Archive for August 20th, 2016

 

Wunderschöne Bretagne: Gastlichkeit – Austern und Kouign Aman

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Küste bei Le Gouffre, Cotes d’ Armor.
Ein schönes Plätzchen für ein abendliches Picknick.
Die Bretonen lieben Picknicks – selbst bei Regen!

Landestypische Spezialitäten:

  • Kouign Aman und anderes Buttergebäck
  • Butter mit Sel de Guerande
  • Meersalz und Algen
  • Karamell
  • Fischsuppe
  • Galette & Crepe
  • Bier, Cidre, Eau de Vie
  • Austern und Muscheln
  • Frischer Meeresfisch
  • Artischocken

Die Bretagne besitzt ein enorm lange Küste – das merkt man auch an der Landesküche. Es gibt viel Fisch, besonders als Eintopf und Suppe. Daneben wird so allerlei was im Meer kreucht und fleucht auf den Fischmärkten angeboten. Meerspinnen und andere Krebsarten, natürlich Austern und Muscheln. Hochburg der bretonischen Auster ist unter anderem Cancale an der Route nach Mont St.Michel, aber auch der Golf von Morbihan und das ehemalige Malerstädchen Pont Aven. Auch wenn hier der van Gogh Rummel grösser sein dürfte, als der Austern-Hype.  Huitres, wie die Schalentiere auf französisch  heissen, kann man frisch mit Zitrone oder Tabasco (iiigitt!) schlürfen oder fritiert essen – yumm! Gezüchtet werden sie auch in der Nähe von Paimpol und der Ile Brehat. Generell sind in der Bretagne zwei Sorten erhältlich, beide von sehr guter Qualität, die europäische und die pazifische Auster. Aber nicht in Monaten ohne …rrrr! Gut schmecken auch Conquille St.Jacques (Jakobsmuscheln), überbacken in der eigenen Schale, oder auch Miesmuschelsuppe. Frischer Fisch wird in unserem Ferienörtchen Plouezec ein mal pro Woche direkt am kleinen Hafen des Ortes, Port Lazo verkauft. Wer will, darf an dafür ausgwiesenen Stränden auch selbst sein Glück versuchen – beim peche a pied, fischen zu Fuss – hier kann man während der mehrstündigen Ebbe die Schalentiere selbst sammeln.

Austern-Schlepper: Ein Amphibienfahrzeug zur Ernte und Kontrolle der Schalentiere in der Gezeitenregion.©beast666 2008

Austern-Schlepper: Ein Amphibienfahrzeug zur Ernte und Kontrolle in
den Schalentier-Bänken der Gezeitenregionen.
Cancale nahe Mont St. Michel ©beast666 2008

Fischsuppenrezepte werde ich Euch noch in einem späteren Post vorstellen, auch für Galette aus Buchweizenmehl und die süssen Crepes habe ich noch ein paar kulinarische Tipps. Zur Erntesaison gibt es auch jede Menge Artischocken, diese werden in der Bretagne feldmäsig angebaut. Generell wird wegen des milden Meeres-Klimas viel Gemüse kultiviert. Das National-Getränk ist natürlich Cidre, Apfelmost in zwei Geschmacksrichtingen: Brut- erfrischend herb mit 3-4% Alkohol oder douce, eher lieblich mit 2%. Wir fanden den aus Paimpol am besten, und wir haben viele Sorten probiert. Der Cidre wird aus Keramikschalen- oder Tassen getrunken, ähnlich wie Tee. Das bretonische Bier ähnelt geschmacklich dem bayerischen Zoigl und ist ziemlich stark. Es gibt zahlreiche Kleinbrauereinen, die handwerkliche Tradition pflegen, in etlichen kann man auch eine Kleinigkeit essen.  Uns schmeckte das rote “biere rousse” oder auch das einheimische Stout, das ein wenig an Guinness erinnert, aber ebenfalls das helle “La Goudale biere blonde a’ l’ ancienne”,  wenn gleich es ein normannisches Erzeugnis ist. Achtung – es enthält 7.2 Alkohol – nur für Bockbier-geeichte Bayern … lol! Als Aperitiv eignet sich der Apfelsherry Pommeau. Man erhält alle diese Getränkspezialitäten in den lokalen Supermärkten Super-U, Champion, Carrefour oder wie sie auch gerade heissen, das ändert sich ja ständig … Bei den Märkten gibt es auch das preiswerteste Benzin … das heilige Blechle braucht ja auch Sprit.

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Neugierige Katze vom Fischmarkt in Paimpol.

Rezept: Kouign Amann

Kouign amann ist ein bretonischer Butter-Kuchen. Er besteht aus mehreren, sich abwechselnder Schichten aus Teig, Butter und Zucker und ähnelt unserem einheimischen Schneckenkuchen. Der Teig ist eine fettere Variante vom Hefeteig für Croissant.  Eine kalorienreiche Sünde, aber der Geschmack ist es wert. Am besten warm geniesen! Kouign aman gibt es auch sonntags frisch in vielen Bäckereien. Die Uhrzeit des Verkaufs wird extra ausgehängt.

Zutaten

  • 25g Hefe
  • 250g Zucker
  • 500g Mehl
  • 250g salzige Butter (demi sel)
  • 1 Eigelb

Zubereitung

  • Die Hefe mit 1 Prise Zucker in 200ml warmen Wasser auflösen, wenig Mehl Mehl einstreuen und den Vorteig 15 min stehen lassen. Dann mit dem restlichen Mehl zu einem glatten Teig verkneten.
  • Eine Kugel formen und zugedeckt 60 min gehen lassen.
  • Den Teig auf einer Arbeitsfläche ausrollen, als wollte man große Crêpes oder einen Strudel backen.
  • Mit Butterflocken bedecken, mit Zucker bestreuen und wie ein Kouvert übereinander schlagen.
  • Erneut ausrollen und den Vorgang viermal wiederholen wie beim Blätterteig.
  • Dann den Teig in eine gebutterte Form drücken und mit dem Eigelb bepinseln.
  • Den Backofen auf 180°C vorheizen und den Kuchen 25 Minuten Goldgelb backen.
  • Noch warm servieren.

Weitere Gebäckspezialitäten: Far breton, eine Art Puddingkuchen mit Backpflaumen. Die Wirkung – extraordinär. Bei uns hiess er nur Bretonischer Furz! Es gibt viel salziges Karamell: Als Aufstrich für Brötchen oder Crepe, als Bonbon, oder in knusprigen Keksen mit dem Namen “craquantes du littoral”. Und überall ist Butter drin und drauf, oder Sahne.Gegen soviel Fettiges hilft nur der Eau de vie de cidre – bretonischer Apfelbrand, in etwa wie der normannische Calvados. Wir finden das bretonische Feuerwasser besser. Keltisch ist auch der Chouchen – ein Art Met.

Bar Franklin in Auray - eine typische Creperie und Bar.©baest666 ©2010

Bar Franklin in St.Goustain – eine typische Creperie und Bar.
Auray, Südbretagne ©beast666 2010

Für Fans lokaler Erzeugnisse: Marktzeit ist an unterschiedlichen Wochentagen – an einem Ort in der Nähe findet bestimmt gerade ein Bauernmarkt statt, eine Liste liegt aus. Wir besuchen den Wochenmarkt gerne in Paimpol (Dienstags) oder Lannion (Donnerstags). Das Angebot ist vielfältig, aber auch in den Supermärkten ist die Auswahl und Qualität der Lebensmittel oft wesentlich besser als bei uns. Gegen den kleinen Hunger: Auf den Märkten werden auch immer frische Crepes und Galettes feilgeboten – besonders lecker ist Galette mit Bratwurst auf alte Art, eine Art bretonischer Wrap. In Frankreich haben auch am Sonntag zumindest ein Brot-Bäcker, ein Fleischer und eine Patisserie geöffnet, sogar in kleineren Orten. Bei uns in Plouezec war sogar der Blumenladen auf: Ein Hinweis für Euch, Männer, der Angebeteten ein florales Mitbringesel auf den Frühstückstisch zu stellen! An Frischfleisch gibt es alles, auch für Grill-Fans, empfehlenswerte Wurstwaren sind verschiedene Schinken oder diverse Bratwürste z.B. Mergez aus Lammfleisch. Finger weg von der berühmt-berüchtigten Andouille – einer Kuttelwurst mit ausgesprochen merkwürdigem Geruch (sie stinkt echt abartig!) Falls man die Öffnungszeiten am Vormittag verpasst, hat man unter Umständen noch im Supermarkt Glück, da man auch hier am Sonntag noch einkaufen kann.

Gekocht wird überwiegend mit Gas, unser Feriendomizil hat eine Küche mit Induktionsherd/Elektrobackofen und zusätzlich zwei Gaskochstellen. Gasflaschen sind an Tankstellen erhältlich.

Wer keine Lust auf Selberkochen hat, geht statt dessen in eine Creperie (Bar mit Bistro) auf ein Galette mit Ei und Speck – in einigen dieser Lokale werden am abend auch andere Speisen serviert, allerdings kann man in der Bretagne generell erst ab 19:30 tafeln. Ein schnelles Crepe kann man auch zuhause zubereiten – es gibt sie süss oder salzig fertiggebacken als Frischware im Kühlregal der Supermärkte. Nur noch belegen, kurz in den Ofen und … voila, servieren!

Beim Einkaufsbummel stösst man auch auf die eine oder andere traditionelle Chocolaterie … immer ein Hort der Verführung, da zeigt sich die Genussfreudigkeit der Franzosen, selbst in der Bretagne oder auch im Elsass …

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Zur Blauen Katze, wenn das nicht was Gutes verheisst …!
Chocolaterie in Quimper, Finistere.
©beast666 2010

Au Chat Bleu gibt es seit über 100 Jahre. Zwei katzenliebende Schwestern eröffneten das erste Geschäft im Seebad Le Tourquet im Jahr 1912. Es wurde nach ihrer blauen Perserdame benannt und hat inzwischen verschiedene Filialen, z.B. auch in Quimper. Als Katzennarr muss man einfach zugreifen, aber auch für Schokoholiker und andere Leckermäuler lohnt es sich. Die diversen feinen Pralinen haben oft auch die Form einer Mieze oder ein lustiges Katzengesicht.

Es gibt auch kleine nette Restaurants abseits der Touristenströme, wie hier in Quimper:

©beast666 2008

Restaurant in einer Seitengasse von Quimper
©beast666 2008

Die Hauptstadt der Cornouaille hat neben der gotischen Kathedrale St.Corentin in der historischen Altstadt weitere schöne Ecken zu bieten, dazu bietet sich die Gelegenheit, dort landestypische Keramikware zu bestaunen und zu kaufen. Hier ist die Auswahl wohl am grössten, da Quimper auch als Hauptstadt der bretonischen Töpfereizunft gilt. Am Flüsschen Odet präsentiert das örtliche Keramikmuseum 2000 Ausstellungsstücke aus den unterschiedlichsten Epochen.

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Historisches Fachwerkhaus im typisch  britisch/bretonischen Stil,
es beherbergt einen Salon de The, wie Cafes mit Konditorei in Frankreich heissen.
©beast666 2008

Die hölzerne Philomena bewacht ein kleines Cafe mit vorzüglichen Kuchen oder Tartes und man kann die berühmten Macarons der besagten Dame erstehen. Gutes Gebäck, schönes Ambiente.

  • Im nächsten Teil gibt es die versprochenen Fisch- und Galette Rezepte und wieder ein paar neue Eindrücke von der Gastlichkeit der Bretagne …

 

Posted by on August 20th, 2016 Kommentare deaktiviert