Aussichten im November: A Traveller From The West …

To The West

Ein Reisender aus dem Okzident, auf dem Weg in den Orient um das Licht zu sehen
Steinmetzarbeit der Natur: Felstor auf der Presqu’ile Quiberon, Bretagne.
©beast666

In der mittelalterlichen Welt der operativen Steinmetz-Zunft mussten die Kathedralenbauer oft den Arbeitsort wechseln, sie zogen von einer Kirchenbaustelle  zur nächsten. Daher besassen sie das Recht,  FREI zu reisen, was in dieser Epoche nicht selbstverständlich war, und einen Degen zu führen (die Zeiten waren gefährlich). Bereits die Gesellen sollten, ja mussten an unterschiedlichen Orten ihre Tätigkeit ausüben, (die Gesellen-Walz gibt es heute noch) um ihre Kenntnisse zu erweitern. Besonders aber die Bauhüttenmeister, heute würde man sagen Architekten, als sehr erfahrene und gefragte Männer legten oft grosse Distanzen zurück, sie kamen wohl in ganz Europa herum.  Für diese Meister bestand auch innerhalb der Zunft keine Beschränkung in der Wahl ihres Arbeitsortes, ihrer Loge (Lodge=Bauhütte). Daher war es für einen Steinmetzmeister ein Kennzeichen seines Ranges, weitgereist, sozusagen welterfahren zu sein. Auf Grund der wechselnden Zusammensetzung der Bauhüttenmannschaft musste man Vorkehrungen  innerhalb der Steinmetzenbruderschaft gegen Hochstapler und Industriespionage treffen, dies war der Ursprung von Passwort, Zeichen und Griff, sowie der Bürgschaft. Letztere durfte nur ein in der betreffenden Bauhütte bereits wohlbekannter Zunftgenosse ausüben.

Dieses Reisen wurde in der spekulativen Maurerei des ausgehenden 16. Jhd. übernommen und im übertragenen Sinne als Lebensreise zu mehr Weisheit und Erleuchtung umgewertet. Auch das reale Reisen, in Form des Besuchs anderer Logen wird praktiziert. Der Geselle muss drei Reisen nachweisen, um erhoben werden zu können, allerdings kann er sich noch nicht allein auf den Weg machen. Hier ist es meist der Bürge, den es auch in der modernen Bruderschaft gibt, der dem Gesellen zum Einlass in die fremde Loge verhilft. Ein Freimaurer-Meister dagegen darf unbegleitet zwischen den Logen reisen, als besuchender Bruder ist er überall willkommen. Das findet sich auch im Symbol der Weltbruderkette.

In der Philosophie des Freimaurertums ist ein Meister immer ein Reisender von West nach Ost, ganz gemäss dem Sonnenlauf. So wie im alten Ägypten der Sonnengott Ra auf der unterirdischen Barke während der Nacht dem Horizont entgegenfährt, um wieder aufzusteigen, strebt auch der Freimaurer dem hellen Schein im Osten zu.  Wie bei den antiken Mysterien ist die Suche nach dem Licht (der Aufklärung, dem höheren Wissen) auch das zentrale Thema der Freimaurerwerklehre.

 “If I were to say to you that, “I am a stranger traveling from the East,
seeking that which is lost”…
Then I would reply that, “I am a stranger traveling from the West,

it is I whom you seek.”"

Zitat aus dem Film “The Mummy Returns“, interessant, aus welchen Quellen die Autoren so schöpfen … In Rudyard Kiplings “The Man Who Would Be King” gibt es eine ähnliche Textstelle. Kipling war ein bekannter Freimaurer.

Das eindrucksvolle Felsen-Tor ist eines der Highlights der sogenannten wilden Küste (cote sauvage) auf der Halbinsel Quiberon an der südlichen Küste der Bretagne. Die Westseite der Halbinsel bietet eine Panorama-Tour, die man  in einer etwa 3 stündigen Wanderung entlang der spektakulär zerklüfteten Steilklippen ohne grosse Kletterei bewältigen kann. Wichtig: Genug zu trinken mitnehmen, wenn man in der Sommerhitze unterwegs ist. Bei stürmischem Wetter lässt sich etwas von der vollen Gewalt des Atlantiks  sprüren, wenn man nicht weggeweht wird … Es gibt auf halber Strecke ein Restaurant mit Spezialisierung auf frische Meeresfrüchte (was auch sonst, sie sind aber echt gut). Endstation der Route ist der Fischerort Port Maria, Ausgangspunkt einer der Wanderparkplätze an der Küstenstrasse. Das Felsen-Tor liegt am oberen Ende der Halbinsel, die durch eine Art Damm mit dem Festland verbunden ist. Weitere Sehenswürdigkeiten: Leuchtturm von Port Haliguen, Menhire und Dolmen in der Dünen- und Heidelandschaft, Museum von Quiberon. Vom Haupthafen von Quiberon, Port Maria starten Fähren, die die vorgelagerten Inseln Belle-Île, Île d’Houat (Enteninsel) und Île d’Hœdic (kleine Ente) anlaufen. Der Osthafen Port Haliguen ist im Sommer Ausgangspunkt für Ausflugsboote zu Touren durch den Golf von Morbihan (kleines Meer). Man kann z.B. nach Gavrinis, der Insel mit dem grössten neolithischen Cairn*** der Bretagne übersetzen. Diese komplexen Grabanlagen waren auch in Ost-West Richtung angelegt, mit Meerblick, wenn möglich. Ein anderer grösserer Cairn liegt in der Bucht von Morlaix, nahe Barnenez, er wartet  auch mit einem kleinen Museum auf.

Cairn von Barnenez, Grabkammer.©beast666

Cairn von Barnenez, Grabkammer.
©beast666

***Ein Cairn ist eine Anlage aus mehreren Dolmen, die mit einer Anhäufung von Bruchsteinen bedeckt wurde.

Museum am Cairn von Barnenez

Museum am Cairn von Barnenez.
©beast666 2007

 

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This entry was posted on Freitag, November 18th, 2016 at 01:06 and is filed under Astronomie, Freimaurer Ecke, Galerie, Geschichte, Lyrik, Pluto, Saturn. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

 
 

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