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Trauern als Kunstform: Elegie

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Victorian Gothic Ästhetik: Die weisse Rose spricht von Entsagung.
Elegy ©scrano 2015

Eine Elegie bezeichnet ein Gedicht, das auf Zweizeilern im Hexameter und Pentameter Versmass besteht, die einander abwechseln. Sie stammt ursprünglich von einer Form der Totenklage aus Kleinasien ab, und avancierte im antiken Griechenland zu einer eigenen Spielart von Poesie. Leit-Thema der Elegie ist meistens Trauer, Tod, Melancholie oder  Wehmut. Im alten Rom wurden die Inhalte  dann um Liebestod- und Liebesschmerz erweitert, die sogenannte Liebes-Elegie wurde bei den Dichtern sehr populär. In dieser Form wurde sie auch von den Poeten der deutschen Klassik wie Goethe und Schiller wieder aufgegriffen. Hier sind der Tod der Gefühle, Verzicht und der Trennungsschmerz das zentrale Thema.

Elegiendichter der griechischen Antike:

  • Kallinos, Tyrtaios, Mimnermos, Solon,

in der römischen Antike:

  • Gallus, Catull, Tibull, Properz, Ovid, Martial,

in der deutschen Literatur:

  • z. B.: Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Friedrich Schiller, Annette von Droste-Hülshoff.

Zu einer zweiten Blüte gelangte die Elegie im viktorianischen England, wo der “fin de siecle Charme“, von einer gewissen Endzeitstimmung umweht, auch morbide Züge annahm: Totenkult, monumentale Grabdenkmale, und feinziselierte Nachrufe, und eben auch Trauerpoesie.  Schmuck aus Haarlocken von geliebten Verblichenen zu tragen war zu viktorianischen Zeiten eine regelrechte Mode, und galt als Zeichen des Gedenkens und der Verbundenheit. Es war die Blütezeit der Seancen, die Geburtsstunde der Neo-Gotik und der Horrorliteratur: Nicht umsonst heisst diese “Gothic Novel”.  “L’amour et la mort” war ein beliebtes Motiv für Maler, Musiker und eben auch Dichter. Da der Tod in dieser Zeit noch allgegenwärtig und als ein selbstverständliches Element des Lebens und der Gesellschaft angesehen wurde, versuchte man ihn nicht zu verdrängen, wie im Jugendkult unserer Zeit, sondern quasi zu “veredeln“. Dies entspricht der Denkweise der alten Griechen, wenn sie von Hades als Aidolos, dem unsichtbaren Herrn, oder von Plutos, dem Reichen sprachen.

Saturn herscht über die Trauer, Pluto über den Tod. Der Mond bewegt unser Gefühlsleben, er ist der Spiegel der Seele. Astrologisch ist die elegeische Stimmung  mit einem Kontakt zwischen Mond und Saturn verbunden.  In der Radix z.B. taucht eine Disposition dafür auf, z.B. wegen eines harten Aspekts wie Quadrat oder besonders der Konjunktion Aber auch die Opposition bringt melancholische Phasen hervor.  Unterstützt werden solche Veranlagungen und ein Interesse an Themen wie Trauer und Tod von der jeweiligen Platzierung von Mond und Saturn  in Zeichen und Haus. Besonders eine Stellung in Wasserhäusern oder -zeichen, die der Gefühlswelt zugerechnet werden übt einen verstärkenden Einfluss aus. Das Extrembeispiel:  Eine Saturnstellung im 8.Haus oder ein Saturn-Pluto Kontakt, die mit dem Mond interagieren.

Kurze Phasen elegischer Momente kennen wir alle, wenn der Mond an unserem Saturn vorbeizieht, aber ein deutlich stärkerer und anhaltenederer Effekt ist zu spüren wenn umgekehrt ein Transit des Saturn über unseren Geburtsmond erfolgt. Er bringt Ernüchterung aber auch das Verspüren der eigenen Endlichkeit mit sich.

Das dunkel-romantische Element der Liebeselegie wird durch ein “Dreiecksverhältnis” zwischen Saturn, Mond und Venus” erzeugt. Im disharmonischen Fall spricht so eine Stellung in der Radix  häufig  von unerfüllter Liebe, Verzicht und Beziehungsproblemen und -krisen, besonders wenn die relevanten Häuser 5,7 und manchmal auch 2 betroffen sind. Auch ein Transit, der eine solche Konstellation erzeugt, kann bewirken., dass wir und in unseren Partnerschaften unwohl fühlen. Das bedeutet aber nicht  das Ende einer Beziehung, wenn keine sogenannten “Scheidungsaspekte” in der Radix vorhanden sind, aber es führt zu Zweifeln oder Trennungs- und Verlustängsten.

Doch aller Düsternis zum Trotz, gerade Künstler wurden von derlei “Stimmungskrisen” oft zu ihren besten Werken inspiriert. Die beteiligte Venus herrscht auch über die Künste und die Schönheit. Was wären Romeo und Julia ohne die Tragik ihrer Liebe?

  • Auch Musikstücke oder Songtexte sind von der Elegie beinflusst.

Cast your eyes on the ocean.
Cast your soul to the sea.
When the dark night seems endless.
Please, remember me.

Dante’s Prayer, Loreena McKennitt

Upon that misty night
In secrecy, beyond such mortal sight
Without a guide or light
Than that which burned so deeply in my heart
That fire t’was led me on
And shone more bright than of the midday sun
To where he waited still
It was a place where no one else could come

Dark Night of the Soul, Loreena McKennitt

ChaliceLight

Referenzen für Elegy:

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Posted by on November 3rd, 2016 Kommentare deaktiviert