Gedanken zum Jahreswechsel 2016/17

Viel Glück für uns Alle, in diesen gebeutelten Zeiten!

Viel Glück für uns Alle, in diesen gebeutelten Zeiten!

Aus einer Predigt zum Neujahr 1883:

Herr, setze dem Überfluss Grenzen,
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen
aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen.
Aber nicht sofort. 

Pfarrer von St. Lamberti, Münster (1883)

Wir erkennen in diesem ein wenig ironisch anmutenden Gedicht, dass vor ca. 150 Jahren die Nöte der damaligen Zeitgenossen, im grossen wie im kleinen, unsere eigenen durchaus wiederspiegeln. Es spricht die zunehmende Oberflächlickeit und Doppel- bzw Scheinmoral einer Gesellschaft an, in der soziale Kälte und menschliches Desinteresse an Einfluss gewinnen. Diese Risiken und Nebenwirkungen einer Industriegesellschaft haben sich leider dank der Globalisierung auf fast die ganze Welt ausgedehnt.

Ein Wunschzettel an den „lieben Gott“ im rhetorischen Sinne, aber durchaus ein Wink an die versammelten „Schäflein“, in diesem Sinne zu wirken.

  • „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es“, sagt nicht zuletzt ein Sprichwort.

Es wäre denn auch wenig zu passiv, zu einfach, darauf zu warten, dass sich eine höhere Macht einmischt, fast wie der „deus ex machina“ im klassischen Bühnendrama.

Mit Wünschen alleine wird sich nichts bewegen, mit guten Vorsätzen auch nicht.

Wie das mit den Vorsätzen so ist, weiss jeder, der schuldbewusst am Jahresende Bilanz bei sich selbst zieht, von den Weihnachts-Pfunden angefangen über manch andere Angewohnheit bis zu hehren Zielen: mal ehrlich – was ist davon übrig geblieben ?

  • Sagte nicht schon George Bernhard Shaw: Der Weg zur Hölle sei mit guten Vorsätzen gepflastert nicht mit schlechten ?

Es sind wohl die gemeint, deren Verwirklichung man sich selbst und anderen schuldig geblieben ist. So mancher Vorsatz scheitert schon an zu hoch gesteckten Zielen.

Vorsätze oder Ziele sollten daher realistisch und erreichbar sein, diese Aussage hört man auch von sogenannten „personal coaches“. Desgleichen solle man lieber kleine Schritte als grosse Sprünge machen.

  • Was wären solche Ziele im freimaurerischen Sinn ?

Wie heisst es so schön: “Wir bauen am Tempel der Humanität. Die Steine, deren wir bedürfen sind die Menschen. Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus.” Führen wir uns diese drei Grundpfeiler der Freimaurerei vor Augen:

  • Brüderlichkeit, und Toleranz, humanitäre Ethik.

Wohlklingende Begriffe, aber in ihrer Abstraktheit nur schwer in reale Ziele umzumünzen. Wo setzen wir hier an mit der Methode der kleinen Schritte ?

  • „Brüderlichkeit wird vermittelt durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und der Verständigung mit- und untereinander.“

Wie gehen wir auf unsere Brüder zu bzw.ein? Sind wir uns der Verantwortung bewußt, die wir uns freiwillig auferlegt haben ? Kümmern wir uns genügend um den bzw. die Brüder? Sind wir in die Lage unser eigenes Ego-Posieren zurücknehmen und den anderen genug Raum zur Entwicklung lassen ? Sonnen wir uns im eigenen Glanz, blendet uns das Licht, den anderen überhaupt wahrzunehmen. Freuen wir uns mit dem Bruder über seine Erfolge, können wir sein Leid teilen ? Mehr Empathie und Achtsamkeit wäre hier der kleine Schritt.

  •  „Toleranz wird gelebt durch aktives Zuhören und Verständnis anderer Meinungen.“

Wir sind alle in unserem Bunde tolerante Menschen, die keine Dogmen vertreten oder sich solchen unterwerfen. Toleranz ist aber nicht gleich moralischer Schlendrian. Sie bedeutet nicht dass charakterliche Defizite von Brüdern oder Profanen geduldet werden müssen, besonders wenn sie Mitmenschen Schaden zufügen. Bewusstes Akzeptieren oder Übersehen von sozialem Fehlverhalten fördert Soziopathen.

  • Eine der Grundlagen des freimaurerischen Selbstverständnisses ist die Übereinstimmung in einer gemeinsamen Ethik.

Zum ethischen Handeln gehört meines Erachtens auch, von Brüdern Schaden abzuwenden. Korrektiv zu wirken heisst hier beides, dem Gedankenlosen zu mehr Einsicht und dem Überfahrenen zu seinem Recht zu verhelfen. Wie es so schön in der Zauberflöte heisst:  ….. und ist ein Mensch gefallen, führt Liebe ihn zur Pflicht. Der kleine Schritt wäre hier mehr Wachsamkeit walten zu lassen.

Um humanitäre Bestrebungen glaubwürdig nach aussen zu tragen müssen sie zuerst im Inneren verwirklicht sein. Das heisst, Verankerung im Denken jedes einzelnen Bruders, in den Handlungen der Brüder im Miteinander und als Gruppe. Viele kleine Schritte führen zum Tempelbau, viele einzelne wohlbehauene Steine sind dafür nötig. Haben wir also aktiv unseren Anteil daran.

Wie es in der Schließung der Werklehre heißt: “Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf euch selbst.”

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 ©kmygraphic

 

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3 Responses to “Gedanken zum Jahreswechsel 2016/17”

  1. Ambrosia Says:

    Ja, leider hat der erste Eindruck für 2015 nicht die erhoffte versöhnliche Einstimmung gebracht, sondern gleich einen Gewaltakt. Ausgerechnet aus missverstandenen und fehlgeleiteten religiösen Gründen ! Obwohl es mir scheint, dass da der militante Islam wohl nur der Zünder war, der Sprengstoff liegt wohl mehr in der sozialen Kälte. Da reicht dann eine als Erniedrigung oder Beleidigung empfundene Äusserung schon für einen Knall grösseren Ausmasses.

    PEGIDA auf der anderen Seite ist letztlich auch nur der Ausdruck einer solchen Stimmung aus Angst, Perspektivlosigkeit und dem Gefühl nirgends ernst genommen zu werden.

    Aber das kommt davon, dass man immer nur an Symptomen herumdoktert statt das Leid zu lindern. Salbungsvolle Ansprachen zum Jahreswechsel und scheinheiliges “Je suis Charlie” bringen keine konkreten Lösungen hervor. Irgendwie gehen alle diese “Anstrengungen” an der Zielgruppe vorbei. PEGIDA marschiert munter weiter. Auch radikale Rattenfänger arbeiten mit Ködern: Nur – bei “vollem Bauch” sind die längst nicht so interessant!
    Vielleicht stellt man sich auch taub aus Dickfelligkeit, neoliberaler Entsolidarisierung oder bewusst: Mit Angst und Konsum regiert es sich am besten.
    Wie volksnah man wirklich ist: Bei Focus wurde ein entlarvendes Foto der Propagandaauftritte unserer Chef-Chargen beim Gedenkmarsch in Paris veröffentlicht. Ordentlich abgeschirmt von Leibwächtern und immer ein gutes Stück entfernt von uns “Plebs”, Nachher hübsch eingeschnitten in geeignetes Bildmaterial, sieht es doch tatsächlich so aus als ob … nein Danke!

  2. beast666 Says:

    Ich hatte die Rede des Pfarrers der Lamberti-Kirche schon 2015 eingestellt, auch meine Interpretation für uns Freimaurer …
    Warum nochmals?
    Hat sich 2015 denn etwas verändert …?!
    Alles ist nur schlimmer geworden und wir haben sogar die Aufhebung der Stände erlebt:
    Anstand und Verstand sind fort, es regiert bald nur noch der Notstand!
    Und das alles wegen Pflichtvergessenheit unser Obristen-Liga, die sich im Glanze sogenannten Gutmenschentums sonnen will. Ob dieses Wort bald zum Unwort erklärt wird?
    Gut sein heisst nicht , dass man alles akzeptieren muss, vor allem wenn einem dreiste Provokation entgegenschlägt – oder wie soll man die Übergriffe von Köln anders deuten?
    Und die Abkanzelung ALLER Bürger, die etwas gegen kritiklose Völkerwanderungspolitik sagen, als Pack?
    Bedingungslose Toleranz und Gutmenschentum hört wohl auf, wenn es um die Nöte der eigenen Bevölkerung geht. Aber das ist vielleicht nicht schick oder exotisch genug?
    Unsere verantortungslose Regierung bringt durch den massenweisen Import von Hooligans aus der ganzen Welt, denn das sind diese Attackierer, alles was an Integration bisher geleistet wurde in Gefahr. Es handelt sich hier nicht so sehr um Glaubensdinge, sondern um die soziale Schicht, aus der die Mehrzahl der Migranten, ich sage bewusst NICHT Flüchtlinge, kommt. Der gebildete Moslem wird wohl vor Attacken auf Frauen genauso zurückschrecken und diese auch nicht billigen. Nach chaotischen Vorfällen bei diversen Fussballspielen kann man einem volltrunkenen europäischen Hooligan ein entspechendes antisoziales Verhalten durchaus auch zutrauen … Allerdings werden unsere eigenen Randalierer im Regelfall eingelocht.
    Hooligans aus dem Mogenlande toben vor dem Kölner Dom, und das in der Zeit der Sternsinger und heiligen drei Könige – wer hätte das je gedacht?
    Und dann ein Aufruf an die Frauen, sie sollen sich züchtig verhalten und nicht mit jedem mitgehen. Sind unsere Mitbürgerinnen denn Prostituierte oder dumme Kinder: Du sollst nicht mit Fremden reden, und vom netten Onkel auch keine Schokolade annehmen …

    Na dann Prosit Neujahr – wohl bekomm’s!

  3. Ambrosia Says:

    Und zum dritten … langsam wird es nervig, aber wieder die Frage, wie Cato vor Carthago: … ceterum censeo …
    2015 war das Jahr des Chaos und der totalen Unvernunft, der Terror-Schatten von 2016 drohte bereits Europa zu verfinstern. Alles NUR abstrakt – vollmundige Sprüche unseres Innenministers – und die Wahrheit: Sylvstergrabschen mit Pressezensur, Diner-Amok eines von seinen moslemischen Mitschülern gemobbten Teenagers, selbst ein Moslem, Opfer und Täter zugleich. Eine Armlänge Reker, diese Frau spottet jeder Beschreibung, schnell wurde im Zug nach Würzburg eine Axtlänge daraus, dann eine Zündschnurlänge in Ansbach, schliesslich eine LKW-Länge in Berlin.
    Da wendet sich der Gast mit Grausen – mene tekel u pharsin!
    Das Marsjahr macht seinem Namen zweifelhafte Ehre, sogar 12-jährige versuchten sich als Bombenleger auf Weihnachtsmärkten. die Christmette muss mit Maschinenpistolen beschützt werden.
    Hoffentlich kehrt jetzt der Verstand zurück: Das Sonnenjahr hilft vielleicht bei der Erhellung der Gehirnwindungen mancher verschrobener Politiker. Die Sonne bringt es an den Tag sagt ein altes Sprichwort – na hoffentiich.