Archive for September 14th, 2016

 

Holunderzeit II: Kraft der schwarzen Beeren

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Angelegenheiten des Holunders:
Leben und Tod. Weiss galt im Altertum auch als eine Todesfarbe.
 

Die Früchte des Sambucus nigra aus der Familie der Geissblattgewächse:

Gesammelt werden die schwarzen Beeren-Dolden ab Ende August bis Mitte Oktober und mit einer Schere abgeschnitten! Leider werden sie manchmal schneller von den Vögeln gefressen, weil sie ungleichmässig ausreifen. Bei Nässe neigen sie zum Schimmeln. Grüne Holunderbeeren sind wegen des hohen Gehaltes von Sambunigrin ungeniessbar. Zu Hause können die Früchte noch einen Tag nachreifen und werden dann getrocknet (für Fliederbeer-Tee:geht sehr gut) oder frisch verarbeitet. Die Inhaltsstoffe der Beeren sind beachtlich: 100 g enthalten 18mg Vitamin C, Vitamin A und B 2, 1,5 mg Niazin, 305 mg Kalium, Fluor, Gerbstoffe, Karotinoide, Flavonoide und Anthocyane, die so genanten sekundären Pflanzenstoffe. Zubereitungen aus Beeren wirken gegen Erkältung, Gicht, Harnsteine, Lernschwäche, Konzentrationsstörungen und NeuralgienWer täglich geistige Arbeit verrichtet und vor allem die Augen stark beansprucht (z.B. Bildschirmarbeit am Computer) sollte jeden Tag 1 Glas trinken.

Die Holundersaft Zubereitung gelingt am Besten im Dampfentsafter mit wenig Rohrzucker.

Aus dem Saft kann man gut Gelee kochen, oder Likör zubereiten, mit Apfelsaft und Gewürzen eine Basis für einen alkoholfreien (Kinder)-Glühwein. Ich gebe ihn zum Apfelmus, zusammen mit Ingwer: Das wird dann zwar lila (vielleicht eine Idee zu Samhain (Halloween) für Kinderparties), aber so richtig lecker! Generell verträgt sich Holunder besonders gut mit Äpfeln, aber auch mit Zwetschgen, Pflaumen und der skandinavischen Aronia (Apfelbeere).

Holunder-Zwetschgenkompott:

"Sambucus nigra fruit kpjas 26082005 1". Licensed under Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 via Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sambucus_nigra_fruit_kpjas_26082005_1.jpg#mediaviewer/File:Sambucus_nigra_fruit_kpjas_26082005_1.jpg

“Sambucus nigra fruit kpjas 26082005 1″. Licensed under Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 via Wikimedia Commons

  • 250 g Holunderbeeren waschen, von den Dolden zupfen und abtropfen
  • 250 g Zwetschen entkernen
  • 1 Glas Apfelsaft
  • Schale einer Orange,
  • 1/2 Teelöffel Ingwerpulver

Früchte mit 50 g Ahornsirup oder Rohrzucker in wenig Apfelsaft erhitzen. Etwas Nelkenpulver und Zimt hinzugeben. Das Ganze zu einem musigen Kompott einkochen.

Holunderfruchtaufstrich – oder fürs Joghurt:

  • 350 g Holunderbeeren
  • 150 g Äpfel
  • 500 g Gelier-Rohrzucker 1:1
  • 1 Msp. Zimt
  • 2 Msp. Nelken oder Ingwer
  • 1 Glas Apfelsaft

Die Holunderbeeren sauber waschen und trocknen lassen. Die Beeren mit einer Gabel von den Stielen streifen. Die Äpfel schälen und in kleine Stücke schneiden. Alles in wenig Apfelsaft weich kochen und ständig umrühren. Die Fruchtmasse durch ein Sieb passieren. Das Mus zusammen mit dem Gelierzucker noch einmal aufkochen und 2 Minuten aufwallen lassen. In vorbereitete Gläser füllen und dicht verschließen.

Holunder Milch Shake:

  • 1/2 l Hafermilch, wer’s frischer mag, nimmt Buttermilch
  • 1/8 l Holunderbeersaft
  • 1 TL Zitronensaft
  • 1 Prise Zimt, Nelkenpulver
  • 2-3 EL Ahornsirup und Demerara Zucker

Den Saft mit Zimt, Nelken und Zucker kurz aufkochen lassen und etwa drei Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abkühlen lassen, Sirup zugeben und die kalte Milch dazugießen. Gut aufmixen, dann Zitronensaft unterrühren.

Holunder-Elixier:

  • 500g Holunderbeeren, entstielt, gewaschen
  • 250g brauner Kandis
  • 750 ml brauner Bacardi
  • Zimtstange, Vanilleschote
  • dunkler, kräftiger Rotwein (zB. Sangiovese)
  • Beeren mit Zucker mischen, kurz andünsten (wegen des Sambunigrin)
  • dann in eine grösseres verschliessbares Gefäss füllen,
  • Kandis, Gewürze, Rum zugeben.
  • An warmem Ort 6-8 Wochen stehen lassen.
  • Danach filtern und 1:1 mit Rotwein verdünnen.
  • Nochmals 14 Tage stehen lassen.

Der Holunder, ein Allround-Heilmittel:

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Gartenfee mit Hortensie, auch ein Mitglied der Geissblattgewächse.

Blätter, Rinde, das schwammartige Mark der Zweige, alles wurde verwendet. Als Salbe und Pflaster:  Die Blätter gekocht in Milch als Breiumschlag auf Wunden oder Hämorrhoiden, die Rinde als Emetikum und Laxans – ein richtig drastisches Purgiermittel!

Klassisch gehört der Holunder zu Saturn, Mond und Venus (Pluto).

Die Signatur: Duftende weisse (Mond) Dolden(Merkur)Blüten, gefiederte (Merkur) Blätter. Strenger Geruch und tot wirkendes Holz;  Zweige, die aussehen wie Knochen mit Mark – Saturn. Starker, ausladender Wuchs (Jupiter – als Gegenpol zu Merkur).Schwarze Beeren die leicht giftig sind: Saturn/Pluto. Schweisstreibend und lindernd (Mond). Adstringierend und immunstärkend (Saturn). Harntreibend (Venus), gegen Ödeme (Mond). Auch in der Antike wurde der Holunder therapeutisch als Universalmittel (panacea) eingesetzt. So fand die Pflanze Verwendung als schleimlösendes Mittel (Mond) sowie bei gynäkologischen Erkrankungen (Mond-Venus). Hippokrates von Kos (460 bis 377 v.Chr. ) beschrieb zahlreiche Heilanwendungen. Ihn interessierten vor allem die Beeren der Pflanze und er empfahl den Holunder als gutes Abführmittel und für Frauen bei Unterleibsbeschwerden (Mond/Venus). Der griechische Arzt Dioskurides notierte im ersten Jahrhundert in seiner «Materia Medica», dass die Wurzeln des Holunders in Wein gekocht gegen Schlangen- und Hundebisse (Saturn-Pluto) hilfreich seien. Er beschrieb, wie die Blätter des Strauches als Auflage bei Geschwüren und Furunkeln (Saturn) anzuwenden sind. In der neueren Astromedizin rechnet man dem Holunder auch eine Pluto-Signatur zu: Die im Altertum beschriebene Wirkung gegen Hunde (Symbol von Pluto und Hekate: der schwarze Hund) – und Schlangenbiss (chtonisches Symbol), Anwendung bei Hämorrhoiden, die schwarze Beerenfarbe und seine Zuordnung zu Unterweltsangelegenheiten bei verschiedenen europäischen Kulturen stellen einen entsprechenden Zusammenhang her. Aus den ausgehöhlten Zweigen machen sich Kinder eine einfache Flöte oder Pfeife.

Er war Sinnbild von Leben und Tod: Das Waschwasser des Neugeborenen und die Nabelschnur wurde in den Wurzelbereich der Busches verbracht. Auf Friedhöfen wurde er auch gepflanzt. Nördlich der Alpen war der Holunderstrauch mit der Holle, eine Verkörperung der Hel (Unterwelt) und Frigg (Erdmutter) verbunden. Aber auch mit der Göttin Freya. Wahrscheinlich waren Freya, Frigga  und Hel drei Abspaltungen einer älteren 3-gestaltigen Muttergottheit. Freya ist auch eine Wanin, also von dem älteren Götter-Geschlecht abstammend, die Hel ist ein Abkömmling von Loki, der von den Riesen stammt, alles Andeutungen für die Existenz eines vor-indoeuropäischen Pantheons, wie man es auch bei Griechen (Hekate, auch eine archaische Geburts- und Unterweltsgöttin) findet. Sein Holz galt als zauberisch: Es zieht die Geister an, im Holderbusch wohnen die Ahnen: Daher hat man sich gescheut Holundersträucher zu fällen, oder gar zu verbrennen. Das Räuchern mit Holunderholz wurde dagegen im Zusammenhang mit Ahnen-Geisterbeschwörungen durchgeführt. Möbel oder Gebrauchsgegenstände hat man nie daraus gefertigt, aus Ehrfurcht und auch Scheu vor möglichen Behexungen. Hingegen eignet sich ein Holunderkranz  hervorragend als Basis eines Grabschmucks. Zum Beispiel verziert mit anderen Symbolen der Ewigkeit: Dachwurz, Schneckenhäuser, Muschelschalen, graues Moos. Vor allem für den Totenmonat November.  Ich habe selbst so einen Kranz anfertigen lassen, mit einer Steinrose im Zentrum, der sehr schön und stimmungsvoll ausgefallen ist. Man kann da auch selber kreativ sein: Kränze aus Holunderzweigen bekommt man im Herbst auf Wochenmärkten. Das Holunderholz hat als Friedhofsschmuck ausserdem den Vorteil der wirklichen Dauerhaftigkeit, auch gegen winterliche Wettereinflüsse.

Holunderholz, Dachwurz, Schneckenhäuser und Rose: Symbole für die Ewigkeit.

Holunderholz, Dachwurz, Schneckenhäuser und Rose: Symbole für die Ewigkeit.

Die hellen, süss duftenden Blütenwolken sind auch Ausgangsstoff vieler Leckereien:

Hollerküchle, Hollerbrand, heller Hollerlikör und weisser Hollerwein, Holler-Sirup für Limonade und Heissgetränk (klasse mit Minze!).  Getrocknet eignen sie sich wie die Beeren für einen schweisstreibenden Tee, der gegen Erkältungen schützt. Und neuerdings gibt es Hugo-einen modischen Cocktail aus weissen Hollersirup. Eine Kelten oder Germanen-Caipirinha, sozusagen!

Doch davon mehr im Teil Holunder I: Ein Blütentraum

Posted by on September 14th, 2016 Kommentare deaktiviert