Archive for September 9th, 2016

 

Unterwegs in der Bretagne: Grüsse aus St.Malo

greetings_from_st_malo_by_scrano-d9plpql

Die Stadt, wo die Katzen auf den Strassen tanzen … ?
Blick auf Les Ramparts und den Stadteil “Intra Muros”.
©scrano 2015

St. Malo – Seefestung und Korsaren-Nest – nirgends ist das Meer so deutlich Bestandteil des urbanen Lebens wie in dieser bretonischen Stadt. Der Tidenhub ist enorm > 14 m, daher werden bei Ebbe grosse Flächen des Meeresbodens und der vielen Felsen freigelegt. Um sich die Kraft dieses Natur-Phänomen zunutze zu machen, wurde in der naheliegenden Mündung des Flusses Rance das erste Gezeitenkraftwerk der Welt gebaut. In den bei Ebbe zurückbleibenden Tümpeln tummeln sich Fische und Krabben. Wir besuchen St.Malo gerne zu den Zeiten der “Grand Marees”, da man dann alle näheren Inseln vor der Altstadt “Intra Muros” zu Fuss besichtigen kann. Auf zweien, Petit Be und Fort Royal befinden sich Festungen aus der Zeit von Louis  XIV. – gebaut unter der Leitung seines Militär-Architekten Vauban. Auf der “Grand Be” fand der  romantische Dichter Chateaubriand seine letzte Ruhestätte, jemand legt heute noch täglich Blumen auf sein Grab.

Petit Be von der Grand Be gesehn. Letztere ist ein nettes Picknick-Plätzchen. Gezeiten nicht vergessen - ist uns fast passiert.

Petit Be von der Grand Be aus gesehen. Letztere ist ein nettes Picknick-Plätzchen.
Gezeiten nicht vergessen – ist uns fast passiert. ©beast666 2008

Die imposante normannische Stadtmauer, wie alle anderen Gebäude der weitaus jüngeren Altstadt aus bretonischen Granit errichtet, macht einen wahrhaft wehrhaften Eindruck. Es lohnt sich, den historischen Stadtkern auf ihr zu umrunden: Man kommt an quasi allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Von St. Malo aus wurde durch Jaques Cartier und Samuel Champlain (nach ihm wurde Lake Champlain benannt , der ein Seeungeheur beherbergt, wie Loch Ness in Schottland: “Champ”, eine Art Seeschlange)  die Kolonisierung Kanadas durch die Franzosen geplant. Es gab eine Mustersiedlung für Auswanderer, die den Schritt in die Neue Welt wagen wollten. Schaut man sich  die Altstadt von “Ville de Quebec” am St.Lorentzstrom an, erkennt noch heute man den Einfluss des bretonischen Baustils. Der Seefahrt-Pionier selbst liegt in einer Seitenkapelle der Kirche auf dem flachen Stadthügel im Zentrum begraben. Ein weiterer Sohn der Stadt ist der berühmte Korsar und Gentleman-Freibeuter Robert Surcouf. Sein Monument mit Aufbruchspose steht weithin sichtbar auf einer der Befestigungen der Stadtmauer. Leider haben Vandalen vor einiger Zeit seinen Säbel entwendet … na was da wohl Papa Freud sagen würde. Seinem Ruhm hat sogar Karl May in einem seiner Romane (Der Kaperkapitän) ein literarisches Denkmal errichtet. Vor dem Haupttor ist ein weiterer Korsarenkapitän in einem Monument verewigt: Jean Bart.

Ein mitreisender Freund bestaunt den berümten Kaperkapitän Robert Sourcouf. beast666 2007

Ein mitreisender Freund bestaunt den berühmten
Kaperkapitän Robert Surcouf. ©beast666 2007

Die tanzenden Katzen in der gleichnamigen Seitengasse … nun ja St. Malo ist ein bekannter Hafen und Anlaufstelle für Matrosen aus aller Welt … welcher Art Miezen hier wohl gemeint sind …? Uns das, obwohl die Stadt von einem keltischen Heiligen gegründet worden sein soll! Aber St.Pauli ist ja auch kein Kloster. Während eines unserer Besuche lag auch die mittlerweile eingemottete Gorch Fock vor Anker, viele der sehr jungen Seekadetten waren auf Landgang in der Stadt unterwegs, darunter auch einige Frauen, fast noch Mädchen. Ich dachte noch, toll, dass diese letzte Männerdomäne auch endlich gefallen ist … Schade, dass es mit dem letzen Schulschiff der Bundesmarine so ein jämmerliches Ende nahm. An Mitbringseln und Touristen-Nippes mangelt es in der Vielzahl von kleinen Läden nicht, aber es gibt auch einiges Interessantes für Katzenliebhaber, wohl wegen der “chat qui danse”-Anspielungen. Wir haben in einem Geschäft in einer Seitengasse hübsche bretonische Seemanns-Pullover und dicke Sweatshirt-Jacken mit den typischen Fischer-Streifen in ganz ordentlicher Qualität erstanden, die uns bei unserem weiteren Aufenthalt sehr angenehm gewärmt haben. Wenigstens mal nicht “Made in China”. Einen Snack und einen anständigen Cafe au Lait als Stärkung zwischendurch bekommt man in den vielen Creperien und kleinen Fischlokalen, welche die schmalen Strassen säumen. Zu empfehlen: Crepe au miel et citron - einfach, aber delikat!

Pylonen aus Holz sind typisch für den Strand. Es gibt sogar ein Gezeitzen-Schwimmbad, das wasser wird bei jedem Tidenwechsel erneuert.

Pylonen aus Holz sind typisch für den Strand. Es gibt sogar ein Gezeitzen-Schwimmbad,
das Wasser wird bei jedem Tidenwechsel automatisch erneuert.

Am Freitag und am Wochenende findet während der Sommerabende am Strand ein reger, feuchtfröhlicher Partybetrieb statt – Discobeschallung inklusive. Vor allem ein Treff der einheimischen Jugend.

City by the sea - das Meer dominert alles.

City by the sea – das Meer dominert alles.

Bei unserem fast nass endenden Ausflug zur Picknickinsel  “Grand Be” war ein britisches Pärchen noch ein wenig saumseliger als wir: Der junge Mann musste sein Mädel huckepack durch die mittlerweile knietiefen Fluten auf dem steinernen Verbindungssteg tragen. Er bekam laute Beifallsbekundungen und viel Applaus von den umstehenden Einheimischen – und natürlich jede Menge Gelächter!

intra_muros__st__malo_brittany_by_scrano-d8r4m4x

Shopping und Bummeln in den Strassen der Altstadt.
Während der Woche ist nicht viel Trubel,
da lässt sich der Stadtbesusch eher geniessen.

Zum Schluss noch ein Tip: Samstag und französische Feiertage meiden, das Parkplatzproblem ist enorm, besonders in der Nähe der Altstadt.  Wochentags am späten Nachmittag kommt starker Berufsverkehr dazu, besser vormittags einplanen.

stmalostre1 Kopie

Stadt aus Granit:
Die im regelmässigen Raster angelegte Altstadt “Intra Muros”.

Wenn man eine Tagestour unternimmt, kommt eventuell entweder ein Abstecher nach Dinard, einem Seebad auf der Küstenroute, in Frage. Oder auf der Rückfahrt über die Inlandsstrecke (Schnellstrasse) in Dinan stoppen: Eine sehr schöne Altstadt mit Fachwerkhäusern und geschmackvollen kleinen Geschäften lädt zu einem Bummel ein.

Posted by on September 9th, 2016 Kommentare deaktiviert