Heilpflanzen im September: Signatur des Merkur

Dualer Merkur, vereint Gegensätzliches mit Liebe zum Detail.Twain ©scrano 2014

Dualer Merkur, vereint Gegensätzliches mit Liebe zum Detail.
Twain ©scrano 2014

Signaturen in der Pflanzenastrologie:

Alle Lebendige aber auch sonstiges Dingliches teilt sich mit. Pflanzen kommunizieren mit ihren Farben, ihrem Geruch oder Duft, in der Ausformung ihres Wurzelgeflechts, Anzahl, Form und Stellung von Blättern, Erscheinungsform und Symmetrie der Blüten, Eigenschaften ihrer Früchte, Samen oder Sporen, ihrer kompletten Erscheinungsform, ja sogar einer Art “Ausstrahlung”. Bei der Interpretation der Pflanzen muss man aber bedenken, dass sie sozusagen verkehrt herum leben: Ihr Kopf oder “Gehirn” steckt im Boden, ihre Fortpflanzungs- und Bewegungsorgane (z.B. Ranken) sind nach oben, dem Licht entgegengestreckt.

  • Hinweise für Signaturen finden sich auch darin, wie, wo und wann eine Pflanze wächst, blüht oder fruchtet  in welchen Gemeinschaften und unter welchen Randbedingungen.
  • Namen, besonders die ortsüblichen in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet (sofern noch bekannt) spielen eine Rolle. Auch Bezeichnungen aus dem Volksmund sind eine interessante Quelle, wobei man aber Heilwissen, Brauchtum und dummen Aberglauben manchmal nicht trennen kann.

Diese Erscheinungsbilder und Ausdrucksformen lassen sich in die Sprache astrologischer Archetypen übersetzen, sie bilden dann eine sogenannte Signatur.

In der klassischen Signaturenlehre werden meist nur die einseitigen Prinzipien der hermetischen Polarität herangezogen, ausserdem verwendet man nur die 7 Himmelskörper der Antike: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn. Ich ziehe aber die Trans-Saturnier durchaus mit heran, da es mittlerweile einige Erfahrung damit gibt. Bei allen hermetischen Korrespondenzen muss man immer bedenken, dass durch das symmetrische Achsenprinzip der Gegenpol immer mit zum Tragen kommt. In allen Dingen oder Wesen, welche die Erde oder der Kosmos hervorbringt ist zudem auch jedes archetypische Wirkprinzip vertreten, wenn auch nicht in gleichem Aussmass oder in allen Stadien oder Phasen ihrer Existenz. Manche Wirkungen z.B. bei Pflanzen sind nur auf einen Teil, wie Früchte oder Wurzeln beschränkt, manche muss man erst durch Zubereitung und Anwendung erschliessen. Zum Teil kann man eine Rückbeziehung durch die Funktion der Inhaltsstoffe für die Pflanze selbst herstellen.

Dazu kommt: Nicht alles was aus dem planetaren Entsprechungen stammt, ist dem Menschen dienlich – es ist in erster Linie für die Pflanze lebensnotwendig und prägt IHR Wesen. Wir nutzen nur den Anteil, der uns hilfreich ist.

Als MacGyver der Götter  ist der Merkur  das Symbol für den Verstand, die Vernunft, den Intellekt und die Logik. Damit verkörpert er das Denken, Kommunzieren mit anderen und das Lernen von neuen Fähigkeiten. Der kleine innerste Planet  umläuft die Sonne in nur 87 Tagen. Daher galt der flinke Merkur in der griechischen Mythologie als Götterbote, Herold des Zeus und Unterhändler zwischen den Göttern und Menschen.  Sein primäres Element ist die Luft, sein Domizil liegt in den Zwillingen und er herrscht im dritten Haus. Allerdings hat er einen russigen (Zwillings)-Bruder, auch ein Erfindertalent, wenn auch nicht so beweglich: Hephaistos mit dem lahmen Bein und den geschickten Händen. Dieser regiert die Jungfrau und das sechste Haus, sein Element ist die Erde.

Der Merkur, aber auch sein Bruder, der unterirdische Schmied galten als neu- und wissbegierig: In beiden Formen  unterstützt dieser Archetyp  unsere logischen und analytischen Fähigkeiten, lässt uns unvoreingenommen auf Menschen und Situationen zugehen, Neues aufnehmen und umsetzen. Der Hephaistos segnet uns auch mit einem pragmatischen Verstand – so dass man sich nicht in Luftschlössern und Abstraktionen verliert.

 Merkurräucherungen nützen an den Tagen der Retrogradation des Planeten, seinen inneren Zusammenhalt aufrechtzuerhalten und Missverständnissen durch fehlinterpretierte Äusserungen seitens seiner Mitmenschen aus dem Weg zu gehen.  So ein kleines Planeten-Räucherritual macht auch Menschen mit einem rückläufigen  Merkur in der Radix, besonders in Haus 3, 6 oder 9, das Leben leichter. Eine gute meditative Übung vor einem Vortrag, oder wenn man schwierige Texte verfassen muss.

  • Räucherpflanzen, die unsere Merkurfähigkeiten unterstützen, sind z.B. Hopfenzapfen, Lavendelblüten, Pfefferminze, Macisblüte, Salbei, Ysop und Lemongras oder Zitrusschale.

Die in Merkurpflanzen häufig enthaltenen ätherischen Öle wirken in der Aromalampe gegen Kopfschmerzen, innere Unruhe und fördern die Konzentration bei Lernaufgaben.  Darum haben sie sich auch in Prüfungszeiten bewährt. Beispiele: Zitrone und Lemongras aktivieren, Mandarine baut Stress und Spannungskopfschmerz ab. Lavendel beruhigt nervöse Gemüter. Pfefferminze und Bergamotte erfrischen den Geist. Überhaupt sind stark merkurische Heilmittel oft durch Inhalieren anwendbar, weniger als Tee oder Tinktur, da sie häufig dem Element Luft unterstehen.

In seiner Funktion als geflügeltem  Götterboten entspricht dem Merkur/Hermes das Prinzip des Informationsflusses, damit die Geschwindigkeit aller Stoffwechselprozesse und das dafür verantwortliche Hormonsystem (Schilddrüse, mit ihrer Schmetterlingsform, ein Merkursymbol)  und auch die Bronchien und Lungen. Als Mittel des Ausdrucks, des Erfahrens der Umwelt und kreativen Schaffens sind auch die Hände dem Merkur unterstellt.

Der hermetische Gegenpol von Merkurpflanzen wird klassisch von Jupiter (9,Haus, Schütze und 12. Haus, Fische) gebildet. In der modernen Astrologie kommt zum Jupiter des Nachthauses noch der Neptun als neuer Hauptherrscher von Fische und 12. Haus hinzu. Häufig sind beide Pol-Signaturen sogar gleich stark ausgeprägt. Beispiele: Iris, Königskerze, Baldrian, Katzenminze.

Jugendlicher Hermes als Jäger. Schwtezinger Park, ©beast666 2016

Jugendlicher Hermes als Reisender.
Sein Begleittier ist der wachsame Hahn, der auch ein solares Symbol darstellt. Schwetzinger Park, ©beast666 2016

Die Idee des Vermittlers, wie sie Merkur als Götterbote und geschickter Unterhändler verkörpert, zeigt uns, dass seine Pflanzen dazu dienen, unterschiedliche Wirksysysteme zusammenzubringen.  Im Körper helfen sie auch, die inneren Taktgeber zu regulieren. In seinen Eigenschaften ist Merkur ambivalent. Er kann das Feindliche befreunden und auch Fehlendes ergänzen. Auch viele Sonnenpflanzen vermögen das, weil sowohl Merkur als auch sein älterer Bruder Apollon (Sonne) als innere Heiler gelten. Das zeigt sich in ihrer mythologischen Beziehung zum archetypischen Arzt Äskulap, einem Sohn Apollons, und Träger eines Schlangenstabs – dem Caducceus, wie ihn auch Merkur besitzt. Auch der Caducceus mit Flügeln und zwei Schlangen die sich umwinden verkörpert das Duale und seine Überwindung: Er vereint das Obere mit dem Unteren und bringt die Gegensätze (Schlangen) zusammen.

  • Daher sind beide Pflanzenmittel wichtig in Rezepturen – sie bringen die Wirkung erst zur Entfaltung.

Gentiana lutea - gelber Enzian. Merkur/Jupiter mit typischen "Wegerichblättern".

Gentiana lutea – gelber Enzian. Merkur/Jupiter mit typischen “Wegerichblättern”. Quelle:wiki

Gewächse, welche eine Merkursignatur tragen, haben blassblaue bis violette oder maisgelbe Blüten, wechselnde Blütenfarben, Komplementärfarben, Scheckung, Dolden- und Schirmblüten, kleine individuelle Blüten in Rispen und Ähren. Sie weisen eine schlanke Gestalt auf, vor allem aber lanzettliche, parallelnervige, gefiederte, nadelartige oder flügelförmige Blätter (Farne), die im wechselnden Rhythmus angeordnet sind. Rutenartige (Ginster, Tannenwedel, Schachtelhalm) Ausformungen kommen ebenfalls vor, oder „Blatthände“, wie bei Fingerkraut und Kastanie.  Auch rauhe Haare und weiche Borsten, welche die Pflanze bedecken, sind charakteristisch: Küchenschelle, Borretsch, Königskerze. Ihr Wuchs ist streng aufrecht (Odermennig, Königskerze, Fingerhut), oder  sie  klettern und ranken (Efeu, Hopfen, Bohnen). Typisch sind auch  Samen, die mit dem Wind verteilt werden z.B. Flugborsten oder Fallschirmchen tragen.  Merkurpflanzen wachsen  oftmals am Wegrand. Beispiele sind die Wegwarte und der Wegerich.

Düfte von Merkurpflanzen kommen seltener von den Blüten (ausser Lavendel) sondern von den Blättern und beruhen oft auf einem Gehalt an ätherischen Ölen, z.B. Lavendel. Salbei, Rosmarin, Thymian. Die Merkurpflanze ist ein Insektenliebling, oft eine regelrechte Tankstelle mit Treff für Falter, Bienen, Käfer. Beispiele: Wilde Möhre, Baldrian, Schmetterlingsmagnet Buddleia.

Echium vulgare - Natternkopf aus der Familie der Borretschgewächse.

Echium vulgare – Natternkopf aus der Familie der Borretschgewächse.

Erd-Merkurpflanzen (Jungfrau) ranken eher am Boden entlang als dass sie hochaufstrebend wären. Ihr Gegenpart ist Neptun, so dass sie auch invasive, flachwurzelnde Rhizomgeflechte bilden können. Beispiel hierfür sind Gräser oder der Giersch. Luftmerkurpflanzen (Zwillinge) sind die klassischen Kletterer, die auch ausladende Pflanzendschungel bilden lönnen, weil ihr Gegenpol der expansive Jupiter ist – Wein oder Wisteria sinensis stellen beide gute Verteter dieses Prinzips dar.  Egal ob Neptun oder Jupiterprinzip den Gegenpol bilden, häufig enthalten diese Gewächse beruhigende oder berauschende Inhaltsstoffe, wie z.B. der Hopfen, die Passiflora, oder die Prunkwinde.

Viele Pflanzen tragen eine Merkur-Nebensignatur: Holunder, Orchideen, Walnussbaum (Jupiter), Rosskastanie (Jupiter, Mars/Venus), Schafgarbe, selbst Rosen.

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Zaunwinde, eine alte Hexenpflanze – und ein Heilkraut.

Gewächse unter der Herrschaft des Merkur:

  • Akelei (Jupiter, Mars/Venus)
  • Ackerschachtelhalm (Mond/Saturn)
  • Bärlapp (Saturn/Mond),
  • Bittersüß (Venus/Pluto),
  • Baldrian (Mond/Saturn, Neptun),
  • Beifuß (Saturn, Mond),
  • Bingelkraut (Uranus),
  • Borretsch (Jupiter)
  • Braunwurz (Saturn),
  • Dill (Sonne/Uranus),
  • Ehrenpreis (Jupiter),
  • Euphrasia (Augentrost), (Neptun, Mond/Saturn)
  • Esche (Jupiter),
  • Fenchel (Mond/Saturn),
  • Fingerhut (Jupiter, Mars/Venus)
  • Frauenhaarfarn
  • Gelber Enzian (Jupiter, Mars/Venus)
  • Geissblatt (Neptun)
  • Giersch (Neptun, Mond/Saturn)
  • Ginster (Venus/Mars)
  • Gundermann (Venus/Mars),
  • Herzgespann (Venus/Mars),
  • Hirschzunge (Saturn/Mond),
  • Hopfen (Neptun, Mars/Venus)
  • Huflattich (Jupiter, Venus/Mars),
  • Katzenminze (Neptun, Mond/Saturn)
  • Kerbel, (Mond/Saturn)
  • Küchenschelle (Venus/Mars),
  • Kümmel, (Mond/Saturn)
  • Lavendel, (Neptun)
  • Linde (Venus/Mars),
  • Lungenkraut (Saturn),
  • Melisse (Neptun, Mond/Saturn);
  • Minzen (Venus/Pluto), Poleiminze, Krauseminze, Spearmint etc.
  • Natternkopf (Jupiter),
  • Odermennig (Jupiter),
  • Oleander (Jupiter, Venus/Pluto),
  • Passiflora (Neptun, Jupiter)
  • Petersilie, (Jupiter, Mond/Saturn)
  • Schierling (Saturn/Mond),
  • Schwalbenwurz (Saturn, Mond),
  • Tannenwedel (Mond/Saturn)
  • Teufelsabbiß, (Mond/Saturn)
  • Thymian (Mars/Venus)
  • Wegeriche (Venus/Mars)
  • Duftwicke (Neptun, Venus/Mars)
  • Winden: Prinkwinde, Zaunwinde, (Jupiter, Neptun, Mond/Saturn)
  • Wegwarte (Jupiter, Saturn/Mond)
  • Wolfstrapp
  • Wurmfarn (Mond/Saturn);

Nahrungsmittel:

  • Getreidearten (Jupiter-Mais, Neptun alle anderen)
  • Bohnen, Erbsen (Venus/Mars)
  • Süsskartoffel (eine Windenartt, Mond/Saturn)
  • Obst: Johannisbeeren, Stachelbeeren, mit Venus/Mars
  • Passionsfrucht, (Neptun, Jupiter)

Merkur untersteht auch die Blatt- und Stengelausprägung sowie der Samenflug. Merkurpflanzen aktivieren den Stoffwechsel und eignen sich wegen ihrer Anpassungsfähigkeit gut zur Abrundung von Rezepten.

Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten: Zu den merkurgeprägten Giftpflanzen zählen der sehr toxische Goldregen (Mars/Pluto und Venus), der schwächer giftige Ginster, die Hundsgiftgewächse (Vinca, Oleander mit Venus/Pluto) und die Hahnenfussgewächse (Mars/Pluto und Venus), die allesamt Gift- oder Reizstoffe enthalten. Hier wie auch beim Maiglöckchen sind es die Nebensignaturen, welche das aggressive Element tragen. Auch Bohnen (Mars/Venus) sind ungekocht toxisch.

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Polygonatum – Salomonssiegel, Elfensporn.
Typisch die parallelnervigen Blätter und die ährige Blüte.
Nebensignatur Mond/Saturn, wie beim verwandten ebenfalls giftigen Maiglöckchen.

Nach alter astromedizinischer Lehre sind folgende Faktoren für Krankheiten zuständig:

  • Der Geburtsherrscher (regiert den ASC)
  • Zeichen des 6.Hauses
  • Planeten im 6. Haus und dessen Herrscher
  • Die klassischen Übeltäter Saturn (der gewichtigere) und Mars
  • Körperliche Dispositionen kann man auch noch am 2. Haus (des Körpers) ablesen

Diese Stellungen zeigen gewisse Neigungen und Veranlagungen bereits im Radix. In früheren Zeiten wurden diese Annahmen auch für die Auswertung der sogenannten Dekumbitur herangezogen: Das Horoskop des Augenblicks, in dem ein Patient sich wegen seiner Krankheit ins Bett legen muss. Eine Radix der Krankheit und ihrer möglichen Prognose. Wie bei allen stundenastrologischen Betrachtungen wurde besonderes Gewicht auf die Stellung des Mondes auch in einem solchen Krankheitshoroskop gelegt, um deren Verlauf einzuschätzen: Letzter (separativer) Mondaspekt des Dekumbitur zum AC-Herrscher -> Ursache, nächste Mondaspekte -> Krisen, Heilungschancen und Dauer.

Bilder: ©beast666  und gemeinfrei (Enzian).

Zum Schluss noch eins: Ein Heilkräuter-Brevier ersetzt nicht diagnostische Abklärung von Beschwerden durch Arzt oder Heilpraktiker! Viele verordnen immer mehr Naturheilmittel – einfach  direkt nachfragen.

 

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