Samhain – Wenn Hekate um die Häuser zieht

Samhain Fire

All Souls Night

Bonfires dot the rolling hills
Figures dance around and around
To drums that pulse out echoes of darkness
Moving to the pagan sound. Somewhere in a hidden memory
Images float before my eyes
Of fragrant nights of straw and of bonfires
And dancing till the next sunrise.

I can see lights in the distance
Trembling in the dark cloak of night
Candles and lanterns are dancing, dancing
A waltz on All Souls Night.

Loreena McKennitt***
 

Hekate ist eine Patronin von Samhain, wie sie es wohl schon beim römischen “Cereris mundi patet” war. Sie steht auch mythologisch der Demeter-Ceres nahe: Sie half ihr nach der verschwundenen Kore zu suchen, nachdem diese von Hades/Pluto in die Unterwelt entführt wurde. Der Kore als Unterweltskönigin Persephone ist sie eine Freundin, deren Gegenwart sie mehr schätzt als die ihres Gatten, dessen brütend-finstere Laune (echt plutonisch eben) sie oft flieht. Hekate ist der Sternenhimmel und die Nacht des Dunklen Mondes zugeordnet. Ausserdem noch die Mondfinsternisse. Sie hat auch eine ikonographische Verwandtschaft mit Asträa, der Sternenjungfrau, die in alten Zeiten ursprünglich ebenfalls eine Versinnbildlichung der steinzeitlichen”Grossen Mutter” war. Die Figur der Asträa beinhaltete alle Aspekte der Demeter, Kore und Hekate/Persephone, sowie auch der Dike, Themis und Nemesis. Hierin ähnelt sie wiederum der Frau Holle. Das ihr zugeordnete Sternbild Jungfrau war in antiken Zeiten als grosse Frühjahrskonstellation bekannt und schloss Waage (der Gerechtigkeit) und Skorpion (das Schwert, die Strafe) mit ein. Nach der dorischen Einwanderung in der Eisenzeit und dem stärker werdendem Patriarchat im Mittelmeerraum blieb von der mächtigen “Magna Mater” nur noch die immerhin widerborstige Hekate übrig. Sie hatte wie Pluto den Schlüssel zum Hades, auch sie war fähig unsichtbar unter den Sterblichen wandeln, allerdings nur in der Dunkelheit. Zeus konnte über sie nicht gebieten, ein letztes Zeichen von Respekt gegenüber der altehrwürdigen, einst allmächtigen Göttin.  Der schwarze Hund und die Granatfrucht wurden ihr gleichermassen wie dem Herrn der Unterwelt zugeordnet.

Hekate Trivia

Hekate Trivia

Allerdings trägt sie noch die Fackeln der Weisheit, ein Überrest ihrer einstigen solaren Form, und als Wächterin über Weggabelungen hat sie noch ihre ursprüngliche Dreigestalt. Sie beherrscht auch die Grenzen, wie Saturn, die Übergänge von Nacht und Tag, dem Reich der Lebenden und Toten. Sie ist auch ein Psychopompos wie Merkur, aber sie hilft auch den Seelen auf die Welt, sie ist Beschützerin der Gebärenden und Neugeborenen. Das erste Waschwasser und die Nabelschnur werden an Wegkreuzungen  oder am Fuss des privaten Hekate-Schreines ausgebracht. Auch diese Tradition gibt es nördlich der Alpen im Brauchtum der Verehrung der im Hollerbusch wohnenden Frau Holle. Man braucht wohl nicht zu betonen, dass sie eine sehr volkstümliche Göttin war, und griechische Familien ihr an ihrem Festtag zu Neumond gerne ein Hekate Deipnon, das Festmahl der Hekate darbrachten. Diese Gaben, Eier, Schalen mit Zwiebeln und Knoblauch etc. wurden an Weggabelungen oder bestimmten Plätzen der wilden Natur niedergelegt. Von diesen Opferungen profitierten die Ärmsten der Bevölkerung. Da sie auch eine mächtige Schutzgöttin war, gab man auch alles was nach der Körperpflege übrig blieb, abgeschnittene Haare, Nägel, Milchzähne der Kinder etc. unter ihre Obhut. Dies diente auch dem Schutz vor Behexung und daran zu erinnern, dass Alles wieder in den natürlichen Kreislauf zurückkehrt. Diese Verbindung mit “Stirb und Werde” , ihre chtonische Natur hat sie mit dem Pluto gemein, das verbindet sie mit dem achten Haus und dem Zeichen Skorpion. Ironischerweise wurde ausgerechnet Hekate in der Spätantike und im Christentum zur Hexengöttin umgedeutet. Das hing vielleicht mit dem bisschen weiblicher Rest-Wildheit als Herrscherin über Nacht und wilde Natur, eine dunklere Artemis sozusagen, die ja auch als Hexenpatronin galt, zusammen. Die alte schamanische Herrin der Tiere geisterte da noch in manchen Kleriker-Köpfen, wiedergespiegelt auch in der Vorstellung vom Besenritt, einer Verballhornung der schamanischen Reise. Zudem war sie als Gebieterin über den Geburtsvorgang auch Schutzherrin der Hebammen, was den misogynen Kirchenvätern ebenfalls nicht passte. Eine Frau sollte ja beim Gebären dem höchstmöglichen Mass an Leiden unterworfen sein (Vollidioten oder Sadisten, wahrscheinlich beides). Dazu hätte ja die teuflische Hebamme auch noch das Neugeborene dem Satan weihen können, bevor es getauft worden wäre.  Zusammengefasst, alles in Verbindung mit Schwangerschaft und Geburt roch verdächtig nach schwefligen Teufelsausdünstungen …

Lochstein: Er symbolisierte eine Grenze, synonym auch für Geburt und Tod, und die Hebammengöttin Hekate.

Nadelöhr an der Teck, einem Berg mit viele kultischen Plätzen.Durchblicke ©beast666 2014

Nadelöhrfels an der Teck, einem Berg mit vielen kultischen Plätzen.
Durchblicke ©beast666 2014

Hekate_BM_G17

Hekate tanzt vor einem Altar

Die vielfältigen Anrufungen der Hekate sind interessant, da sie noch einiges von ihrem alten Glanz zum Ausdruck bringen:

  • Phosphoros- Lichtbringer, Propolos- Führerin
  • Propylaia- Torhüterin, Kourotrophos- Pflegerin
  • Khtonia- (Unter)Erdige, Ourania- Himmlische
  • Enodia- Die am Wege, Angelos- Botin
  • Antaia- Begegnerin, Melana- Schwarze
  • Kleidophoros/Kleidouchos- Schlüsseltragende
  • Prytania-Unüberwindbare (Herrin der Toten), 
  • Purphoros/Dadophoros/Lampadophoros- Fackeltragende
  • Psychopompos- Seelenführerin, Soteira- Erlöserin
  • Triformis- Dreiförmige, Dreifache, Dreigestaltige
  • Trioditis- Dreiwege, Aidônaia- Herrin (des Hades)
  • Agriope- die Wilde, Anassa- Herrin
  • Aphrattos- Unaussprechliche, Azostos- Ungegürtete
  • Epipyrgidia- Die Wächterin des Turmes (auf Athens Akropolis),
  • Eukoline- Gutherzige
  • Genetyllis- Beistehende bei Geburten, Helike- Weide
  • Kalliste- Wunderschöne, Kouros- Jungfrau
  • Kratais -Mächtige,  Krokopeplos- in Saffran Gekleidete
  • Megiste- Größte, Monogenes- Einziggeborene
  • Nykterian- Nächtliche, Ouresiphoites- Die in den Bergen Schweifende
  • Pantos Kosmou Kleidouchos- Schlüsseltragende Herrin des Alls,
  • Perseis- Licht
  • Phileremon- Liebbhaberin der Einsamkeit,
  • Prothegetis- Anführerin (der wilden Jagd, wie Holle oderArtemis),
  • Phryne (Kröte) , ein späteres Hexentier!
  • Prothuraea. Die vor dem Tore, Skylakitin- Herrin der Hunde
Grenzregionen in der freien Natur, und Wegkreuzungen - Plätze der Hekate-Verherung.

Grenzregionen in der freien Natur, und Wegkreuzungen,
Plätze der Hekate-Verehrung. Auch ihre Zauberpflanzen wachsen eher hier,
als in der kultivierten Rabatte. Traufblick ©beast666 2012

Der Hekate zugeordnete Pflanzen und andere Korrespondenzen, zusammen mit ein paar Rezepten für Samhain, Halloween oder einfach einen besinnlichen Abend, an dem man sich den immerwährenden Kreislauf der Natur vergegenwärtigt und ein wenig Ehrfurcht empfindet, wenn man diese vielleicht heute nicht mehr Hekate nennt, gibt es in Teil II: Zaubergarten der Hekate.

 ***Homepage von  Loreena McKennit

 

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This entry was posted on Samstag, Oktober 29th, 2016 at 07:08 and is filed under Galerie, Geschichte, Lilith, Lyrik, magisch, Mond, Philosophie, Planeten-Archetypen, Pluto, Rezensionen, Ritual, Seasons Greetings. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

 
 

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