Archive for Juli 4th, 2016

 

Hundstage im Juli: Chillen, Cocktails und Sirius

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Peppermint Julep: Potenter Drink aus den Südstaaten der USA.

Jetzt, wenn bald die Hundstage (23. Juli bis 23. August) nahen, kann man alle Arten von Abkühlung und abendlicher Entspannung vertragen !

Southern Comfort:  Mint Julep

  • 2 Stängel frische Minze, gewaschen
  • 1 TL Agavensirup
  • 4 cl Bourbon Whiskey***
  • gekühltes Mineralwasser “spritzig”
  •  3 EL Crushed Eis

Minzelblätter von einem Stängel abstreifen, zerpflücken und mit Sirup in ein hohes Glas geben. Den zweiten Minzezweig als Deko kopfüber ins Glas stellen. Whiskey und Eis zugeben, mit Mineralwasser auffüllen. Dieser Drink stammt ursprünglich aus dem “British Empire” der Kolonialzeit.

***Traditionell gibt es hier den lokalen “Moonshine”, selbstgebrannter Whiskey, der früher vor allem schwarz von den “Hillbillies” hergestellt wurde.

Grenadine, erfrischend herber Granatapfel.

Grenadine, erfrischend herber Granatapfel.

Diesmal eine alkoholfreie Erfrischung: Grenadine Frappe für 2-3 Portionen

  • 0.1 l Bio Granatapfelsaft
  • 1 TL Agavensirup
  • Saft und Schale von 2 Bio-Orangen (unbehandelt)
  • oder 0.1 l frisch gepresster Bio-Orangensaft aus dem Kühlregal.

Orangen dünn spiralig schälen (nicht das Weisse), auspressen. Säfte gut mixen, dann in zwei grosse Cocktailschalen mit zerstossenem Eis füllen. Orangenspirale als Deko und Aroma ins Glas geben. Ein Getränk. das sich in Frankreich grösserer Beliebtheit erfreut. Granatapfelsaft ist ein ausgesprochener Fitmacher.

Hundstage: So mancher arme Hund hechelt jetzt und leidet unter der sommerlichen Glut: Aber der geliebte Vierbeiner ist nur am Nachthimmel für die Sommerhitze verantwortlich. Aus einem meteorologisch-astronomischen Zusammentreffen von Ereignissen in der Antike entstand der umgangssprachliche Begriff „Hundstage“. Namengeber ist das Sternbild Großer Hund (Canis Major).  Sirius erscheint als sein hellster Stern bereits in der Dämmerung. Vom Aufgang des Sternbildes Großer Hund bis zur Sichtbarkeit als Gesamteinheit vergehen 30 bis 31 Tage, woher sich deshalb die Bezeichnung “Tage unter dem großen Hund ableitet. Die  Sichtbarkeit eines Sternes in der Abend- oder Morgendämmerung wird als heliakalisch bezeichnet:  Mit der Sonne auf- oder untergehend. Im altägyptischen Kalender wurde dem heliakalischen Aufgang des Sirius als  Bringer der Nilflut im dritten Jahrtausend v. Chr. eine besonderen Aufmerksamkeit geschenkt. Sirius mit seinem Sternbild Hund wurde unter dem Namen Sothis als Göttin Isis interpretiert, zusammen mit Osiris-Orion bildeten die beiden Konstellationen das wichtigste Götterpaar am Himmel ab. Sirius selbst wurde in Ägypten ursprünglich nicht als Stern des Hunde-Gottes Anubis angesehen. Erst in der synkretisch-ptolemäischen Periode wurden Anubis, Isis und sogar Hermes-Thot mit dem Sirius in Verbindung gebracht. Letzteres lag wohl an der Tatsache dass Hermes wie Thot und Anubis als Seelenführer galten und dem Sirius mittlerweile eine Art Tor zur Unterwelt-Funktion zugeschrieben wurde. Eindeutig ein griechischer Einfluss: Vgl. dazu “Cerberus, Hekate, Hades/Pluto”.

Trotzdem – in der Mythologie vieler unterschiedlicher Völker wird Sirius interesanterweise immer mit Hunden oder Wölfen assoziiert: Römer, Inder, Griechen (sie glaubten, er verursache vermehrte Tollwutfälle) und selbst nordamerikanische Indianer und Chinesen kennen eine “Hundestory” im Zusammenhang mit Sirius.  Das kann auf eine sehr alte Menschheitsüberlieferung hindeuten, die den auffälligsten Fixstern wohl zuerst mit dem Wolf (Totem, Ahnengeister?)  und dann mit dem domestizierten Hund in mythologischen Zusammenhang gebracht hat. J.K. Rowling machte sich einen Spass daraus: Harry Potter’s Patenonkel Sirius Black ist auch ein Shapeshifter: Er kann sich in einen zotteligen schwarzen Hund verwandeln.

Das Römische Reich ist verantwortlich für das Datum der Hundstage Ende Juli (lat. dies caniculares). Am Anfang der römischen Ansiedlung am Tiber im 4. Jhd v. Chr. erfolgte der sichtbare heliakische Aufgang von Sirius in Rom am 26. Juli; zu Zeiten von Julius Cäsar bereits am 1. August.  Die Präzession der Erde ist hauptsächlich dafür verantwortlich, dass sich die Zeit der Hundstage um etwa 4 Wochen verlagert hat. In Mitteleuropa kann der heliakische Aufgang des Sirius erst frühestens ab dem 30. August beobachtet werden und ist damit eigentlich ein Zeichen für den nahenden Herbstanfang. Trotzdem  werden aber immer noch die heißesten Wochen des Jahres traditionell als „Hundstage“ bezeichnet.

der-sternIn der Tarotkarte “Der Stern” wird das Siriusthema ebenfalls angesprochen: Eine weibliche nackte Figur, Isis als Sothis oder auch als Nilgott Hapi (mit Brüsten) spendet Wasser aus zwei Krügen, einmal in den Fluss und auch auf ein Feld. Hier wird die Herkunft des Wassers = Regen für den Fluss und damit auch die Feldflur aus einer himmlichen Quelle angedeutet. Darüber glänzt ein achtzackiger Stern, umgeben von sieben weiteren. Die Acht ist der Venus zugeordnet, Sterne mit einer solchen Zahl an Strahlen werden mit Ishtar und Isis assoziiert. Das dargestellte Siebengestirn steht einerseits für die Plejaden, andererseits für die Haupt-Sterne der Grossen Bärin, repräsentiert aber auch die Zahl der klassischen Planeten im Sonnensystem der Antike. In der spirituellen Lehre der Theosophie und im “Golden Dawn” stellen sie “Spiegel für das göttliche Licht” dar, welches dann von den beiden Sternbildern über den Sirius auf unsere Sonne projeziert wird. Der zentrale Stern über der personifizierten Nilflut ist also Sirius. Die Karte “Der Stern” symbolisiert Hoffnung auf das neuerwachte Leben (Nilflut) und das Licht einer universellen (Sterne) Wahrheit (nackte Figur, reines Wasser). Die Darstellung beinhaltet auch eine Deutung des Tierkreiszeichens Wassermann als Archetyp der universellen Hoffnung auf allumfassende Brüderlichkeit unter den Menschen.  Der Wassermann ist gleichzeitig auch das Zodiak-Zeichen für die geistige Evolution der Menschheit. Uranus, der Herrscher im Wassermann verkörperte in der griechischen Mythologie ebenfalls den fruchtbaren Regen= Vater Himmel.

Für Sternenfreunde: Sirius ist ein junges Doppelsternsystem, dass in relativer geringer Entfernung von unserer Erde ( ca. acht Lichtjahre) liegt. Der grössere, Sirius A hat doppelte Sonnenmasse und ist auch heisser als unser Zentralgestirn, er leuchtet daher blauweiss. Bei Sirius B handelt es sich um einen nur erdgrossen weissen Zwerg. Durch seine Erdnähe hat Sirius eine hohe Eigenbewegung, weshalb seine Stellung am Nachthimmel über die letzten 5000 Jahre nicht nur durch die Erdachsenpräzession gewandert ist. Er ist der hellste Stern am Nachthimmel. Manchmal wird er als “Regenbogenstern bezeichnet”, da er scheinbar funkelt und verschiedene Farbtönungen annimmt. Das liegt aber an seinem tiefen Stand am Horizont, wo sich atmosphärische Störungen (Hitzeflirren) stärker bemerkbar machen.

Zum Thema Sirius gibt es auch diverse, höchst seltsame Verschwörungstheorien, vor allem aus dem Umfeld der “Ancient Aliens” Jünger. Das Problem solcher Spekulationen ist immer, dass durchaus richtige geschichtliche Tatsachen oder Überlieferungen aus dem tatsächlichen Kontext gerissen, und dann “freifliegend” uminterpretiert werden. Eine wilde Mischung aus Fakten und Fiktion, die manche der ja durchaus vorhandenen archäologischen Rätsel für die seriöse Forschung “vergiftet”. Die andere Gruppe sind häufig Verschwörungstheoretiker, die hinter Allem, was die Welt umtreibt,  die Freimaurer vermuten, und die einen Pike zu viel gelesen haben, ohne den beträchtlichen Grad an Bildung, den diese Lektüre erfordert.

Auf den Hund gekommen. Ein paar Links zu entsprechenden Seiten, für Lachkrämpfe übernehme ich keine Verantwortung.

masonic-symbol

Männer sind vom Mars,
Freimaurer vom Sirius … rofl!

 

Posted by on Juli 4th, 2016 Kommentare deaktiviert