Archive for Juni 20th, 2016

 

Jakobsweg, die zweite: Zum Stuifen und zum Kalten Feld

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Staufische “Drei Kaiser Berge” – Blick vom Randecker Maar.
©beast666

Wählt man die lange Tour, dann ist der Ausgangspunkt der Wanderung Hohenrechberg: Hat man den Kreuzweg des Kalvarienbergs bis zur Wallfahrtskirche geschafft, führt links daran vorbei der Wanderweg zum Stuifen.

Nach dem Abstieg und Durchquerung der Teil-Ortschaft Vorderweiler über ein Stück an der Landstrasse nach Süssen (Schw. Gmünd) führt der Abzweig “Braunhäusle” auf einen Feldweg zum Stuifen (Wegmarkierung “roter Strich”). Die Route durchquert in Kehren den Wald, an einem Steinbruch und einer Schutzhütte mit Grillplatz vorbei und endet auf dem Gipfel (757m). Dort ist auch eine Wegmarkierung mit Richtungshinweis “Zur Reiterleskapelle” angebracht. Im Gegensatz zu den beiden anderen Kaiserbergen ist der Stuifen nicht bebaut, sondern fast vollständig bewaldet. Im September 2011 wurde auf einer Freifläche an der Westseite des Stuifen ein zwölf Meter hohes Holzkreuz in 718 m Höhe errichtet. Es ist den beiden anderen Kaiserbergen (Rechberg und Hohenstaufen) zugewendet. Es gibt dort eine Rast mit Bänken und einen Aussichtspunkt nach Wissgoldingen. Vom Kreuz aus verläuft der Weg entlang des Bergkamms ca 3km im Wald. An lichten Stellen wachsen ganze Felder der echten Katzenminze. Man hält sich in Richtung Weilerstoffel um den Hang hinunter, um den Schönberg herum und auf den Pfad zur Reiterleskapelle zu gelangen. Hier trifft man auf einen Wanderparkplatz mit dem Hinweisschild für die Strecke. Diese führt leider auf eine geteerte Strasse, auch die allgegenwärtigen Mountainbiker nerven, wie schon beim ersten Teilabschnitt dieser Wanderung: Vom “Staufen zum Rechberg”.

Es gibt allerdings weitflächige Wiesen, die das ganze Jahr über die unterschiedlichsten Blumen hervorbringen – z.B. verschiedene Formen des Geranium pratense, Primeln, Wiesenbocksbart, Hahnenfuss, Witwenblume oder den blauen Wiesensalbei. Vom Abzweig zum Waldweg zur Kapelle (Parkplatz und Festplatz am Schwarzhorn) am hat man einen schönen Blick auf von Wachholderheiden bedeckte Hügel.

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Geranium Pratense am Wegrand.

Die sogenannte Reiterleskapelle ist dem heiligen Leonhardt geweiht und wurde der Legende nach von einem ortsansässigen Bauern vom “Reuterleshof” in Tannweiler errichtet, dem hier ein wilder Reiter (wie bei Sleepy Hollow, allerdings mit kopflosem Pferd) erschienen war. Um den Spuk zu bannen liess der erschrockene Bauer die Kapelle errichten. Der wilde Reiter ziert heute als goldene Wetterfahne das Dach der Kapelle. St.Leonhardt  war der passende Heilige und Nothelfer, gilt er doch als Schutzpatron von Ross und Reiter, daher gibt es in Baden-Württemberg immer noch “Pferdewallfahrten” zum Ehrentag des Leonhardt im November, oder auch zu Christi Himmelfahrt, wie auch in Bayern beim sogenannten Leonhardiritt.

Die kleine, aber trutzig wirkende Kapelle wurde schön restauriert und ein Ort der Ruhe mit Bänken und wunderbarer Aussicht geschaffen. Letzteres liegt an der einzigartigen Lage des Kirchleins auf einem Sattel im Christental, dem Paß zwischen Schwarzhorn und Graneggle.

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Leonhardtskapelle mit alter Zeiglinde.
Sie ist als besonderes Naturdenkmal im Gebiet des Kalten Feldes ausgewiesen.

Laut der im Türsturz angebrachten Jahreszahl wird die Erbauung der Kapelle für das Jahr 1714 angenommen. Für eine frühere Entstehung der Kapelle in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts spricht das geschätzte Alter von 350 Jahren für die neben der Kapelle stehende Sommer-Linde, sowie die Spukgeschichte vom wilden Reiter. Ob der Name Reiterleskapelle nicht doch vom “Leonhardiritt” abstammt ist nicht gesichert. Der Innenraum ist sehr schlicht, mit der Statue des Heiligen und wenigen anderen Figuren aus Holz . Das liegt auch an einem dreisten Diebstahl, weswegen der Altarraum jetzt vergittert ist. Die Kapelle steht am Schnittpunkt mehrerer Wanderwege des Schwäbischen Albvereins. Sie ist auch eine Station des 2003 eingerichteten regionalen Wanderwegs Glaubenswege und des 2008 eröffneten Jakobswegs Göppingen, so dass man auch eine Stempelstelle vorfindet.

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Schnapswurzel: Gelber Enzian, Gentiana lutea – eine Heilpflanze.

Hinter dem Bauwerk  ist ein Abstecher hinauf zum Schwarzhorn, auch “Rechbergle” genannt, möglich, der an Hängen mit artenreichen Magerrasen vorbeiführt. Auf dem Gipfel gibt es ein christliches Jugendhospiz, das traumatisierten Kindern Schutz und Ruhe in der Natur bietet. Eines der Gebäude ist ein altes Schulhaus aus dem Schwarzwald, das man abgetragen und auf dem Gelände wieder errichtet hat. Sieht ein bisschen aus wie aus der Serie “Little House on the Prairie” nach den Kinderbüchern von Laura Ingalls.

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Altes Schulhaus mit Glocke aus dem Schwarzwald auf dem Schwarzhorn.

Überquert man die tiefe Einkerbung des Passes unterhalb der Kapelle, gelangt man auf den Weg zum Kalten Feld, der zunächst steil bergauf führt – teilweise gibt es Stufen. Das Kalte Feld ist mit 780,9 m die höchste Erhebung in der Ostalb. Die Hochflächen aller drei Teilberge inklusive Graneggle und Hornberg werden landwirtschaftlich genutzt, daher der Name des Bergrückens in einer eher klimatisch rauhen Region.

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Entscheidungen:
Zwillingsbaum auf dem Weg zum Kalten Feld.

Auf der Hochebene des Kalten Feldes steht ein Bergwacht-Haus, die Gaststätte Knörzerhaus sowie an der höchsten Stelle das ebenfalls bewirtschaftete Franz-Keller-Haus, ein Wanderheim des Schwäbischen Albvereins, das nach dem sogenannten Rosensteindoktor Franz Keller benannt wurde.

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Albvereinshaus mit einfacher Übernachtung:
Franz Keller Haus auf dem Kalten Feld.

Hier steht auch noch die alte steinerne Schutzhütte – jetzt liebevoll “Villa Maus” genannt. Auf ihr Dach führt eine Treppe – ein kleiner Aussichtsturm. Das Plateau wirkt moorig ist von Birken umgeben.

Für den Rückweg bietet sich ein Abstecher zum Hornberg und seinem Aussichtspunkt “Luginsland” an: Auf dem Plateau liegen ein Höhenrestaurant sowie ein Segelflugplatz. Am westlichen Bergsporn Graneggle befinden sich Mauerreste der Ruine Granegg.
Streckenführung und Dauer:

  • Es handelt sich, je nach Ausgangsort um eine Strecken- oder Rundwanderung, die man auch in Teilabschnitten begehen kann. Start ist entweder Hohenrechberg (Strecke), Wissgoldingen oder Waldstetten (Rundkurs). Wer die lange Tour von Rechberg aus wählt, sollte an eine Rückfahrt mit dem Bus denken, oder ein zweites Fahrzeug abstellen. Auf jeden Fall gutes Schuhwerk und diesmal sind auch Stöcke empfehlenswert. Genug Trinkflüssigkeit mitnehmen. Die Wanderung kann während des Hochsommers unternommen werden, da grössere Strecken (bis auf das Teilstück bei Weilerstoffel) im Wald verlaufen. Die lange Steckenwanderung vom Rechberg aus dauert wenigstens 5 Stunden ohne Einkehr und geht über 22 km, wobei einige deftige Steigungen zu überwinden sind.

Einkehrmöglichkeit besteht an der Ruine Hohenrechberg, an der Wallfahrtskirche Hohenrechberg, in Waldstetten (schöne alte Kirche St.Laurentius, wer noch ein bisschen Zeit mitbringt), Wissgoldingen oder natürlich im Albvereinshaus am Kalten Feld. Zusätzlich gibt es noch die erwähnten Höhenrestaurants.

Die Teilabschnitte lohnen einen zweiten Blick, da werde ich noch posten, auch was die interessante Pflanzenwelt anbelangt.

 

Posted by on Juni 20th, 2016 Kommentare deaktiviert