Archive for November 20th, 2016

 

Happy Thanksgiving: Komm … Puter!

Happy Turkey Day! Thanksgiving ©scrano 2016

Happy Turkey Day!
Thanksgiving ©scrano 2016

In Amerika ist das Erntedankfest seit der Pionierzeit ein gesetzlicher Feiertag, und auch eine der wichtigsten familiären Feierlichkeiten des Jahres. Es ist ein eher privates. vergleichsweise stilles Fest, das zuhause und ohne den Kommerzrummel stattfindet, wie er vor allem zur Weihnachtszeit anzutreffen ist.

Das gemeinsame Thanksgiving-Dinner ist das zentrale Ereignis, medial begleitet wird dieser Festtag von der Thanksgiving-Day-Parade und natürlich vom Sportereignis American Football. VIP des Tages ist der vom Präsidenten begnadigte Truthahn! Unser heimisches Erntedankfest wird in modernen Zeiten beileibe nicht so zelebriert. Früher war dies durchaus anders, es gab sogar saisonal bis zu drei Erntefeste. Das könnte man auch wiederbeleben, besonders mit Rückbesinnung auf lokale Produkte, mehr Nachhaltigkeit und weniger Energieverschwendung durch Transportwege. Wir sollten einfach wieder dem Jahresrhythmus gemäss feiern – im Oktober und eben auch im November, wie die Yankees! Nicht immer nur der Sonne nachreisen – da dampft vielleicht bei zuviel Tropenhitze auch irgendwann das Hirn ein …

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©kmygraphic

Thanksgiving: So feiert es sich unter Stars & Stripes:

Thanksgiving findet in den USA jedes Jahr am vierten Donnerstag im November statt, der Freitag ist dann ein willkommener Brückentag.  Dieses Erntefest  soll an das bäuerliche Pionierleben der ersten Gründerväter erinnern. Zum klassischen Dinner an Thanksgiving gehören daher Zutaten, die aus heimischen, amerikanischen Produkten bestehen.

  • gefülltem Truthahn, dem Roasted Turkey
  • Cranberry-Sauce
  • Süßkartoffeln – als Pürree
  • Mais, das Indian corn, auch als Kolben
  • Apple Pie oder Pumpkin Pie – am Vortag backen, nur noch aufwärmen

Den Auftakt zu einem solchen Dinner an Thanksgiving bildet eine Kürbissuppe. Sowieso ist Kürbis ein wichtiger Bestandteil des Menüplans. Das absolute Highlight auf dem Tisch ist aber der uramerikanische Vogel: Turkey, den Ben Franklin sogar wegen seiner schmackhaften Vorzüge zum Wappenvogel der USA erklären wollte – wozu nutzt schon so ein Adler, soll er gesagt haben.

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Football – nein danke, sagen diese Katzen.

Da bei uns American Football weniger angesagt ist, und wenn keine tieffliegenden Hexen von Halloween vorbeischauen, dann kann man ja auch einen Filmabend veranstalten:

  • Pocahontas
  • Die Addams Familie in verrückter Tradition
  • Hannah und ihre Schwestern
  • Nobodys Fool
  • Sweet November
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Von Halloween bis Thanksgiving dreht sich alles um den Kürbis.
Butternut-Kalebassen ©beast66 2016

Von einem traditionellen “Roast Turkey” mit Füllung können an Thanksgiving je nach Größe des Vogels an die 15 Personen ohne Probleme satt werden. Kein Wunder: Ein gemästeter US-Truthahn wiegt in der Regel zwischen 8 und 15 Kilogramm. In Deutschland scheitert der authentische Truthahnbraten deshalb meist schon am zu kleinen Bratrohr, das mit amerikanischen XXL-Küchen meist nicht mithalten kann. Was tun? Zum Glück sind Puten in Deutschland nicht gar so gigantisch, und unsere Familien auch nicht mehr so gross. In USA, schon der wegen der Entfernungen, war und ist das Fest eine der seltenen Gelegenheiten, zu der wirklich fast sämtliche Familienmitglieder zusammenkommen können.

Für den “German Turkey” – 8 Portionen

  • 350 g altbackenes Maisbrot oder Semmeln
  • 2 große Zwiebeln
  • 4 Selleriestangen
  • 100 g geräucherter, durchwachsener, mild gesalzener Bauch
  • 3 EL Butter
  • ½ Bund glatte Petersilie
  • 4 Salbeiblätter, 3 Thymianzweige
  • 700 ml Gemüsebrühe
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1 Truthahn küchenfertig, ca. 4,5 kggive_thanks_by_kmygraphic-d9ccn4i
  • 1 EL Speisestärke

Für die Sauce:

  • 400 g frische Cranberry oder Preiselbeeren
  • 100 ml trockener Rotwein
  • 2 EL brauner Zucker oder 50 ml Ahornsirup

Zubereitung:

  • Das Maisbrot in kleine Würfel schneiden. Die Zwiebeln abziehen, Selleriestangen waschen und putzen und beides mit dem Bauchspeck klein würfeln. In einer Pfanne die Butter erhitzen und die Zwiebel-, Sellerie- und Speckwürfel anschwitzen. Beiseite stellen.
  • Den Ofen auf 200°C Ober-und Unterhitze vorheizen.
  • Kräuter waschen, trocken tupfen, feinwiegen, mit dem Maisbrot und der Gemüsemasse mischen, 250 ml Brühe angießen, alles locker vermengen, salzen und pfeffern. 10 Minuten ziehen lassen. Den Puter kalt abspülen, trocken tupfen und innen und außen salzen. Mit der Brotmasse füllen. Auf den Rost des tiefen Bratenblechs legen und im vorgeheizten Ofen auf unterster Schiene 45 Minuten braten. Mit zerlassener Butter begießen und weitere 3-3 1/2 Stunden bei 160°C Ober-und Unterhitze braten.
  • Den Truthahn auf ein Tranchierbrett setzen, mit Alufolie bedecken und warm halten. Bratfond auf dem Herd mit der übrigen Brühe loskochen und durch ein Sieb in einen Stiel-Topf passieren. Die Stärke mit etwas kaltem Wasser aufschlagen, unterrühren. Die Sauce nochmals aufkochen und andicken lassen, in einer vorgewärmten Sauciere servieren.
  • Cranberries oder Preiselbeeren waschen, abtropfen. Rotwein mit Zucker in einen Topf zum Kochen bringen, Cranberrys dazugeben und leicht dicklich  einkochen. In ein Saucenkännchen füllen.
  • Den Puter tranchieren und anrichten.

Dazu passen Süsskartoffelpürree, in Butter glasierte Maiskolben, oder Mais mit grünen Erbsen.

  • 1 kg Süßkartoffeln
  • 50g Butter
  •  Salz, Muskat, Kreuzkümmel

Die Knollen schälen und in gleich große Würfel schneiden. Einen Topf mit etwas Wasser füllen und (falls verfügbar) mit einem Dampfgareinsatz für Gemüse bestücken. Die Kartoffelwürfel mit Kümmel in den Topf geben und ca. 15-20 Minuten garen, bis sie weich sind. Abgießen und die Kartoffeln mit einem Kartoffelstampfer zu Brei verarbeiten. Die Butter unterrühren und mit Salz und Muskat abschmecken.
Den Nachtisch liefert der Apfel- oder Kürbiskuchen – ausserdem wurde und wird in den ländlichen Gegenden nach dem üppigen Essen wohl mit dem lokalen “Moonshine-Bourbon” kräftig angestossen. Dieser Whisky wird auch aus Mais gebrannt, dem Indianer-Korn. Das haben die ersten Siedler zusammen mit dem Truthahn (GuruGuru, wie der Vogel bei Asterix von seinem dicken Kumpel Obelix*** liebevoll genannt wurde) und den Kürbissen durch die Nachbarschaftshilfe der einheimischen Bevölkerung kennengelernt. Diese freundlichen amerikanischen Ureinwohner halfen den Europäern über eine Zeit des Mangels – wie haben ihre Nachkommen es ihnen gedankt ?!

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***”Die Grosse Überfahrt”, parodiert Pocahontas und die Amerikafahrt der Wikinger, Band XXII, 1975 – auch als Animationsfilm.

 

Posted by on November 20th, 2016 Kommentare deaktiviert