Tarot im November: Karte XIII – “Der Tod”

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Totentanz, Thema der 13. Karte im Tarot:
“Der Tod”, 4. Reiter der Apokalypse, das “fahle Pferd”.
©scrano 2013

 Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten
Lebewesens rufen: Komm!
Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt „der Tod“;
und die Unterwelt zog hinter ihm her.
Und ihnen wurde die Macht gegeben über ein Viertel der Erde,
Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und Tod und durch die Tiere der Erde.

Offenbarung des Johannes

Midnight has come, and the great Christchurch bell
and many a lesser bell sound through the room;
and it is All Souls‘ Night… A ghost may come.

William Butler Yeats

todDas ist sie also, die berüchtigte Todeskarte im Tarot, von dümmlichen Hollywoodautoren gerne als spukiges Drama-Element in ihre eher zweifelhaften Plots eingbaut. Auf den ersten Blichk sieht sie tatsächlich etwas unheimlich aus. Da sitzt ein Skelett mit Rüstung auf einem weissen Pferd, wie ein Reiter der Apokalypse. dazu liegt da noch ein Leichnam auf dem Boden. Die anderen Teilnehmer der Szene sehen auch nicht gerade glücklich aus.

Aber das ist nur der oberfächliche Eindruck, die Karte steckt eigentlich voller Symbole über Loslassen und Neubeginn.  Wenn man neue Gelegenheiten ergreiffen will, muss oft etwas Altes dafür aufgegeben werden. Das Skelett ist Ausdruck dessen, was nach dem Tod übrig bleibt, auch die Rüstung symbolisiert die Unzerstörbarkeit des Wesentlichen. Wie bei der Skorpion-Thematik (auch ein Panzertier) geht es darum Transformationsprozesse anzunehmen und um das Sich-Neuerfinden.

Die Farbe Weiss ist stark vertreten in der Bildgestaltung: Neben Schwarz ist Weiss auch eine Todesfarbe, vor allem in den östlichen Religionen. Sie versinnbildlicht die Wiedergeburt, die Unschuld des Neubeginns und die Unsterblichkeit der Seele. So sitzt der gruselige Reiter dann auch auf einem prächtigen weissen Schlachtross, das erinnert ein bisschen an Storms “Schimmelreiter” alias Odin, auch einem Anführer des Totenheers, und hält ein Banner mit einer weissen Rose. Die Rose ist ein Lebenssymbol, sie steht auch für Reinheit und Schönheit.  Gleichzeitig formt die Blüte ein nach unten zeigendes Pentagramm: Dies bedeutet in den hermetischen Lehrsystemen die Manifestation des Geistes in der Materie. Wie beim Stern von Bethlehem, der die Inkarnation Christi anzeigt. Etwas Neues wird in gänzlicher Reinheit erstehen.  Auch “Die Wahrheit wird obsiegen” ist ein Spruch der zur Karte Nr. XIII gut passt. Zu diesem Motto gehört auch das Szenario mit den anderen Figuren: Der König liegt tot am Boden, seine Macht ist nichts vor dem Tod, alle sind hier gleich. Der Bischof  hat das Symbol seiner geistlichen Würde verloren, der Stab liegt vor ihm: Insignien nutzen hier nichts, nur innere Bereitschaft zum Glauben. Die Frau mit dem Blumenkranz steht für Jugend und irdische Schönheit, auch dies ist ohne Bedeutung, obwohl sie versucht sich abzuwenden, die Tatsache der Vergänglichkeit zu leugnen. Nur das Kind kennt keine Furcht, denn es lebt gänzlich in der Gegewart und ist voll unschuldsvollem Vertrauen.  Im Hintergrund die zwei Säulen mit der aufgehenden Sonne, die das Portal in die andere Welt und zur Erleuchtung symbolisieren. Sie sind das Ziel: Dort liegt die Erneuerung. Zwei Säulen, Jachin und Boaz (Tapeferkeit und Stärke) standen am Eingang des salomonischen Tempels. Ihre Symbolik finden wir häufuger in den Bildwelten des Tarot.

Und allen unkenden “Zigeunerinnen” zum Trotz: Die Karte Nr. XIII zeigt nicht den physischen Tod. Das kann man an der Bedeutung der Zahl Dreizehn selbst erkennen: Nein nicht die Unglückszahl der Abergläubischen, sondern es ist die Eins nach der Vollendung der Zwölf: Ein neuer Anfang wird geboren.

Zwielicht

Dämmrung will die Flügel spreiten,

Schaurig rühren sich die Bäume,

Wolken ziehn wie schwere Träume –

Was will dieses Grau’n bedeuten?

Hast ein Reh du lieb vor andern,

Laß es nicht alleine grasen,

Jäger ziehn im Wald und blasen,

Stimmen hin und wieder wandern.

Hast du einen Freund hienieden,

Trau ihm nicht zu dieser Stunde,

Freundlich wohl mit Aug’ und Munde,

Sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.

Was heut gehet müde unter,

Hebt sich morgen neu geboren.

Manches geht in Nacht verloren –

Hüte dich, sei wach und munter

Joseph von Eichendorff
 
 
Weisse Rose - Sinnbild der Seele und der Unschuld.Generous Gardner ©scrano 2016

Weisse Rose – Sinnbild der Seele und der Unschuld.
Generous Gardner ©scrano 2016

Die weisse Rose im Christentum bedeutet auch die Entsagung, die höhere Weisheit, das Tranzendente. Auch die Geschwister Scholl erwählten diese Blume als Symbol ihres pazifistischen Freundschaftsbunds als Teil eines Widerstandsnetzwerks gegen einen verbrecherischen Krieg im Inneren und Äusseren.
Im Freimaurertum steht die weisse Rose stellvertretend für Sophia, die heilige Weisheit oder bei mehr säkularer Orientierung, das Licht der Vernunft.

 

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This entry was posted on Mittwoch, November 2nd, 2016 at 01:52 and is filed under Daily Hermetist, Freimaurer Ecke, Galerie, Geschichte, Literatur, Lyrik, magisch, Planeten-Archetypen, Pluto, Ritual, Saturn, Signaturen, Zeitgeist. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

 
 

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