Archive for August 26th, 2016

 

Vom Randecker Maar zum Schopflocher Moor

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Auchtert mit Bank und Aussicht zur Burg Teck.
Hier führt der Weg zum Randecker Maar vorbei.

Wir starten beim Wanderparkplatz Breitenstein und gehen Richtung Albtrauf zum Aussichtspunkt. Dort befindet sich ein Bronzepanorama mit Richtungsweisern. Der Blick zur Teck, Limburg und den Stauferbergen ist spektakulär. Der Weg zum Randecker Maar führt über den Auchtert mit seiner einsamen Baumgruppe und einer Aussichtsbank auf zwei Wegen: Kurz hinter der Linde nach rechts über einen Wiesenpfad, das ist die kurze Strecke. Oder man verfolgt den Albtrauf am Mörikefels vorbei, bis zum Abstieg zur Zipfelbachschlucht, überquert den Bach und steigt auf der anderen Seite im Maarkessel auf. Hier hat man die Wahl auf der kurvigen schmalen Landstrasse und an der Maarschäferei entlang zu wandern, oder einen Feldweg an den Weiden des Bauernhofs Ziegelhütte zu benutzen. Die zu dem Gehöft gehörende Maarstube und Käserei bieten Kulinarisches aus Eigenproduktion und am Wochenende auch eine Einkehr. Näheres zu der Teilstrecke habe ich schon im ersten Teil des Artikels gepostet: Biokäse und Zauberpflanzen.

Prächtiger Zwerghahn an der Ziegelhütte. Klein, aber selbstbewusst …

Prächtiger Zwerghahn an der Ziegelhütte. Klein, aber selbstbewusst …

Durch eine alte Lindenallee geht es dann am Maar-Rand entlang bis zur Strasse nach Römerstein. Hier zweigt der Weg dann in Richtung “Otto Hofmeister Haus” ab, das jetzt das romantische Hotel “Albengel” beherbergt. Dieser Panoramaweg bietet einen tollen Blick auf die Limburg und die Stauferberge.

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Blick auf die drei Kaiserberge:
Hohenstaufen – Rechberg – Stuifen

Im Vordergrund eine der vulkanischen Felsbomben, eine Folge der phreatischen Eruption des Kircheim-Uracher Vulkans. Hier floss keine Lava, sondern wurden regelrecht Trichter herausgesprengt – welche mehrere Maarkessel bildeten – wie in der Vulkaneiffel. Das Randecker Maar, einst auch ein mit Wasser gefüllter Kessel von rund einem Kilometer Durchmesser, wurde mit dem Zurückweichen des Albtraufs durch Erosion vom Zipfelbach angenagt und zum Auslaufen gebracht.  Fossilien des einstigen Sees sind in der Maarstube ausgestellt.

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Dem starken Wind zum Trotz – einsamer Baum am Randecker Maar.
Ein Speierling, dessen Fruchte für die Mostkelterei nützlich sind.

Hinter dem Otto Hofmeister Haus führt ein Wiesenpfad bzw. Schotterweg zur Torfgrube, dem Sumpfbiotop Schopflocher Moor. Einst ebenfalls ein Maarsee, verlandete es im Lauf der Jahrmillionen, und es bildete sich ein Hochmoor, eines der wenigen auf der sonst wasserarmen Schwäbischen Alb. Auf einem hölzernen Bohlenweg – und nur auf diesem! – kann das Moor durchquert und seine besondere Pflanzen- und Tierwelt aus der Nähe beobachtet werden. Man muss nicht Angst haben zu versinken, der “Holzweg” schützt die Vegetation vor dem Menschen.

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Ein sehr altes Naturschutzgebiet, wie man an dem Schild erkennen kann.

Den Kern des Biotops bildet ein Moorwäldchen mit Birken und Heildelbeer-Schlägen. Es errinnert mich an die typischen leicht morastigen Wälder in der Oberpfalz, wo es noch viele Hochmoore und Sumpfwiesen gibt, wegen der ebenfalls zahlreichen Seen und Weiher.  Der Untergrund ist dort häufig ebenfalls Vulkangestein, das sich vom Rauhen Kulm in Franken bis zu den K.und K. Bädern in Böhmen zieht. Auch in dieser Gegend gibt es, wie rund um Bad Urach viele Heilquellen und Thermalwässer.

Bohlenweg durch das Moorwäldchen.

Bohlenweg durch das Moorwäldchen.

Am Ende des Bohlenwegs wartet ein kleiner Tümpel mit Rohrkolben und blauen bzw. gelben Iris. In ihm tummeln sich im Frühling viele Kaulquappen, so dass es im Hochsommer wohl zu einem ziemlichen Froschgequake kommen dürfte.

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Sumpf-Iris (Mrkur/Neptun(Jupiter) und Schlangenknöterich (Mond/Saturn, Merkur/Neptun)
haben ihre Hauptblüte im Juni/Juli.

Die Wurzel des Drachenkrauts (Bistorta officinalis) und die jungen Blätter, Blüten und Samen
kann man als Wildgemüse essen. Getrockntetes Schlangenwurzelrhizom wurde zu Mehl verarbeitet. Iriswurzel findet man in Kosmetika.

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Blutweiderich (Lythrum salicaria) – eine vielseitige Heilpflanze – Panacea.
Jupiter(Neptun)/Merkur, Mars/Venus, Mond/Saturn.
Früher ein Nothelfer bei Ruhr und Cholera. Blutstillend.

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Teich mit Iris und Kaulquappen. Grössere Bestände des Sumpfschachtelhalms
sind auch anzutreffen.

Geflecktes Knabenkraut.

Geflecktes Knabenkraut. Eine heimische Orchidee, die im Mai blüht.
An schattigeren Stellen kann man das weisse Walldvögelein finden.

Esel auf den Maarwiesen.

Esel auf den Maarwiesen, sie gesellen sich gerne mit Schafen.

Nach dem etwa 15 minütigen Durchgang durch das Schopflocher Moor kehrt man auf dem gleichen Weg zurück, auf der Landstrasse bis zum Parkplatz. Dort überquert man die Strasse und wendet sich nach links, wieder am Maarkessel entlang. Dort gelangt man auf den kurzen Weg zum Auchtert und schliesslich zum Breitenstein.

Gesamtstrecke: 1.5 h ohne Einkehr, viele wunderschöne Panaorama-Ansichten des Albtraufs und der vorgelagerten Zeugenberge.

Einkehrmöglichkeit: Maarstube, Restaurant und Biergarten des Landgasthofs “Albengel” im “Otto Hoffmeister Haus”. Hier gibt es auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Schwierigkeitsgrad: Gering, wenn man auf den Ab- und Aufstieg bei der Querung der Zipfelbachschlucht verzichtet, und den Wiesenweg beim Auchtert nimmt.

©photos: beast666

Posted by on August 26th, 2016 Kommentare deaktiviert