Ingress der Sonne in den Wassermann Age of Aquarius … ?

Eine Wasserfrau! Aber das nimmt das Uranus-beherrschte Zeichen sowieso nicht so genau.Aquarius ©scrano 2016

Eine Wasserfrau! Aber das nimmt das Uranus-beherrschte Zeichen sowieso nicht so genau.
Aquarius ©scrano 2016 model: eirian

“When the Moon is in the seventh house and Jupiter aligns with Mars then peace will guide the planets and love will steer the stars”

Im berühmten Musical “Hair” wird so die Ankunft des Wassermannzeitalters eingeläutet …

Astrologisch ist diese Aussage natürlich völlig daneben – in jeder Hinsicht und mit dem Wassermannzeitalter hat sie ausserdem rein gar nichts zu tun. Die vieldiskutierte  Einteilung nach “Zeitaltern” wird durch die Lage des Frühlingspunktes zum Tierkreis bestimmt. Dessen Lauf durch die einzelnen Tierkreiszeichen in jeweils ca. 2000 Jahren geht bekanntlicherweise mit der Erdachsen-Präzession einher. Der Gesamt-Umlauf von 25920 Jahren wird auch als platonisches Jahr bezeichnet. Astrologen ordnen den zwölf einzelnen Abschnitten durchaus eine Bedeutung zu: Ein 2000-jähriger Durchlauf wird platonischer Monat genannt, das betroffene Zeichen prägt das irdische Kollektiv dann für diesen Zeitraum.

Betrachten wir die letzten drei platonischen Monate:

Im Stier war die Himmelskuh, die neolithische Revolution mit Einführung einer agrarischen Lebensweise und die Verehrung einer “Grossen Mutter” als Verkörperung des Landes von dem man lebt,  Thema. Kulturen wie die minoische erlebten ihren Aufstieg im Stierzeitalter, auch in der sehr schwelgerischen und hochstehenden Kunst mit Betonung des Weiblichen ist dies bereits zu erkennen. Die Zeichenherrscherin des Stier, Venus Pandemos, ist der Archetyp, nach dem diese weiblichen Gottheiten gestaltet sind. Der zweite Einflussfaktor in Kreta ist neptunisch (höhere Oktave der Venus) – Leben im Kollektiv, Seefahrt und kein Militarismus. Selbst Kretas Gründungslegende handelt vom Stier, auch der Schatten-Aspekt dieser Gesellschaft, der Minotaurus. Im Alten Reich Ägyptens stand der Stier für die grosse Himmelskuh Hator, ebenfalls eine Göttin des Urtyps “kriegerische Fruchtbarkeitsgöttin”, wie auch Ishtar/Inanna im Zweistromland. Um all diese Fruchtbarkeitsgöttinen spinnt sich auch eine Legende  im Zusammenhang mit dem Mythos des Himmelsstiers. Kupfer und Bronze (Venus) sind die vorherrschenden Metalle.

Schliesslich stand der Widder zunächst für den Aufstieg der Viehzüchter-Nomadenkulturen (Schafhirten) im nahen Osten. Die Völker wenden sich zusehends dem Mars, Herrscher des Widder zu, besonders nach der Einführung des Eisens, seinem Metall. Eroberungen nehmen zu, es gibt erste aggressive Völkerwanderungen, unter anderem die Zeit der Seevölker, wikingerhafte Vorfahren der Philister und Achäer. In der Religion wird das männliche Element betont, schliesslich sogar zum Weltschöpfer stilisiert. In Ägypten des mittleren Reichs findet eine zunehmende Militarisierung statt, auch durch Einfälle von Wüstenvölkern, wie der Hyksos. In der Religion am Nil vollzieht sich ebenfalls ein Wandel: Der immer mehr dominierende männliche Schöpfungsgott Amun hatte ebenfalls Widder-Hörner, im grossen Tempel von Karnak steht eine ganze Allee von solchen Widder-Sphingen. Pharaonen nennen sich nun “dem Amun gefällig”, z.B. Amen-hetep. Der Schafbock spielt in den alten Kulturen dieses Zeitraums eine grosse Rolle, als Opfertier (Isaak und Abraham), als Lebens-Symbol, in Mythen (Goldenes Vlies) und als Lebensgrundlage.

Der Übergang vom “Lamm Gottes” zum ICHTYS (griechisch: Fisch) des Christentums vollzog sich pünktlich mit dem Vorrücken des Frühlingspunkts in die Fische. Plötzlich schossen Erlöser-Religionen wie die Pilze aus dem Boden, vorher breitete sich noch neptunischer Glamour über die Welt, durch das immer noch glanzvolle Imperium Romanum. Im Vorfeld des Christentums machten sich bereits Pythagoras, Buddha, Mysterienschulen wie Orphiker oder der Kult von Eleusis, die Mithras-Religion, die das astrale Stier-Thema im übertragenen Sinn noch einmal aufgriff, und schliesslich der Kult der mütterlichen Isis Gedanken über die Erlösung des Menschen aus dem irdischen Gefängnis.  Alle diese Philosophien und Kulte thematisierten in ihrem Kern bereits eine Wiederauferstehung der Seele oder zumindest ein erleuchtetes Weiterleben im Jenseits. Das Christentum hatte in dieser Vielfalt an spirituellen Heilslehren anfangs nur einen bescheidenen Rang, allerdings einen grossen Vorteil: Es bot sozusagen Mysterien für alle, da keine Einweihung notwendig war, ausser der Taufe. Mönchstum und einsiedlerische Askese, sowohl im Buddhismus als auch im Christentum kennzeichnen ebenfalls eine Religion des 12.Hauses (Abgeschiedenheit, Weltferne, Selbstverleugnung), in dem die Fische herrschen. Massenhysterie, Glauben statt Wissen und neptunische Nebelschleier über den Fakten – die Schattenseite des Fischezeitalters. Auch die vollständige Unterwerfung unter Gottes Willen, wie im Islam gefordert, und das Märtyrertum (christlich, muslimisch)  gehören zu den Kennzeichen der Erlösertraditionen. Und die Messianitis hat noch kein Ende gefunden. Sportidole, der Glanz der Leinwandhelden – silver screen, Neptuns Projektionsfläche. Propaganda, Werbung – Lügen von Politikern, glanzvoll inszeniert. Das neue Kollektiv heisst Internet.

… und das Wassermannzeitalter, leben wir bereits darin? In der Vorläufer-Phase bestimmt, der Transit zieht sich über wenigstens eine komplette Generation, die Eintrittspunkte sind auch nicht so genau bestimmt, es sind eher Zonen. Wann da ein “Vollzug” gemeldet werden kann, ist mehr erspürbar als berechenbar, eine Art kollektiver Intuition, oder eine Ereigniskette grösseren Ausmasses. Wie bei den Erlöserreligionen (Buddha, Orphiker) kann schon einige Jahrhunderte vor dem Transit eine Art Initialzündung stattfinden, oder subtiler, eine Untergrundströmung entstehen, die den Wandel anzeigt. Für uns stellt das Schlüsselereignis wohl die Aufklärung (Initial: Renaissance, frz. Revolution. Gesellschaftliche Strömung: Demokratisiereung, Industrialisierung) dar. Der Prozess läuft noch, mit all seinen Schwierigkeiten, die er mit sich bringt, das Alte weicht nicht so einfach oder gar gewaltlos. Das neue Zeitalter hat dann auch seine Tücken:

Schliesslich noch die Tarotsymbolik des Wassermanns:

  • “Der Narr” … wo Engel nicht zu schreiten wagen, unbekümmerter Freiheitsdrang und Vorwärtsstreben – allerdings in mentalen Dingen, nicht in physischen wie beim Widder . Es ist nicht der athletische, eher der Prometheus-Typ dargestellt. Die Instinktnatur in Gestalt des Hundes wird ignoriert.
  • “Der Turm” … das wohlgeordnete, aber als einengend empfundene saturnische Gebäude wird vom Blitz des Uranos zerstört, auch dies ein mentales Konzept: Die zündende Idee, die alte Ordnung wird “gesprengt”. Dieser Vorgang ist durchaus angstbesetzt, denn ein  Fluch der alten Chinesen lautet : “Mögest Du in interssanten Zeiten leben!” Revolutionen, Umwälzungen und persönliche Katastrophen, die das Leben des Individuums auf den Kopf stellen. Es ist aber auch eine Warnung vor Hybris (Turmbau), die  jod-förmigen Tränen sind als göttlicher Feuerregen deutbar – jod ist der führende Buchstabe im Namen JHWH – יהוה
  • “Der Stern” … eine neue Hoffnung,wie es bei “Star Wars” heisst. Dies ist die eigentliche Wassermann-Symbolik, eine androgyne Figur (der Nilgott Hapi oder der regenspendende Ouranos) giesst Wasser aus zwei Krügen auf das Land (direkt vom Himmel) und in ein Gewässer (die Nilschwemme folgt dem Regen in seinem Quellgebiet). Die achtzackigen Sterne und deren Zahl hängen mit dem Sirius-Mythos und seiner Bedeutung für die Nilflut zusammen. Der Bennu-Vogel im Hintergrund rechts ist ein altägyptischer Vorläufer des Vogel Phönix.

der-narr der-turm der-stern

Betrachtet man die Symbolik der drei Karten, und bedenkt den chinesischen Spruch, erkennt man dass das vielgelobte Wassermannzeitalter nicht unbedingt von “Love and Peace” erfüllt sein wird, sondern vielleicht von Chaos, gefährlichen Experimenten und geistiger Arroganz … bevor das uranische Prinzip in die Gesellschaft und das Leben des Einzelnen integriert werden kann. Da dem Wassermann das Individuum im Vergleich zum abstrakten “Grossen Ganzen” unwichtig ist, braucht man auf Empathie auch nicht hoffen. Immerhin wird vielleicht das verlogene “Licht und Liebe” Ideal von echter Freunschaft und Ehrlichkeit zwischen den Menschen abgelöst.

Das Hippie-Musical Hair bezieht trotz des “Age of Aquarius” Songs seine Grundaussage, nämlich All-Liebe, Mystik, Frieden und kollektive Lebensweise, sowie seine Anziehungskraft aus dem neptunischen Fische-Zeichen, genau wie das zur selben Zeit entstandene “Jesus Christ Superstar”.  Daher sollte man eine rosa Brille noch einmal überdenken: “…be careful, what you wish for !”

Die Uranus Mythologie ist gewalttätig, bevor mit der Venus aus seinem Phallus ein schöpferischer Archetyp entsteht, dem man sich ohne Lebensgefahr nähern kann. Das transaturnische, kreative Kollektiv-Prinzip Uranus hat seine Erhöhung nach Ansicht vieler Astrologen im Skorpion – es bringt die transformatorischen Bestrebungen des Skorpion/Pluto/8.Haus Themas voran. Und dort sitzt bekanntlich auch das Schattenreich des Zodiak, und es müssen Dinge und Leben enden, um Platz für Neues zu schaffen. Jede Revolution fordert Opfer.

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This entry was posted on Samstag, Januar 14th, 2017 at 03:23 and is filed under Astronomie, Chiron, Galerie, Geschichte, Humor, Literatur, magisch, Saturn, Seasons Greetings, Sonne, Uranus. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

 
 

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