Archive for August 13th, 2016

 

T-Shirts für 2 Euro …. ?

prisonfashionbulletSchon im Jahr 2012 wurde in der “Welt” ein Artikel veröffentlicht, der die Teenagerhysterie bei der Eröffnung der ersten Primark-Filiale in Deutschland beschrieb. Auch damals gab es schon Kritik an der irischen Textilkette, wegen der Bedingungen in den Herstellungsländern. Fast vier Jahre sind vergangen, der Zug der Masslosigkeit rollt weiter.  Billigstklamotten machen immer noch Furore, vor allem bei der jüngeren Generation. Noch vor gar nicht so langer Zeit waren es eher Plagiate teuerer Labels, made in China – heute sind es die zweifelhaften Wegwerf-Produkte sogenannter Mode-Discounter. “Mode”, das klingt in diesem Zusammenhang schon eher wie Hohn. In den vom Nachwuchs als spiessig belächelten Jugend-Zeiten von uns Omas und Opas gab es noch ganz kurz ein sogenanntes Mode-Diktat. Da wurde eine Kragenform oder die Rocklänge von den Mode-Schöpfern (meist aus Paris) quasi “zwangsverordnet”. Dann in der Hippie-Ära hatte man sich endlich befreit und trug was Spass machte, ein wenig “shocking” war, und einem persönlich gefiel. Obwohl Verirrungen wie Plattformsohlen und Schlaghosen auch dazugehörten, als sogenannte Fashion-Designer bereits damals anfingen, unsere ehemals provokanten  Ideen zu vermarkten.  Aber trotzdem war Mode endlich eher Ausdruck der Individualität, statt einer Klassenzugehörigkeit. Das wurde flugs geändert, als Ende der 1980iger die trendbewussten Yuppies auftauchten, die alle zuvor als  spiessig empfundenen Statussymbole wieder im Schlepptau hatten. Nicht umsonst wurden plötzlich die 1950iger hip … ausgerechnet die verlogene, verklemmte ADENAUER-Ära? “Greed war plötzlich Good”,  “In und Out”, “angesagt oder nicht”, der alte Schmäh in aller Munde, nur mit neuen Namen. Schon in der Grundschule und noch besser bei der Teeniegeneration liess sich bereits lukrativer Gruppenzwang aufbauen, sehr zum Ärger der geplagten und von der In-Industrie ausgesaugten Eltern. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur, einmal aus der Flasche,  muss dem Ungeist des Anspruchsdenkens trotz der zunehmenden Verarmung der Gesellschaft durch Lohndumping und Jobverlust, Rechnung getragen werden. Andauernd etwas Neues, Modisches zu besitzen geht nur noch über Billigramsch, wie ihn eben diverse Discounter anbieten. Verramscht wird dabei aber auch das Gewissen – Nachzudenken, mit welchen an Sklaverei grenzenden Ausbeuterei diese bunten Fähnchen hergestellt werden müssen, genau wie übrigens auch all die farbenfrohen Billigschuhe. Kinderarbeit, Elendsquartiere, teilweise regelrechte Leibeigenschaft – wie wollen wir das rechtfertigen ?

Da wäre es doch gleich besser, die Klamotten von “glücklichen Knackis” herstellen zu lassen … wie beim “Gefängnislabel***” aus den Staaten: “Made with Pride in the USA”. Das hört sich zynisch an, ist aber zumindest ehrlicher, und die Arbeitsbedingungen gestalten sich vielleicht sogar ein wenig humaner als in Bangladesh oder Pakistan und anderen extrem ausgebeuteten Regionen. Von der Verwüstung ganzer Landstriche durch die von der Textilindustrie verursachte Umweltsauerei gar nicht erst zu reden.

Vielleicht täte auch ein wenig mehr Zurückhaltung gut, statt überall auf den Manipulationszug aufzuspringen. Mit Angst und Konsum regiert man die Welt. Das erste erzeugt Schmerz, das zweite liefert gleich das Betäubungsmittel. Also, mehr Selbstbewusstsein, das hilft gegen Angst, dazu gehört auch, dümmlichen Gruppenzwängen und Mode-Trends nicht nachzugeben.  Weniger Konsum überflüssiger Güter schont den Geldbeutel und die Umwelt. Ausserdem, wir Verbraucher haben auch eine letzte Trumpfkarte, die wir ausspielen können, eine ziemlich mächtige sogar! Man muss in diesen Läden ja nicht einkaufen: Abstimmung mit den Füssen, nennt man das auch. Der Konjunktur schadet man damit vielleicht, aber was haben wir zu verlieren: Als Standort von Wertschöpfung durch Güter-Produktion existieren wir doch längst nicht mehr.

 

***”Made with Pride in the USA” kam ins Gerede wegen massiven Einsatzes der Arbeitskraft von US Gefängnisinsassen, teilweise zu ausbeuterischen Bedingungen. Eine ähnliche glorreiche Idee hier: Nachahmer findet sowas ja immer. Nichts gegen sinnvolle Arbeit in Knästen, aber zum Wohle der Gemeinschaft, nicht für die Profitgier Einzelner.
©Planet Prison Fashion – Bulletproof ist mein eigenes Design.
 

Posted by on August 13th, 2016 2 Comments