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Sieben Todsünden: Gula – Völlerei – Jupiter

Ja ich weiss, jetzt ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit, mit allen Leckereien, gibt es jetzt die Klatsche … allerdings, besser ist das, wie es bei “Werner” heisst. Denn die Pfunde nachher müssen dann wieder mit Schweiss und Kasteiung angegangen werden. Zudem passt das Thema gut hierher: Santa Claus und Jupiter haben ja einiges gemeinsam, es läuft auch gerade die Sonne durch den Schützen, wo der Olymp-Chef sein Domizil hat. Also lohnt vielleicht eine Bechäftigung mit den dunklen Punkten in seiner Agenda.

Gula

Gula, der Schlund – Völlerei, Masslosigkeit: Schatten des Jupiter

  • Mammon – Geiz- Saturn
  • Leviathan – Neid – Merkur
  • Satan – Zorn – Mars
  • Asmodeus – Wollust – Venus
  • Beelzebub – Völlerei – Jupiter
  • Belphegor – Faulheit – Mond
  • Luzifer – Stolz – Sonne

Die Symbolik der “Sieben“. gibt es schon im Zusammenhang mit Lastern in der babylonischen und persischen Zeit. Es wird vermutet, der Ursprung der Todsündenlehre liege im Motiv der vorgeburtlichen Seelenreise. Bevor die Seele in die Welt der Materie  eintritt, müsse sie sieben Himmelssphären durchwandern. In jeder nehme sie einen guten Geist in sich auf, aber auch einen schlechten. Gebräuchlich war auch eine Zuordnung der Todsünden zu den Wochentagen: Am Sonntag bedrohe Stolz den Menschen, wenn er sich in der Messe Gott nicht unterwerfe. Tag des Neids sei der Montag, des Zorns der Dienstag. Die Trägheit, speziell die spirituelle, bedrohe den Menschen am Mittwoch, weil er zeitlich am weitesten vom Sonntag entfernt ist. Wenn der Mensch seine Gottnähe verloren habe, sei er am Donnerstag gefährdet, nach materiellen Gütern zu gieren, und sich am Freitag, wenn er dem Fasten verpflichtet wäre, der Völlerei hinzugeben. Wollust ist die Sünde des Samstags. Diese Form einer Korrespondenz-Lehre steht aber im Widerspruch zu der Hermetischen Zuordnung der Sünden zu den Tagen und ihren Planetenentsprechungen. Sowohl in der gnostischen, der hermetischen als auch gemäss der klassischen Moraltheologie sind die “Sieben Todsünden” weniger in Handlungen begründet, sondern Dispositionen: Persönlichkeitsstörungen oder Charakterdefizite. Deshalb kann man sie auch nicht beichten. Sie legen erst den Keim der Unmoral und sind die Ursache der späteren verwerflichen Akte. Astrologisch und psychologisch stellen sie die Schattenthematik der entsprechenden planetarischen  Archetypen dar.

Wie das Zeichen des Schützen, und das 9. Haus, in denen er herrscht, steht auch Jupiter für Erweiterung des Horizonts in jeder Hinsicht. Fernreisen, Religionen und spirituelle Organisationen Wertesysteme, Philosophie und Sinnfindung und grenzenloser Enthusiasmus sind mit ihm verbandelt. Der Wunsch einer Reise zum Guru nach Indien dürfte stark vom Jupiter-Prinzip beeinflusst sein. In der vedischen Astrologie heisst der Planet sogar gleich Guru. Unter der Schattenseite dieser Expansionslust kann die Umgebung leiden, die sich überwältigt fühlt. Jupiter kann der fördernde Gönner sein, aber auch der aufgeblähte Luftballon eines Schaumschlägers, aus dem nur heisse Luft entweicht. Wachstum und Erweiterung werden in unserer Gesellschaft durchweg als positive Werte gesehen, doch es gibt auch schädliches und gefährliches Wachstum wie starke Gewichtszunahme oder eine Tumorbildung.

Jupiter ist grenzenlos und zügellos – auch rücksichtslos. Neptun, Venus und Jupiter in gespannten Aspekten sind ungesund – Essen und Alkohol im Übermaß könnten hier ein Problem werden. Es ist kein Zufall, dass Jupiter auf der körperlichen Ebene unter anderem die Leber regiert. Jupiter am Aszendenten, auch beim Transit hat oft Übergewicht zur Folge, ebenso im 6. Haus.

Er ist ein Gigant und wirft auch keinen kleinen Schatten:

  • Übertreibung, Kreuzzüglertum, Rastlosigkeit, Oberflächlichkeit, va banque Spieler, Seitensprünge und instabile Beziehungen, Opportunismus, Bon vivant, Don Juan, Megalomanie, Realitätsblindheit (Hoffen auf ein Wunder).
  • Oberlehrer, Pharisäer, Selbstgerechtigkeit, Arroganz, Machtmissbrauch → Bei Saturn finden wir eher den Amtsmissbrauch.
  • Die Börse mit all ihren Krächen und der Schalter des Wettbüros sind auch ein gefährlicher Spielplatz Jupiters, weil ihn manchmal blinder Optimismus und zu wenig Achtsamkeit auf Details (sein Gegenspieler ist der Merkur) antreiben. “From a Distance, there is Harmony …” lautet der Titel eines Songs von Bette Midler, einer Schütze-Künstlerin, allerdings durchaus ironisch gemeint.
  • Nicht umsonst heisst es auch:”Toleranz wächst mit dem Abstand zum Problem …”

Trotz all der Problematik, der Planet Jupiter galt in der klassischen Astrologie als der Wohltäter und “Glücksplanet” schlechthin. In der modernen, psychologisch ausgerichteten Astrologie wurde diese These revidiert; man weiß heutzutage, dass auch Jupiter nicht nur glücksverheißend ist, sondern auch fordernde Aufgaben bergen kann. Trotzdem: seine Schattenthemen werden immer noch relativiert: Bildet er beispielweise einen Spannungsaspekt (Quadrat, Oppositon) zu einem persönlichen Planeten, wird dieser Spannung ein geringeres Gefährdungspotential zugesprochen als beispielsweise einem spannungsreichen Aspektgefüge mit Saturn. Er wird also als relativ “harmlos” angesehen… auch in seinen Transiten.

Dass diese Einschätzung nicht so ganz funktioniert, meint auch Eve Jackson, Autorin des Buches “Jupiter – Der alte Wohltäter in einem neuen Licht” und stellt die provokante Frage, warum gerade dieser Planet in den Horoskopen von Naziführern und Kriminellen dominiert. Für sie ist Jupiter der “pompöse Hüter von Traditionen und Moral” bzw. der “Entwurzelte, der sich weigert, erwachsen zu werden”, letzteres wohl auch in der Verbindung zum Leben als ewig Suchender oder Gypsy. Denn auch Cowboys und “Fahrendes Volk” wie Wanderzirkus oder Schausteller unterstehen dem Jupiterprinzip. Mir ist das etwas zu vereinfachend formuliert, jetzt den Bösewicht hauptsächlich beim Jupiter zu suchen: Gerade bei Naziführern haben andere ungünstige Faktoren des Horoskops mehr Gewicht: Saturn, der grausam sein kann und Uranus, der nicht immer nur den Genius verkörpert, sondern auch Gewalttätigkeit. Sogar die Venus spielt hier oft eine fatale Rolle, weil sie unsere Beziehungsfähigkeit regelt, wie z.B. bei Adolf Hitler zu sehen ist. Der Jupiter vergrössert hier lediglich das eigentliche Übel. Bei Unterweltsbossen und Hochstaplern stimmt der Zusammenhang mit dem Schütze-Herrscher schon eher, z.B. Al Capone, “Lucky” Luciano. Aber sogar bei manchen Serienmördern (Ted Bundy) findet man einen starken aber gestörten Jupiter.

Eduard_Grützner_Falstaff_mit_Zinnkanne_und_Weinglas

Shakespeares Sir John Falstaff, ein richtiges  Ritter-Schwergewicht.
Personifizierte Völlerei, ein echter Jupiter-Avatar.
E.Grützner ca. 1900.

Trotzdem sollte man die Kirche im Dorf lassen, allerdings auch keine Schönfärberei betreiben, was die Spannungsaspekte Jupiters, sowohl im Radix, als auch im Transit angeht. Bei letzterem kann sogar manchmal die “glückbringende” Konjunktion problematisch sein, wenn sie eine vorhandene “Zeitbombe” triggert, hier ist wiederum das verstärkende Prinzip des Jupiter wirksam. Manche harten natalen Aspekte, wie etwa zum Chiron, der thematisch mit der Mythologie des Schützen als Zentaur verwandt ist, stellen möglicherweise ein tiefergehenderes Problem dar: Ein Quadrat vom Jupiter in 2 (Selbstwert) zum Chiron haben z.B. sowohl Anders Breivik als auch Oscar Pistorius. Durch solche schwierigen Jupiter-Aspekte ist oft die Fähigkeit gemindert, Dinge aus einem gewissen Abstand und mit grosszügiger Toleranz zu betrachten, auch Sinnfindung und Zuversicht können gestört sein. Bei Pistorius und Breivik findet man aber ausserdem noch eine extrem gespannte Kombination von Pluto- und Uranusthemen, bzw. Wassermann/Skorpion Verbindungen.

Jupiter und das 9. Haus verkörpern die gesellschaftlichen und persönlichen Wertesysteme: Ein beeinträchtigter Jupiter birgt hier die Gefahr, nur die eigenen Prinzipien gelten zu lassen. Daher vielleicht die eingangs erwähnte Verbindung zu Mafiabossen, Kartellchefs (oft problematischer Jupiter im Widder oder Skorpion) oder Serienmördern, wie sie in einer niederländischen Untersuchung gefunden wurde. Der sogenannte Glücksaspekt trägt hier dann nur dazu bei, dass die Täter nicht so leicht zu fassen sind und ihre Erfolgsbilanz bei auch bei gewagten Coups besser ist. Oder makaber in der besonders grossen Zahl ihrer Opfer.

Also ist nicht alles Gold was glänzt, auch nicht im Olymp. Zeus hatte auch seine dunklen Seiten: Notorisch untreu und selbstgerecht, auch ein wenig autoritär und aufgeblasen konnte er sein, der Göttervater.

Allerdings zeigt er sich zumeist doch lieber als Gönner und fähig zum Humor, neben seiner Unverwüstlichkeit eine seiner besten Eigenschaften.

Der Zusammenhang mit Gula, der Völlerei ist durch den Mythos der Geburt der Athena mitbegründet: Zeus verschlingt die schwangere Metis, die Verkörperung der Weisheit und hat danach eine wahrliche Kopfgeburt. Die Göttin Athena entspringt seiner Stirn, welche Hephaistos auf Anraten des Prometheus gespalten hat, voll ausgewachsen und mit Rüstung.  Der Grund für derlei drastische Aktionen: Bei der Schwangerschaft von Metis war ihm geweissagt worden, ein männlicher Nachkomme würde viel mächtiger sein als er, und ihn entthronen, so wie er seinen Vater Kronos gestürzt hatte. Eine Tochter wäre ihm ebenbürtig. Da Metis Zwillinge erwartete, wollte er wohl kein Risiko eingehen. Interessanterweise blieben nach der Befreiung Athenas sowohl Metis als auch der ungeborene Sohn in Zeus. Da der Junior sich so keinen eigenen Namen machen konnte, blieb er für den Olymp-Chef ungefährlich. Die Weisheit der Metis hatte dieser auch gleich “incorporated”. Athena, dankbar für die Unterstützung bei dem “Geburtsakt” blieb ihren “Hebammen” Prometheus und Hephaistos (mit Merkur bilden diese MacGyver des Olymp eine Art “Verstandes-Triade”) sehr verbunden. Auch sie eine Verkörperung der Logik und Vernunft, im Gegesatz zum intuitiven “Daddy” Jupiter.

Wie bei Paracelsus so schön geschrieben steht: Es ist kein Ding ohne Gift, die Dosis macht das Gift. Daher: “Alles in Massen und nichts im Übermass!”  Ein weiser, antiker Leitspruch, man kann ihn heute noch am Apollontempel von Delphi lesen.

 

Posted by on November 29th, 2016 Kommentare deaktiviert