Archive for September 8th, 2016

 

Bad Urach: Steile Pfade und fallende Wasser im Keltenland

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Kleines Idyll: Brühlbach im Maisental.
Hier liegen Start- und Zielpunkte der Rundkurse.

Unsere schönsten Wanderungen führen rund um Bad Urach: Auf zwei ca. 15 km langen Rundkursen. Auf der oberen Strecke besuchen wir die Burgruine Hohenurach und wandern dann über die Kreuzhütte und die Hohenuracher Steige*** (siehe unten:”Gehzeit”) oder bequem dem Radweg folgend, zum Wasserfall weiter. Über den Abzweig Hölle/Güterstein unterhalb des Wasserfalls gelangt man zu den gleichnamigen Wasserfällen und  wieder zum Gestüt im Tal. Von hier geht es zurück zum Parkplatz im Maisental. Dafür gibt es einen eigenen Artikel, wo ich auch auf die Gütersteiner Fälle näher eingehen werde.

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Gütersteiner Wasserfälle.
Kalktuffgebilde, die ständig wachsen.

Die untere Tour, die hier beschrieben wird, gestaltet sich etwas schwieriger: Zuerst wandert man vom Parkplatz Wasserfall zum Hofgut Güterstein über einen Wirtschaftsweg durch die Obstwiesen im Maisental. Hier findet man die  Abzweigung “Gütersteiner Wasserfälle”. Hat man die Tufffelsen mit ihren Kaskaden erreicht, folgt man einem Waldweg der steil bergauf zur “Fohlensteige” führt. Man kann auch einen Abstecher zur archäologischen Stätte “Runder Berg” machen: Spuren einer frühen keltischen und späteren allemannischen Besiedlung gibt es noch zu sehen. Allerdings – im hohen Gras lauern Zecken! Die Alb war eine Region intensiven keltischen Kultureinflusses, daher wurden viele der neueren Wanderwege entlang von Viereckschanzen, Tumulusgräbern und Siedlungsresten angelegt. Solche archäologischen Pfade tragen ein Hinweissymbol, das meist ein keltisches Artefakt abbildet. Vom flachen Gipfel des Runden Bergs mit seinen Hinweistafeln gehen wir auf derselben Strecke zurück, und steigen schliesslich auf der Fohlensteige bis zur Hochfläche auf. Kurz unterhalb der Traufkante zweigt der Weg zum Camererstein und Rutschenfelsen nach links ab. In der Nähe liegt die Rohrauer Hütte, ein Albvereinshaus mit Einkehrmöglichkeit am Wochenende.

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Hohe Warte – ein Denkmal für die in den Weltkriegen gefallenen Mitglieder des Schwäbischen Albvereins.
Ein bisschen Art Deko – errichtet 1923.

Wer noch mehr vorhat, geht rechts weiter zum Fohlenhof und dem Aussichtsturm “Hohe Warte”, ein interssantes Art Deco Denkmal aus dem Jahr 1923. Die Aussicht ist  spektakulär, der Aufstieg heftig – nicht für Nachtblinde, das Turminnere ist recht dunkel. Normalerweise an Wochenden geöffnet: Den Schlüssel für den Turm gibt es wochentags  beim Hof, auf dessen Wiesen im Sommer die Fohlen und Jährlinge des Marbacher Gestüts weiden. Im eigentlichen Gestütshof St.Johann kann man ebenfalls einkehren. Vom Fohlenhof führt der Weg dorthin durch eine schöne Allee. Die Marbacher Pferde  hat schon die Queen bewundert.

Camererstein am Albtrauf. Hier hat man einen tollen Blick auf die Ruine Hohenurach.

Camererstein am Albtrauf. Hier hat man einen tollen Blick
auf die Ruine Hohenurach (Hintergrund).

Auf dem Rückweg  von der Hohen Warte oder der Rohrauer Hütte geht es  auf den Wanderweg nach rechts bis zum Wald. Hier passiert man einen Karsteinbruch (Doline), in dem ein kleiner Brunnen (Rutschenhofbrünnle) verborgen ist. Daran vorbei erreicht man die steile Traufkante mit dem natürlichen Amphitheater der Rutschenfelsen, wo sich ein spektakuläres Panorama bietet. Neben dem Tuffsteindenkmal Camererstein  steht eine Bank zum Verweilen.  Im Hochsommer ist es hier ziemlich heiss! Ab hier führt der Weg nach rechts (rotes Dreieck), immer am Trauf entlang in Richtung “Uracher Wasserfall”, zu dem man über einen steilen Abstieg mit Serpentinen und einigen spektakulären Aussichtspunkten -nicht ganz ungefährlich!- gelangt.   Auf der Wasserfallwiese mit Biergartenatmosphäre stehen einige prächtige alte Bäume und es gibt einen Kiosk mit Brotzeit und Getränken.

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Wasserfall des Brühlbachs mit vielen Kaskaden und kleinen Nebenschauplätzen.
Bezauberndes Zentrum meines Broceliande.

Die letzte Wegstrecke führt über die Wasserfalltreppe zurück ins Maisental. Hier hat man die beste Sicht auf das nasse Spektakel in seiner ganzen Pracht. Zum Maisental gehört eine Hochwiese, durch die der Brühlbach abfliesst. Dessen tiefes Bett mit Kaskaden und umgestürzten Bäumen bietet einen leicht verwunschenen Anblick. Die Wiesen beherbergen vor allem im Frühjahr und Frühsommer seltene Blumen, auch Orchideen. Im Maisenstüble in der Nähe des Parkplatzes gibt es eine weitere Einkehr.

Haselwurz - Asarum europaeum.Eine alte Hexenpflanze.

Hexenpflanze: Haselwurz – Asarum europaeum. Sieht Alpenveilchen ähnlich.
Beide sind Venus/Pluto und Mond/Saturn Gewächse.

Am Boden des Waldes in Wasserfallnähe, besonders im Bereich der “Hölle” am unteren Abzweig nach Güterstein findet man eine interessante Pflanzenwelt: Efeu, Waldmeister, Aronsstab, Stinkende Nieswurz, Seidelbast und grosse Flächen der immergrünen Zauberpflanze Haselwurz. Diese steht unter der Haupt-Signatur Venus/Mars(Pluto), wie man an den herz/nierenförmigen Blättern und dem leicht pfeffrigen Geruch erkennen kann. Eine Zuordnung zu Saturn zeigen neben dem Wintergün der Blätter, die purpur-braunviolet gefärbten bodennahen Blüten, obwohl deren Dreizähligkeit wieder Neptun/Pluto oder Jupiter entspricht. (Olympische Trinität: Jupiter-Neptun-Pluto, sie haben eine Affinität zur Drei, Sechs, Neun und Zwölf.) Es liebt feuchte Standorte und ist ein Schattengewächs mit schnell vergänglichen Blüten, daher ist auch der Gegenpol zum Saturn (Mond) sichtbar. Asarum gehört als Mond- und Venuspflanze zu den uteruswirksamen Drogen. Merkur/Neptun zeigt die rankende Wuchsform und die psychoaktive Wirkung, ausserdem wirkt das Rhizom äusserlich lokal betäubend.

Haselwurz - Asarum europaeum.quelle:wiki

Haselwurz – Asarum europaeum. Quelle:wiki

Asarum europaeum gilt als Abwehr- und Schutzzauber (Mars), auch zur schwarzen Kunst (Pluto/Saturn) wurde es verwendet. Mittelalterliche Hebammen beendeten mit einer Mixtur aus Sadebaumrinde, Wermut, Haselwurz und Poleiminze oder Petersilienwurzel unerwünschte Schwangerschaften, was damals hiess, die vielleicht  achte, neunte oder noch schlimmer. Eine andere Möglichkeit der Verhütung war wegen der kirchlichen Intervention nicht mehr sonderlich verbreitet. Auch diese pflanzlichen Abortiva waren gefährlich, die enthaltenen Inhaltstoffe ziemlich toxisch. Frauen starben häufig bei solchen Experimenten, das zeigt schon das ganze Ausmass an Verzweiflung. Pharmakologische Effekte: Niesreiz, Erbrechen, krampfartiger Durchfall, Magenblutung, Gebärmutterkrämpfe mit Blutungen. In der Volksmedizin wurden eher die Blätter als das stärker wirkende, scharf nach Ingwer riechende Rhizom (Mars/Pluto) verwendet, sowohl äusserlich bei Hautausschlag und Kopfhautgrind (Tinktur oder Abkochung) als auch innerlich – als drastisches Purgiermittel (Mars/Saturn). Dazu wurde eine Art Tee oder auch Weinsud hergestellt, der dann durch die Nase geschnaubt, oder seltener, getrunken wurde. Eine Salbe aus dem Rhizom wirkt durchblutungsfördernd, daher wurde es auch früher gegen Ischias angewendet.

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Nesselblättrige Glockenblume.

Glockenblumen wachsen in vielen Unterarten auf der Schwäbischen Alb. sie sind typische Zeigerpflanzen für Kalkböden, die nesselblättrige Variante liebt feuchte Wälder.

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Hirschzungenfarn – eher selten in heimischen Gefilden.
Am Urachfall bedecken ganze Teppiche besonders die Steilhänge.

Schwierigkeit:

  • Für geübte, trittsichere Wanderer mit Bergstiefeln. Stöcke nicht vergessen! Mehrere Steigungen, ca. 300m Höhendifferenz. Kopfbedeckung, Sonnenschutz und Mückenschutz! Bei Nässe sind die Abstiege gefährlich!
  • ***Hohenuracher Steige: Der Aufstieg ist sehr steil, der Ausblick super! Zur Wasserfallhochwiese steigt man über eine steile Steintreppe ab, wer das nicht möchte, kann auch direkt zum Rutschenfelsen weiterwandern und die Fohlensteige (Abzweig beim Gestüt) nach Güterstein nehmen.

Gehzeit:

  • Ohne Rastpausen und Abstecher zur “Hohen Warte” ~5 h. Die beste Zeit ist der Morgen bis zum frühen Nachmittag. Das ganze Jahr durch begehbar, allerdings im Winter Eisbildung auf den Steilpfaden – da ist die zweite Tour besser geeignet. Wochenende vermeiden oder Sonntag ab 8:00 Uhr morgens wählen. Trotz der wenig familientauglichen Strecke sind viele Wanderer unterwegs.
  • Die komplette Tour: Ruine Hohenurach, Uracher Steige, Wasserfallwiese, Rutschenfelsen, Gestüt St. Johann, Hohe Warte, Fohlensteige, Gütersteiner Fälle, Gut Güterstein, Maisental dauert je nach Rast und Einkehr ca. 7 Stunden und stellt einigen Anspruch an die Kondition, da mehrmals steile Auf- und Abstiege bewältigt werden müssen.

Einkehr:

  • Maisenstüble, Rohrauer Hütte, Gestüt Güterstein, Wasserfallhütte.
  • Ordentlich zu trinken mitnehmen, und eine kleine Vesper einpacken, da viele Albvereinshäuser, ausser am Wasserfall, nur am Wochenende geöffnet sind.

Fototipp:

  • Der Wasserfall und das Maisental liegen morgens gegen 9:00 Uhr im schönsten Licht.
  • Nach Regenfällen brausen die Fälle besonders stark – allerdings werden die Wege dann rutschig und die Kalkfelsen können regelrecht schmierig sein.

Tiere:

  • Blindschleiche, Feuersalamander, Fledermaus, Schwarzspecht und Roter Milan.
  • Viele Schmetterlinge, auch Trauermantel und Schwalbenschwanz.
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Pyramiden-Hundswurz im Mai. Anacamptis pyramidalis.

Pflanzen:

  • Buschwindröschen, Scharbockskraut, Nieswurz, tolle Farne, Aronsstab, Orchideen, nesselblättrige Glockenblume.
  • Seidelbast, Haselwurz, Pilze, Knoblauchsrauke, Wasserkresse … je nach Jahreszeit

Alle Fotos:@beast666 2012-16

Posted by on September 8th, 2016 Kommentare deaktiviert