Archive for Juni 1st, 2016

 

Magischer Juni: Johannismond

Juni: Sommeranfang und Dualität des Merkurprinzips.June ©scrano 2016 model: faestock

Juni: Sommeranfang und Dualität des Merkurprinzips.
June ©scrano 2016 model: faestock , sigils: obsidiandawn.

Der Monat Juni steht an sechster Stelle im gregorianischen Kalender. Er ist ein wichtiger Marker im Jahreslauf, da er den Tag der Sonnenwende am 21. Juni enthält, der auf der Nordhalbkugel der längste Tag mit der kürzesten Nacht des Jahres ist. Der Name Juni geht auf die olympische “First Lady” Hera zurück, die im römischen Panthean als Juno verehrt wurde. Als Gattin des Göttervaters Jupiter stand die Göttin für die Ehe und  galt als Beschützerin von Rom. Die Kaiser Nero und Commodus konnten auch von diesem Monat nicht die Finger lassen und versuchten eine Umbenennung, die der Überhöhung ihrer eigenen Person dienen sollte. Zum Glück konnten sie sich nicht durchsetzen: Weder Germanicus noch Aelius wurden akzeptiert. Im römischen Kalender war der Iunius ursprünglich der vierte Monat (Jahresbeginn im März) und hatte 29 Tage. Dies entspricht der astrologischen Zuordnung des Juni als Beginn des Sonnenlaufs im Krebs, dem vierten Haus und Zeichen des Zodiak.Der Sonnwendstag am 21.(22.) Juni ist daher sowohl der Moment eines Ingress des Zentralgestirns in ein kardinales Zeichen, als auch der zeitliche Terminator des Jahres zwischen Winter und Sommer. Trotzdem steht der Hauptteil des Monats unter der Herrschaft der mutablen Zwillinge, die den Frühlingszyklus abschliessen. Zur akustischen Unterscheidung des Juni, vom Monatsnamen des gleich darauf folgenden Juli, wird er zur Vermeidung von Missverständnissen  manchmal auch als Juno ausgesprochen, während der Juli sich mit der ebenfalls manchmal umgangssprachlich verwendeten Aussprache Julei deutlich abgrenzt.Der alte deutsche Monatsname ist Brachet oder Brachmond, da in der Dreifelderwirtschaft des Mittelalters in diesem Monat die Bearbeitung der Brache begann. Bei uns Gartenfreunden spricht man auch vom Rosenmonat, da die Rosenblüte im Juni ihren Höhepunkt erreicht. Wegen des Sonnwendtages, der nach der Christianisierung zum Johannisfest umgetauft wurde, heisst der Juni auch Johannismond.

  • Menschensinn und Juniwind ändern sich oft sehr geschwind.
  • Wenn im Juni Nordwind weht, das Korn zur Ernte trefflich steht.
  • Was im Juni nicht wächst, gehört in den Ofen.
  • Gibt’s im Juni Donnerwetter, wird g’wiss das Getreide fetter.
1. Juni: Fortunatus
  • War’s an Fortunatus klar, gibt’s ein gutes Erntejahr.
  • Schönes Wetter auf Fortunat, ein gutes Jahr zu bedeuten hat.
8. Juni: Medardus
  • Ein sonniger Medardustag, der stillt aller Bauern Klag‘.
  • Ist’s an Medardus feucht und nass, regnet’s weiter ohne Unterlass.
  • Regen am Medardustag verdirbt den ganzen Heuertrag.

10. Juni: Margarete

  • Regnet’s am Margaretentag, dauert der Regen 14 Tag‘.
  • Hat die Margaret keinen Sonnenschein, bringt man das Heu nicht trocken rein.

11. Juni: Barnabas (Schafskälte)

  • Nach Barnabas die Sonne weicht, auf Luzia (13. Dezember) sie wieder zu uns schleicht. Der alte Termin der Winter-Sonnwende vor der Kalenderreform war der 13.12.
  • Mit seiner Sens‘ der Barnabas, kommt her und schneidet ab das Gras.
  • Wenn St. Barnabas bringt Regen, gibt’s reichen Traubensegen.
  • Regnet es an Barnabas, schwimmen die Trauben bis ins Fass.
  • Der Barnabas macht, wenn er günstig ist, wieder gut, was vielleicht schon verdorben ist.
  • Die Schafskälte, eine meteorologische Singularität, tritt nicht jedes Jahr auf. Durch eine kühle und feuchte Nordwestströmung sinkt die Temperatur bis zu zehn Grad unter das Monatsmittel. Die armen Schafe, die traditionell bis dahin bereits geschoren wurden haben dann ein Problem mit der plötzlichen Kälte, daher stammt der Name für das Wetterphänomen. Muttertiere und Lämmer wurden daher erst nach Mitte Juni von ihrer Wolle befreit.

13. Juni: Antonius

  • Wenn Sankt Anton gut Wetter lacht, St. Peter (29. Juni) viel in Wasser macht.
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Rhododendron steht jetzt in voller Blüte.

15. Juni: Veit/Vitus

  • Ist zu Sankt Veit der Himmel klar, dann gibt’s gewiss ein gutes Jahr.
  • St. Veit, der hat den längsten Tag, die Luzia (13. Dezember) die längste Nacht vermag -> Alte Sonnwenddaten vor der Kalenderreform.
  • Nach dem St. Veit, da ändert sich bald die Jahreszeit.
  • Regen am St. Vitustag, die Gerste nicht vertragen mag.
  • Ist der Wein abgeblüht auf St. Vit, so bringt er ein schönes Weinjahr mit.
  • Nach St. Veit, da ändert sich die Zeit; dann fängt das Laub zu stehen an, dann haben die Vögel das Legen getan.

16. Juni: Benno

  • Wer auf Sankt Benno baut, kriegt viel Flachs und Kraut.

19. Juni: Gervasius

  • Wenn’s regnet auf St. Gervasius, es 40 Tage regnen muss.

21. Juni: Sommeranfang ( der längste Tag des Jahres: 16 Std. 36 Min.)

  • Ist die Milchstraße klar zu seh’n, bleibt das Wetter schön.
  • Funkeln heut‘ die Stern‘, spielt der Wind bald den Herrn.

24. Juni: Johannistag/Geburt Johannes des Täufers, er ist einer der Lostage (mehr im Beitrag am 21.6.)

  • Bis Johannis wird gepflanzt, ein Datum, das du dir merken kannst.
  • Stich den Spargel nie mehr nach Johanni.
  • Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen.

27. Juni: Siebenschläfertag

  • Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.
  • Wenn’s am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet.
  • Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.
  • Die Siebenschläfer sind Heilige, nicht das gleichnamige Tierchen.

In der Bretagne gibt es einen Wallfahrtsort für Christen UND Muslime, an denen der heiligen Schläfer von Ephesus, so heissen die Siebenschläfer tatsächlich, gedacht wird. Auch der Koran kennt eine der christlichen Heiligengeschichte entsprechende fromme Erzählung. Wenn das nicht gelebte religiöse Toleranz ist! Echte Volksfrömmigkeit ist oft wesentlich toleranter, weil von derselben grundlegenden menschlichen Sehnsucht befeuert, als machtgeile Kirchenlehrer- (oder Imam-) Dogmatik. Der Clou: Die Kapelle mit der Grotte der sieben Heiligen steht auf einem neolithischen Dolmen, und in der Nähe entspringt ein Bach aus sieben Quellen, so dass auch ein keltisches Heiligtum bestanden haben kann. Spirituelle Kontinuität eines Ortes über 5000 Jahre.

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Sept Saints in der Dolmen-Grotte
©beast666 2007

Der interreligiöse Pardon (Wallfahrt) findet am 4. Sonntag im Juli statt.

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Sept Saints über dem Altar der Kapelle.
©beast666 2007

29. Juni: Peter und Paul – dazu ein klerikaler Witz:

  • Eine fromme Frau hat einen Papagei der ständig schreit: “Ich bin Lora das Freudenmädchen!” Der Pfarrer verspricht das Tier von seinen Papageien Peter und Paul, die aus der Bibel lesen können, erziehen zu lassen.
    Im Käfig sitzen Peter und Paul andächtig vor Bibel und Gesangbuch. Lora fängt wieder an zu schreien: “Ich bin Lora das Freudenmädchen!”
    Darauf Peter: “Paul, mach die Bibel zu! Der Herr hat unser Flehen erhört!”
  • An diesem Tag (Märtyrertod von Petrus UND Paulus – historisch zweifelhaft, eher ein reiner Gedenktag) finden Priesterweihen (Primiz) statt, aber auch das Peterlfeuer wird oft als Volksfest begangen – besonders ausgiebig im badischen Bretten. Hier lässt es der lokale Traditions-Schützenverein krachen, Reenactment-Veranstaltung mit Landsknechtsspektakel und historischem Ursprung. In Bretten gab es wohl im 16. und 17. Jhd. tatsächlich organisierte Freischützen – eine Art bewaffnete Bürgerwehr, zum Schutz gegen Plünderungen und auch als Feuerwehren.


Zodiak:  Zwillinge und Krebs

  • MonatssteinMondstein, Perle, Topas, Citrin, Tigerauge
  • Monatsherrscher: Merkur (Zwillinge) und Luna (Krebs)
  • Pflanzen: blühende Ziersträucher wie Weigelie, Rhododendron und Goldregen, und der ebenfalls merkurische Ginster sind in vielen Regionen landschaftsprägend. Dazu kommen falscher Jasmin, Lavendel und Geissblatt. Johanniskraut und Nachtkerze (Sonne und Mond) blühen ebenfalls. Wilde Rosensträucher setzen bereits Hagebutten an. Im Gebirge überzieht das Rot der Alpenrose die Hänge.
  • Düfte: Jasmin (Mond), Geissblatt, Zitrone, Lemongras, Macis (Merkur), Safran, Olibanum, Zeder (Sonne)
  • Farben: lichtblau, maisgelb, lavendel (Merkur), weiss, silbern, seegrün (Mond)
  • Kristalle: Citrin, Tigerauge – Merkur, Mondstein, Labradorit (Mond)
  • Tierwelt Schmetterling, Hummel, Biene, Junikäfer, Glühwürmchen, Katze, Pfau.
  • Magische Elementale:   Sylphen (Luft), Undinen (Wasser)
  • Gottheiten des Juni: Merkur, Lugh, Loki, Sunna, Sol, Luna, Hera, Juno.
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Rosenträume werden im Juni wahr.
Henri Matisse 2015

Juni-Rituale:

  • Wandern – noch ist eine schöne Zeit dafür, bevor die Hochsommerhitze eine Ruhepause erzwingt. Die Wiesen sind noch von hübschen Wild-Blumen durchsetzt,  Wildrosenblüten leuchten und in den Hecken duftet das Geissblatt. Die bunteren Ziersträucher, wie Weigelie und Goldregen blühen in Parks und Gärten. Wegen der Rhododendronblüte lohnt sich oft eine Schlosspark-Sightseeingtour. In Moorlandschaften sieht man die Farbtupfer von blauen und gelben Sumpfiris. Auf Magerwiesen blühen noch heimische Orchideen wie Knabenkraut und verschiedene Ragwurzen. Die gelb und weissen Sonnenrädchen der Maragaritenblüten dienten für uns Kinder zum Flechten von Haarkränzchen.
  • Weiss- und Rotdorn tragen letzte Blüten – ihr eigenartiger Duft prägt manche Landstriche. An Obstbäumen sieht man ersten Fruchtansatz. Es ist die Zeit des Junifalls – zu viel oder taube Früchte werden abgestossen.
  • Der magische Holunder steht in voller Blüte -> Holunderküchlein ausbacken!
  • Ende des Monats blühen die Gartenrosen besonders prächtig – Rosenbowle oder Rosenzucker zubereiten.
  • Pfingsten – die christliche Überformung von Beltane – heiliges Feuer des Geistes, statt des Leibes … naja, dazu noch die Aufforderung zum Missionieren … wichtige Juni-Feiertage, wie auch Fronleichnam. Interessanterweise fällt es zwischen Sonnwende und Beltane, versucht also gleich zwei wichtige Festdaten der Landbevölkerung abzudecken.
  •  Kübelpflanzen (Oleander, Rosmarin, Hortensien etc.) fangen an reich zu blühen, Balkonblumen ebenfalls. Ab und zu düngen!
  • Im Frühbeet, Gewächshaus gibt es schon reichlich zu ernten.
  • Erdbeeren und frühe Kirschen sind bis Ende des Monats reif und verlocken zum Naschen.
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Daisy, Daisy – die Litha-Blumen schlechthin: Margariten.

Mittsommer, der längste Tag des Jahres – die Sommersonnenwende – Litha:

  • An Litha feiern Hexen und andere Naturreligiöse die Fruchtbarkeit der Erde, die Göttin trägt den Funken, das neue Sonnenkind bereits in sich.  Alles grünt und blüht. Jedoch ist es auch ein Abschiedsfest, da von nun an die Tage bereits wieder kürzer werden.
    Haus oder Wohnung werden mit Sommer-Blumen geschmückt. Am Schrein werden Kerzen in fröhlichen Farben aufgestellt … Man feiert dieses Fest mit Freunden und Familie, am besten im Grünen, wie ein Picknick. An Litha gewährt uns die Göttin einen Herzenswunsch. Dieser kann während des Rituals auf einen Zettel geschrieben werde, dann übergibt man ihn dem Feuer. Wenn es wirklich ein tiefes Anliegen ist, und man das was man sich wünscht wirklich braucht, wird die Göttin diesen Wunsch gewähren.
  • Das Heim mit bunten Blumen schmücken – ich mache dies nur für Mittsommer, sonst sind die Pflanzen in freien Natur viel schöner und magischer als tote Blumen. Man kann auch Abbildungen des “Green Man” als Symbole der grünenenden Natur als Dekoration verwenden, auch Eichenlaub und Misteln sind schön. dazu ein feurig blühender Azaleen oder Rhododendronzweig.
  • Sonnwendbräuche aller Art – dazu wird es noch extra Artikel zum konkreten Datum geben. Nur soviel vorab: Dieser Tag ist der längste Tag des Jahres und Schlüsselmoment im Jahr, an dem sich Menschen mit Bezug zur Natur ihre Lebensfreude, aber auch die eigene Sterblichkeit bewusst machen. Wie zu Beltane werden an vielen Orten noch heute Sonnwend-Feuer entzündet, es wird ausgelassen getanzt und gesungen. Wer in dieses Feuer Blumen, Wacholder oder Heilkräuter wirft und anschließend über die Glut springt, wenn das Feuer herunter gebrannt ist, wird Lebenskraft und Freude empfinden die er für das dunkler werdende Halbjahr mitnehmen kann. Junge Frauen gürten sich für den Tanz um das Feuer mit Beifuss, eine Pflanze der Mondin (der Name Artemisia bezeugt dies ja schon). Diese Kränze werden für den Haussegen heim gebracht. Am heutigen Tag gesammelte Holunderblüten sind besonders heilkräftig
  • Sammeln der Eichenmistel bei den keltischen Druiden, denn der Baum ist jetzt am Höhepunkt seiner Kraft. Dies geschieht einen Tag vor Litha. Der alte Weihnachtsmistelzweig gehört jetzt ins Sonnwendfeuer.
  • Räuchern und Kerzen in den Farben Grün, Blau, Orange und Gelb anzünden, oder echte Bienenwachslichter verwenden. Man sollte sowieso keine Paraffinkerzen für Rituale benutzen, lieber welche aus Stearin.
    • Weihrauch, Zeder, Lorbeer und Jasmin verräuchern
    • Mit Met anstossen, ein bisschen versprengen nicht vergessen!
    • Honigkuchen backen – ein “magisches” Rezept dafür gibt es noch …
    • Einen Mondstein als Glücksbringer weihen – ein besonderes Geschenk für junge Mädchen in der Pubertät.
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Namenspatronin Juno als Himmelskönigin und himmlische Amme.
Ihre Verbindung zum Vollmond/Krebs wird durch die Göttin Luna
angedeutet, die ihr voraus eilt.
Den Wagen der Jupitergemahlin ziehen Pfauen, eines ihrer Symbole. quelle: wiki.

Neben dem Januar sind auch im Juni Festtage der Juno/Hera und vieler anderer Gottheiten die für Schwangerschaft, Haus- und Kindersegen sowie Eheschließungen zuständig sind. Dies passt zum Ingress der Sonne in das Zeichen Krebs mit seiner Herrscherin Luna zum Datum der Sonnenenwende. Beide stehen ebenfalls für Mutterschaft und Geburt. Hera symbolisiert die weibliche Seite der Achse Krebs/Steinbock. Rituale für Mädchen, die ihren Übergang zur Frau gerade hinter sich gebracht haben, sind ab diesem Datum daher begünstigt. Sie sollen eine kompetente, souveräne Weiblichkeit fördern, sowohl was den Umgang mit der eigenen Fruchtbarkeit, aber auch die Fähigkeit sich verantwortungsvoll um den eigenen Nachwuchs zu kümmern anbelangt.

 

Posted by on Juni 1st, 2016 Kommentare deaktiviert