Archive for November 12th, 2016

 

Spätherbst: Sleeping Sun

Der Herbst, der Weg in die dunkle Zeit ?

November Sonne

Novembersonne ©scrano 2013

Eigentlich hatten wir uns darauf gefreut, einige letzte Sonnentage im sogenannten “Goldenen Oktober zu geniessen. Leider ist die Farbenpracht eines malerisch-bunten Herbstes dieses Jahr fast nahezu ausgeblieben. Statt dessen lässt sich der Winter schon sehr früh spüren:  Nun zieht schon in den Morgenstunden dichter Nebel auf, der nur langsam, wenn überhaupt, durch die Kraft der Sonne vertrieben wird. Oft hängt der Himmel bereits den ganzen Tag bleischwer über uns, sogar Schneeflocken sind bereits heftig unterwegs. Jetzt im November sorgen sie aber eher für schmuddelige Matscherlebnisse als dass sie Kinderaugen zum Leuchten brächten. Morgens, nach dem Aufstehen ist es noch lange dunkel. Wir Menschen brauchen immer etwas Zeit, um uns an diese Jahreszeit zu gewöhnen. Besonders der Monat November ist gefürchtet. Das Graugelb und Braun der absterbenden Vegetation nach dem Farbenrausch des Oktoberlaubs wirkt besonders deprimierend. Dadurch erhöht sich noch der Eindruck von Tristesse. Es beschleicht einen die Vorahnung von Dunkelheit und Vergänglichkeit. Mancher flüchtet noch schnell in den Süden, um sich dort ein paar  Extra-Tage in der Sonne zu gönnen. Bevor der Winter endgültig kommt.

  • Warum ist unsere Stimmung so abhängig von Sonnenschein und Licht im Allgemeinen ?

Ich möchte Euch nicht mit den physikalischen Einzelheiten elektromagnetischer Strahlung, das ist Licht letztlich, quälen. Dennoch verstehen wir unter dem Licht, nicht nur das für uns sichtbare Licht, sondern auch die anderen Lichtbereiche wie das Infrarot-Licht, das uns die Wärme gibt und das UV-Licht, das uns bei vernünftigem Gebrauch eine gesunde Bräune verleiht und für Pflanzen so lebensnotwendig ist. Bienen orientieren sich nach dem Polarisationsvektor des Lichts und können sogar dessen UV Anteile sehen. So manche Blüte sieht dann aus wie eine Nektartankstelle im “Las Vegas Look”. Das Sonnenlicht regt unsere Haut an, das notwendige Vitamin-D zu produzieren, welches einen Grundbaustein für viele Hormone darstellt. Durch die Einwirkung des Sonnenlichts kommt es auch dazu, das unsere Glückshormone, z.B. Serotonin gebildet werden. Nur mit ihnen fühlen wir uns wohl und sind aktiv. Gerade in den dunklen Herbst- und Wintermonaten führt der Lichtmangel zur sogenannten Winterdepression. Durch “Lichtduschen”, also künstliches UVA- und UVB- Licht, das auch bei Solarien Anwendung findet, oder mit Hilfe einer Sonnenspektrums-Leseleuchte  kann dieser Effekt vermindert werden und sich die Stimmung heben.

Genügend Tageslicht ist ausschlaggebend für unseren Wach-Schlaf-Rhythmus. Nur dann wird genügend Melatonin produziert, das den Taktgeber unserer inneren Uhr darstellt. Es ist auch ein Faktor im Alterungsprozess des Menschen, ein Mangel lässt uns die Abnutzungserscheinungen stärker und schneller spüren.

  • Ein rheinisches Sprichwort sagt: “Licht und Luft gibt Saft und Kraft”.

Nur bei ausreichender Lichtversorgung fühlen wir uns wohl. Es erhöht unsere Aktivität, Vitalität, Antriebskraft und Lebensfreude.

Doch auch das Licht ist wie alles in der Natur weder einseitig gut noch schlecht. Schon Paracelsus sagte: Kein Ding ist ohne Gift, die Dosis macht das Gift.

Zu langer Aufenthalt in der prallen Sonne sorgt für Verbrennungen, die sogar.zu Hautkrebs führen können. Licht bleicht Farben aus und kann Organismen töten. Doch die positiven Eigenschaften überwiegen bei massvollem Umgang.

Lichtspiele: Der Hell-Dunkelrythmus underes Planeten vestimmt unser Leben.

Lichtspiele: Der Hell-Dunkelrhythmus unseres Planeten bestimmt unser Leben.
Spiritual Staircase ©scrano 2013

Die zunehmende Dunkelheit des beginnenden Winters ist für uns Lichtwesen immer eine beängstigende Angelegenheit. Die Nacht ist für viele Menschen furchteinflössend. In der Finsternis kann man im Strassenverkehr leicht übersehen werden. Auch sind wir quasi blind, besonders in mondlosen Nächten.Verbrechen geschehen meist im Dunkeln, in dessen Schutz  der Übeltäter nach seiner Tat unerkannt fliehen kann. Dunkelheit wird auch mit Kälte und Lebensfeindlichkeit in Verbindung gebracht. Raubtiere jagen häufig in der Dämmerung. Schon in der Kindheit haben wir oft Angst im Dunkeln, weshalb Eltern dann ein Nacht-Licht im Kinderzimmer anbringen, um die Monster unter dem Bett zu verscheuchen.

fiery_realms_by_scrano-d6ixyiv

Feuer und Glut müssen uns Wärme und Licht der Sonne im Winter ersetzen.
Fiery realms ©scrano 2013

Doch auch die Dunkelheit ist ein wichtiges Element in unserem Leben. Ohne Dunkelheit fällt es uns schwer einzuschlafen. Wie benötigen jedoch eine Erholungsphase, in der sich der Körper regenerieren kann, in der auch unser Verstand etwas zur Ruhe kommt. Eine Verschnauf-Pause, in der unsere Sinne abschalten können. Naturvölker, die ohne Kunstlicht leben, haben keinen so stark negativen Bezug zur Nacht wie wir. In der vorindustriellen Zeit waren auch wir noch in den natürlichen Tag-und Nachtrhythmus eingebunden. Nach der Hitze des Tages und der harten Feldarbeit fand man Ruhe und Erholung in der Kühle der Nacht. Der sanfte Schein des Mondes begleitete den steinzeitlichen Jäger.  Daher haben Menschen in den höheren Breitengraden, wie den skandinavischen Ländern auch schwer mit dem Ungleichgewicht der Tag- und Nachtdauer zu kämpfen, denn sie haben sowohl viel zu lange Nächte als auch scheinbar endlose Tage. Besonders Angehörige von Berufsgruppen, die ständig von Kunstlicht umgeben sind, kennen die negativen Begleitumstände und Beschwerden einer unnatürlichen Beleuchungsdauer. Nahezu jegliche Flora und Fauna auf unserer Erde ist von diesem immer währenden Wechsel des Tages und der Nacht abhängig, das Leben entstand in seinem Rhythmus. Der Wechsel von Licht und Dunkelheit beeinflusst sogar die Fruchtbarkeit: Frauen mit Zyklusproblemen hilft es ihren Rhythmus zu harmonisieren, wenn sie in Räumen schlafen, die dem natürlichen Mondlicht ausgesetzt sind.

von Mactographer (Eigenes Werk) [Attribution], via Wikimedia Commons

von Mactographer (Eigenes Werk) [Attribution], via Wikimedia Commons

 

In der Vorstellung von naturrreligiösen Gruppen beginnt im Spätherbst die Ruhephase der “Grossen Mutter”. Nach dem Tod ihres solaren Gefährten in der Zeit von Samhain zieht sie sich unter die Erde zurück, den Keim des neuen Sonnenkinds bereits in sich tragend.  Nichts stirbt für immer, das Leben wird zurückkehren. Deshalb war dies auch die Zeit der Ahnen, auch schon im Neolithikum. Die jungsteinzeitliche Sakralstätte Stonehenge war nicht nach der Sommersonnenwende, sondern deren Gegenpol, dem kürzesten Tag des Jahres ausgerichtet. Dann wurde die Asche der Ahnen in einer feierlichen Prozession zum Fluss Avon gebracht, um von ihm in die Anderswelt hinter dem westlichen Horizont getragen zu werden. Gleichzeitig erhoffte man sich eine Wiedergeburt im nächsten Vegetationszyklus, dessen Höhepunkt am 21.Juni im zugehörigen Woodhenge, einer hölzernen Kreisanlage wie im sächsischen Goseck, gefeiert wurde.

Eine musikalische Interpretation dieser Herbstimmmung mit Nightwish bei Youtube.

In unseren Breiten sehnen wir spätestens nach der Sonnenwende an Jul schon danach, dass der Winter sich seinem Ende zuneigt und die Tage wieder „länger“ werden. Unsere Erwartungen an den Frühling, an den Sommer, an die ersten wärmenden Sonnenstrahlen sind groß. Der Frühlingsanfang wird als Weckruf der Natur gefeiert. Doch gewinnen wir auch dem Winter seine positive Seite ab und sehen die dunkle Jahreszeit als eine Chance zur inneren Einkehr und Reflektion. Als Atempause. Freuen wir uns an der Natur wie sie ist. Denn eines ist sicher, der nächste Frühling kommt bestimmt.

Ekstasy of Gold: Letzte Sonnenblumen im Herbst bringen noch etwas Sonnenglanz in die Wohnung.

Shadow and Light ©beast666

Letzte Sonnenblumen im Herbst bringen noch etwas Sonnenglanz in die Wohnung.
Der wehrhafte Stechapfel in dem Herbststrauss enthält potente, aber sehr giftige psychoaktive Stoffe, die sogar zum Wahnsinn führen können. Sie erzeugen angsterregende, alptraumhafte Visionen, und stellen eine Beziehung zum Schatten der Seele her. Er ist ein Saturn/Mond und Pluto/Venus Gewächs, das vermutlich aus Zentralasien stammt.

 

 

Posted by on November 12th, 2016 Kommentare deaktiviert