Archive for Dezember 8th, 2016

 

Sacred Pleasure: Fruchtbarkeit und Religion

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Fruchtbarkeit als ewiger Antrieb des Schöpfungskreislaufs.
Fertility rites ©scrano 2016 model:faestock

Wann begannen sich die Menschen überhaupt verstärkt für dieses Thema zu interessieren? Wahrscheinlich mit dem Beginn des Agrarzeitalters am Ende des Mesolithikums – wobei die Szenarien, in deren Zusammenhang dieser Begriff von  Sesshaften oder durch wandernde Hirtenvölkern gebraucht wurde, sich nach einiger Zeit auseinander entwickelten. Zu der Fruchtbarkeit der Natur stand die eigene Reproduktionsfähig nun auch vermehrt im Mittelpunkt der sich neu formierenden Gesellschaften, da das Überleben der Gruppe immer stärker von einer gewissen Kopfzahl abhing:

Bauern brauchen Feldarbeiter, und Schutztruppen um ihr Land oder den Zugang zum Wasser zu sichern, Hirten Verteidiger und Pfleger der Herden. Daneben musste noch Alltagsarbeit verrichtet werden. Ausfälle durch Kindersterblichkeit waren hoch, besonders am Anfang des Neolithikums, wegen der ungewohnten Ernährung, oder durch Zoonosen, durch enges Zusammenleben mit dem Nutzvieh. Selbst für die fischenden Küstenkulturen am Ende des Mesolithikums galten solche Überlebensbedingungen bereits. Mit der Entwicklung von Städten dynamisierte sich der von der neolithischen Revolution eingeleitete gesellschaftliche Strukturwandel dann nochmals verstärkt.

Wie immer in der menschlichen Geschichte bleiben Probleme bei der Existenzsicherung und im Zusammenleben nicht aus: Wo also Hilfe holen, wenn man sich in seiner Not an höhere Wesen wenden will? Welche neue Form von Magie oder Religion impliziert die neue Lebensweise?

Dass weibliche Tiere durch Geburt neues Leben hervorbringen war den Menschen bereits zur Jäger-und Sammler Zeit hinlänglich bekannt – auch ein Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus und den Mondphasen war wohl schon ein Bestandteil mancher Kulte. Eine mythische Herrin der Tiere kennen auch viele Schamanenkulturen auch heute noch – sie gibt Leben, wo vorher Tod war, aus den Knochen des erlegten Wildes regeneriert sie durch Neubeseelung die jagdbaren Bestände. Daher musste man den Tieren unter ihrem Schutz Respekt erweisen, damit ihre Seele unbeschadet blieb, die Knochen legte man im Wald unter besondere Bäume, oft die Form des Tieres nachahmend. Zeugnisse solcher Vorstellungen finden sich heute noch bei tungusischen Völkern oder der „Büffelfrau“ der Cheyenne. Man kann also wahrscheinlich von einer  weitverbreiteten weiblichen Schöpfer-Urgestalt ausgehen, die parthenogenetisch alles hervorbringt, was auf der Erde lebt. Ihr Symbol war wohl der Mond.

Wie ging es weiter? Jäger brauchen die mondhellen Nächte für ihre Beutezüge, Agrargesellschaften nutzen aber vor allem das Sonnen-Licht des Tages. Man merkte bald, dass es  zudem vielfältige zusätzliche begünstigende und schädliche Einflüsse gab, die Ernte oder Ertrag der Viehherde beeinflussten.

Ganz zu Anfang waren dies hauptsächlich Bodenbeschaffenheit der potentiellen Äcker und das Wetter, welches Temperatur und Wasserreserven bestimmte.

Wie man aus den Ursprüngen der Sesshaftigkeit weiss, z.B. Catal Hüyük in Anatolien, war das Urweibliche immer noch prägend für die Spiritualität.  Die Magna Mater hatte jedoch plötzlich auch solare  Symbole, neben der Mond-Kuh (Hörner) und der Doppelaxt, die für die Mondphasen und die Axis mundi stehen, trifft man jetzt auf Raubkatzen, besonders Löwinnen. Selbst die Urmütter in der Neuen Welt (z.B. Coatlicue) zeigen von Anfang an Raubtierkrallen oder Zähne. Das weitere Element, das jetzt ins Spiel kommt, ist die Schlange, auch dieses Symbol ist global. Sowohl Schlange als Axt (später dann Thorhammer, Donnerkeil) sind auch phallisch, letztere wird auch als magisches Requisit für das Wettermachen (Blitzaxt) angesehen, viele der Grossen Mütter tragen sie als Machtinsignie.

Also, zu Beginn des Neolithikums vor  ca  5000-8000 Jahren, je nach Klimazone, war im spirituellen Bereich noch alles im Kern mutterzentriert. Auch die universellen Meeresgottheiten der Fischerkulturen waren wohl weiblich, schon weil der Mond die Gezeiten regiert. Man kennt das immer noch bei den Inuit, mit ihrer Göttin Sedna. Alle diese Vorstellungen und Symbole begegnen uns bis in die Bronzezeit, besonders in Kleinasien und auf Kreta, aber auch bei den Kelten.  Diese Mutterfiguren sind häufig dreigestaltig, herrschen über Erde und Unterwelt, Tag- und Nachthimmel. Sie besitzen einen Jungfrau-Aspekt, der ihre Unabhängigkeit und Zeugungskraft betont – aus sich selbst heraus schaffend und sich zyklisch regenerierend. Sie sind auch kriegerisch und nicht immer angenehm. Einige Überbleibsel der chtonischen, destruktiven Natur finden wir in der indischen Kali, die trotz des furchteinflössenden Äusseren -blaue Haut, Krallen und herausgestreckte Zunge – als Verkörperung der Grossen Mutter und Beschützerin angesehen wird. Auch die zweite Variante der indischen Grossen Göttin, die der Rhea/Gaia/Kybele ähnliche Durga wird mit Löwinnen abgebildet. Lediglich die Dritte im hunduistischen Göttinnnendreigestirn, Parvati kommt ohne angstbesetzte Aspekte aus.

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Schlafende Dame aus Hal Safieni, Malta. Ein Form der chtonischen Urmustter.
Wie viele der steinzeitlichen Göttinnen hat sie recht üppige Formen.
quelle: PD via wiki

Exkurs: An dieser Stelle sollte man anmerken, dass wie im letzten Absatz angedeutet, diese weiblichen Universalgöttinnen durchaus zerstörerisch und gewalttätig sein konnten, sie waren auch regelrecht unberechenbar und leicht erzürnt – da sie auch für die gefährlichen Risiken und Nebenwirkungen der Natur standen. Und Gesellschaften, die eine matrizentrierte Religion ausübten waren genauso kriegerisch wie die späteren patriarchalen – die Zeiten waren hart, man musste sich verteidigen, oder vielleicht auch anderen Wasser- oder Landrechte streitig machen. Und dass Seehandelsvölker wie die Kreter nicht auch als Piraten unterwegs waren, wenn es nichts zu handeln gab … siehe Wikinger & Co. Ob in diesen Kulturen ein regelrechtes Matriarchat geherrscht hat – eher unwahrscheinlich, allerdings waren egalitäre Gemeinschaften durch eine solche Religion begünstigt. Ein Anzeichen dafür ist die Exogamie, der Mann heiratet in die Sippe der Frau ein, oder die Partnerwahl ist frei, mit Promiskuität beider Geschlechter vor der Ehe.

Aufzeichnungen über Kulthandlungen und religiöse Vorstellungen findet man vor der Erfindung der Schrift nur spärlich, in Felszeichnungen, Wandmalerei oder Skulpturen. Daher muss man vieles aus den Bildzeugnissen herauslesen – oft erschliesst sich der Sinn erst im Bezug zur Architektur, Landschaft oder besonderen Örtlichkeite der Funde. Die Interpretation ist immer auch ein wenig vom Zeitgeist gesteuert. So werden Kuhhörner als männlich (Stiersymbolik) gedeutet, oder als Mondsichel und Darstellung weiblicher Fortpflanzungsorgane. Auch wenn Marija Gimbutas heute angegriffen wird – Rinderschädel stammten oft von Kühen, deren Hörner noch nicht weggezüchtet waren – und die Analogie ist schon sehr deutlich. Auch das stark mütterliche Element der milchspendenden Tiere kommt als Einflussfaktor hinzu. Erst zur Zeit der sumerischen Stadtgründungen, z.B. in Uruk, werden dann wirkliche schriftliche Zeugnisse über religiöse Praktiken und Mythen überliefert. Männliche Symbolik wird tatsächlich stärker sichtbar erst mit dem Auftauchen von widderhörnigen Gottheiten und regelrechten Phallusdarstellungen, etwa bei Amun (Min), und geht einher mit der fortschreitenden Verstädterung sowie der Ausbildung von ausgedehnteren Reichen mit Armeen.

Um die sich vollziehende Wandlung zu verstehen,  ist als wichtigste Gottheit einer der ältesten Zivilisation im Zweistromland wohl zweifellos die sumerische Inanna heranzuziehen. Sie steht zwischen den alten eher matrizentrierten universellen Göttervorstellungen und einem sich bereits abzeichnenden komplexeren Pantheon, mit dann immer wichtiger werdenden männlichen Figuren. Inanna besitzt noch ein ganzes Arsenal von Attributen, die weiblich und männlich zugleich sind: Kuhhörner – Mond, Venus-Stern (8-zackig), Blitz-Axt (Labrys), solare Löwinnen, schliesslich Eulen und die Schlangen in ihrer Form als Nachtdämonin Lilitu.

Wie die Herrin der Tiere  in den alten schamanischen Kulturen ist sie ein Formwandler und Hermaphrodit  – letzteres auch eine Eigenschaft, die damals in Einheit mit dem Begriff „Jungfrau“ gesehen wurde: Zeugerin und Empfangende, sich stets erneuernde Gebärerin.  Ihr Sternbild, Virgo – damals hiess es schlicht  Ackerfurche:

  • „Ich bin die jungfräuliche Ackerfurche und der befruchtende Regen“, heisst es in den Gesängen der Inanna.
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Abb 1: Inanna als Herrin von Himmel und Erde.
Quelle: PD via wiki

Mit der Zeit wurde die Götterfamlie, wie bereits angedeutet,  immer komplexer, Aspekte der Urgöttin, z.B. solare wurden dann Brüdern oder Vätern übertragen. Auch die dunkle Seite der Natur, Tod und Unterwelt waren ursprünglich ebenfalls in der einen Göttin vereint – im sumerischen Mythos zeigt sich hier auch eine Abspaltung, in Form der Ereskigal – als Schwester von Inanna. Die Himmelswelt wird zunehmend dual – göttliche Paare treten auf, noch sind sie einigermassen gleichberechtigt.

Diese Einführung einer himmlischen „Soap Opera“ lag auch daran, dass man immer mehr Himmelsbeobachtung betrieb, um zu einer genaueren Kalendergrundlage zu kommen. Viele der Himmelsdramen wurden in Mythen umgesetzt, Bewegungen auffälliger Himmelskörper göttlichen Wesen zugeordnet:  z.B. der heliakische Aufgang der Spica, Hauptstern der Jungfrau, bei gleichzeitigem Untergang des Stier. Dieses Ereignis leitete an Euphrat und Tigris den Beginn der Aussaat ein. Daher gab es auch einen mythologischen Hintergrund: Inanna steigt zum Himmel auf und schickt den Stier, der eigentlich die Himmelsachse dreht,  auf die Erde. Ursprünglich war dieser als Strafe für den unbotmässigen Gilgamesch gedacht, der die Bestie jedoch zähmt und dem Menschen als Pflugstier nutzbar machte.

Wie auf dem Bild Abb. 1 zu sehen ist, herrscht Inanna allerdings noch über das Wetter, nicht nur über die Ackererde. Sie hält Blitzbündel in der Hand – ein untergeordneter Gott (Wassermann?)  giesst das Regen-Nass auf den Boden.

Hinter ihr fährt der Windgott Adad, ihr Bruder den Wolkenwagen.

Neben den astronomischen und kalendarischen Überlegungen der Ackerbauern ging mit der Verstädterung natürlich auch ein immer komplexeres Sozialgefüge mit immer stärkerer Aufgabenteilung und Weltzugewandtheit einher – der Fernhandel begann sich zu entwickeln, ein Rechtssystem wurde eingeführt, z.B. der Codex Hammurabi.  Für derlei neue Dynamiken wollte man auch entsprechende Zuständigkeiten in der Götterwelt angesiedelt sehen.

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Abb 2 Gilgamesch zähmt den Himmelsstier. Quelle: PD via wiki

Doch zurück zur Fruchtbarkeitsgöttin: Eines ihrer Hauptattribute war die Zuordnung Inannas zur Venus als achtzackigem Stern, wie in Abb 2. – wieso?  Nun, man erkannte, dass  der Morgen-bzw. Abend-“stern“ einen Hell-Dunkelzyklus aufweist, wie der bereits weiblich besetzte Mond. Die acht Strahlen deuten darauf hin, dass man im alten Sumer schon den Zyklus der unteren Konjunktionen der Venus kannte, die das berühmte Himmelspentagramm im Verlauf von acht Erdjahren aufspannen. Daraus ergeben sich für den Planeten Venus 13 Umläufe – der Mond wiederum kommt auf 13 Voll-Zyklen in einem Jahr, daher waren sowohl der naheliegende Mond als auch die Venus, welche auch beide zyklische Phasen durchlaufen, mit dem göttlich Weiblichen verbunden.

Diese astronomisch/astrologische Verquickung ist etwas, das alle späteren Fruchtbarkeitsgöttinnen, neben der uns heute paradox erscheinenden „Jungfräulichkeit“ eine lange Zeit gemeinsam haben werden.

Wie gestaltete sich nun, vom Zweistromland und den frühen indoeuropäischen Volksgruppen ausgehend,  die weitere Entwicklung der Fruchtbarkeitsgöttinen? Wenn man das Etana-Mythos liest, wird darin Inannas Stellung bereits stark in die göttliche Familie der Stadtkultur integriert – mit starken Nachteilen für die göttlich weibliche Unabhängigkeit.

Inanna beklagt sich bei ihrem Bruder, dem SONNEN-Gott, dass ein Adler und eine Schlange ihren heiligen Baum, den sie für das Holz ihres Thrones verwenden wollte, streitig machten.: Der vertreibt die Schlange und tötet den Adler – Inanna baut sich also ihren Thron – um welchen Preis?

Schlange und Adler sind urschamanische Symbole für männliches und weibliches Prinzip, die  im Weltenbaum ungetrennt leben und ihn beschützen.  Die Welt ist nicht genug, scheint Inanna zu sagen, indem sie ihn fällen lässt, um ihre Herrschaft nun durch äussere Zeichen zu legitimieren. Dies gelingt ihr jedoch nur mit Hilfe eines Mannes, ihrer Bruders. Auch der Versuch, einen Anspruch auf das Reich ihrer Schwester Ereskigal in der Unterwelt zu erheben scheitert, wieder muss ein Mann sie retten. Beides sind Pyrrhus-Siege, durch Verkennung der wahren Natur der Welt – Vorrausblick auf einen grundlegenden Paradigmenwechsel und  einer damit verbundenen Abwertung der weiblichen Rolle in der Schöpfung.

Beltane - jetzt beginnt der keltische Sommer, er dauert ein halbes Jahr. Beltane ©scrano 2016

Die heilige Hochzeit von Sonne und Mond an Beltane,
dem keltischen Fruchtbarkeitsfest schlechthin.
Beltane ©scrano 2015

Doch weiter mit der Fruchtbarkeit: Noch sind allerdings die Jungfrau-Göttinen von Sex und Überfluss angesehen. Hathor in Ägypten, deren solarer Furcht-Aspekt, die Löwin Sechmet zur wohltätigen Miezekatze Bastet mutiert,  die zypriotische Aphrodite, und die nicht mehr so wilde Inanna, nun als Ishtar in Babylon verehrt, die kretische „Grosse Göttin“, wahrscheinlich die am längsten existierende, echte universelle Magna Mater und Herrin der Tiere im europäischen Raum, aussser der syrischen Atargatis und der kleinasiatischen Kybele. Doch sind diese in hellenistischer Zeit schon mehr auf den mondenhaften Teil der Anima ausgerichtet, und passen daher immer noch ins Gesamtbild der Spätantike. Diese Art Mutterkult fand sogar noch Anhänger im alten Griechenland – z.B. in Ephesus, oder im multireligiösen Rom. Der wildere und kriegerische Anteil landete beim schwachen Abklatsch der einst mächtigen Herrin der Tiere: Jungfräulichen Jagdgöttinnen wie Artemis oder Diana, aber immerhin noch ebenfalls bei der Liebesgöttin Aphrodite. Diese hatte einen Fuss wohl immer noch im Zweistromland, und deutliche Wurzeln bei Inanna/Ishtar/Astarte, also einen Migrationshintergrund. Sie bescherte dem eher biederen und androzentrischen Pantheon der Griechen ein wenig Glamour und Unberechenbarkeit – ein bisschen Sex soll auch mit im Spiel gewesen sein … Und sie konnte sich durch ein Bad jederzeit zur Jungfrau zurückwandeln …

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Kybele, Magna Mater aus Kleinasien. Ihr Kult bestand noch im alten Rom.
Ihr zu Ehren gab es Stieropfer, ihre Priester waren Eunuchen.

Generell wird in der Antike dem Lustfaktor im Sexleben durchaus noch Platz jenseits der Verklemmtheit der späteren Patriarchen und einer Reduktion auf reine Reproduktion  eingeräumt – allerdings hauptsächlich im Orient: Lebhafte Beschreibungen der Orgien von Bubastis, zügelloser Hathor-Feste oder der Tempelprostitution in den Heiligtümern von Ishtar und selbst der Aphrodite auf Delos liefern dafür Beweise. Wenn auch es auch für die mythischen Geliebten der Fruchtbarkeitsgöttinnnen kaum ein “Happy End” gab: Orion starb durch den Skorpion seiner schmollenden Artemis, Adonis, Attis, Tammuz (Dumuzi) die Gefährten der Kybele, Atargatis oder Inanna nahmen auch kein gutes Ende. Die Angst vor der weiblichen Sexualität als Ausdruck der Macht über den natürlichen Lebenskreislauf war immer noch gross, so dass man sich deren reproduktiver Kraft ohne Risiken bemächtigen wollte.

Was die alten Fertilitäts-Idole ausser der ägyptischen Bastet im Laufe der zivilisatorischen Entwicklung zusehends auszeichnet, ist eine deutliche Unabhängigkeit von Mutterpflichten – jetzt werden Vollmondaspekt und Venuseigenschaften voneinander getrennt. d.h. Mutterschaft und Leidenschaft oder Eros driften auseinander.  Kinder und Ehe gehören nun zusammen, sie unterstehen Göttinnen, nunmehr blosse Gemahlinnen, deren eigene Zeugungskraft negiert wird. Zuerst passiert dies in den Hirtenvölkern, sie erlangen immer mehr die Kontrolle über die Fruchtbarkeit ihrer Herden, sie beginnen zu züchten, dadurch wird die eigene Vermehrung auch zusehends unter diesem Aspekt gesehen – die Rolle der Frau als passive Gebärerin und als Besitz des Mannes nimmt ihren Anfang. Für fruchtbare, grüne Weiden war den Hirten der regenspendende Himmel wichtiger als das Land, über das sie zogen. Die Hausmacht beim Wettermachen hatten aber inzwischen männliche Kriegs- und Sturmgötter übernommen: Als Ausdruck davon wird die Zeuger-Rolle des Mannes als Ebenbild des Regengottes daher überhöht. Sehr deutlich kommt die im Mythos von Zeus und Danae zum Ausdruck – ein goldener Regen, eine Gestalt des Zeus, schwängert diese. Auch Grossvater Uranos war schon ein ewig Zeugender, ebenfalls eine Verkörperung des Gewitterhimmels, der Winde und der Weite.

Durch allerlei Kunstkniffe wie Schenkel- und Kopfgeburten entsteht in den Zeus-Mythen eine unhängig von Frauen Leben schaffende männliche Gottheit. In den Zeiten davor wäre so etwas wohl als lächerlich angesehen worden. Nur Hera entzieht sich noch einmal dem Alleinherrschaftsanspruch ihres Gatten: Ares/Mars entsteht wohl als letzter Gott der Alten Welt parthenogenetisch aus einer Frau, als Reaktion auf die patriarchalische Usurpation des Zeus mit Athenes Kopfgeburt. Am Ende steht jedoch ein männlicher Götterboss als Wurzel des androzentrierten Monotheismus nicht nur bei den Hebräern.

Solcherlei Glaubensvorstellungen  enden schliesslich mit der abstrusen Überlegung, dass beim Zeugungsakt der Mann der Frau einen fertigen Homunkulus einpflanzt, sie ist also nur  noch ein Brutkasten. Auch die Erblinie und damit der Anspruch auf eigene Besitztümer, wird durch diesen Wandel rein männlich definiert. Kinder sind Besitz, Ehebruch, besonders mit Folgen, eine für die Frau tödlich endender Rechtsverstoss.

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Männliches Fruchtbarkeitssymbol, Phallus.
Freudian Slip? ©scrano 2013

Nördlich der Alpen bietet sich ein ähnliches Bild wie im alten Griechenland: Allerdings haben die Göttinnen Freyja oder Brigid einen unabhängigeren Status als ihre Entsprechungen  im hellenischen Pantheon. Wie Aphrodite/Venus beflügeln sie auch die Künste, befruchten also auch den Geist, doch lassen sie sich von ihrem kriegerischen oder Unterweltaspekt nicht so leicht lösen.

Die wilden Feste der Ägypter haben wir schon erwähnt – die Götterfamile am Nil stellt sich etwas quer: Der Himmel ist hier weiblich, die Göttin Nut überdeckt ihren Bruder-Gemahl Geb.

Auch der Herr über die Nilflut der etwas moppelige Hapi, dessen Sternbild der Regenbringer Wassermann ist – eine männliche Gottheit – mit hermaphroditischen Merkmalen. Die Feldfrucht repräsentiert Osiris in seiner Form als Apis-Stier.  Die Fruchtbarkeit der Menschen und Tiere hingegen hängt immer noch stark vom Allweiblichen ab: Hathor und Bastet sind hochgeschätzt und werden in sehr ausschweifenden Festen verehrt. Die männliche Potenz und Schaffenskraft des Schöpfergottes Amun wird von der Königlichen Gemahlin des Pharao  als Grosse Gottesgemahlin in einem staatstragenden Ritus quasi „hervorgelockt.“  Frauen haben in den Städten am Nil einen höheren Status und gelten nicht als Besitz, aussereheliche Kinder sind keine Schande, etwas was vielleicht mit der afrikanischen Herkunft zusammenhängt. Hier galt lange der Nepotismus im Erbrecht – die Abkömmlinge der ältesten Schwester  bekamen den Besitz übertragen. Erst mit der hellenistischen Überhöhung des Isis-Kults erhält die Mutterschaft ohne Leidenschaft mehr Stellenwert, ein griechisch patriarchalischer Einfluss. Der Sohn Horus erhält nun Erlöserzüge und wird zum Sinnbild der Seele, wie Kore/Persephone in den Mysterien von Eleusis, einem ursprünglich eher ekstatischen Fest zu Ehren der Urmutter Demeter.

Bastet mit Ank und Sistrum.quelle: wikimedia

The Cat and The Fiddle …
Bastet mit Ank und Sistrum.
quelle: wikimedia

Bastet mit lebensspendendem Ankh und uterusförmigem Sistrum – geziert von einem Hathor-Kopf. Quelle:By Gunkarta (Own work) [CC BY-SA 3.0  http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ein Blick hinter Schleier und Tempelvorhänge: Anlässlich der plastischen Schilderungen solcher „Verführungskünste“ in den alten Texten – wie waren die Riten gestaltet, mit deren Hilfe all die Gottheiten aufgefordert wurden ihre Pflicht zu tun …?

Ein Teil der Zeremonien fand natürlich um die heilige Hochzeit statt, dem „Hieros Gamos“, der Vereinigung des weiblichen mit dem männlichen Prinzip. Im Neolithikum war dies der Gemahl der Grossen Göttin, eine Art Jahreskönig, der dann am Ende seiner Amtszeit geopfert wurde – real oder symbolisch. Anklänge davon findet man in den irischen Sakralkönigen – bei der berühmten Einsetzung der irischen Hochkönige auf Tara wurde zuerst ein Kopulationsritual mit einer weissen Stute, der Verkörperung des Landes,  vollzogen, danach wurde das Ross stellvertretend geopfert, der in einem Kessel sitzende neue Herrscher wurde mit dem Blut des Tieres „getauft“.

Hieros Gamos als staatstragendes Ritual gab es wohl auch in Ägypten in einer Zeremonie des Pharaos mit seiner Gemahlin auf der Nilinsel Elefantine, um die Nilschwemme zu sichern.  In symbolischer Form wurde er beim schon erwähnten Ritual der „Gottesgemahlin des Amun“ vollzogen. Aus Sumer und Babylon sind solche Bräuche ebenfalls bekannt, die Göttinnen Ishtar und Inanna galten für den jeweiligen Stadtkönig als Verkörperung des Landes. Umgekehrt war eine Vereinigung einer  auserwählten Adeligen mit dem Stadtgott Marduk die einleitende Zeremonie zum Neujahrfest in Babylon und auch schon in den sumerischen Vorgänger-Städten.

Modern kennt man derlei Zeremonien aus dem hinduistischen Indien – Lingam und Heilige Yoni – stellvertetend für die Vereinigung von Parvati und Shiva werden zum Schöpferfest (Maha Shivatri) mit Milch übergossen, um die beiden Götter anzuspornen – ausserdem sind die Wände des Tempels, der Austragungstätte der „Heiligen Hochzeit“ ist,  voll von eindeutigen Darstellung erotischer Künste. Interessanterweise ist bei der eher partriarchalischen Gesellschaft Indiens trotz alledem die Milchkuh heilig – eine solche gilt als Ursprung des Kosmos – Mama ist eben überall.

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Kosmischer Sex-Akt: Shiva meets Parvati.
Lingam/Yoni, quelle wiki – gemeinfrei.

Gemäss der magischen Korrespondenzprinzipien, die solchen Handlungen unterliegen, praktizierten auch die einfachen Bürger Fruchtbarkeitsrituale – der Bauer mit der Bäuerin in der ersten Ackerfurche vor der Aussaat, nackte Frauen mit einem Besen als Steckenpferd, die so hoch sprangen wie sie sich die Getreidehalme wünschten, Schwangere, die über die Fluren liefen, nacktes Wälzen auf taufeuchten Wiesen. Natürlich gab es auch den jeweiligen Klimazonen entsprechende Symbolik aus der Tier- und Pflanzenwelt.

Eier sind schon alte Träger von Fruchtbarkeitsvorstellungen, auch vermehrungsfreudige Tiere wie Hasen, oder solche, die ihre Sexualität deutlich zum Ausdruck bringen, wie die lautstarken Katzen lieferten passende Vorlagen.

Das Ei spielt in vielen, auch späteren Schöpfungsmythen ein zentrale Rolle – z.B. bei den Orphikern. Diese Genesis kennt noch eine jungfräuliche Urmutter, Eurynome, die sich aus dem Chaos als Wirbel manifestiert:

Um nicht allein zu bleiben erzeugt sie den Nordssturm, der sich in eine Schlange namens Ophion verwandelt. Sie vereinigen sich und erzeugen das kosmische Ei, von Ophion siebenfach (kosmische Zahl=Anzahl der  klassischen Planeten) umschlungen.  Es zerspringt – heraus tritt Phanes, aus dem alle Planeten und die Sonne entstehen.

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Es tanzt die Göttin im Wirbel des Chaos… Eurynome aus dem orphischen Schöpfungsmythos.
Visitor ©scrano 2016

Eurynome und Ophion finden ihre Entsprechungen in den Vorstellungen der Gnostiker als Sophia und Demiurgus.

Die abstrakteren Formen des Geschlechtlichen, wie Phallus und Yoni (Freud hätte seine Freud) sind auch schon früh als sexuelle Symbolik belegt, z.B. in der Induskultur von Harappa. Der in unseren Breiten  aufgestellte Maibaum ist ebenfalls so ein Vereinigungssymbol: Baumschaft und Zweigkranz, dazu die meist zweifarbig rot und weissen Bänder, die für Menarche und Sperma stehen. Der Tanz, der diese verflicht, läuft interessanterweise für die Mädchen mit dem Mondlauf – widdershins, ganz dem weiblichen Element Tribut zollend. Die Burschen bewegen sich deosil, nach dem Sonnenlauf.

Eine simple Wasserweihe in der katholischen Kirche hat auch noch solche Wurzeln:  Dreimal taucht der Priester die geweihte Kerze in das Wasserbecken … honi soit qui mal y pense !

Der wirbelnde Schöpfungstanz der Eurynome oder der Reigen um den Maibaum, um „anzubandeln“ –  natürlich, Tänze, die darf man nicht vergessen:

Kein Fruchtbarkeitsritual ohne Musik oder Gesang und Tanz, letzterer war zuerst ein meist gesitteter Rundtanz, um sich dann in mehr und mehr ekstatische Zustände zu entwickeln. Diese Tänze ermöglichten es vor allem der Jugend sich näher zu kommen. Fruchtbarkeitsfeste waren auch ein Heiratsmarkt – nicht nur hierzulande anlässlich Beltane oder des Frühlingsthings, auch von Bubastis ist dies bekannt.

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Bastetfeierlichkeiten waren ausgelassen und boten vor allem den
Frauen grosszügige Freiheiten.

Ägyptische Familien schickten ihre „alten Jungfern“ zu den „Festen der lieblichen Trunkenheit“ um, wenn schon nicht mit einem Mann, dann doch mit einem Kind heimzukehren. Eine kinderlose Frau galt als krank, und für die Familie als schlechtes Vorzeichen. Die abgebildeten Frauen bieten wohl eine antike Variante des Bauchtanzes dar.

Auch die Wurzeln dieses als urorientalisch angesehenen Tanzes stammen aus Fruchtbarkeitsritualen, er ist wohl ein universeller Ausdruck der Schöpferkraft, denn Ähnliches ist auch von nördlich der Alpen aus der Bronzezeit aus bildlichen Darstellungen dokumentiert.

So ist ein gut erhaltenes Mädchengrab aus Dänemark bekannt, das wahrscheinlich die letzte Ruhestätte einer Fruchtbarkeits-Tänzerin darstellte. Sie starb zwar jung, aber eines natürlichen Todes und wurde mit reichen Beigaben beerdigt.

Bemerkenswert: Die goldene Sonnenscheibe mit einem phallus-förmigen Kegel, die als zentrales Schmuck-Element ihres Tanzkostüms, das einem Bauchtanz-Outfit nicht unähnlich war, fungierte. Abbildungen solcher Tänzerinnen zeigen eine akrobatische Darbietung, wobei die Sonnenstrahlen eingefangen und mit dem Kegel zurückreflektiert wurden:
Die lebensspendende Sonne wurde durch den Tanz rituell vom Himmel geholt („drawing down the sun“) und ihre Segnungen auf die Gemeinschaft übertragen. Besonders dem Rock aus Filzschnüren kam in dem Tanz wohl eine besondere Bedeutung zu. Interessanterweise gab es bei den Römern ebenfalls einen Frühlingssbrauch, der mit solchen Schnüren aus Tierhaut oder Wolle verbunden war: Die Lupercalia im Februar, einem Monat der nach diesen Fruchtbarkeits-Riemen benannt war, den sogenannten Februae.

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Bronzezetlicher Fruchtbarkeitstänzerin.

Bronzezeitliche Sonnenpriesterin aus dem dänischen Egdvet: Eigene Interpretation einer gemeinfreien Vorlage von wikimedia.

In Anbetracht der antiken Ansichten über ungesunde Kinderlosigkeit und heute noch existierenden Befürchtungen in Hinsicht auf mangelnde männliche Vitalität– was tun wenn es mal nicht so recht klappen will?

Heute gibt es die „blauen Wunder“, aber was war früher los, mit der Last bei der Lust?

Neben Opferung und Andacht in den jeweiligen Schreinen der zuständigen Gottheiten, bedienten sich unsere Altvorderen durchaus pragmatischer Mittelchen.

Aphrodisiaka und Baby-Booster waren auch damals heiss begehrt. Es fanden vielerlei Möglichkeiten, die Abhilfe schaffen sollten:

  • Pharmazie – Phytotherapie
  • Magisches Ritual (Psychologie)
  • Kombipackung

Das Zauber-Ritual bediente sich häufig der sympathetischen Magie, bei der bildliche Entsprechungen und Ersatzhandlungen eingesetzt wurden: Amulett, Talisman, magische Puppe sind nur ein paar Möglichkeiten. Mit Nadeln und Wachsbildern wurde auch im europäischen Raum gearbeitet, keine Erfindung der Vodun-Religion. Es wurden regelrechte magische Akupunkturen durchgeführt – als Bindezauber in Liebesdingen, aber auch als Heilmittel.

Eine komplexe medizinische Heilzeremonie wurde von Ärzten oder Heiler(innen) durchgeführt, bei der meistens Pflanzenmittel verordnet wurden, aber auch mit Psychologie wurde gearbeitet. Dem Hilfesuchenden wurden etwa Weihehandlungen auferlegt, z.B. Wallfahrten, die waren auch in der Antike, vor allem bei den Kelten sehr verbreitet. Am Ziel gab es oft eine „Wunderquelle“,  in deren Wasser man genesen konnte. Vor allem Frauen mit Kinderwunsch pilgerten zu solchen Orten.

Doch nun zu den Pflänzchen:

Stimmungsmacher waren und sind häufig Gewürzpflanzen. Hier ein paar Beispiele mit ihren astromedizinischen Zuordnugen:

Mondpflanzen wirken auf die weibliche Fruchtbarkeit durch Wirkung auf den Uterus und erleichtern den Geburtsvorgang. Sie sind milchfördernd, wassertreibend und eher anaphrodisisch.

Venuspflanzen regeln die Fruchtbarkeit von Mann und Frau über hormonelle und harmonisierende Wirkung. Da sie häufig wohlschmeckend oder duftend sind, regen sie sie Fähigkeit zu sinnlichem Genuss an. Sie wirken auf die Nierentätigkeit und den Kohlehydrathaushalt.

Marspflanzen steigern die Libido und haben oft eine kräftigende und durchblutungsfördernde Wirkung. Sie wirken immunstimulierend.

Sonnenpflanzen wirken tonisierend und wie Jupiterpflanzen stimmungsaufhellend. Sie wirken auf das Herz-Kreislaufsystem.

Jupiterpflanzen: lebertonisierende Gewächse, Genussdrogen (Wein)

Saturnpflanzen sind wie Mondpflanzen eher anaphrodisisch. Sie sind häufig giftig und wurden als Abortiva verwendet.

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Liebeszauber – oder männliche Wunschvorstellung?
Liebestränke waren zu allen Zeiten der Renner unter den Zaubermitteln.
Love Potion ©scrano 2015

Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,
Bald Helenen in jedem Weibe.

Goethe, Faust:Der Tragödie erster Teil, in der Hexenküche.

ABC der kleinen Helferlein …

  • Basilikum (Jupiter, Merkur, Mond, Saturn)
  • Chili (Mars, Venus, Mond, Saturn)
  • Gingko (Mond,/Saturn Sonne/Uranus)
  • Ginseng (Sonne, Saturn/Uranus)
  • Ingwer (Mars, Venus, Sonne, Saturn/Uranus)
  • Kakao (Mars, Venus, Mond, Saturn)
  • Koriander (Venus, Mars, Merkur/Jupiter)
  • Mandel (Mond, Saturn, Venus, Pluto)
  • Muskatnuss (Jupiter/Neptun, Merkur (auch Macis))
  • Muskatellersalbei (Mond, Merkur, Neptun/Jupiter, Saturn)
  • Myrrhe (Mond, Saturn),
  • Oppoponax (Venus,Pluto)
  • Petersilie (Merkur, Jupiter, Mond, Saturn)
  • Safran (Venus/Pluto, Merkur/Jupiter), äusserlich ähnlich der sehr giftigen Herbstzeitlose (Venus/Pluto, Mond/Saturn) und ebenfalls -> Hekate geweiht)
  • Thymian (Merkur, Neptun/Jupiter)
  • Vanille (Merkur/Neptun, Venus/Mars) – ein pheromonähnlicher Lockstoff
  • Zimt (Sonne,/Uranus, Venus/Mars)
  • Kapuzinerkresse (Venus/Mars)
  • Wachholder (Mond/Saturn, Venus/Mars)
  • Hafer (Merkur/Jupiter)
  • Kalmus (Mond/Saturn)
  • Estragon (Mond/Saturn, Merkur/Jupiter)
  • Damiana (Venus/Mars, Jupiter/Merkur)
  • Hanf (Neptun/Jupiter – Merkur)

Aber manches heimisches “Unkraut” erfüllt den Dienst auch:

  • Brennessel (Venus/Mars(Pluto), belebende Wirkung
  • Schafgarbe (Panacea – dominant Venus/Mond zu Saturn/Mars) – Duft, Blattform

Oder Obst/Gemüse:

  • Erdbeeren (Venus/Mars, Merkur/Jupiter(Neptun)) – Duft, Farbe

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  • Granatäpfel (Venus/Pluto) – viele Samen, Form und Farbe
  • Holderbeeren und Blüten (Venus/Pluto, Mond/Saturn)
  • Kürbis(kerne), Venus/Pluto, Jupiter/Merkur, Form, Samen, Üppigkeit
  • Spargel (Mond, Saturn, Merkur, Jupiter) – hier machts wohl eher die Form …
  • Sellerie (Jupiter/Merkur, Mond/Saturn)

Tierische Lebensmittel:

  • Austern (Mond/Saturn) – Konsistenz und Aussehen, Meeresbewohner
  • Garnelen (Mond/Saturn) – Aussehen, Meeresbewohner
  • Oktopus (Mond/Saturn) – Aussehen, Meeresbewohner
  • Meeresfrüchte enthalten viel Eiweiss und Zn, das für die Fruchtbarkeit wichtig ist.

Pilze:

  • Trüffel (Neptun/Merkur, Venus/Pluto) – Lockstoffe

Düfte:

  • Patchouli (Venus/Pluto)
  • Rose (Venus/Mars)
  • Sandelholz (Venus/Mars)
  • Jasmin (Neptun/Merkur, Mond/Saturn)

Wirksame Aphrodisiaka zeichnet eine Dominanz des Mars/Venus Pols aus, wobei die beiden Prinzipien etwa gleich stark vertreten sind.

Zum Thema Tantra und generell ritualisiertem Sex für magische und religiöse Praktiken, ohne Bezug zu Fruchtbarkeit und Fortpflanzung gibt es noch einen weiteren Artikel.

 

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Traumzeit Europas: Spirituelle Orte in der Bretagne

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Typischer Dolmen der Bretagne oder “Allee Couverte”.
Cote d’ Armour, Nordbretagne.

In der Zeit der ersten Ackerbauern, dem Neolithikum, entstanden die Megalithanlagen in Europa. Einige der eindrucksvollsten und ausgedehnetesten Anlagen und Steinsetzungen findet man in der Breatagene. Der Schwerpunkt liegt in der südlichen Provinz Morbihan, sowohl entlang der Küste als auch auf den kleinen inselchen der Region.  Die meisten Dolmen, Tumuli, Cairns und Menhire wurden zwischen 4500 und 2000 v. Chr. errichtet beziehungsweise genutzt.

In der folgenden Bronzezeit war die Bretagne wegen ihrer Metallvorkommen ein wichtiger Handelsplatz, was man aus zahlreichen weiteren umfangreichen Hortfunden schließen kann. Die bretonischen Bronzeäxte mit geraden Schäften (1200 bis 1000 v. Chr.) waren in ganz Nordeuropa verbreitet. Es gab in dieser Zeit des beginnenden Fernhandels auch intensive Kontakte mit England, Deutschland und Skandinavien.

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Nabel-Stein: Gravierung in einer Allee Couverte.

Die Eisenzeit begann in der Bretagne mit der Einwanderung der Kelten ab dem 6. Jhd. v. Chr. also relativ spät. Von diesen Neuankömmlingen stammt auch die Bezeichnung  Aremorica beziehungsweise Armorica („Land am Meer“).  Die verbesserte Landwirtschaft durch Pferd und Eisenpflug  beendete die Bronzekultur der Halbinsel vollständig, obwohl durch die Indoeuropäer keine Eroberung, sondern eher eine Vermischung mit der ansässigen Bevölkerung stattfand.

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Dolmens de Mane Kerioned. Bretagne 2014, Carnac.
Dolmen oder Allee Couverte, ein Gang-Grab, das seines Erdhügels beraubt wurde.

Menhir (Mann-Stein), Teil einer Steinsetzung (Alignements) nahe Erdeven.

Menhir (Mann-Stein), Teil einer Steinsetzung
(Alignements) nahe Erdeven.

Die Bedeutung der Alignements und ihre Verwendung gibt noch Rätsel auf: Kultische Prozessions-Strasse oder Visierlinien für astronomische Beobachtungen der Sonne und helikaler Planeten (Venus) oder Gestirne (Sirius)? Auch Sonnen-und Mondfinsterniskalender glaubt man darin zu erkennen. Megalithische Steinsetzungen haben häufig mit den Ahnen und dem Jahreskreis zu tun.  Man findet bei einigen auch eine Holzkonstruktion in der Nähe, quasi als Spiegelbild der Anlage, wie in Stonehenge, wo es auch ein Woodhenge gegeben hat. Prozessionswege sieht man auch in Avebury, dem grösseren, aber weniger bekannten Doppel-Steinkreis in Wiltshire. Die Dolmen, Cairns und Tumuli waren wohl, ähnlich den britischen Long Barrows, gemeinschaftliche Grabanlagen einer Sippe. Bei den Menhiren ist interessant, dass viele an der Küste stehen, vom Meer aus gut zu sehen sind: Vielleicht waren sie auch Seezeichen für die aufkommende Küstenfischerei. Manche wurden später zerbrochen und in die Dolmen eingearbeitet: Beim Table Marchand liegt der Grand Mehir brise, ein riesiger zerbrochener Monolith. Teile von solchen Steinen dienen in der Grabanlage als Decke. Man kann sogar noch die ursprünglichen Gravuren erkennen. Eine Umorientierung der Kulte, eine neue Religion?

Die viel später “zugezogenen” Kelten nutzten die vorgefundenen Sakralbauten für ihre eigenen Riten, in England, aber auch in der Bretagne. Dieser Respekt vor den Gottheiten der Ur-Bevölkerung zeugt auch von einer eher friedlichen Einwanderung, nicht einer gewaltsamen Landnahme.

In der Bretagne gibt es zahlreiche steinzeitliche prähistorische Fundstätten, wir haben viele davon besucht. Hier eine Aufstellung der schönsten in Küstennähe.

Daneben gibt es noch viele Dolmen im Wald von Paímpont, dem sagenhaften Ort Broceliande aus der Artus-Legende. Sie werden dort als Feen-Felsen oder Merlins Grab bezeichnet.  Ein Riesen-Menhir steht noch bei Dol de Bretagne, wo der Teufel nach dem Streit mit dem Erzengel Michael um den Mont St. Michel einen Steinhaufen hinterlassen haben soll. Überhaupt Michael: Sehr viele Kirchen auf alten Heiligtümern tragen seinen Namen, oder den von St. Georg, weil beide den Lindwurm oder die Erdschlange bezwungen haben. Tja, die Götter der Besiegten werden zu Dämonen der Sieger. In der Bretagne wimmelt es nur so von St. Michel Kirchen und Kapellen. Auch auf dem grossen Tumulus bei Carnac steht ein solches “Zwing-Gebäude”. Diese Zerstörung und Umwidmung wurde von Missionaren noch bis zur Zeit der Gegenreformation betrieben, da vor allem die mythischen Überlieferungen über die Megalithen aus der Keltenzeit hartnäckiger Bestandteil des Volksglaubens blieben. Ein weiteres Indiz für solche Kontinuität sind die Troll-Schwellen der “Umfriedeten Pfarrhöfe” – aber das ist ein eigenes Kapitel.

Tumulus St.Michel bei Carnac.

Tumulus St.Michel bei Carnac.

Man hat einen tollen Ausblick auf die Alignements und das Museum von Carnac, wenn es nicht gerade dunstig ist … (es ist fast immer neblig – wie in Avalon).

Dolmen der Ile Grande in Küstennähe.

Dolmen der Ile Grande in Küstennähe.

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St. Uzec bei Ile Grande – ein umgestalteter Menhir.

Die Ile Grande bietet neben dem grossen Dolmen in mitten von grossen Farnen, ein pittoreskes Fischer-Örtchen und eine schöne Küstenlandschaft mit Vogelschutzgebiet. In der Nähe, an der Küstenstrasse, steht auch der getaufte Menhir von St.Uzec.

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Mont St. Michel des Binnenlandes: Man hat einen spektakulären Ausblick auf den Stausee Lac St.Michel.
Wie beim Glastonbury Tor ein Portal zur Welt von Gwyn Ap Nudd.
Auf dem Tor steht ebenfalls eine St.Michaels Kirche.

Man kommt an diesem Aussichtspunkt bei der Fahrt nach der Halbinsel Crozon vorbei: Chapelle St. Michel Brasparts. Die Kirche hat irgendwie eine schaurige Ausstrahlung, und das bei grellem Sonnenlicht! Im Inneren war wohl Vandalismus am Werk. Dazu fanden sich Überreste irgendwelcher Rituale: Hier tummeln sich zwielichtige Vögel, würde ich meinen. Die alten Sagen um Teufelserscheinungen (a la Sleepy Hollow) auf dem Hügel und seinem Nachbarn, einem früheren Brigids-Heiligtum spuken wohl noch in verwirrten Köpfen. Zu Füssen des Doppelhügels liegt passenderweise eine Marienkirche (Brigid lässt grüssen) mit einem sehr schönen Schau-Altar. Bei der Zufahrt zur Crozon-Halbinsel lohnt noch ein Abstecher zum Sagenberg Menez Hom, einem ehemaligen Vulkan.

Ein Tipp für Br.Freimaurer:  Unsere Unterkunft in einem schönen Ferienhaus bei Paimpol  ist generell für Brüder zu haben!

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Mont St. Michel, wie sein britisches Gegenstück St.Michaels Mount ,
ein ursprünglich keltischer, vielleicht sogar älterer Wallfahrtsort.
Ynis Witrin – Insel aus Glas war die Bezeichnung solcher
Grenzorte zur Anderswelt.

Alle Fotos ©beast666.

 

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