Archive for Dezember 5th, 2016

 

Mandalas im Dezember: Weihnachtsduft und Lichterglanz

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Goldglitter bringt Weihnachtssterne zum Leuchten.
In my window ©scrano 2016

Weihnachtsgebäck

Weinbeer, Mandeln, Sultaninen,
süße Feigen und Rosinen,
welsche Nüsse – fein geschnitten,
Zitronat auch – muß ich bitten! -

Birnenschnitze doch zumeist
und dazu den Kirschengeist;
wohl geknetet mit der Hand
alles tüchtig durcheinander
und darüber Teig gewoben -
wirklich, das muß ich mir loben!

Solch ein Brot kann’s nur im Leben
jedesmal zur Weihnacht geben!
Eier, Zucker und viel Butter
schaumig rührt die liebe Mutter;
kommt am Schluß das Mehl daran,
fangen wir zu helfen an.

In den Teig so glatt und fein
stechen unsre Formen ein:
Herzen, Vögel, Kleeblatt, Kreise -
braune Plätzchen, gelbe, weiße
sieht man bald – welch ein Vergnügen-
auf dem Blech im Ofen liegen.
Knusprig kommen sie heraus,
duften durch das ganze Haus.

Solchen Duft kann’s nur im Leben
jedesmal zur Weihnachtgeben! -

Isabella Braun, 1815-1886

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Goldfolie ersetzt den Sonnenglanz.
Winterlicht ©scrano 2015

 

Posted by on Dezember 5th, 2016 Kommentare deaktiviert

“Ho, Ho, Ho!”: Heute kommt “Schamanen-Klaus” ?

Gleich drei Fliegenpilz-Männlein.

Gleich drei Fliegenpilz-Männlein.
Bild:wikisource

Ein Männlein steht im Walde, auf EINEM Bein,
es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.

Hagebutte oder Fliegenpilz ? Hoffman von Fallerslebens Reime sind widersprüchlich.

Gehen wir einmal davon aus, dass in den Quellen, aus denen der Dichter geschöpft hat, eher der Flienegpilz gemeint war:

  • Amanita muscaria, der rotweisse, auffällige Geselle, welchen wir besonders häufig und gerne unter dem Weihnachtsbaum antreffen.

Die Geschichte von Spriritualität fängt wohl mit einem Pilz an. Einem Pilz?  Ja, Religion beginnt wohl mit dem Pilzverzehr von sogenannten psychedelischen oder “magic” mushrooms. Die in den als Psycho-Pilze bekannten Arten enthaltenen Substanzen, die Psylobicine, machen eine Erfahrung der Transzendenz der eigen Körperlichkeit erlebbar, begleitet von Schwebe- oder Flugempfindungen. Der Fliegenpilz, unser Weihnachts- und Neujahrspilz, der auch gerne Gestecke, Geschenke oder den Baum selbst schmückt enthält ebenfalls ein starkes Halluzinogen. Allerdings ist er auch giftig, wenn auch nicht in dem Ausmass, wie vor allem durch Mönche des frühen Mittelalters verbreitet wurde. Diese Angstmacherei betrifft viele Pflanzen, die in kultischem Zusammenhang mit den alten Göttern stehen: Ebereschenbeeren (Odin und Thor), Holunderbeeren (Frau Holle, Holda, Freya) etwa, die man vor dem Verzehr erst kochen muss. Aber das gilt auch für Schlehe, Bohnen und Rhabarber, die nicht mit einem Gift-Tabu belegt wurden. Trotzdem muss die Amanita-Droge  besonders aufbereitet werden, so es nicht zu ernsthafteren Nebenwirkungen kommen soll. Dies unternimmt in den Kulturen der alten Welt, in denen halluzinogene Pilze gebraucht werden, das sind der hohe Norden und Gebiete des Altai, im Allgemeinen der Schamane. Aber wohl auch im mitteleuropäischen Raum war der religiös motivierte Fliegenpilz-Usus durchaus üblich. Zur Wintersonnenwende in der Arktis oder der Zeit zwischen der Zeit, den 12 Rauhnächten vom 24. 12. bis zum 6.1. in unseren Breiten, wurden mit dieser Droge dann Rituale durchgeführt, die der Divination oder der Kommunikation mit den Ahnengeistern dienen sollten. Die auffallende Rot-Weiss Färbung der Pilzhüte wurde von alters her mit dem Kreislauf von Tod und Leben in Zusammenhang gebracht. Deshalb steht der Fliegenpilz auch für die Wiedergeburt des Lichts zu Zeit des Yul-oder Sonnwendfestes.

Amanita Muscaria wächst nur unter den Weihnachtsbäumen, der Fichte und der Tanne, mit deren Wurzelwerk er eine symbiotische Beziehung besitzt. In alten Zeiten wurde er oft auch als eine Frucht dieser Bäume angesehen. 

Was hat nun dieser alte Schamanen-Brauch mit unserem Weihnachten zu tun?

“Heute kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben ….”

Was ist das überhaupt für ein Kerl, dieser Weihnachtsmann? Im der allgemeinen Vorstellung ein eher vollschlanker, fröhlicher Geselle mit Rauschebart und weiss-rotem Gewand. auf einem Schlitten mit Rentieren reist er extra vom Nordpol an, begleitet von einem Gefolge aus Wichteln und Elfen. Und er kann fliegen.

Offsanta4ensichtlich eine komplexe Figur, mit etlichen Wurzeln in unterschiedlichem Brauchtum, religös oder volkstümlich.

Da ist einmal die Coca-Cola Werbung, zu Beginn des letzten Jahrhunderts, der das weiss/rote bepelzte Outfit des Weihnachtsmanns zugeschrieben wird, oder ? Nun, man kennt ihn derartig gekleidet schon von Abbildungen aus der viktorianischen Zeit oder noch früher.

Gehen wir etwas weiter zurück, treffen wir auf einen Bischof und christlichen Heiligen, der vor allem in der Ostkirche stark verehrt wird: Nikolaus von Myra, einem Ort in der heutigen Türkei.  Dieser soll besonders kinderfreundlich und freigiebig gewesen sein. So verhinderte er, dass minderjährige Töchter armer Eltern in die Prostitution verkauft wurden, indem er ihnen Geld für ihre Mitgift schenkte. Daher ist er auch Schutzpatron von Bräuten und unverheirateten Mädchen. Sankt Nikolaus, also oder Sinterklaas wie ihn die holländischen Bewohner von Neu Amsterdam, besser bekannt als New York, liebevoll nannten.

Santa Claus machten die späteren Siedler Neu-Englands daraus. Da es bei den protestantischen “Pilgrim Fathers” keine Heiligenverehrung gab, wurde daraus schliesslich der Weihnachtsmann. Etwas ähnliches passierte auch mit dem süddeutschen “Christkindl”, das zum “Chris Kringle” mutierte.

Wirklich schon die komplette Story? Nicht so ganz. Der fröhliche Weihnachtsmann hat noch eine weitere Komponente: Den sogenannten “Krampus“, “Knecht Rupprecht“, oder “Swarte Piet“, eine Art wilder Waldgeist, wie unser Rübezahl. Der Krampus tritt besonders in Gebieten auf, in denen der “echte” Niklaus, also der Heilige aus Myra, mit seinen Bischofs-Insignien dargestellt wird, dem rotem Mantel, einer Mitra und dem Krumm-Stab. Der “Knecht Rupprecht” ist dagegen in Waldfarben gekleidet, russ-gesichtig und einem Schlapphut und einem rohen Holz-Stab ausgestattet. Der Krampus trägt oft sogar Hörner. Daneben gibt es Engel (der Verkündigung) und Wichtel. Aus den Engeln wurden wohl später die Elfen oder umgekehrt. Interessanterweise führt der Krampus auch die Bestrafung der “unartigen” Kinder aus: Das “Streichen” mit der Rute.  Ursprünglich wohl eine Haselrute, zum sogenannten “Quicken”, dem Wecken der Fruchtbarkeit und Lebensgeister bei den Halbwüchsigen. Ähnliches gibt es noch im Brauchtum des Perchtenlaufs im allemannischen Raum, während der Raunachts-Zeit oder im Spätwinter, um den Frühling herbeizulocken. Das Gehörn kann daher auch ein Hinweis auf den Ziegenbock als Symbol der Fruchtbarkeit sein.

Also eine Art Hybrid aus Waldgeist und Bischof? Und was ist jetzt mit den eingangs beschrieben Pilzen ?

Georg_von_Rosen_-_Oden_som_vandringsman,_1886_(Odin,_the_Wanderer)

Odin, der Wanderer.
Georg von Rosen, 1886.
Wikimedia Commons.

Ok, also noch weiter zurück in der Geschichte: Der Waldgeist ist wohl ein Überbleibsel des nordischen Odin oder Woden, der auch zu Winterzeit die Menschen aufsuchte, um sie für ihre guten Taten zu belohnen und für Schlechtigkeit zu bestrafen. Trolle und Elfen aber auch Unholde wie der gehörnte Krampus, mit denen man kleine Kinder ängstigte, waren seine Begleiter. Die wilde Gestalt des gehörnten Krampus  ist vielleicht eine Erinnerung an den Feuergott Loki, der als Trickster gerne Streiche spielt und allerlei Unflat äussern kann. Oder auf Thor’s Ziegenböcke, denn wie die Haselrute war der Bock auch ein Attribut des Donner- und Fruchtbarkeitsgottes. Odin als höchster Asengott zog in den Raunächten als  Führer der “Wilden Jagd” über den Himmel, wohl eine Erklärung für die Nordlichter, die zu dieser Zeit der langen Nächte oft sehr prächtig sind. Dieser All-Vater Odin war selbst ein schamanisch anmutetender Gott: Er ritt das achtbeinige Schamanenpferd Sleipnir, war Gestaltwandler und unterzog sich einer Art Schmerz- Initiation, wie beim Sonntentanz der Sioux, um das Geheimnis der Runen zu erlangen. Er opferte ein Auge in Mimirs Brunnen für das Erlangen der universellen Weisheit. Vielleicht zwinkert Santa Claus deshalb immer mit einem Auge ? Die nordische Kosmologie mit ihrem Weltenbaum, in der Krone ein Adler und am Wurzelwerk ein Drache, mutet ebenfalls sehr schamanisch an. Dass der Fliegenpilz wohl ein gebräuchliches Trance-Mittel war, dessen Gebrauch die im subarktischen Raum lebenden Germanen wohl von den angrenzenden Altai-Völkern, wie den Samojeden, gelernt haben, ist stark anzunehmen. Andereseits, bei den ebenfalls indoeuropäischen Skythen und Kelten waren Psycho-Pilze auch in Gebrauch. Entsprechende Abbildungen finden sich an Kesseln oder Trinkgefässen. Die eigentlichen Bewohner des hohen Nordens, besonders die Sami, ein finno-ugrisches Volk im Norden von Schweden und Norwegen leben stark von der Rentierzucht . Bei ihnen lassen sich die Kontakte zu den altaischen Samojeden, von denen sie die Rentierhaltung wohl erlernt haben, deutlich nachweisen. Die Sami oder Lappen hatten vor der Christianisierung eine reale schamanische Kultur, die von den sogenannten Noaidi praktiziert wurde. Reste davon sind noch erhalten und wurden teilweise wiederbelebt, vor allem die Musik. Dieses sogenannte Joik-Singen ist dem mongolischen Obertongesang und dem alpenländischen Jodeln verwandt. In allen diesen Kultur-Räumen diente diese musikalische Ausdrucksform wohl neben dem rein erbaulichen und geselligen einem religiös motivierten Zweck, beim Joik und in der Mongolei noch und wieder in der Gegenwart.

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Sami-Hirt mit seiner Tochter auf einem Ren, ca. 1900,
quelle:wikipedia

Doch zurück zu Santa Claus: Er lebt am Nordpol, oder zumindest im hohen Norden, wie die Sami oder teilweise die Germanen Skandinaviens, er fliegt mit einem Rentierschlitten, der urprünglich nur ein Einspänner war. Solche Gefährte benutzten die Noaidi zu ihren Besuchen der weit auseinander gelegenen Zeltlager der einzelnen Sippen. Um in die oft zugeschneiten “Indianerzelten” oder den tungusischen Jurten ähnelnden Behausungen zu gelangen, musste der Schamane oft an der Mittelstange des Rauchloches herunterrutschen – durch den Kamin sozusagen! Die Kleidung der Noiaidi ist sehr farbenfroh mit ihrem hohen Anteil von Rot-Tönen, und natürlich bepelzt. Also wieder eine Ähnlichkeit mit unserem Weihnachtsmann. Fröhlich wurde es in der “guten Stube” der jeweiligen Sami-Sippe dann durchaus, nach dem Genuss der psychedelischen “Pilzsuppe” oder des Schamanen-Urins, was ungefährlicher war. Dieser war angetörnt vom Pilzgenuss, wohl ebenfalls von Frohnatur erfüllt, was wohl das “Ho Ho Ho!” erklärt, mit dem unser Santa sein Kommen ankündigt. Dass man da dann das eine oder andere Rentier fliegen sieht … wen wundert es? Die verwendeten Fliegen-Pilze wurden im Herbst gesammelt und die roten Hüte am Rauchfang getrocknet, in strumpf-ähnlichen Säckchen. Dieses Verfahren machte sie haltbar und  verminderte ihre Giftigkeit.

Also Santa Claus – ein Schamane auf Pilzen?

Ein wenig schon, dazu kommt noch ein bisschen Odin, garniert mit Sankt Nikolaus. Wie unser Weihnachtsbaum und der Weihnachtstag zum Datum der Wintersonnenwende, ein Brauchtum, das zu grösseren Teilen auf getauftem Heidentum basiert.christmas09 Wobei man feststellt, dass der heidnische Anteil oft den dunklen Part zugewiesen bekommt. Loki, mit seinen Hörnern, letztere wahrscheinlich eher eine christliche Zutat. Thors Ziegenböcke und die Haselgerte des Frühlings, jetzt Teufelsspuk mit Rute zum Bestrafen. Odins Gestalt teilt sich auf, in jovialen Rauschebart und dunkleren Knecht Rupprecht. Die lichtere Komponente von beiden bekommt der christliche Nikolaus zugewiesen. Und trotzdem legen nördlich der Alpen Kinder noch Hafer für das Pferd vom Nikolaus aus … wie früher für Sleipnir.

Apropos getaufte “Heilige”:

Nikolaus, der Bischof und grosszügige Mitgift-Spender war auch der Patron der Seeleute: Ja, tatsächlich, der Seefahrer. Von dieser Tradition kommt auch die Verquickung des gutmütigen Nikolaus mit dem eher unberechenbaren “Old Nick”, oder sogar “Old St. Nick“, einem englischen Spitznamen für den Teufel. Nikolaus wurde mit Elementen des Gottes Poseidon/Neptun oder dem germanischen Hold Nicker, beides Meeresgottheiten, verbunden, wobei er den späteren teuflischen Beigeschmack als “Old Nick” wohl durch Poseidons Dreizack erbte. Dieses ursprünglich kosmische Machtymbol war nämlich zur Teufels-Forke ungedeutet worden.  Weil Nikolaus das Patronat über die Seeleute bekam, fungierte er quasi als Ersatz-Neptun.  Dazu passt, dass viele spätere Nikolauskirchen ursprünglich Tempel des Poseidon waren. Die Venezianer, grösste Seemacht ihrer Zeit raubten sogar die heiligen Gebeine des Nikolaus und brachte sie nach Venedig um sich den Schutz des Seefahrerpatrons zu sichern.

Das beschwipste Rentier, abflugbereit:

Die psychoaktiven Bestandteile des Fliegenpilzes werden im Körper nicht abgebaut, sondern mit dem Urin ausgeschieden: Dieser ist besonders wirksam, die Giftstoffe hingegen verstoffwechselt der Körper, so dass der Urin relativ ungefährlich ist. Diese Art einer Reinigungsprozedur wurde vom Schamanen durchgeführt, der auch Mittel kannte, um sich gegen die Giftwirkung von Amanita einigermassen zu schützen. Der von ihm produzierte Urin wurde dann für das Zeremoniell verwendet. Unter Umständen ist diese Praxis des Urintrinkens überhaupt die erste Form einer gemeinschaftlichen rituellen Berauschung, tausende von Jahren vor der Entdeckung alkoholischer Getränke. Parallelen kennt man von mittelamerikanischen Indios, die z.B. den Peyote-Kaktus zu Initiationen verwenden. Da auch die Rentiere den Fliegenpilz gerne fressen, und ebenfalls “high” werden, lassen sie sich zur Pilzsuche einsetzen. Auch der psychoaktive Urin ist ein Lockstoff für die Tiere. Deshalb tragen die Sami-Hirten eine Flasche mit Amanita-Urin bei sich, um streunende Rentiere wieder zu Herde zurückzulocken.

Und noch eine lustige Ähnlichkeit: Der Weihnachtsmann fällt durch sein rotwangiges Gesicht auf, hervorgerufen durch Kälte der Arktis (wohl kaum richtig für einen würdevollen Bischof aus dem Mittelmeerraum) und den Drogenkonsum, der ebenfals zu Haut-Rötung führt. Das rote und russige Gesicht des Krampus kommt wohl auch vom Rauchfang.

Zum Schluss noch eine weibliche Note: Die Weihnachtsfee “Befana”, die ihren christlichen Namen von “Epiphanias, dem Erscheinungsfest des Herrn”  am 6. Januar, bekommen hat, trägt im Mittelmeer-Raum die heidnischen Ursprünge des Geschenkebrauchs. Dort gibt es auch eine andere Weihnachts-Symbolik, ganz ohne Fliegenpilz und Santa Claus.  Befana, die “Gute Grossmutter”füllt die Strümpfe der braven Kinder mit Geschenken, die unartigen bekommen ein Kohlenstück.  Diese ursprüngliche weibliche Gottheit wurde in ihrem Heiligtum in Bari verehrt, genau dort wo heute die Gebeine von Nikolaus ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Literatur zum Fliegenpilz bei wiki.

 

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