Archive for Oktober 13th, 2016

 

Feenquellen: Kraftorte des Wassers

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Fontana delle Fate – Feenquelle ©scrano 2015
Elfen: Roy3D

Poster erhältlich bei Ambrosia.

Gerade in der wasserreichen Oberpfalz finden sich viele Sagen von Nixen, Fluss- oder Seefräulein und Feen-Quellen, auch der eher unheimliche und manchmal bösartige Wassermann, den es auch in Tschechien gibt, ist Bestandteil lokaler Mythen.
Häufig erzählt die Sage von Geistern in Frauengestalt, teils weiß gekleidet, teils grau oder schwarz, mit weißer Kopfbinde, welche am Wasser mit Waschen beschäftigt sind; besonders zahlreich finden sie sich längs des Böhmerwaldes. Diese Art dunkle Fee stammt wahrscheinlich von der keltischen Göttin Morrigan ab: In ihrer Dreigestalt(MAcha, Babd, Nemain)  symbolsiert sie Tod und Sexualität, sowie den Schrecken der Schlacht. In der irischen Sagenwelt wäscht sie als Babd die blutige Kleidung gefallener Krieger.  Wer sie sieht wird alsbald sterben – für Krieger ist sie das schlechte Omen des nahenden Todes im Kampf. Wasserfräulein hingegen sind oft ätherisch-schön, stehen am Ufer, ein Fuss im Teich oder Bach, wie bei der Tarot-Karte “Temperantia”. Ihre Haare sind lang, entweder rabenschwarz oder goldblond, wie bei der Lorelei. Oft hantieren sie mit glänzendem Kamm oder Spiegel.

  • Hart an der Strasse von Cham nach Grafenwöhr, neben einem großen Felsen, läuft ein Brunnen, wo um die zwölfte Stunde ein Weiblein sitzt und sich die Haare kämmt.
  • Auf dem Wege von Tiefenbach nach Rötz kommt man zu einem Steg über einen Bach, da sitzt ein Weiblein, den Oberkörper nackt, die langen goldenen Haare offen, und wäscht.
  • In Weiding läuft ein Bach, da wäscht ein graues Weiblein, und kommen Leute, steht sie auf und lässt sie vorbei.
  • Derlei Weiblein finden sich in Biberbach, Tiefenbach, im Grünweiher zwischen Pleystein und Vohenstrauß.
  • Eine halbe Stunde von Massendorf bei Spalt ist der Siebenbirkenweiher: Sieben schneeweiße Jungfrauen kommen da aus dem Wald, in einer Art Prozession, und waschen sich im Weiher die Hände. Zusammen kehren sie in den Wald zurück. Die behauenen Steine in der Nähe weisen auf eine ehemalige Burg, einen Burgstall.
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Die Quelle der Waldnaab, direkt an der Grenze zu Böhmen.
Hier verläuft ein recht verwunschener Weg, zum Gipfel des Entenbühl (901m).

Magisches Wasser - es zieht den Menschen in seinen Bann. Quell allen Lebens - und wie gehen wir damit um!

Magisches Wasser – es zieht den Menschen in seinen Bann.
Quell allen Lebens – und wie gehen wir damit um!

Wenn man in den teilweise findlings-übersäten Flusstälern wandert, wo das Wasser wirklich lebendig erscheint – mit Geräuschen und Spiegelungen, Schaumkaskaden und kleinen Regenbögen, so tut sich tatsächlich eine verzauberte Welt auf. Kein Wunder, dass hier soviele alte Geschichten überliefert sind, die sich auf das nasse Element beziehen. Früher waren grosse Teile der Oberpfalz von Hochmooren bedeckt, mit jahreszeitlich unterschiedlich tiefen Tümpeln und kleinen Weihern durchsetzt. Fast wie beim legendären Avalon in Grossbrittanien trugen Nebelschleier und Irrlichter, spukige Erlen und bizarre Korbweiden an den Ufern zu einer Landschaft bei, die man ruhig eine Art Anderswelt nennen konnte. Viele Sagen sind vielleicht noch keltischen Ursprungs, da Stämme dieser ureuropäischen Kultur verstärkt in Ostbayern und Böhmen siedelten: Böhmen heisst heute noch nach den Boiern.  Eingänge in die Geisterwelt oder zu den Ahnen lagen in der keltischen Glaubenswelt an oder in Gewässern.

St. Odile - heilige Quelle.

St. Odile – heilige Quelle.

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St. Mattew Quelle bei der Einsiedelei St. They.
Pointe du Van, Finistere.

Aber auch andere Länder haben heilige Wasser: Die Otilienquelle bei Obernai ist so ein Ort. Der Berg mit dem Kloster der Schutzpatronin des Elass ist auch schon seit der Keltenzeit heilig, wenn die sogenannte Heidenmauer wirklich neolithischen Ursprungs sein sollte, ist er wohl ein Sakralort schon seit der Steinzeit. Das Wasser des Brunnens soll bei Augeneiden helfen. Velleicht ist die Überlieferung, es würde sehend machen aber auch im Sinne von Erleuchtung gemeint. Auch in der keltischstämmigen Bretagne findet man viele Wunderquellen, z.B. in Finistere, aber auch bei Auray am Golf von Morbihan und beim Wallfahrtsort Sept Saints.  Unter den heiligen Brunnen, die bei Augenproblemen gut sein sollen, gibt es erstaunlich viele im süddeutschen Raum: Vor allem Ulrichsquellen sagt man diesbezügliche Kräfte nach.

Der heilige Ulrich wird mit einem Fisch dargestellt, demzufolge er mit Wasser in Verbindung gebracht wird. Allerdings kann diese Legende auch auf Tyr oder Thor oder sogar Odin zurückgeführt werden. Der Tag des St.Ulrich am 4. Juli fällt jedenfalls mit dem altgermanischen Quellenfest am Ende der Mittsommerfeiern zusammen.

Fontana delle Fate: In Italien gibt es davon Unmengen, was noch aus der altrömischen naturreligiösen Vorstellung der Quellgeister stammt. Jede Quelle hatte eine Nymphe, eine der bekanntesten war Egeria.

Apropos Heilquellen: Thermalwasser gibt es rund um Regensburg, im Donaugrabenbruch, und besonders zahlreich in Tschechien, also bei mir quasi vor der Haustür, wegen eines immer noch bestehenden, schlummernden Supervulkans – aber keine Panik, der ist erst in 500.000 Jahren wieder so weit …

  • Marienbad, verspielt, k.und k. sehenswerte Architektur – in der Nähe liegt Kloster Tepl.
  • Franzensbad, klein echt k.und k. mit schönem Park und Wandermöglichkeit.
  • Karlsbad – nicht so mein Ding, das ist Geschmackssache, aber leckere Oblaten.
  • last but not least, das moderne Sybillenbad bei Tirschenreuth, benannt nach einer ortsansässigen Seherin aus dem 16. Jhd. – liegt gleich bei mir um’s Eck.
K.u.K Seeligkeit: Franzensbad in Böhmen, Tschechische Republik.

K.u.K Seligkeit: Franzensbad in Böhmen,
Tschechische Republik.

Alle Fotos ©beast666.

 

Posted by on Oktober 13th, 2016 Kommentare deaktiviert