Archive for Mai 2nd, 2016

 

Magischer Mai: Wonnemond

may_dream_by_scrano-d9v73ii

Maikönigin, Sinnbild der Venus und der Mondin.
May Dream ©scrano 2016, credits:original,  model: jamari lior

 

Der Mai ist der fünfte Monat des Jahres im gregorianischen Kalender. Er hat 31 Tage. Im vorjulianischen römischen Kalender war der Maius der dritte Monat, im julianischen Kalender der fünfte, jeweils mit 31 Tagen. Im Tierkreis wird das dritte Haus und auch das dritte Zeichen den Zwillingen zugeschrieben, dessen Beginn auf den 21.Mai fällt. Der überwigende Teil des Monats steht aber noch unter der Herrschaft der Venus und des Stier.

Benannt ist dieser Monat − so die Zeugnisse einer Reihe lateinischer Autoren − nach der römischen Göttin Maia, welcher der Flamen Volcanalis am ersten Tag dieses Monats ein Opfer darbrachte. Die altverehrte Göttin „Maia Vulcani“ (wohl als „Frau des Vulcanus***“ zu denken) wurde später mit Terra mater und Bona Dea gleichgesetzt. Denkbar wäre auch Maia, eine Nymphe und Mutter des Merkur als Patronin. Beide Namen würden auch zur astrologischen Zuordnung des Mai zum Stier (Venus war die Frau des Vulcanus) und zu den Zwillingen über die Hermes/Merkur herrscht, passen. Vulcanus war zudem der schattige Zwilling des flatterhaften Hermes.  Die Wortwurzel *mag, die im Monatsnamen steckt, hängt mit Wachstum und Vermehrung zusammen. Damit ist der mensis Maius auch in das ursprüngliche römische Bauernjahr eingeordnet.

Der alte deutsche Name, der durch Karl den Großen im 8. Jahrhundert eingeführt wurde, ist Wonnemond, hat aber nichts mit wonniglich, sondern eher mit Almauftrieb zu tun (Weidemond wäre die korrekte übersetzung des althochdeutschen wunnimanot). Die romatisierende Umdeutung erfolgte erst im 16. Jhd. zu “Monat der Lieblichkeit”.

  • Im katholischen Kirchenjahr ist der Mai besonders der Verehrung der Gottesmutter Maria gewidmet (Maiandachten, Wallfahrten), weshalb er in diesem Umfeld auch als Marienmond bezeichnet wird – wie auch teilweise der Oktober (Waage-Venus) – der zu zähmende weibliche Venus-Anteil wird ganz und gar dem mondhaften Mutterarchetyp unterstellt, Marias Jungfräulichkeit hervorgehoben, wohl um den ausschweifenden Maibräuchen allerorten etwas entgegenzusetzen. Symbolik herfür ist der blaue Mantel der alten Himmelsgöttinnen und die Neu-Mondsichel mit der Erdschlange. Allerdings – Jungfrau bedeutete ursprünglich nicht Keuschheit, sondern Unabhängigkeit und die Freiheit, etwas aus sich selbst heraus zu schaffen (pathenogenetisch). Viele der dämonisierten Weibsteufel von Fertilitätsgöttinnen hatten einen Jungfrau-Aspekt: Inanna/Ishtar, Aphrodite/Venus, Artemis/Diana um nur drei zu nennen.

Mailwetter steht bildlich für frühlingshaftes Wetter mit balsamischer Luft und dem Geruch nach Blumen und Gras. Mit Temperaturwechseln und Niederschlägen, von Nieselregen bis Hagelschlag und Gewittern muss aber gerechnet werden, doch die Temperaturen sind bis auf die berüchtigten Eisheiligen schon fast sommerlich. Trotz Schauern und Platzregen: Der Mai gehört eher zu den trockeneren Monaten, was für die Landwirtschaft Einbussen bedeuten kann. Nicht umsonst handeln viele Bauernregeln vom Regen:

  • „Mairegen bringt Segen”
  • “Gewitter im Mai, schreit der Bauer juchei!”
  • “Ist der Mai kühl und nass, füllt er dem Bauern Scheuer und Fass.”

1. Mai

  • Windet`s am ersten Mai, dann das ganze Jahr.
  • Ist die Hexennacht voll Regen, wird’s ein Jahr mit reichlich Segen.

2. Mai

  • Gewitter Anfang Mai, dann ist der April vorbei.

4. Mai

  • Der Florian, der Florian, noch einen Schneehut tragen kann.
  • St. Florian, St. Florian, verschon’ mein Haus, zünd andere an.

8. Mai

  • Wie Christus in den Himmel fährt, zehn Sonntag so das Wetter währt.
  • Regen zu Christi Himmelfahrt, macht dem Bauern die Erde hart.
  • Regnet es am Himmelfahrtstag, der Weinbauer klagen mag.

10. Mai – 15. Mai

  • Mamerz, Pankraz, Servazi, das sind drei Lumpazi.
  • Pankrazi, Servazi, Bonifazi, sind drei frostige Bazi, und am Schluß fehlt nie die kalte Sophie.
  • Pankratius und Servatius bringen Kält`oft und auch Verdruß.
  • Pankraz und Urban (25.Mai) ohne Regen, bringen großen Erntesegen.
  • Servatius Mund der Ostwind ist, hat manch Blümlein totgeküßt.
  • Die kalt’ Sophie, die bringt zum Schluß, ganz gern noch einen Regenguß.

21. Mai

  • Wie zu Dreifaltigkeit das Wetter fällt, es bis zum Monatsende anhält.

24. Mai

  • Magdalena weint um ihren Herrn, drum regnet’s an ihrem Tage gern.

25. Mai

  • Wie’s Wetter am Sankt Urbanstag, so der Herbst wohl werden mag.
  • Scheint die Sonne am Urbanitag, wächst guter Wein nach alter Sag’.

29. Mai

  • Wieviel Tage vor Fronleichnam Regen, soviel Tage hinterher.

30. Mai

  • Sankt Wigand, dieser böse Tag, zuletzt noch Nachtfrost bringen mag.

31. Mai

  • Wer erst Hafer sät an Petronell, dem wächst er gerne, gut und schnell.
cherry_tree_by_scrano-da02xcg

Kirschbäume an der Limburg ©beast666 2016

Zodiak: Stier und Zwillinge

Monatsstein: Diamant, Jaspis (Widder), grüner Turmalin/Smaragd (Stier)

Pflanzen: Flieder, Tulpe, Stiefmütterchen, Maiglöckchen, Apfelbäume,  Löwenzahn, erste Rosen, blühende Ziersträucher wie Weigelie, Zierkirsche und Goldregen, der venushafte Weissdorn (+Mond/Saturn) und der merkurische Ginster ist in vielen Regionen landschaftsprägend.

Düfte: Patchouli, Damiana, Rose, Flieder, Maiglöckchen (alles Venus) Zitrone, Lemongras, Macis (Merkur)

Farben: saftgrün, hellgrün, rosa, pfirsichfarben (Venus)  lichtblau, maisgelb, lavendel (Merkur)- rot/weiss/grün der Magna Mater

Kristalle:  Jade, Turmalin, Rosenquarz – Venus, Citrin, Tigerauge – Merkur

Tierwelt: Hase, Taube, Katze, Singvögel, Marienkäfer, Maikäfer, Schmetterling, Hummel, Biene

Magische Elementale:  Gnome/Trolle (Erde), Sylphen (Luft)

Gottheiten des Mai: Inanna, Isis, Aphrodite/Venus, Merkur, Freyr/Freya, Balder, Bel, Osiris (Apis)

Mai-Rituale:

  • Maibaum aufstellen, für die männliche Landjugend …  und Birkenkränze mit roten und weissen Bändern aufhängen als glückbringenden Zierrat im Heim.Der Maibaum ist häufig Fichte (männlich) oder Birke (weiblich). Er wird nach dem schmücken der Krone von den jungen Männern durch das Dorf getragen – der Mai wird “eingebracht”. Das erinnert mich an das Herumtragen eines hölzernen Riesenphallus in japanischen Orten durch junge Frauen mit Kinderwunsch! Das Loch zum Aufrichten wird zuerst von den Mädchen bewacht und spielerisch verteidigt – na was Freud wohl sagen würde? Der Maibaum selbst  ist auch durchaus gefährdet – die Burschen des Nachbarortes haben bereits ein Auge darauf, um ihn zu entwenden. Das Mojo wird sozusagen stibitzt, und muss mit reichlich Freibier ausgelöst werden. Von der Schmach ganz abgesehen. Beim Bändertanz (rot und weiss für Mensis und Sperma) um den fertigen Maibaum wird von den Frauen gegen den Uhrzeigersinn (widdershins) geschritten, um den Mondlauf nachzuvollziehen, ein weibliches Fruchtbarkeits-Symbol. Die Männer folgen deosil dem Sonnenlauf.
  • Beltane – eigene Fruchtbarkeitsriuale zu Ehren der Mutter Erde und der Venus: 
    • Man kann beispielsweise rituell zum Anrufen der Fruchtbarkeit eine Rübe oder einen Kürbis pflanzen, den man dann zu Samhain benutzen kann, als Laterne oder für die Suppe. Ich empfehle für ersteres einen Zierkürbis, für letzteres die Sorte “Muskadet” oder “Hokkaido”, da man sie nicht schälen muss. Wenn man einen eigenen Garten hat: Auf jeden Fall gehört ein Ritualfeuer zu diesem Fest – bitte keine Feuersbrünste! Wer es lieber phallisch mag – für die männlichen Hobbygärtner ist das Pflanzen von Rettichen (Sorte: Eiszapfen) zu empfehlen … lol!
    • Für Stadthexen: Grüne, rote und weisse Kerzen und aphrodisische Räucherungen entzünden – und einen kuscheligen Abend mit dem Partner planen, ein wenig wie am Valentinstag, erotisches Menü (vielleicht kocht ja “ER”) und scharfe Dessous inklusive. Ein Plätzchen für wilde nackte Feuertänze hat ja nicht jeder … Zum Kerzenritual gehört, neben passendem Räucherwerk – auch eine schwarze Schale mit Wasser oder Tarotkarten. Die Macht dieser speziellen Nacht eignet sich für Divinationen aller Art.
  • Historische Fertilitäts-Bräuche: Bauer und Bäuerin wälzten sich nackt im taufeuchten Grass, mit oder ohne “Hieros Gamos”. Die “heilige Hochzeit” der Natur ist das eigentliche Ritual und zentrale Thema zu Anfang Mai.
  • Wahl der Maikönigin und des Maikönigs in vormals keltischen Gegenden wie Irland oder Schottland.
  • Besenflug: Die jungen Mädchen sprangen auf den Feldern mit einem nach vorne gerichteten Reisigbesen als “Steckenpferd” so hoch sie nur konnten, um das Getreide zum Wachsen anzuregen.
  • Wandern – jetzt ist die schönste Zeit dafür! Die Landschaft wird jetzt von bunten Blumen belebt und die letzten Obstbäume blühen – in der Schwäbischen Alb ist dies besonders schön rund um Neidlingen, am Heimenstein und der Ruine Reussenstein. Auch ein Ausflug rund um die Limburg, nach Bad Urach lohnt sich jetzt besonders.  Im Maisental beim Wasserfall blühen Orchideen, in den Wäldern Maiglöckchen.
  • Auffällig ist jetzt die Birke, die auch schon mit zartem Hellgrün die Landschaft belebt – leider sind ihre Pollen besonders allergen! Birkenelexier ist ein Muntermacher – es wird aus dem Saft der Birkenstämme gewonnen, auch Birkenzucker wird daraus hergestellt. Birkenlaub ist ein bewährtes Anti-Rheumamittel, als Kompresse und als Tee. Durch seine schwarz/weiss Zeichnung der Rinde ein alter Schamanenbaum und der Holle/Freyja heilig.
  • Frühjahrskur: Birkenelixir oder Tee, Neun-Kräutersuppe, Brennesselspinat und Löwenzahnsalat – alles anregend und stärkend. Aus den Blütenköpfen der “Pusteblumen” Hustensirup herstellen.
  • Muttertag: Auch nicht das Wahre – amerikanischer Kommerz, viktorianische und Nazi-Romantik. Wenn schon, dann unkonventionell, ohne Schnittblumenorgie und Süsskram!
  • Pfingsten – die christliche Überformung von Beltane – heiliges Feuer des Geistes, statt des Leibes … naja, dazu noch die Aufforderung zum Missionieren …
  • Himmelfahrt – Vatertag: Neumodisch, christlich und von Trinkgelagen geprägt – nicht so wirklich …! Alternative: Eine zünftige Wanderung mit der Familie.
  • Fronleichnam – hier wird vor allem die Birke als Ziergrün verwendet, ein Baum der Wiedergeburt. Grabkreuze, aber auch Wiegen  wurden aus Birkenholz gefertigt. Wie beim römischen Flora-Fest werden Blumen gestreut. Ersatz für die eigentlich zentrale Abendmahlsfeier am Gründonnerstag der tristen Karwoche.
  •  Kübelpflanzen (Oleander, Rosmarin, Hortensien etc.) kommen endgültig an ihren Sommerstandort im Garten oder auf dem Balkon
  • Im Frühbeet, Gewächshaus gibt es ersten Salat und Radieschen zu ernsten, und in der Blumenrabatte und den Balkonkästen  ist Pflanzzeit, ansonsten Aussaat wärmeliebender Annuellen im Freiland.
little_orchid__orchis_morio_by_scrano-da20j0a

Erste Orchideen blühen ab Mitte Mai: Orchis morio (Venus/Pluto)
Entdeckung im Garten @beast666 2015.

Feiertage:

Beltane, was „leuchtendes Feuer“ bedeutet, eines der vier großen heidnischen Hauptfeste, das christliche Pfingsten (das getaufte Feuerfest), Himmelfahrt, Fronleichnam - alle im Mai, dieses Jahr. Nach dem Zodiak sind die keltischen Eckfeste tatsächlich nach den fixen Zeichen, den Weltecken (Sonne auf 15°) terminiert. Ausserdem fällt in diese Zeiträume der heliakische Aufgang heller Sterne wie Aldebaran (Sonne im Stier), Sirius (Sonne in Löwe), Antares (Sonne im Skorpion) im 5. Jhd. vdZ, zur keltischen Blütezeit. Der keltische Kalender war lunisolar, mit Schaltmonaten und umfasste einen grösseren Wiederhol-Zeitraum von 62 Monaten.

  • Heiratsmarkt und Begrüssen des Sommers, ausgelassene und ekstatische Tanzriten sind überliefert, vermutlich wurden sie von feierlichen Riten und Orakelschau durch die Druiden begleitet. Man entzündete grosse Feuer, zwischen denen das Vieh durchgetrieben wurde. Wie bei unserem Sonnwendfeuer sprangen wohl Paare über die Restglut um sich Glück für ihre Partnerschaft zu sichern. Berichte über Verbrennungen von Menschen in sogenannten Wicker Men und ähnliches sind wohl zu römischer Propaganda zu rechnen. Es gab Menschenopfer bei Kelten und Germanen, aber dies im Zusammenhang mit Kriegsglück, nicht um Flursegen und Fruchtbarkeit zu beschwören. Es wurde schon kräftig geköpft an Beltane, aber statt Blut floss roter Wein aus den rituell geöffneten Amphoren aus Etrurien in die Kessel der Häuptlinge und in die steinerenen Opferschalen des Bel/Belenos auf den Anhöhen des Belchendreiecks (Elsass – Pfalz -Schweiz)  Auch Met wurde fleissig konsumiert. Menschenopfer zur Steigerung des Feldertrags sind eine Angelegenheit des Neolithikums und der sehr frühen Bronzezeit, in der Eisenzeit waren solche Riten nur noch der absoluten Not geschuldet. Man findet Uberreste solcher Zeremonien in den Mooren – z.B. Lindow Man in UK, wobei die Opfer oft Freiwillige und Angehörige der Oberschicht waren. Man kann ja schlecht Kreti und Plethi als Boten zu den Göttern schicken …In diese Kategorie fällt auch der “Gang zu Odin (ritueller Selbstmord, wie bei den Samurai)” eines gescheiterten Stammesführers der Germanen.  Archäologische Zeugnisse der “Wicker Men” oder andere Quellen als den ollen Gaius Julius gibt es nicht. Hingegen gut dokumentiert ist der Kopfkult und komplexe Totenriten für gefallene Krieger. Bei den schaurigen Berichten antiker Autoren fällt auf, dass offenbar einer vom anderen (Poseidonius) fleissig abgefeilt hat. Vielfach handelt es sich bei den Beschreibungen um blosses Hörensagen oder um Hinrichtungen, die ebenso gruselig ausfielen wie bei den Römern (Kolosseum) oder im Mittelalter – Rädern/Vierteilen und was nicht noch alles.
  • Heidnische Feste: 28. April – 4. Mai: Flora,  1.Mai: Maia Volcanis (***also auch bei den Römern war der 1. Mai ein Feuerfest, wie bei den Kelten), 9.-13.5 Lemuria (Ahnengeister – Larvae), interessanterweise zu den Eisheiligen, 15. 5. Mercurius und Maia,
  • Tag der Arbeit, na der passt eher in den September, zur emsigen Jungfrau, wie er auch in den USA gefeiert wird!

Posted by on Mai 2nd, 2016 Kommentare deaktiviert