Spätsommer in der Schwäbischen Alb: Zauberpflanzen und Biokäse

Linde auf dem Auchtert:  beast666 August 2015

Linde auf dem Auchtert: beast666 August 2015

Immer eine lohnende Runde:  Wandern vom Breitenstein zur Ziegelhütte im Randecker Maar und zurück. Eine unangestrengte Route, trotzdem muss man keine Teerstrassen und breite Schotterpisten mit wildgewordenen Mountainbikern teilen. Diese stören ein Naturerlebnis manchmal recht effektiv – allein schon die oft affenbunte  Aufmachung! Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz am Breitenstein bei Ochsenwang. Wer will, kann die Kirche im Ort besuchen, dort war der Dichter Eduard Mörike im 19. Jhd. als Pastor tätig. Vom Parkplatz geht’s zum 815 m hohen Breitenstein, mit seiner wunderbaren Aussicht auf die Zeugenberge der Alb und vor allem die Burg Teck. Im Gelände verstreut liegen einige Gemeinde-Grillplätze.  Weiter zum Anstieg des Auchtert, auf dem eine kleine Lindengruppe mit einer Parkbank zum Verweilen einlädt. Die Wiesen auf dem flachen Buckel weisen eine erstaunliche Artenvielfalt auf: Jetzt im Spätsommer leuchten bei Sonnenschein Silberdisteln aus dem vertrockneten Gras.

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Carlina acaulis, Silberdistel oder stängellose Eberwurz. ©beast666 2015

Diese alte Zauber- und Heilpflanze steht auf der roten Liste der bedrohten Arten und ist streng geschützt. Die Haupt-Signatur hat sie wie alle Disteln vom Jupiter/Merkur-Prinzip, aber Mars (Blattstacheln) und Venus (sehr zuckerreicher Nektar) spielen ebennfalls eine Rolle. In der silbrigen, hygroskopischen Blüte und der starken Pfahlwurzel erkennen wir den Saturn/Mond Einfluss. Dieses aromatisch riechende Rhizom enthält ätherische Öle und schmeckt scharf und bitter. Hauptbestandteil des Öls ist mit 80 % bis 90 % das antibakterielle und toxische Carlinaoxyd. Weiter enthält die Wurzel auch über 20 % Inulin als Reservestoff, wie z.B. auch der Grosse Alant. Die kräftige Pfahlwurzel wurde in der Volksheilkunde als Grippemittel, harntreibendes Mittel und gegen Greisenbrand gesammelt, in der Tiermedizin als Mast- und Brunstpulver (Eberwurz) verwendet. Die Korbböden wurden früher ähnlich wie Artischocken gegessen. Daher wird die Silberdistel bei Almhirten auch Jägerbrot genannt. Der Geruch des getrockneten Rhizoms galt auch beim Menschen als potenzfördernd.

Die Silberdistel gehört zu den schutzmagischen Berufkräutern: Sie schmückt noch immer in den Alpen viele Türen von Bauernhäusern. Sie soll die Bewohner vor Luftgeistern schützen, die Seuchen bringen. Die antibiotische Wirkung konnte inzwischen biochemisch nachgewiesen werden (Carlinaoxyd). Paracelsus nutzte die Pflanze als Amulett, um stärkende Astralkräfte auf den Menschen zu übertragen.

Der Beiname Wetterdistel bezeichnet das Verhalten der äusseren, abgestorbenen Blütenblätter, sich bei hoher Luftfähigkeit einzurollen, und damit die Blüte zu verschliessen. Durch diese hygroskopische Eigenschaft werden die Röhrenblüten vor Regen geschützt. Bei geschlossener Blüte ist also Regen zu erwarten, bei Sonnenschein öffnet sie sich wieder. Bereits ein fünf- bis zehnmaliges Anhauchen genügt, um die erste Aufrichtebewegung zu erzeugen. Auch der Morgentau löst den Wettermechanismus aus.

Zipfelbach-Schlucht Brücke.©beast666 2015

Zipfelbach-Schlucht: Brücke.
©beast666 2015

Vom Auchtert geht es zum Mörikefels, einer etwas augesetzten Kanzel mit tollem Panoramablick. Abwärts durch den Wald führt der Weg an der Zipfelbachschlucht vorbei und über die Strasse auf den leichten Anstieg zum Randecker Maar. Entlang einer Kuhweide und an der Maar-Schäferei vorbei gelangt man zur Einkehr “Maarstube” des Weilers Ziegelhütte, mit seinem Demeter-Betrieb samt eigener Käserei. In der Brozeitstube des Hofladens bekommt man eine erstklassige Vesper oder leckeren selbstgebackenen Kuchen. Eine Auswahl von  unterschliedlichen Käsespezialitäten findet man im Hofladen, daneben auch die Produkte aus dem Biosphärenreservat “Schopflocher Alb”, z.B. Honig oder Wildobsterzeugnisse. Man sitzt im Sommer gemütlich unter alten Bäumen, im Winter am heimeligen Kaminofen der rustikalen Gaststube. Hier sind auch jede Menge Infomaterialien zur Region ausgelegt.

Auf den Maarwiesen blüht jetzt schon die Herbstzeitlose, eine Heil- und Hexenpflanze, die trotz ihrer Giftigkeit zur Gichtbehandlung eingesetzt wird. Ihre Haupt-Signatur: Venus/Pluto.

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Herbstzeitlose: Colchicum autumnalis, schön -  aber sehr giftig.
©beast666 2015

Gestärkt macht man sich von der Maarstube auf den Rückweg, der durch eine schöne alte Linden-Allee in Richtung der Hauptstrasse nach Ochsenwang führt. Hier hat man einen spektakulären Ausblick auf die “Drei Kaiserberge: Stuifen, Rechberg, Hohenstaufen” und den kleinen Vulkan “Limburg“. Dieser alte Schlot ist ein Rest des Kirchheim-Uracher Vulkans, der auch den Kessel der Randecker Caldera geschaffen hat, die lange Zeit von einem See, wie die ebenfalls vulkanischen Eifel-Maare bedeckt war. Fossilien aus dieser erdgeschichtlichen Periode kann man in der Maarstube besichtigen, Schautafeln zur geologischen Geschichte des Maars stehen am Anfang der Allee.

An der Strasse zweigt der Pfad nach rechts ab, entlang des Maar-Randes zurück zum Auchtert und Breitenstein.

Zauberbaum der Alten: Eberesche. Baum von Odin und Thor.

Am Maarrand – Zauberbaum der Alten: Eberesche.
Baum von Odin und Thor.
Die Beeren liefern Marmelade und geistiges (Schnaps).

Gehzeit ca. 3 Stunden ohne Rast und Einkehr. Maarstube an Wochenenden, Hofladen auch Freitag vormittag geöffnet.

Ziele in der Nähe:

  • Ein lohnender Abstecher: Torfgrube Schopflocher Moor  – tolle Bestände an Rohrkolben, Sumpfiris und Wald-Angelica, Libellen, Frösche, Falter etc.
  • Otto-Hoffmeister Haus: Landgasthof Albengel mit Übernachtung
  • Biosphären-Zentrum Schopflocher Alb an der Hauptstrasse, Richtung Römerstein: Veranstaltungen, Vorträge, Laden, Cafeteria.

 

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