Archive for August 1st, 2016

 

1./2. August: Lughnasa, das Fest des Sonnengottes Lugh

Sonnenblumen: Gesicht des Lugh,.

Sonnenblumen: Gesicht des Lugh, an Lammas oder Lughnasa, dem Fest zu seinen Ehren.

Aus Zeitgründen nur ein Stimmungsbild zum keltischen Erntefest, dem ersten des bäuerlichen Jahres: Kornfest, Brotfest – Breadmas in den angelsächsischen Ländern.

Der nun heisse Atem des Sonnengottes lässt die Feldfrüchte reifen. Im Gold des reifen Getreides spiegelt sich die Farbe der Hochsommer-Sonne. Brombeeren schwärzen sich  in den Hecken und die besonders hitzeliebenden Blumen kommen jetzt zur Blüte. Unter ihnen hat die Sonnenblume  eine der deutlichsten Signaturen des solaren Prinzips. Ihr von goldenen Blütenblättern umkränztes Gesicht wendet sich immer nach dem Sonnenlicht, so dass die Menschen sie früher auch als Uhr verwendeten, quasi eine pflanzliche Sonnenuhr. Auch ihre ölhaltigen Samen zeugen vom solaren Einfluss. Diese sind in einem Spiralmuster nach den Proportionen des Goldenen Schnitts angeordnet.

Die Sonnenblume ist ein imposantes Gewächs, allerdings mit lächerlich dürftigen Wurzeln – Uranus, der Gegenpol der Sonne lässt grüssen.

Morning Star ©scrano 2016

Lugh Lightbearer ©scrano 2016

Der 1. August gilt als christlicher Unglückstag, weil an diesem Tage der Teufel von Gott in die Hölle gestürzt und der Apostel Petrus festgenommen worden sei ( Petri Kettenfeier am 1.8. ). Man durfte an diesem Tag nichts Neues beginnen.
Vielleicht spiegelt sich in diesem christlichen Mythos der dunkle Aspekt von Lughnasa wider, denn ­ der solare Getreidegott muss tatsächlich in die Unterwelt, um das Überleben der  menschlichen Gemeinschaft, aber auch aller anderen Geschöpfe zu sichern. Mit dem Getreideschnitt endet sein irdisches Dasein für das laufende Jahr. Das erste Erntefest des Jahres war eine der wichtigsten heidnischen Dankesfeiern und fand daher auch Eingang in christliches Brauchtum – Brotsegnung und Kräuterweihe etwa, aber auch unter gleichzeitiger Verteufelung der alten Vorstellungen.
Ein mit dem Getreideschnitt verbundener Festmythos der Germanen beschreibt, wie der solare Feuergott Loki, der hier für die Sommerhitze steht, das goldene und zauberkräftige Haar (stellvertretend für das Korn) von Thors Frau Sif (Göttin der Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit) abschneidet. Eine Verbindung mit der Figur des Luzifer enstand wohl durch die in dieser Zeit ebenfalls stattfindende Bestrafung Lokis wegen seiner Schmährede bei Ägirs Fest – Loki wird eingefangen und unter der Erde in eine Höhle gesperrt, wo er bis Ragnarök ausharren muss. Loki ist wie Lugh ein ambivalenter Feuer- und Sonnengott, der wie Hephaistos/Merkur über Geisteskraft und Erfindungsgabe verfügt.  Zusammen mit dem Titanen Prometheus bilden diese mythologischen Figuren eine Gruppe sogenannter Kulturheroen, die alle mit dem Feuer in Verbindung stehen. Die christliche Überformung machte aus ihnen einen Aspekt des Luzifer (eigtl. Lichtträger), den man als eine Erscheinung Satans ansah (fälschlicherweise). Daher die Interpretation von Lokis/Lughs Scheiden von der Erde (Herbst und Winter) als Luzifers Sturz in die Hölle, der dann gerade an dieses Datum verlegt wurde. Die für die Bauern wichtigen Erntebräuche und Dankesfeiern band man einfach in den liturgischen Kalender ein.
Da das Getreide im Mittelpunkt dieses Eckfests steht: Man kann zu Lammas oder Lughnasa einmal ein Brot selbst backen, das dann nach einem kleinen Erntedank-Ritual gemeinsam verzehrt wird. Als Butterbrot, mit Honig zum Beispiel. Wer Kinder hat: Diese haben bestimmt Freude daran, wenn man mit ihnen gemeinsam Strohpüppchen flicht, die dann mit bunten Bändern verziert werden. Als sogenannte Kornmutter (Corn dolly) kann man sie auf die Felder bringen und für die Gaben der Erde danken.

Korn-Mutter - Weihegaben zum Erntedank - wie heute noch in Grossbritannien üblich.

Korn-Mutter – Weihegaben zum Erntedank – wie heute noch in Grossbritannien üblich.

Zum Schmuck des Heims bieten sich Hochsommerblumen wie Rudbeckia, Echinacea, Dahlie, Getreideähren und natürlich Sonnenblumen an.  Für ein Räucher-Ritual eignen sich Weihrauch, Zedernholz und Lorbeer, der heilige Baum des Apollon. Oder Bernstein, das fossile Harz, nach der Sage die Tränen der Schwestern des Phaeton, Sohn des Helios. Diese verwandelten sich in Bäume aus Trauer um den verunglückten Bruder, nach dessen Sturz vom Sonnenwagen in den Ozean. Ihre Harztränen fallen ins Nord-Meer, an dessen Ufern man seit dem Bernstein findet.

Kerzen: Grün, golden, orange.

Lammas-Brot

  • 0,1 l Milch
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 TL Zucker
  • 500g helles Emmer-Mehl (Dinkelmehl 630 geht auch)
  • 200g Dinkelmehl (Vollkorn)
  • 1 TL Honig oder Sirup
  • 2-3 El Buttermilch
  • 1 EL gemischte Brotgewürze (Fenchel, Koriander, Anis, Kümmel)
  • 3TL Meer-Salz
  • Sonnenblumenkerne zum  Untermischen und Bestreuen
  • Holz-Backbrett

Hefe mit warmer Milch und Zucker ansetzen und in einer großen Tasse 30 Minuten gehen lassen (schäumt). Mehl, Honig, Gewürze, Salz, Kerne in eine Rührschüssel geben, vermischen, die Hefe-Zucker-Milch-Mischung hinzugeben, verrühren und so viel von der Buttermilch hinzufügen, dass es einen festen Teig ergibt. Ca.1 Minute mit dem Mixer und Knethaken rühren (Tipp: Mit den Händen geht es besser, Chirurgenhandschuhe verhindern Ankleben! ), dann den Teig an einem warmen Ort 30 Minuten zugedeckt gehen lassen.
Ein Backblech mit Backpapier auslegen und den Teig zu einem Laib geformt darauf setzen und wiederum 30 Minuten ruhen lassen.
Mit Wasser bestreichen, Kerne aufstreuen,  und bei 200°C 20 Minuten backen, dann den Ofen auf 180°C herunterschalten und weitere 40 Minuten backen.
Mit einem Schaschlik-Spiess hineinstechen, wenn nichts von dem Teig an dem Holz-Stäbchen haften bleibt, ist das Brot fertig.

Die keltischen Jahresfeste im Überblick mit ihren christlichen Entsprechungen:

  • Brigid, Imbolc: 1./2. Februar – Feuerfest, Milchfest – Lichtmess
  • Eostre, Ostara, 21.März – Frühlingsanfang – Ostern
  • Beltane, 30.April/1. Mai – Walpurgis, Sommeranfang
  • Litha, 21. Juni – Johanni – Sommersonnenwende
  • Lughnasa, Lammas, 1./2. August – Brotfest, Kornfest
  • Mabon, 21. September, Herbstanfang – Fruchtfest, Weinfest
  • Samhain, 31. Oktober/1. November – Allerheiligen, Halloween – Schlachtfest, Totenfest
  • Yul, 21. Dezember, Wintersonnenwende – Weihnachten

Die kalendarischen Zuordnungen waren bei den Kelten oder auch Germanen (Römern) nicht alle fix, da sie neben dem Sonnen- auch einen Mondkalender für die Datierung von Ritualen verwendeten, daher fallen einige Zeitpunkte dann auf den Vollmond oder wie bei Samhain, den Neumond des entprechenden Monats. Das heilige Jahr teilt sich dadurch in vier Sonnenfeste und vier Mondfeste. Lughnasa fällt solar etwa auf 15° Löwe, wie alle lunaren Eckfeste ist es ein beweglicher, lunarer Feiertag. Alle vier Hauptfeste der Kelten finden etwa bei einem Sonnenstand von 15° in den fixen Zeichen statt – Brigid: Wassermann, Beltane: Stier, Lughnasa: Löwe, Samhain: Skorpion. Die entspricht den vier Weltecken der Antike. Die solaren Feste (Sonnwenden, Äquinoktion fallen auf den Anfang der kardinalen Zeichen Widder-Eostre, Krebs – Litha, Waage – Mabon, Steinbock – Jul.

Ein schönes Lughnsa(d) – Blessed Be!

 Lammas-Räiucher-Rezept:

  • Basilikum
  • Bernstein
  • Zimtrinde
  • Koriandersamen
  • Goldrute
  • Heidekraut
  • Rosmarin
  • Rosenblüten
  • Schafgarbe

Im Mörser zerpulvern und auf dem Räuchersieb verglimmen. Geht gut, da kein Harz dabei ist (Bernstein in kleinen Dosen  funktioniert). Auf dem Sieb werden die Kräuter nicht so schnell bitter.

Sunny Promises … ?

Sunny Promises … ? ©beast666 2015

 

Posted by on August 1st, 2016 Kommentare deaktiviert