranus bedeutet Aufgabe des “Status Quo” und schnellen Wandel, aber auch geistige “Verstiegenheit und Abstraktion”, auch kein Wohlfühlthema für den Stier. Im Gegenzeichen Skorpion wird Uranus häufig als erhöht angenommen, da Transformation und Krise von starken Veränderungen begeleitet werden.  Auch das Loslasen von materiellen Dingen passt zum Uranus. Würden (Dignitäten) bei kollektiven planetaren Archetypen (Uranus-Neptun-Pluto) sind aber eher von akademischen Interesse. In der klassischen Astrologie  (nur bis Saturn) steht im Stier keiner der Planeten im Fall.
  • Pflanzen: Alle Venus- und Erdpflanzen, vor allem Nahrungspflanzen.

***Lesetip: Alice Bailey: “Die 12 Arbeiten des Herkules” aus astrologischer Sicht. Ist zwar etwas theosophisch, aber das kann man getrost ignorieren.

 

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This entry was posted on Donnerstag, April 21st, 2016 at 04:50 and is filed under Astrologie, Astronomie, Geschichte, Philosophie, Planeten-Archetypen, Signaturen, Venus. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

 
 

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