Archive for Juni 22nd, 2016

 

21.6. – 24.6: Sommersonnenwende und Johannistag

Sulis: Leuchtende Sonne zum Höhepunkt des Jahres.

Leuchtende Sonne zum Höhepunkt des Jahres.
Sulis ©scrano 2014

Sommersonnenwende – Alban Heruin (keltisch) – Johannis – Mittsommer

Am 21. Juni wird Sommersonnwende gefeiert. Die Kelten nannten es Alban Heruin, dieses keltische Wort (gesprochen: Alwan Eru-in) bedeutet übersetzt “Licht der Küste”, denn bei den Kelten ging es bei diesem Fest um den Kreislauf des Wassers, das um die Küsten herumfließt, die Abgrenzung zwischen Wasser und Erde. Bei den Germanen war es das Mittsommerfest. Die katholische Kirche machte daraus das Fest zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers.

Die Sonne als alles dominierender Himmelskörper wurde von den Menschen sehr wahrscheinlich sehr früh beobachtet, weswegen man in den Sonnenwenden die ältesten Feste der Menschheit vermutet. Die erste überlieferte menschliche Aufzeichnung überhaupt befaßt sich mit dem Sonnenzyklus. Es handelt sich um ein geschnitztes Stück Hirschgeweih aus Le Placard bei Charente (bekannter Landstrich mit paläolithischer Höhlenmalerei in Frankreich). Es ist ca. 20.000 Jahre alt und trägt Ritzmarkierungen, die mit dem Jahreszyklus der Sonne in Verbindung gebracht werden.

Europas bekannteste megalithische Stätte der Sommersonnenwende ist natürlich Stonehenge. Hier wurde die Wintersonnenwende zelebriert, wahrscheinlich mit einem Ahnenkult verbunden. Auch die Synchronisation von Mond-und Sonnenkalender kann man an dem berühmten Bauwerk ablesen. Heute feiern moderne Druiden dort ihr Sonnwendfest – die einzige Gruppe, die das darf!

Eine Sonnenwende oder Sonnwende (lateinisch solstitium, griechisch ἡλιοστάσιον hēliostásion “Stillstand der Sonne”) findet zweimal im Jahr statt. Zur Wintersonnenwende – auf der Nordhalbkugel der Erde am 21. oder 22. Dezember – erreicht die Sonne die geringste Mittagshöhe über dem Horizont, während der Sommersonnenwende am 20., 21. oder 22. Juni (an Orten nördlich des nördlichen Wendekreises) ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont. Auf der Südhalbkugel sind die Verhältnisse umgekehrt, während des dortigen Winters ist auf der Nordhalbkugel Sommer. Bei einer Sonnenwende erreicht die Sonne im Lauf eines Sonnenjahres den größten nördlichen oder südlichen Abstand vom Himmelsäquator. In diesem Augenblick kehrt die Sonne ihre durch die Schiefe der Ekliptik bewirkte Deklinationsbewegung um und nähert sich wieder dem Himmelsäquator. Diese maximale Deklination erreicht sie jedes Jahr zweimal: Einmal nördlich und einmal südlich des Himmelsäquators.  Je nach betrachteter Erdhalbkugel spricht man dabei jeweils von der Sommer- oder Wintersonnenwende. Die astronomische Sommersonnenwende findet in Mitteleuropa meist am 21. Juni statt, doch nach dem Julianischen Kalender war es der 24. Juni, also das Fest der Geburt des hl. Johannes. Nun wurde die altertümliche Tradition des Sonnwend-Feuers mit der kirchlichen Feier verknüpft  – so entstand dann der Brauch des “Johannisfeuers“

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Tageslängen auf der Erde am 21. Juni.

Das Feuer ist eine natürliche Lichtquelle neben Sonne, Mond und Sternen. Es steht auch in Verbindung mit Reinigungsvorgängen, einer Läuterung vom Unedlen.  Mit der Hitze des Feuers wurde beispielsweise das Silber von Verunreinigungen befreit: Schon bei den Alchemisten galt daher “Feuer” als Bildwort für eine Läuterung , auch eine geistliche. Das wurde vom Christentum übernommen:  z.B. im “Fegfeuer”. Auch das Autodafe, die Verbrennung von Ketzern und Hexen ist neben der abschreckenden Wirkung auch als Reinigung des Sünders und der Gemeinde vom Bösen zu sehen. Die Kirche drückte  nach einem zeitweiligen Verbot der alten naturreligiösender Sonnenwendfeier einen christlichen Stempel auf.  Ab dem 12./13. Jahrhundert wurde das Fest Johannes des Täufers auf die Sommersonnenwende gelegt und diese in das Johannisfest umbenannt.  Der mit der Sommersonnenwende verbundene heidnische Brauch des Sommerfeuers wurde zum Johannisfeuer.
Die Sommersonnwende ist eines der vier Sonnenfesten im achtspeichigen Jahresrad.  Ihr Gegenstück ist die Wintersonnwende. Daneben gibt es noch die Frühjahrstagundnachtgleiche und die Herbsttagundnachtgleiche. Die anderen vier sind Mondfeste: 3 Vollmond- und ein Neumondsfest (Samhain). Der Johannistag wird auch heute noch als ein Fest des Sommerhöhepunktes gefeiert. Die Johannisnacht am 24. Juni gilt als die kürzeste Nacht des Jahres, in der allerlei magische Dinge passieren können. Viele Märchen handeln auch von Naturwundern, vor allem im Zusammenhang mit Pflanzen, die in dieser Zeit auftreten: Zum Beispiel die Sage von den Beifusskohlen, oder der Farnblüte. Die Sonnwende galt als weitere Nahtstelle zwischen den Welten, in der sowohl die Götter als auch die Naturgeister den Menschen nahetreten konnten. Man konnte die Götter mittanzen sehen, verlor seinen alltäglichen Verstand und wurde “ver-rückt”.
Von solchen “Johanniswundern” sprachen auch noch die Bauern im Mittelalter. Daher hat die Kirche den ursprünglich heidnischen Überlieferungen bezüglich Fauna und Flora durch Umbenennungen von Pflanzen der Sonnwendsbräuche den Namen von  Johannes dem Täufer aufgeprägt

Wenn Johannis ist geboren,
gehen die langen Tage verloren.

Wenn die Johanniswürmer glänzen,
darfst du bereiten die Sensen.

Wenn kalt und nass Johannis war,
verdirbt er meist das ganze Jahr.

Der Johannistag als Lostag in der bäuerlichen Welt:

Johanni ist als Lostag in der Überlieferung für die Landwirtschaft und Wetter von zentraler Bedeutung. Die Sommersonnenwende leitet meist mit dem Ende der Schafskälte die Erntesaison ein. Zeigerpflanzen und Tiere der Phänologie sind daher traditionell nach diesem Tag benannt:

  • Die Schwärme der Johanniskäfer (Glühwürmchen) entfalten ihre Leuchtkraft in der Zeit rund um die Johannisnacht besonders intensiv.
  • Zeigerpflanzen: Johannisbeeren werden reif, Johanniskraut beginnt zu blühen.
  • Wegen der vermehrten Produktion von Oxalsäure sollte man nach Johanni keinen Rhabarber mehr ernten.
  • Volkstümlich wird der Johannistag in Deutschland auch „Sommerweihnachten“ oder „Spargelsilvester“ genannt: Der Johannistag markiert auch das Ende der Spargelzeit. So haben die Pflanzen genügend Zeit, Kraft fürs nächste Jahr zu sammeln.
  • Der 24. Juni spielt bei den Freimaurern eine wichtige Rolle. Für sie endet und beginnt an diesem Tag der Lauf des Jahres

Für alle Kräutersammler ist die Johanniszeit der Höhepunkt im Heilpflanzenkalender. Die Sonnenenergie wirkt nun besonders deutlich in ihnen, und in ihren Inhaltsstoffen können wir etwas von Wärme und Licht der sonnendurchfluteten Sommerzeit in den kalten, dunklen Winter hinüberretten.  Zu den Pflanzen gehört an erster Stelle das  Johanniskraut, der eingefangene Sonnenschein, das vor allem antidepressiv wirkt und entzündungshemmend. Desweiteren Arnika, Christophskraut, Beifuß, Holunderblüten, Schafgarbe, Odermennig, Blutwurz, Ringelblume, Königskerze. Zum Volksbrauchtum dieses Festes gehören auch Kräuterkränze, mit denen Wegkreuze und Heiligenbilder geschmückt wurden. In meiner Heimat in Ostbayern wurden eigene Sonnwendbuschen aus verschiedenen Kräutern (sieben oder zwölf) hergestellt. Mädchen bekamen Blumenkränzchen aus Margeriten. Die Frauen haben für uns Kinder  “Holunderküchlein”  (die Blütendolde des Holunders in Bier-Pfannkuchenteig) ausgebacken. Deshalb heißt der Johannistag auch oft “Holdertag”. Der Holunder gilt auch als aphrodisierend:

Zu Johanni, da blüht der Holler, da wird die Liebe noch toller !

Dank- und Freudenfest

Bei den Kelten wurde die Sommersonnwende zwölf Tage lang gefeiert. Das erinnert an die Raunächte zu Weihnachten, der Wintersonnwende. Alban Heruin ist das keltische Eichenfest, das den Vorabend des längsten Tages markiert. Die Sommersonnenwende (kelt.: Heulsaf Yr Haf) markiert den höchsten Stand der Sonne im Jahreskreis und leitet so den Sommer ein. Auch die Eiche, als höchstes druidisches Symbol ist auf dem Gipfel ihrer Energie. Die zu Alban Heruin verehrten keltischen Götter sind Bel, der  Sonnengott, sowie Danu, die keltische Mutter des Landes, die Reichtum und Überfluß verkörpert. Die zu Beltane geknüpften “zarten Bande” werden nun in Hochzeiten “gefestigt”.

Auch bei den ehemals germanischen Völkern Mitteleuropas und Skandinaviens ist das Mittsommerfest heute noch ein Fest der Freude und des Dankes. Und auch das Mittsommerfeuer stellt ein Dankes- und Freudenfeuer dar. Wie beim keltischen Beltane oder zu Walpurgis findet man ein Brauchtum mit Tanzriten und Feuersprüngen. Es wurden Teiche und Brunnen geschmückt, zu Ehren der Götter des Wassers und der Weisheit. Die Germanen feierten zu Midsommer ebenfalls die Muttergottheiten, so auch Balders Mutter Frigg. Das Thing (Parlament) wurde einberufen  und es wurde Gericht gehalten.

An Alban Heruin, liegt bereits der Zeitpunkt im Jahreskreis, wo der Sonnengott des Frühlings, oder auch sein Stellvertreter, bei den Kelten z.B. der sogenannte “Eichenkönig”, einen rituellen blutigen Tod erleidet. Hier stirbt jedoch nicht die Sonne an sich, sondern der milde Schein der Frühlingssonne, wie etwa durch Baldur oder Belenos verkörpert, weicht der harschen Glut des Sommers, verkörpert durch Lugh oder Loki. Deren Zeit bringt dann den Erntesegen.
Das Opfer des Eichenkönigs vollzieht sich oft als (symbolische) Enthauptung. Auch der berüchtigte Kopfkult der Kelten geht auf eine solche Legende zurück: “Bran der Gesegnete“.
Im Orient gibt es im Zusammenhang mit dem Kult der “Magna Mater” ebenfalls solche Beispiele: Ichtys, Attis, Tamuzi oder Dumuzi, Nimrod, Enkidu. Dann gab es noch den babylonischen Kulturbringer namens “OANNES”. Klingt ja tatsächlich ähnlich wie “JOHANNES”.  Auch er war ein solares Wesen (eine Form des Sonnengottes Dagon), wie die Sonne tauchte er aus dem Ozean auf um am Abend dort wieder zu versinken. Oannes wird auch “Fischgott” genannt, er hatte ein Menschenhaupt auf einem Fischleib. Diese Parallele: Wasserelement und Sonne finden wir auch beim Täufer. Jesus, dessen Ankunft er predigte war ebenfalls sowohl “Geopferter Sohn” als auch solarer Heros, dessen Symbol wiederum der Fisch war; auch wurde er als Menschenfischer bezeichnet, seine Anhänger als Nasrani, kleine Fische. Und  Johannes der Täufer, wurde ja letztendlich ebenfalls enthauptet, wie seine vielen mythologischen Vorgänger. Salome, Tochter des Herodes verlangte nach einem überaus erotisch-ekstatischen Tanz (der sieben Schleier – eine solare Zahl!)  als Belohnung den Kopf des Johannes auf einem goldenen Tablett – beides Sonnensymbole.

Oannes - Weiser aus zwei Welten.

Oannes – Weiser aus zwei Welten.

Die Sonne als weibliche Göttin

Nach all dem männlichen Glanz und Gloria, auch bei den lichtkult-begeisterten Männerbünden:  Nicht immer war die Sonne männlich! Bei den nördlichen Völkern, Kelten, Germanen, Slawen  und interessanterweise den Japanern auf der anderen Seite des Globus ist sie eine Frau.  Sul(is), Sol (Sunna), Saule und Amaterasu.  In diesen kalten Weltgegenden, die Japaner stammen usrprünglich aus der Himalaya-Region, tritt die lebensspendende Wärme wohl als mütterlich assozierte Kraft in den Vordergrund.  Bei der heilspendenden Sulis aus dem englischen Bath ist auch, typisch keltisch, ein Kopfkult bekannt. Die goldene Sonnenscheibe als Himmelshaupt. Sul ist auch noch in “IRMINSUL” enthalten, der germanischen Weltensäule, einer Form des Lebensbaums. Die Sonne wurde als ein auf dieser Himmelsachse ruhendes Haupt gesehen.
Eine Sonnengöttin wurde verehrt vor allen in matriarchalen Kulturen, wo die Frau noch ihren Platz als geachtete Heilerin, Kriegerin, Seherin und Schamanin hatte. Gruppen von Frauen und Mädchen tanzten an diesem Fest auf den höchsten Bergen und hatten dort natürlich auch ihre Freudenfeuer. Wie der Beiname Hekatos für den griechischen Sonnen-und Lichtgott Apollon belegt, war auch Hekate ursprünglich nicht nur für die Nacht zuständig, ein paar Aspekte der allumspannenden Weltgöttin sind selbst hier noch zu finden.
Die ebenfalls zur indo-europäischen Ur-Familie zählenden Inder hatten zuerst eine weibliche Sonnengöttin namens SURYA, die später zum männlichen Sonnengott SURYA wurde, wie das oft der Fall war im Zuge der Patriarchalisierung.

Feuer und Wasser, Tag und Nacht: Johannisfeuer an der Grenze zwischen den Welten.

Feuer und Wasser, Tag und Nacht: Johannisfeuer an der Grenze zwischen den Welten.

Das Litha-Fest im Neuheidentum

Hier wird die Sommersonnwende in keltischer Tradition oft Eichenfest genannt, aber auch die Bezeichnung Blumenfest findet man. Der Name Litha geht auf die gleichnamige keltische Mondgöttin zurück, die für Überfluß und Fruchtbarkeit, Macht und Ordnung steht. An diesem längsten Tag im Jahr gibt es Licht und Leben im Überfluß. Zum einen ist es ein Feiertag der die volle Kraft des Lebens darstellt, auf der anderen Seite ist es auch der Zeitpunkt,  nach dem die Tageslänge wieder schwindet. Man feiert im Bewußtsein, daß alles im Leben seine Zeit hat, und Höhepunkte unweigerlich überschritten werden. Das Alte muss dem Neuen weichen. Man erfreut sich an der vollen Kraft des Lebens, aber gedenkt auch der Sterblichkeit seiner Existenz.

Natur:
Die Tage werden jetzt zwar wieder kürzer, aber der Hochsommer beginnt gerade erst, ebenso die Reife- und Erntezeit. Die Hitze der Hundstage (nach dem Sternbild “Grosser Hund”  mit seinem Hauptstern Sirius benannt) steht uns noch bevor,  Walnüsse wachsen unter dem nun dunkelgrünen Blätterdach, die Beeren der Eberesche beginnen sich röten. Die Kinder freuen sich über die Kirschenzeit, auch Himbeer- und Heidelbeersträucher tragen jetzt überreich, laden zur Ernte ein. Es ist Mittsommer, und noch einmal wallt die Lebenskraft jubilierend auf.

Jahreskreis
Zur Sommersonnenwende an Litha hat die Sonne mit dem längsten Tag und der kürzesten Nacht den Höhepunkt ihrer Bahn im Wendekreis des Krebses erreicht. Die Sonne ist als gehörnter Vegetationsgott auf dem Höhepunkt seiner Kraft. Aber er weiß auch, daß seine Kraft von nun an langsam schwinden wird. So lässt er all seine gespeicherte Lebensenergie in der Erde aufgehen, was den Erntezyklus für Mensch und Tier einläutet. Was an Strahlkraft schwindet, wird durch Wärme mehr als wettgemacht, was man merkt, wenn man im Juli oder August die nun dichten Blattdächer der Bäume auf der Suche nach Schatten aufsucht.  Die Erd-Mutter empfängt diese Kraft, die der Sonnengott ihr opfert, um damit die Frucht, die sie im Leibe trägt zu nähren: Die nächste Inkarnation ihres nun sterbenden Gemahls und mit ihm zusammen die Früchte des Bodens, Nahrung für Mensch und Tier.  Auch diese tragen in ihren Samen die nächste Generation der Pflanzenwelt. Die Göttin ist immer noch die fruchtbare, jetzt schwangere “Grosse Mutter”  in der Lebensfarbe Rot. Der solare Aspekt des Gottes wird mit der Bitte angerufen, besonders große Fruchtbarkeit über das Land zu bringen. Zum Ausgleich zur sommerlichen Hitzeglut wird innerhalb des Litha-Festes die Göttin in ihrem mondhaften Aspekt des Wassers angerufen. Ohne das ebenfalls lebensspendende Nass würde die Natur trotz der solaren Lebensenergie kein Wachstum hervorbringen. Die Erde bliebe unfruchtbar.

Volks-Brauchtum:
Vor allem in Bayern und im Alpenraum ist die Tradition des Sonnwendfeuers noch sehr lebendig. Das Feuer symbolisiert die Macht der Sonne. Man verbrennt alle schlechten Gedanken und Erfahrungen am Feuer und stärkt sich an ihm.  Die Mächte der Finsternis und des unweigerlich kommenden Winter sollen von den Flammen noch zurückgehalten werden. Die beissenden Rauchschwaden sollen sich nähernde Unholde verscheuchen. In Tirol und in der Steiermark legte man aus diesem Grund großen Wert auf eine kräftige Rauchentwicklung der Feuer, denn das “Sonnwendra(u)chen” sollte traditionsgemäß die Luft von bösen Gewalten reinigen und gutes Wetter für eine reiche Ernte erwirken.

Christliches Keltenkreuz : Jesus als solarer Heros.

Christliches Keltenkreuz : Jesus als solarer Heros.

Entsprechend glaubte man auch, daß die Felder, über welche die Rauchschwaden hinwegstrichen, besonders ertragreich ausfielen. Im Norden waren die Feuer dem Gott Balder geweiht. So kennt man in Schweden,  noch heute den Ausdruck “Baldur’s Balars” für “Scheiterhaufen” und glaubte, daß man mit Hilfe der Flammen die Macht der Trolle und anderer böser Geister, die ihr Unwesen in der Dunkelheit trieben, zunichte machen konnte.

Das Feuerspringen war und ist zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten, soll verjüngende Wirkung besitzen und Liebesverbindungen festigen – förmlich “zusammenschweissen” wollte sich das Paar, das wie Siegfried und Brunhild durch die Flammen sprang. Auch sakrale oder für Rituale verwendete Gegenstände, die man ansonsten ungern alltäglichen Feuern übergab, zum Beispiel Totenbretter oder Fronleichnamskränze, wirft man ins Sonnwendfeuer. Brennende Stohräder, die schon aus dem Raunachtstreiben und Festen zu Imbolc bekannt sind, werden Berghänge hinuntergerollt. Die Verwendung glühender oder brennender Scheiben als Sonnensymbol in verschiedenen ritualartigen Spielen zur Sommersonnenwende ist auch aus England bekannt. Das drehende vierspeichige Rad versinnbildlicht den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

In den keltischen Hochkreuzen wurde es auch ins Christentum übernommen.

Und last but not least: Die Sonne wechselt jetzt in das Zeichen Krebs. Hier herrscht allerdings die Mondin, so dass sich auch hier wieder Sonne und Mond, Feuer und Wasser vereinen. Hieraus lässt sich  eine magische Übung zur Sonnenwende ableiten: Mitten im Jahr das innere Zentrum wiederzufinden, Intergration und Harmonie zu erlangen. Ein Räucherrezept findet ihr hier.

 Johannisfeuer sei unverwehrt,
Die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt
Und Jungen immer geboren.

Goethe
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Keltenkreuz als Fraktalbild
Formori ©scrano 2013

 

Posted by on Juni 22nd, 2016 Kommentare deaktiviert