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Gedanken zum Jahreswechsel 2016/17

Viel Glück für uns Alle, in diesen gebeutelten Zeiten!

Viel Glück für uns Alle, in diesen gebeutelten Zeiten!

Aus einer Predigt zum Neujahr 1883:

Herr, setze dem Überfluss Grenzen,
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen
aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen.
Aber nicht sofort. 

Pfarrer von St. Lamberti, Münster (1883)

Wir erkennen in diesem ein wenig ironisch anmutenden Gedicht, dass vor ca. 150 Jahren die Nöte der damaligen Zeitgenossen, im grossen wie im kleinen, unsere eigenen durchaus wiederspiegeln. Es spricht die zunehmende Oberflächlickeit und Doppel- bzw Scheinmoral einer Gesellschaft an, in der soziale Kälte und menschliches Desinteresse an Einfluss gewinnen. Diese Risiken und Nebenwirkungen einer Industriegesellschaft haben sich leider dank der Globalisierung auf fast die ganze Welt ausgedehnt.

Ein Wunschzettel an den „lieben Gott“ im rhetorischen Sinne, aber durchaus ein Wink an die versammelten „Schäflein“, in diesem Sinne zu wirken.

  • „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es“, sagt nicht zuletzt ein Sprichwort.

Es wäre denn auch wenig zu passiv, zu einfach, darauf zu warten, dass sich eine höhere Macht einmischt, fast wie der „deus ex machina“ im klassischen Bühnendrama.

Mit Wünschen alleine wird sich nichts bewegen, mit guten Vorsätzen auch nicht.

Wie das mit den Vorsätzen so ist, weiss jeder, der schuldbewusst am Jahresende Bilanz bei sich selbst zieht, von den Weihnachts-Pfunden angefangen über manch andere Angewohnheit bis zu hehren Zielen: mal ehrlich – was ist davon übrig geblieben ?

  • Sagte nicht schon George Bernhard Shaw: Der Weg zur Hölle sei mit guten Vorsätzen gepflastert nicht mit schlechten ?

Es sind wohl die gemeint, deren Verwirklichung man sich selbst und anderen schuldig geblieben ist. So mancher Vorsatz scheitert schon an zu hoch gesteckten Zielen.

Vorsätze oder Ziele sollten daher realistisch und erreichbar sein, diese Aussage hört man auch von sogenannten „personal coaches“. Desgleichen solle man lieber kleine Schritte als grosse Sprünge machen.

  • Was wären solche Ziele im freimaurerischen Sinn ?

Wie heisst es so schön: “Wir bauen am Tempel der Humanität. Die Steine, deren wir bedürfen sind die Menschen. Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus.” Führen wir uns diese drei Grundpfeiler der Freimaurerei vor Augen:

  • Brüderlichkeit, und Toleranz, humanitäre Ethik.

Wohlklingende Begriffe, aber in ihrer Abstraktheit nur schwer in reale Ziele umzumünzen. Wo setzen wir hier an mit der Methode der kleinen Schritte ?

  • „Brüderlichkeit wird vermittelt durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und der Verständigung mit- und untereinander.“

Wie gehen wir auf unsere Brüder zu bzw.ein? Sind wir uns der Verantwortung bewußt, die wir uns freiwillig auferlegt haben ? Kümmern wir uns genügend um den bzw. die Brüder? Sind wir in die Lage unser eigenes Ego-Posieren zurücknehmen und den anderen genug Raum zur Entwicklung lassen ? Sonnen wir uns im eigenen Glanz, blendet uns das Licht, den anderen überhaupt wahrzunehmen. Freuen wir uns mit dem Bruder über seine Erfolge, können wir sein Leid teilen ? Mehr Empathie und Achtsamkeit wäre hier der kleine Schritt.

  •  „Toleranz wird gelebt durch aktives Zuhören und Verständnis anderer Meinungen.“

Wir sind alle in unserem Bunde tolerante Menschen, die keine Dogmen vertreten oder sich solchen unterwerfen. Toleranz ist aber nicht gleich moralischer Schlendrian. Sie bedeutet nicht dass charakterliche Defizite von Brüdern oder Profanen geduldet werden müssen, besonders wenn sie Mitmenschen Schaden zufügen. Bewusstes Akzeptieren oder Übersehen von sozialem Fehlverhalten fördert Soziopathen.

  • Eine der Grundlagen des freimaurerischen Selbstverständnisses ist die Übereinstimmung in einer gemeinsamen Ethik.

Zum ethischen Handeln gehört meines Erachtens auch, von Brüdern Schaden abzuwenden. Korrektiv zu wirken heisst hier beides, dem Gedankenlosen zu mehr Einsicht und dem Überfahrenen zu seinem Recht zu verhelfen. Wie es so schön in der Zauberflöte heisst:  ….. und ist ein Mensch gefallen, führt Liebe ihn zur Pflicht. Der kleine Schritt wäre hier mehr Wachsamkeit walten zu lassen.

Um humanitäre Bestrebungen glaubwürdig nach aussen zu tragen müssen sie zuerst im Inneren verwirklicht sein. Das heisst, Verankerung im Denken jedes einzelnen Bruders, in den Handlungen der Brüder im Miteinander und als Gruppe. Viele kleine Schritte führen zum Tempelbau, viele einzelne wohlbehauene Steine sind dafür nötig. Haben wir also aktiv unseren Anteil daran.

Wie es in der Schließung der Werklehre heißt: “Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf euch selbst.”

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 ©kmygraphic

 

Posted by on Januar 1st, 2017 3 Comments

Achtsamkeit,Toleranz und soziale Gerechtigkeit – ein Utopia in einer Welt von Dummheit und Gier?

ulzuwey

Utopia is … an Illusion. Vision Quest ©scrano 2016

Neulich hatte ich einen Traum. Ausnahmsweise war es einer von der angenehmen Sorte.

Ich träumte, alle Menschen wären tolerant und würden auch anderen Kulturen mit Respekt begegnen, so, wie ihrer eigenen. Menschen würden nicht wegen Dogmen einer Buchreligion in den Krieg ziehen oder Andersgläubige entweder unbedingt bekehren wollen oder töten.

  • Christen und Moslems: “Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein”, immer im Namen der Liebe natürlich.

Amerikanische Hillbillies oder Rednecks  bewaffnet mit Naivität und mit “God on their side” würden nicht in andere Länder ziehen um dort „Frieden“ zu stiften. Diese Verteidiger des “American Way of Life” haben in allen Ländern, in die sie einmarschiert sind nach ihrem Abzug nur verbrannte Erde hinterlassen. Wenn sich heute ein Taliban in einer Schule voller Kinder in die Luft sprengt: Viele Grüsse an die Vereinigten Staaten, ihr habt wegen Eurer Gier nach Öl und aus Angst vor dem Kommunismus diese Abscheulichkeit erschaffen. Euer Geld hat sie finanziert und an die Macht gebracht! Auch beim Vormarsch der IS hattet ihr und Eure arabischen Verbündeten einiges zu erobern – Iraks und Lybiens Ölquellen waren wohl zu verlockend.

  • „Achtet lieber den Glauben, die Sitten und die Kultur aller Völker !“

Ich träumte, alle Menschen würden ihre Umwelt, besonders aber andere fühlende Wesen, wie die Tiere und auch sich selbst besser achten.

In der Kammer des stillen Nachdenkens wird der künftige Bruder mit der Aufforderung: “seien Sie deshalb achtsam” auf das Ritual und die Arbeit in der Loge vorbereitet. In vielen Logen entlässt der M.v.St. die Brüder nach einer Tempelarbeit mit den Worten: “Meine Brüder, seid achtsam auf euch selbst!“ Ein Beispiel aus dem Zen, einer in vieler Hinsicht freimaurerischen Idealen ähnliche Philosophie:

Ein Mann aus dem Volk fragte den Zen- Meister Ikkyu:
“Meister, wollt Ihr mir bitte die Grundregeln des Zen aufschreiben?”
Ikkyu schrieb mit dem Pinsel das Wort “Achtsamkeit”.
“Ist das alles?” fragte der Mann. “Könnt Ihr nicht noch etwas hinzufügen?”
Darauf schrieb Ikkyu zweimal das Wort “Achtsamkeit”.
Der Mann sagte: “Ich sehe wirklich nicht viel Tiefes oder Sinnvolles, in dem was Ihr gerade geschrieben habt.”
Darauf schrieb Ikkyu dreimal hinter einander das Wort “Achtsamkeit”.
Verärgert begehrte der Mann zu wissen: “Was bedeutet denn dieses Wort überhaupt?”
Ikkyu antwortete: “Achtsamkeit bedeutet Achtsamkeit”!

Nur aus Habgier und Gewinnsucht beuten wir die Natur aus. Sei es das Überfischen der Meere, das wilde Abholzen des Regenwaldes, die Massentierhaltung. Tiere werden über viele Ländergrenzen transportiert um Subventionen zu erhalten. An die Leiden der gequälten Tiere denkt keiner, Hauptsache das Fleisch ist billig. In vielen Ländern, werden arme Menschen, wie Vieh an Ihren Arbeitsplätzen in einsturzgefährdeten Gebäuden gehalten. Sie müssen direkt neben den oft gefährlichen Produktsstätten essen, schlafen und werden von Ihren Familien getrennt. Der einzige Grund ist der, billigste Arbeitskräfte zu haben, die für uns Kleidung zusammennähen, damit wir in Europa für 5 Euro ein billiges T-Shirt kaufen können und der gesamte Zwischenhandel immer noch stattliche Gewinn abschöpfen kann.

Wir sind nur Gäste auf unseren Planeten, einen anderen zu besiedeln ist in sehr weiter Ferne, deshalb habt acht auf unsere Erde, denn wir können nicht ohne die Erde, aber die Erde kann sehr wohl ohne uns auskommen.“ Deshalb mag ich diese Terraforming-Szenarios nicht. Sie vernebeln die Sicht auf die Realität, vermitteln eine Heuschreckenmentalität und gaukeln Alternativen vor, die es nicht gibt. Das ist wirklich alternativlos, Frau Merkel!

Ich träumte, alle Menschen würden der Geldgier, der Konsumsucht und dem Machtstreben entsagen.

Mitarbeiter von Banken verhökern immer noch gerne unseriöse Wertpapiere, um möglichst große Gewinne abzuschöpfen und den kleinen Sparern das Geld aus der Tasche zu holen. Werbung einmal zynisch: “Wenn’s um Geld geht Sparkasse, die einen sparen, die anderen machen Kasse”. Das soll aber die Sparkasse nicht schlechter machen als all die anderen “Geldinstitute”. Lobbyisten beeinflussen Behörden und Politiker derart, dass Sie zum Wohle der Firmen aber nicht für das Wohl des Volkes arbeiten. Getrieben durch die Werbung wird uns allen vorgemacht, dass wir bestimmte Dinge unbedingt brauchen würden, sei es das neue Smartphone oder das neue Auto usw. Alles muss neu und angeblich besser sein. Nur der Besitz dieser neuen Waren macht uns glücklich. Aber dafür muss man Geld anschaffen. Das letzte Wort ist nicht umsonst so gewählt: Einer Prostitution in Abhängigkeit kommt es gleich, da man immer mehr Kompromisse eingehen muss, mehr abnicken und zulassen, was dem eigenen ethischen Empfunden widerstrebt. Immer mehr und mehr. Eine Sucht. Auch mit dem Potential zu Beschaffungskriminalität: Da ist es doch einfacher, den Anderen zu übervorteilen, dann kann ich mir die erstrebten Güter und Statussymbole schneller leisten.

Welcher Politiker oder welcher Manager in Führungsposition hat jemals ein Stückchen Macht abgegeben? Nein, man muss auch gleich noch seine Sippe in Führungspositionen bringen, seien sie auch noch so unbegabt, wobei anderen, welche die Aufgabe besser meistern würden, der Zutritt zu diesem Netzwerk der Obszönität” verweigert wird. Dies ist dann ein doppelter Betrug am Volk, da jemand auf seine Kosten fürstlich entlohnt wird, der dann die Erwartungen, die an seine Position geknüpft sind, noch nicht einmal erfüllt. Die im Sinne der Gemeinschaft notwendige Arbeit wird nicht getan, oder nur so wie es dem “Netzwerk” gefällt.

Der Mensch zählt nur als Konsument und als billigste Arbeitskraft, wenn diese Einstellung erlahmt, importieren wir einfach “Gast-Konsumenten” aus Krisengebieten, die Kosten trägt der Steuerzahler, da kommen ganze Wirtschaftszweige an das Geld des kaufunlustigen Staatsbürgers. In Flüchtlingslagern “werben” Politiker verzweifelte Menschen mit falschen Versprechungen, das Kürzen der Rationen hilft notfalls auch, die Massen in Bewegung zu setzen. Ausserdem nutzt es den amerikanischen Verbündeten aus arabischen despotisch regierten Staaten, sozialen Zündstoff von ihrer “Haustüre” weguzuschaffen. Sie spielen mit der Stabilität unseres Landes, sogar der EU, und den Hoffnungen der Menschen, die sich auf den Weg machen. Eine echte Zukunft haben sie hier sowieso nicht.

Rente zahlen – wozu, ab in die Grube! Tja Herr Gabriel, 43% reichen nach Ihrer Aussage auch noch***. Im Müllcontainer gibt es ja immer was Leckeres zum Essen zu finden – man muss nur “flexibel”genug sein.  Aber das ist wohl die Vorstellung unserer Volksvertreter, was die Umsetzung von”Nachhaltigkeit” betrifft. Am besten ist natürlich, gleich über die Klinge springen, vielleicht gibt es bald auch keine ärztliche Versorgung mehr, ab einem gewissen Alter? Dabei bezahlen wir den fehlgeleiteten Parlamentariern für diese Form von “Demokratie” auch noch fürstliche Gehälter. In China bekommt der Arzt nur dann Geld vom Patienten, wenn er gesund bleibt – würden wir nach dieser Maxime leben, wären unsere Politiker wohl im Obdachlosenasyl.

Ein Kronjuwel der Perfidität: TTIP – es beinhaltet wohl alles, was in diesem Post an Negativem angesprochen wurde, dabei werden die wenigen verblieben Rechtsgrundsätze samt ihrer Schutzfunktion für den normalen Bürger auch noch ausgehebelt. Auch wenn das kriminelle Meisterstück jetzt von der Bildfläche verschwunden scheint – solche dunklen Angelegenheiten haben meist ein zähes Leben.

„Liebe selbsternannte “göttlich” Auserwählte, liebe Aasgeier, liebe blinde Konsumenten, liebe Machtgeile, was könnt ihr mit ins Grab nehmen? Solltet ihr in Eurer letzten Stunde, wenn das ganze Leben an Euch vorbeizieht, mit Erschrecken feststellen, dass Euer Dasein nur ein Blendwerk der eigenen Eitelkeit und Borniertheit, dass Streben nach Besitz und Status lediglich Zeitverschwendung war ?

Das letzte Hemd hat keine Taschen. Träume hingegen werden manchmal wahr, wenn auch immer weniger wahrscheinlich.

***auch wenn man jetzt aus Angst vor “Populisten”ein paar Groschen an die Menschen, die dieses Land aufgebaut haben “verschenkt” – mit verdeckten und offenen Steuern werden wir uns das schon wieder holen.

 

Posted by on Dezember 29th, 2016 2 Comments

Wintersonnenwende, Lichterfest und brüderliche Tradition

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Vom Dunklen ins Licht!
Wendepunkt des Jahres: Wintersonne. ©scrano2015

Aus meiner Zeichnung anlässlich des Winterjohanni, dem Lichterfest der Freimaurer. Diese besinnliche Feier zum Jahresausklang wird meist mit einer sogenannten weissen Arbeit begangen, an der auch Schwestern (die Gattinnnen der Brüder) und Gäste (Suchende, Freunde der Brüder) teilnehmen können. Sehr geehrte Anwesende, Liebe Schwestern, liebe Brüder, in meiner Zeichnung möchte ich mich mit Gedanken zum Winterjohanni auseinandersetzen.

  • Treibt der Konsumwahnsinn in der Vorweihnachtzeit nicht seltsame Blüten?
  • In Geschäften werden Lebkuchen und Spekulatius schon ab Ende August angeboten.
  • Bis zum Heiligen Abend werden noch verzweifelt Geschenke gesucht, um nicht ohne ein kleines Mitbringsel bei den Verwandten und Bekannten das Fest feiern zu müssen.
  • Was vom Brauchtum übrig blieb – Hektik und oftmals Streit in der Familie.

Weder taugt dieses alljährliche Szenario, um eine der Jahreszeit entsprechende Stimmung  aufkommen zu lassen, noch um sich einer gewissen besinnlichen inneren Einkehr zu befleißigen – vom christlichen Fest der Liebe ganz zu schweigen.

Lasst uns daher das Johannifest als einen Moment des Innehaltens in dem geschäftigen Treiben verstehen, der uns auch mit unserer Tradition verbindet: Denn Johannes der Evangelist, der dem Fest den Namen gegeben hat, war im Mittelalter noch fester Bestandteil des Liturgischen Kalenders und im Winter- und Weihnachtsbrauchtum verankert. Winterjohanni war eine volkstümliche Bezeichnung für den Gedenktag des Evangelisten Johannes (27. Dezember) im Gegensatz zum sommerlichen Johannistag (24. Juli), der Johannes dem Täufer gewidmet ist. Jahrhunderte lang stand der 27. Dezember im Kalender, als dritter von ursprünglich vier Weihnachtstagen. Im Volksmund wird er auch „Tag nach Weihnachten“ oder als „Tag zwischen den Jahren“ genannt. Erst im 19. Jahrhundert fiel der Gedenktag des Evangelisten Johannes preußischen Sparmassnahmen zum Opfer. Mit diesem Tag verbunden sind zahlreiche Bräuche, deren Ursprünge zum Teil in den alten kirchlichen Johanneslegenden zu suchen sind, vielfach aber älteren, nichtkirchlichen Traditionen entstammen. Der Evangelist gehört zu zahlreichen Weinheiligen und Schutzpatronen der Winzer, was seinen Namenstag vor allem in Weinbaugegenden zum Festtag werden ließ. Der frommen Legende nach, soll der heilige Johannes einst ohne Schaden zu nehmen, einen Becher mit vergiftetem Wein ausgetrunken haben, um durch diese Tat einen heidnischen Priester zu bekehren. Zu diesen Bräuchen gehört auch die Segnung bzw. Weihe des so genannten Johannesweins und das Trinken der so genannten Johannesminne oder Johanneslieb – wie der Trunk ursprünglich genannt wurde. Dieser Wein entstammte meist einer frommen Stiftung und wurde vom Ortsgeistlichen nach der Messfeier verteilt. Er stellte eine Geste der frommen Nächstenliebe dar. Den für den eigenen Hausgebrauch bestimmten Johanneswein brachte man mit, um ihn in der Kirche weihen zu lassen. Nach der Rückkehr kredenzte der Familienvater allen Familienmitgliedern bis hin zum Neugeborenen einen Schluck, der gut für die Gesundheit sein sollte. Johannes war aber nicht nur Freund der Weinseligen, sondern auch Patron der Bildhauer, Maler, Buchdrucker, Schriftsteller, Notare und Theologen; unter seinem Schutz stand die Freundschaft; er half gegen Vergiftungen, Brandwunden und Epilepsie. Den Bezug der beiden Schutzheiligen zum Sonnenkalender macht die folgende Bauernregel klar: „Hat der Evangelist Johannes Eis, / dann macht es uns der Täufer heiß“. grr333

Daß beide Johannes bereits eine Verbindung zur mittelalterlichen Bauhüttentradition aufweisen, war wohl einer der Gründe die beiden Eckfeste des Maurerjahres, das Rosenfest im Sommer, das Lichterfest im Winter, nach ihnen zu benennen. Eine andere Motivation bestand, wie schon in der Vorrede angesprochen, in den Kalenderdaten der Ehrentage der beiden Schutzheiligen an den Sonnwenden. Sowohl die ursprüngliche heidnische, als auch die neue christliche Tradition, feiern an diesen Tagen die Ankündigung der Wiederkehr des Lichts, entweder direkt als Sonne, oder im übertragenen Sinn der Geburt des Göttlichen. So fielen die Geburtstage von Mithras, des göttlichen Helden eines ursprünglich persischen Mysterienkults und Bezwingers des Chaos und der Finsternis, des Sol invictus des altrömischen Kaiserkults, aber auch von Jesus Christus, der in spätantiker Zeit oft noch als Helios/Apollon dargestellt wurde, in diese magische Zeit. Germanen und Kelten feierten die Geburt des Sonnenkindes in der sogenannten Mutternacht, dem Yul-Fest.

Unsere freimaurerische Bruderschaft sieht sich durchaus in der Tradition der Lichtsucher der antiken Mysterienbünde. Die deutliche sichtbare Sonnensymbolik in ihrem Brauchtum veranlasste bereits den Aufklärer und Humanisten Thomas Paine im 18. Jhd. zu seinem Essay „The Origins of Freemasonry“, das die Ursprünge des Freimaurertums beim Sonnenkult der Druiden der britischen Inseln verankerte. Diese Lichtsymbolik vor allem als Verbildlichung des Erlebnisses der Wiedergeburt, als Erleuchtung und als Überwindung der Unerbittlichkeit der Zeit bildet allerdings ein Fundament aller Mysterienbünde. Sie alle sind Lichtkulte. Die Konsequenz des Dualismus von Licht und Finsternis, Gut und Böse, Leben und Tod macht dem Menschen am meisten zu schaffen, erfüllt das ganze menschliche Dasein. Diesen Widerspruch aufzulösen und damit das quälendste Lebensrätsel zu beantworten steht im Zentrum eines jeden Mysterienbundes. Tod und die Geburt des Lichtes werden zugleich gefeiert. Wir Brüder Freimaurer suchen die Vereinigung der Gegensätze, die Befreundung des Feindlichen. Wie im Symbol des Ouroboros (einer Schlange, die ihren Schwanz verschlingt) oder dem taoistischen Yin/Yang dargstellt, sind Licht und Finsternis eins! Ohne Tod kein Leben, ohne Dunkelheit kein Licht. Durch die gesamte Mysterienikonographie zieht sich das Bestreben, diese dem Verstand schwer zugängliche Vorstellung bildlich zu verwirklichen und dem Menschen erlebbar und erfahrbar zu machen. Kampf und Vermählung von Licht und Finsternis, von Leben und Tod künden die Symbole. Die mit dem Lichtkult zusammenhängende Gestirnsymbolik findet man auch in der Verehrung des Ostens, dies lässt ihn zum erhabensten Teil des Mysterientempels werden. Nach Osten wenden sich die Blicke des Adepten, in den “ewigen Osten” geht der verstorbene Freimaurer ein.

Licht, Liebe und Leben, für die auch die drei Rosen des Sommerjohannifestes stehen, hatte sich schon unser Br. Johann Gottfried Herder zusammen mit dem erwähnten Oroboros, dem ägyptischen Symbol für Unendlichkeit und Wiedergeburt, als Wappen- und Grabspruch erwählt. Dieser Spruch ist eine Zusammenfassung von Themen aus dem Johannesevangelium (Johannes-Evangelium Kapitel 8, Vers 12, Erster Johannesbrief 2,10; 4,16), womit wir wieder beim Schutzpatron unseres Lichterfestes angekommen wären.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, seht unser Winterjohannifest als beschauliche Oase inmitten des auf Äusserlichkeit  und Profit bedachten Weihnachtstrubels an, das ein wenig innere Freude und Wärme vermitteln soll, wie sie auch die wiederkehrende Sonne verspricht.

Jetzt noch ein Wort an alle Schwestern: Nicht zuletzt und ganz besonders ist dies auch Euer Fest. Wir wollen Euch hier dafür danken, dass Ihr uns über das Jahr fast jeden Montag entbehren müsstet. Eine grosse Freude ist es auch immer mit anzusehen, mit welchem Elan Ihr unsere gemeinsamen Feiern gestaltet. Auch den hier erschienenen Gästen möchte ich für Interesse an unserer Bruderschaft danken und hoffe dass Sie unser Lichterfest als bereicherndes Erlebnis in Erinnerung behalten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein erbauliches Winterjohanni !

 McKimSC

Posted by on Dezember 16th, 2016 Kommentare deaktiviert

Jamilla sagt: Quo Vadis – Humanitas?

Wie manche menschliche Zeitgenossen denken und handeln … einfach unglaublich!

Wie manche menschliche Zeitgenossen denken und handeln … einfach unglaublich!

Spätestens im Sommer werden die Tierheime mit den Haustieren, die dieses Weihnachtsfest  ganz oben auf dem Wunschzettel der Kinder an das Christkind oder Santa Claus gestanden haben konfrontiert. So manches landet als lebendiges Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Naht dann die Ferienzeit und steht die geplante Urlaubsreise an, werden viele dieser Haustiere ausgesetzt, als ob sie eine lästige Sache wären, die man einfach loswerden kann.  Man findet sie in einer Schachtel auf der Schwelle, oder aber es werden Hunde  mit der Leine an Bäume irgendeines Rastplatzes entlang der Urlaubsroute festgebunden. So berichten jedenfalls jedes Jahr die Medien, die mit Tierschützern bzw. Personal von Tierheimen sprechen. Zugleich erleben plötzliche Ausbrüche von Tierhaarallergien ein Jahreshoch. Was sind das für Soziopathen- Kretins, die wehrlose, ihnen anvertraute Geschöpfe so behandeln ? Denn zu einer Gemeinschaft emphatischer Wesen gehören sie meiner Meinung nach nicht mehr.  Empfindungsfähige Lebewesen werden einfach als Dinge betrachtet, die man, wenn man ihrer überdrüssig ist, entsorgt.  Wenn ich mich dafür entscheide, ein Tier in meine Familie aufzunehmen, dann habe ich auch eine moralische Verpflichtung, mich so gut es geht um das Tier zu kümmern. Es IST auch ein fühlendes Wesen, mit einem Bewusstsein, das unter solcher Behandlung leiden kann wie ein Mensch.  Die Gründe für diese Wegwerfmentalität fallen entsprechend aus: “Man will doch nur den „wohlverdienten  Urlaub“ machen, da stören die Haustiere”. Früher sagte man, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, nun wird er abgeschoben. Vielleicht kann man sie auch dort hin, wohin die Reise gehen soll, nicht mitnehmen und eine Unterbringung würde zu sehr die Urlaubskasse belasten?  Das Tier – ein Konsumgut …? Ich will hier nicht dem Vegetarismus das Wort reden, aber muss es Fleisch aus Massentierhaltung sein ? Mit allen damit verbundenen Schreckensbildern ? Bei der Jagd wurde wenigstens ein natürlicher Ablauf im Räuber/Beute Zyklus der Nahrungskette gewahrt. Und man war sich dessen bewusst, dass der Preis für das Fleisch der Tod eines anderen Wesens ist.  Man fragt sich woher solche Einstellungen kommen, dieser Mangel an Achtsamkeit auf das, was mit einem den Globus bevölkert – mit dem GLEICHEN Recht wie die Menschheit.  Ist die einfältige Auslegung der Lehren der Buchreligionen schuld, wonach der Mensch über allen anderen Geschöpfen stünde? “…. machet Euch die Erde unmafiocattertan”,  soll wohl hoffentlich keine Aufforderung zu Raub und Plünderung sein! Gut, “… seid Fruchtbar und mehret Euch” , kann man heutzutage eher als “seid FURCHTBAR” uminterpretieren. Aber selbst dem Gott der Bibel will ich zugutehalten, dass als er solcherlei Auswüchse, wie wir sie immer mehr vorfinden, wohl nicht gutheissen kann. Zumal sich die Propheten des Alten Testaments ofttmals gegen die nach Tierfleisch hungernden Opferpriester des Jahwe-Kultes ausgeprochen haben, und Jesus im Neuen Testament etliche Äusserungen zugunsten einer vegetarischen Lebensführung macht – viele davon haben die Kleriker aus der neu christianisierten römischen Oberschicht wegen ihrer Freude an Schlemmerorgien einfach zensieren lassen. (Briefe des hl. Hieronymus, einem der frühchristlichen Bibelübersetzer).Und zweifellos darf man die angeblich so fortschrittlichen Anschauungen der Aufklärer auch nicht ausnehmen: So grusele ich mich immer noch wenn ich an den Ausspruch von deren Oberguru Descartes denke: “Die Schmerzensschreie eines Tieres gleichen dem Quietschen einer Maschine”. Rousseau war herzlos zu seinen Kindern, die er allesamt in ein Waisenheim abschob. Voltaire war ein boshafter alter Mann, der die Sklaverei und den Rassismus befürwortete. Egal ob von Gottes Gnaden oder aus angeblich wissenschaftlicher Sicht, diese Selbstüberhöhung der Menschen ist nicht nur bizarr, sie wird auch unseren Untergang besiegeln. Wir schaffen es ja nicht einmal, unsere Population einigermassen zu beschränken, nein, wir sind ein Krebs auf dieser Welt geworden. Wachstumswahn  dieser Art ist ein Fluch, der alles durchdringt, weil er auf Gier gegründet ist. Diese obszöne Grundhaltung ist ein Muster, das überall zu finden ist, unsere gesamte Wirtschaft basiert darauf.  Alles ist nur eine Resource geworden, nach ihrem Warenwert taxiert, nicht nur die Tiere: Human Resources - welch ein Zynismus! Mangel an Empathie kommt auch von bewusster oder unbewusster Ignoranz, besser wir schauen weg, wenn ein Stressfaktor für unser Moralempfinden und unsere Bequemlichkeit ins Blickfeld gerät. Die oben genannten “Weltanschauungen” als Legitimation helfen gut dabei,  das Unbehagen zu verdrängen.

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Vertrauensvoll in die Zukunft blicken? Das sollte für alle fühlenden Wesen dieses
Planeten gelten. Denn sonst ist der Mensch trotz oder gerade wegen seiner
Intelligenz die armseligste Kreastur auf dieser Welt.

In den meisten alten heidnischen Kulturen mit ihren Naturreligionen haben die Menschen die Umwelt und auch die Tiere hoch geachtet, denn sie waren auch von direkt davon abhängig. Sie versuchten in  einer halbwegs symbiotischen Beziehung mit ihrer Mitwelt zu leben. Wenn sie gegen diese Regel handelten, wurden sie relativ schnell abgestraft, wie das Verlöschen der Kultur der Anasazi, Maya oder das Schicksal von Rapa Nui zeigt. Diese Furcht vor der Hybris als schlimmster Sündenfall steckt auch in der Vorstellung der alten Griechen mit Astraea als Sinnbild der natürlichen Ordnung oder bei den Ägyptern mit der Maat. Das drückt sich auch in der Überlegung aus, dass die natürliche Gesetzgebung über den Olympiern steht. Zeus war nur Verteidiger von Recht und Gesetz, nicht der Gesetzgeber. Beide Figuren, Maat und Astraea besitzen eine Waage als Symbol des Ausgleichs.  In der hermetischen Philosophie wird dies  durch das Prinzip von “actio=reactio” ausgedrückt, wie wir das auch aus der Newton’schen Mechanik kennen. Sir Isaac Newton, ein grosser Verfechter der Hermetik übrigens, war auch ein Katzenfreund und der Erfinder der Katzenklappe.  Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Göttin Astraea einen strafenden Aspekt besitzt, die Nemesis, die selbst die anderen Götter fürchteten. Für Nemesis und Hades gilt, dass über Dinge in ihrem Einflussbereich keinerlei Verhandlungsspielraum mehr existiert.

Nur ein Zurückbesinnen darauf, dass wir Gäste auf unseren Planeten sind und mit der Umwelt, den Tieren und Pflanzen, sorgsam umgehen, kann den unausweichlichen Untergang der Menschheit (bald 10 Milliarden) aufhalten. Dazu gehört auch Bildung und Aufklärung zu verbreiten, denn Mangel an Verständnis und Empathie ist oft wie schon erwähnt verursacht durch einen Mangel an Wissen, oder die Indoktrination mit unsinnigen Glaubenslehren. Letzteres dient oft nur dazu durch die Vermehrung der Kopfzahl ungebildeter, abhängiger Schäflein die eigene Machtposition zu stärken. Zu diesen Irrlehren gehört auch die Theorie vom unbegrenzten Konsum, weil die Weltwirtschaft nur durch Wachstum definiert sei.  ”Wir pfeifen auf Ernährung, wir machen nur Vermehrung!”, ein zynischer Satz, der schon in den Achtziger Jahren den Vertretern diverser reaktionärer Glaubensgemeinschaften vorgehalten wurde. Leider hat man wohl nichts dazugelernt. Vom Lager der kaltherzigen Nihilisten, auch bekannt als Wirtschaftsbosse, kann man sowieso keine Einsicht erwarten.

Bessert Euch!

Eure Jamilla

minijamiEin Nachtrag: Neulich habe ich den Film “A World Beyond” gesehen … nett von Dir George (Clooney), der Zukunft der Menschheit noch eine Chance zu geben …! Aber die Träumer und Querdenker, die es braucht eine Welt jenseits des Mammons und er brutalen Gier oder der totalen Verdummung durch dogmatische Religionen zu gestalten, wirst Du bald nicht mehr finden. Das Basteln von Tomorrow-Buttons für solche Menschen  kannst Du Dir wohl schenken …? Die Gates, Zuckerbergs, Bushs und ähnliche Zeitgenossen überwiegen wohl die Teslas, Einsteins oder Feynmans bei weitem. Steve Jobs war “a man in the middle”, von Uranus befeuert, der Verführung Plutos erlegen und selbst ein neptunischer Svengali und Guru. Wenigstens hatte er anfangs eine Idee, die noch in Ansätzen humanitär war … Edison: Als Weltverbesserer gescheitert, wurde er ein machtbesessener Tyrann – das Schicksal manch eines Uranus-umgetriebenen Innovators, der im Alter zum unflexiblen Despoten wurde. Die schöpferische Kraft des gestürzten Himmelsvaters und seines Alter Ego Prometheus ist stark in allen Querdenkern und Erneuerern. Auch in Revolutionären …  Das bringt mich wieder zu Geoge Clooney. Wie sagte er so schön:” Die alte Struktur muss weichen, das Gebäude abgerissen werden …” Recht hast Du ja, dann fang mal an:  Use the Force … George ! Allerdings: Verschone uns mit diesem technophilen Disneyland – schenk uns lieber eine Zukunft wie bei den Nox in Stargate SG-1, wenn es schon ein SciFi Utopia sein soll. Ach ja, Kaffee in Plastik/Alucontainern ist eine Umweltsauerei – Du Pharisäer. aber “pecunia non olet!” Noch nicht mal nach Kaffee.

Posted by on Dezember 10th, 2016 6 Comments

… Wunschdenken, Vorweihnachtsumsatz, Konsumerwartung, Hartz IV und Wahlgeschenke.

Adventskalender. ca 1900.

Weihnachtsidyll mit Macken: Adventskalender. ca 1903.
quelle:wikipedia

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, wird wieder fleissig der Konsum-Index gesundgebetet: Noch nie waren soooo viele Kaufwütige im Vorweihnachts-Geschenkerausch zum Sturm auf die Geschäfte bereit. Jedes Jahr die gleiche Leier, wie eine alte Schellackplatte mit Sprung.  Danach die Ernüchterug: Ach Gott nee, die Erwartung wurde wieder nicht erfüllt. Wie ein Börsen-Journalist beim Sender ntv so treffend bemerkte: Zwischen dem Wunsch nach mehr Konsum und der Grösse des Geldbeutels von Otto Normalverbraucher klaffen zusehends Welten. Und was die Statistiken des Einzelhandels anbelangt: Sie werden genauso erhoben, wie die Arbeitslosenzahlen oder andere Abzählreime, die uns als Vernebelungs-Taktik präsentiert werden. “

Wer einer Statistik glaubt, die er nicht selbst gefälscht hat, ist selber schuld” –  (frei zitiert nach Sir Winston C.)

Apropos Arbeitslose:

  • Alle Hartz4-Empfänger bleiben unberücksichtigt. Freiberufler, die am Hungertuch nagen, findet man auch nicht. Wer eine  Fördermaßnahme bekommt wird auch nicht erfasst. Alle legalen und illegalen Flüchtlinge, die nicht arbeiten oder arbeiten dürfen fehlen ebenso.
  • Schätzungsweise gibt es zwischen 8 und 15 Millionen Arbeitslose !!
  • Und dann holen wir noch aus bankrotten EU-Staaten deren verzweifelte Arbeitnehmer per Flugzeug zu uns, damit Bosch, Daimler und Konsorten billigste Arbeitskräfte bekommen ?! Wenn das nicht reicht, dann packen wir eben ein paar Afrikaner obendrauf. Wobei durchaus einkalkuliert wird, dass hier dadurch die Fremdenfeindlichkeit zunimmt, und Menschen, die wegen politischer Verfolgung hier Zuflucht suchen irgendwann hier nicht mehr willkommen sind, weil sie mit solchen  Wirtschaftsnot-Zuwanderern in einen Topf geworfen werden.
  • Wo sollen alle diese Menschen denn überhaupt ihr Auskommen finden?
  • Wir sind kein Land mehr, das Wertschöpfung im klasssischen Sinne betreibt. Es werden keine Güter mehr im grossen Stil produziert, für die wir viele Hände brauchen, wie das einmal war. Dazu wird jetzt noch Industrie 4.0 herbeigebetet – was das heisst? Nun, all die als Rentenzahler herbeibeschworenen Menschen, darunter auch der eigene Nachwuchs, werden wohl obsolet, da der elektromechanische Kumpel nun die Arbeit macht. Allerdings wer konsumiert den Krempel dann fleissig – Mr. Mechanic? Nur Idiotie an allen Fronten.

Es reicht wohl nicht mehr,  ganze Produktionszweige nach China und Indien oder in Schwellenländer zu verlagern. Oder das andauernde Lohndumping und die Knebelverträge der konzerneigenen Sklaventreiber (=Leiharbeitsfirmen) hierzulande. Das genügt aber immer noch nicht für die Profitmaximierung. Damit die Kasse stimmt, baut man gleich schlauerweise eine programmierte Lebensdauer in die Produkte ein. So knapp über der Garantiezeit.  Bekommt die stetig steigende Zahl der neureichen Multimillionäre  gar nicht den Rachen voll ?  Früher sagte man, wenn jemand derartig reich wird, muss iregnd etwas faul sein – nun ja, was hier faulig stinkt ist der Egoismus und die Protzsucht. Wie viele Yachten braucht der Mensch ?

Es ist etwas faul im Staate Dänemark …Nicht nur dort, und nicht nur Hamlet kommt ins Grübeln.

Nicht nur Hamlet kommt ins Grübeln …
Es ist etwas faul im Staate D …
quelle:wikipedia

 

Apropos bankrotte Staaten:

Wer hat hier fleissig mit abgewirtschaftet und auch noch fett daran verdient ? Die freundlichen Geldinstitute, für deren Repräsentanten offenbar nur ein perverses Leistungsprinzip gilt, und die dafür auch noch Bonusbeträge unglaublicher Höhe kassieren.

Und wir Bürger sollen all diesen glitzernden Tand klaglos konsumieren, von billigstem Krempel aus PanAsia, über Lebensmittel, deren Wert völlig zweifelhaft ist, bis zu Finanzprodukten die jeder Beschreibung spotten, und an Betrug grenzen. Und das auch häufig noch teuer? Für die Gewinnmaximierung derer, die uns der täglichen Lebensgrundlage, nämlich einem vernünftigen Broterwerb nachzugehen, berauben wollen. Regt sich Widerstand, wird behördlich eingegriffen. Da massen sich doch freche Verbraucher an, ihr Billigprodukt direkt aus China vom Produzenten zu beziehen, statt es über den einheimischen Zwischenhandel zu erwerben.  Gleich gibt es Strafzoll-Androhungen an den Drachenstaat. Als Verbraucher wird man vom Zoll schikaniert, in dem die Ware mehrere Wochen nicht freigegeben wird. Und es wird behauptet, hier gingen Arbeitsplätze verloren. Welche denn? Die eifrigen Chinesen produzieren tagsüber für good old Germany, nachts für den Eigenbedarf,  das identische Produkt. Hier gefertigt wird ohnehin nichts mehr, oder zukünftig eben vom Robotnik. Offensichtlich hält man uns für extrem dumm oder für zu träge. Und unsere allseits verehrten Volksverteter ? Tun sie etwas, dass dem VOLK, uns Bürgern,  tatsächlich hilft ?

Statt echter Alternativen gibt es gleiche Wahlversprechen allerorten und von ALLEN Parteien. Wieder wie eine alte abgenutzte Platte. Und wenn wir nicht mehr mitmachen möchten ? Eine direkte Demokratie mit mehr Transparenz wärde doch auch ein Ansatz. Nicht wie bei den verblödelten Aktionen der Piraten, nein ganz im Ernst und durchaus vernünftig …!

Wenn uns die Wähler nicht mehr wollen, importieren wir einfach welche …. das ist dann “alternativlos“, wie unsere Bundesmutti so gerne formuliert.  Lassen wir es nicht soweit kommen.

Es wird Zeit zur Umkehr, sagte schon Johannes der Täufer. Leider wird wohl das gesamte Jordanwasser nicht reichen um all das Elend, den sozialen Dreck und den realen Umweltschmutz den die  Globalisierungsliga hinterlassen hat, und immer noch hinterlässt, wegzuspülen. Der Jordan wird sowieso ein Opfer des Klimawandels. Um die Verursacher zu  entsündigen reicht wohl nicht einmal der Pazifik. Vielleicht im nächsten Leben?

NEIN, liebe Mitbürger, raffen wir uns lieber auf und tun etwas gegen all das Unrecht, so lange es nicht zu spät ist. Was die Flüchtlinge betrifft, die auf unser aller Kosten so fleissig importiert werden – sie sind auch nur ein Bauernopfer des Powerplay zwischen den Grossmächten: Der eine will einen Hafen im Schwarzen Meer, der andere will den am Mittelmeer behalten. Da wird mal schnell eine Rebellion angezettelt, oder ein Diktator im Amt gehalten – Kollateralschäden egal, die tragen andere. Im Zweifelsfall sind “andere” immer wir. Das Problem von syrischen Flüchtlingen löst man in Syrien – nicht bei uns. Allerdings wird dem IS-Phantom wohl kein nennenswerter Widerstand erwachsen – eine gewollte Krise. Das billige Öl aus deren eroberten Ölfeldern sprudelt auch zu schön. Vom Treibgut aus aller Welt, das sich von den Flüchtlingsströmen gelegenheitshalber mitspülen lässt, mal ganz abgesehen. Integration: No way – man kann nicht einfach einen Sack Menschen in einem Land abladen, und erwarten, das die Ansässigen, die auch noch die Facebook-Party zahlen müssen, darüber in “Hurra!”Geschrei ausbrechen. Dass wir EU-Bürger mittlerweile zu Geiseln in unseren eigenen Ländern geworden sind, ist auch die Schuld solch verfehlter “Integrationspolitik”. Und Anspielungen auf die Vertriebenen nach dem II.Weltkrieg sind nur dumm und beleidigend für die Betroffenen: Diese Menschen MUSSTEN gehen, sie wurden VERTRIEBEN – oder sterben. Was jetzt so heranströmt, kommt aus den zugegebenermassen desolaten Lagern RUND UM SYRIEN, es sind Migranten, KEINE Flüchtlinge. Da sollte man doch lieber Geld dorthin geben, nachdem die Verursacher USA  und Russland ja ihre Zahlungen eingestellt haben. Bei all den andern Auswanderungswilligen – muss ich sagen, Euer eigenes Risiko – ich kann auch nicht in irgendein Land einfallen und Ansprüche stellen, weil ich arm bin. Noch dazu, weil hierzulande Rentner, die Mülltonnen nach Essbarem und Pfandflaschen durchstöbern keine Seltenheit mehr sind, und die Schlangen an den Tafeln immer länger werden. Wo ist Ihre Verantwortung den Menschen gegenüber, die hier zu diesem Staat jahrzehntelang beigetragen haben, Frau Alternativlos? Hartz 4 Bezieher werden abgeschrieben und jeder Bissen im Mund wird abgezählt. Die “Neuankömmlinge” stellen häufig überzogene Forderungen, haben hier aber noch keinerlei Beitrag zur sozialen Gemeinschaft geleistet. Seltsamerweise ist hier Geld für Massnahmen scheinbar endlos vorhanden, für Fortbildung, medizinische Versorgung etc. die Bedürftigen im eigenen Land verwehrt werden. Im eigenen Land: Das meint ALLE Menschen, egal welcher Hautfarbe oder Religion, die hier bereits leben, arbeiten und Steuern zahlen. Sie sind in erster Linie Ihre Schutzbefohlenen, Frau Staatsratsvorsitzende! Eine Grenze wird wohl gezogen werden müssen – ob von Ihnen oder anderen ist nicht relevant. Aber denken Sie daran – Wer zuspät kommt, den bestraft das Leben.

BSD Daemon Copyright 1988 by Marshall Kirk McKusick.     All Rights Reserved.      Permission to use the daemon may be obtained from: Marshall Kirk McKusick 1614 Oxford St Berkeley, CA 94709-1608 USA     or via email at mckusick@mckusick.com

Beast 666: Mikrotherion.

 

 

 

 

 

 

 

Posted by on Dezember 7th, 2016 Kommentare deaktiviert

Die dunkle Seite der Schokolade: Bitter, aber gar nicht zart

Kakao – die dunkle Seite einer süssen Verführung:

Nachdem wir uns alle an den süssen Köstlichkeiten, vor allem der Schokolade, sei es in fester, oder als Kakao in flüssiger Form, reichlich in der Weihnachtszeit erfreut haben, wird im Neuen Jahr wieder die Zeit des Fastens kommen, vor allem, um das Hüftgold oder den Winterspeck zu reduzieren. Es gab wohl kaum jemanden, der beim Anblick von Schokolade, Pralinen oder anderen Köstlichkeiten nicht schwach wurde. Der süsse Seelentröster, ein Stoff, der schon seit dem Altertum als leistungssteigernd und aphrodisierend bekannt ist, kurz um, ein magisches Wundermittel. Nach einer kurzen Atempause werden wir schon in wenigen Wochen erneut der großen Verführung zum Opfer fallen: Ostern naht mit all seinen Ostereiern und Osterhasen.

Süsse Verführung

Süsse Sünde mit Schattenseiten:
Nicht nur Kalorien.
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Kaum einer macht sich Gedanken darüber, aus welcher Quelle die Köstlichkeiten auf den Ladentisch kommen. Die vorösterliche Fastenzeit ist aber ursprünglich nicht zum Abnehmen gedacht, sondern der Verzicht fordert zu mehr bewusstem Umgang mit der Umwelt, zu der auch die Nahrung gehört, auf. Zur Um- oder Mitwelt, wie manche es treffender ausdrücken, gehören auch die Menschen, die uns die selbstverständlich gewordenen Genussmittel Kaffeee, Zucker und eben auch Kakao zugänglich machen.  Alle diese stammen, wie auch viele mittlerweile unverzichtbare Gewürze, von Pflanzen der Tropen und damit der früher so bezeichneten “Dritten Welt”. Einer der Welt-Rohstoffe, Zuckerrohr hat immer ein “Geschmäckle” behalten, da es bis heute unter Umständen angebaut und verarbeitet wird, die mit Sklaverei in einem Atemzug genannt werden können. Die alte Triage, es gibt sie noch: Zucker-Rum-Sklaven. Wobei der Rum jetzt eher die Form von Brause-Getränken angenommen hat. Besitzt auch der Kakao, das einstige Mut-und Stärkungsmittel der Nativen aus Mittelamerika einen derartigen, bitteren Beigeschmack?

Wo in der modernen Welt liegen die überhaupt Anbaugebiete dieser Pflanze, die uns so viel Freude bereitet? Wie wird dort gewirtschaftet ?

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Kinderabeit auf Kakao-Plantagen.
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An den Anbau- und Erntebedingungen der Frucht hat sich seit dem vierten Jahrhundert nach Christus, als die Tolteken, südamerikanische Ureinwohner, die “Speise der Götter” angeblich erstmals als Genussmittel entdeckten, wenig geändert. Kakaobäume lieben es warm; sie wachsen nur im Gebiet um den Äquator herum, also in Mittel- und Südamerika, Afrika und Südostasien. Gleichzeitig sind sie sehr anfällig für Schädlinge und Dürreperioden. Wie die Ernte ausfallen wird, lässt sich also nie vorhersagen. Um einen möglichst gleichbleibenden Ernteertrag zu gewährleisten, werden Pestizide verwendet, die bei uns sicherlich verboten wären.

Schon der Aufwand bei der Ernte ist groß und die Weiterverarbeitung ist arbeitsintensiv. Die reifen Früchte können nur mit der Machete von den Ästen abgetrennt werden. Die von einer schleimigen, weißlichen Masse umgebenen Samenkerne müssen von Hand aus der Schale befreit werden. Anschließend lässt man sie mehrere Tage fermentieren, damit die herben Gerbstoffe oxidieren. Die nunmehr braunen Kerne werden dann getrocknet. In manchen Gegenden geschieht das in Trockenöfen, die auf 60 Grad aufgeheizt werden. Häufig werden die Samen noch auf dem Ofen mit den Füßen bearbeitet, um klumpenfreien Rohkakao zu erhalten, der schließlich in die Weiterverarbeitungsländer verschifft werden kann. Eine Automatisierung der Ernte ist kaum möglich.

Man könnte meinen, dass sich nur die Reichen dieser Welt Produkte leisten könnten, die in grösseren Prozentsätzen Kakao enthalten. Dies ist aber ein Irrtum, wir alle können schon für wenig Geld Schokoladen-Produkte erstehen. Schokolade ist häufig sogar ein billiges Sonderangebot im Supermarkt. Pro Jahr konsumieren allein wir Europäer 1,5 Millionen Tonnen Schokolade ( dies entspricht ungefähr 15 Milliarden Tafeln). Jeder Deutsche isst ca. 11 kg Schokolade pro Jahr. Allerdings: Das  funktioniert nur, wenn der hohe Aufwand der Ernte und der ersten arbeitsintensiven Bearbeitung möglichst gering entlohnt werden.Die Kakaobauern erhalten für einen Kilogramm Kakao, aus denen ca. 40 Tafeln Schokolade produziert werden, gerade einmal einen Euro. Bereits die Exporteure verlangen für das Kilogramm Kakao 2,50 € und machen somit enorme Profite.

Die zynische Lösung dieses „Problems“ wird  durch Kinder- oder Sklavenarbeit realisiert.

Die Früchte werden tatsächlich überwiegend von Kindern, auch schon jüngeren Alters (8-10 Jahre), geerntet. Weltweit schuften weit mehr als 200.000 regelrechte Kindersklaven, die Dunkelziffer ist sicherlich noch höher, auf den Kakaoplantagen ohne einen einzigen Cent. Viele der Kinder wurden und werden aus Mali verschleppt und auf die Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste verkauft. Ein Kind kostet nach Angaben eines Plantagenbesitzers, der von den Reportern befragt wurde, ca. 230,-€ und kann dafür unbegrenzt ausgebeutet werden. Aber auch etwa 90 Prozent der Kinder von kleinen Kakaobauern müssen auf deren Plantagen schuften und können nicht zur Schule zu gehen.
 Sie werden geschlagen, zur Arbeit angetrieben und streng bewacht. Mindestens die Hälfte von ihnen leiden unter Migräne, Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Der Grund hierfür sind die Pestizide, die beim Kakao-Anbau reichlich eingesetzt werden.

Die Umweltorganisation Greenpeace stieß auf alarmierende Zustände. Sie berichtet von Zehnjährigen, die im Kakaogürtel der Elfenbeinküste durch die harte Arbeit wie müde Alte aussehen und unter Hautkrankheiten sowie schweren Verletzungen leiden, teils zugefügt von Arbeitgebern. Sie müssten ohne Schutzkleidung mit Macheten und Pestiziden hantieren, stundenlang unter sengender Hitze für Hungerlöhne arbeiten, würden teils aus Mali und Burkina Faso verschleppt und auf Plantagen eingesperrt, nur mit einem Minimum an Essen und Trinken. Ähnliche Zustände kennt man auch von den schon genannten Zuckerrohrplantagen in Mittel-und Südamerika, wo der zweite Schokoladengrundstoff herkommt, vor allem in den USA.

Genet at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], from Wikimedia Commons
Inneres der Kakao-Schote.
quelle:wikimedia

Einer der Kämpfer für die Kinder ist der Journalist und Dokumentarfilmer Miki Mistrati. Er reiste nach Afrika und beobachtete, wie Kinder über mehrere 100 Kilometer in die Gebiete des Kakaoanbaus verschleppt wurden und dort Schwerstarbeit auf den Plantagen verrichten mussten. Nachdem er in der Presse bekannt machte, dass Kindersklaverei zum Alltag auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste gehörten, versuchten die großen Schokoladenhersteller wie Nestle, Mars oder Cargill  das schlechte Image zu verbessern und wieder das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. Sie versprachen Schulen, medizinische Versorgung, Bildungsprogramme. So sollte das Leben der Kinder und der Bauern vor Ort erträglicher werden, damit wir in Deutschland Schokolade wieder ohne schlechtes Gewissen genießen können. Doch die Realität sieht anders aus. Wir sind ja weit weg von den Plantagen. Miki Mistrati wollte die wundersamen Programme der Schokoladen-Multis überprüfen. Doch er durfte in die Länder, die Kakao anpflanzen, nicht einreisen. Die Botschaft der Elfenbeinküste erteilt Visa für Reporter nur, wenn eine Einladung der Schokoladenindustrie vorliegt. Doch alle Schokoladenfirmen und Verbände verweigerten diese Einladung. Eine Allianz des Bösen, gefördert duch Korruption und politische Instabilität. Gefährlich ist die Recherche zudem: Ein Journalist ist bei seinen Nachforschungen unter ungeklärten Umstanden verschwunden. Mafiöse Zustände, also. Dennoch gelang es einem Fernsehteam, an die Elfenbeinküste zu reisen. Die investigative Dokumentation “Schmutzige Schokolade” von 2010 schaut einer Branche auf die Finger, die seit Jahrzehnten weiß, dass sie ein großes Imageproblem hat. Missbräuchliche Kinderarbeit sei unter keinen Umständen akzeptabel, so immer wieder ihr Versprechen an die Verbraucher. Viele Firmen verweisen auf ihre Zusammenarbeit mit Zertifizierern wie Rainforest Alliance und UTZ, deren Gütesiegel auf den Schokoprodukten dem Verbraucher mehr Sicherheit geben soll, Produkte aus Kinderarbeit zu vermeiden. Wie es aber tatsächlich vor Ort aussieht, das zeigt Miki Mistrati in seiner Dokumentation von 2010. Er konfrontiert Hersteller und Zertifizierer mit schockierenden Bildern.

Warum verbessert sich kaum etwas an diesen Zuständen?

Zuviele können profitieren: Schon der Kinderhandel ist lukrativ. Der Schlepper oder Sklavenhändler verdient, wie schon erwähnt, pro Kind ca. 200-300 € (***siehe Zusatz). Minderjährige wurden, zum Teil mit falschen Versprechungen aus den bitterarmen Nachbarländern Mali und Burkina Faso in die produzierenden Länder gelockt oder zum Teil aber auch einfach entführt. Das Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass jährlich 200.000 Minderjährige allein in Westafrika verschleppt werden, um als billige Arbeitskräfte zu dienen, und die internationale Arbeitsorganisation ILO vermutet, dass in ganz Afrika 30 Millionen Mädchen und Jungen unter 14 Jahren zum Arbeiten gezwungen werden. In den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste sind Kindersklaven besonders begehrt.

Kako-Baum (ein Sterkuliengewächs) mit den direkt den Ästen entspringenden Schoten.
Kakao-Baum (ein Sterkuliengewächs)
mit den direkt den Ästen entspringenden
Schoten. quelle wikimedia.

Ein westafrikanischer Kleinbauer, der seine eigenen Kinder ausbeuten muss, verdient mit seiner Jahresernte an Kakao nach Angaben des Vereins Transfair nur etwa 150 Euro im Jahr. Hinzu kommen die stark schwankenden Weltmarktpreise: In den vergangenen zehn Jahren zahlten die Abnehmer in Europa oder den USA mal 800 Dollar pro Tonne, mal aber auch 3700 Dollar. Derzeit liegt der Preis bei 2700 Dollar. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass Kinderarbeit und Sklaverei weiterhin eine Chance haben bei der Kakaoproduktion, denn ohne billigste Arbeitskräfte ließen sich niedrige Endverbraucherpreise nicht halten.

Der Käufer der Schokoladentafel oder des Kakaogetränks im Supermarkt weiß freilich immer noch zu wenig von den Produktionsbedingungen. Als der britische Fernsehsender Channel 4 im Herbst 2000 eine Dokumentation über die “chocolate slaves” ausstrahlte, war die Überraschung und die Empörung groß. Britische Schokoladenhersteller verpflichteten sich daraufhin, bis spätestens Juli 2005 keinen Rohkakao mehr zu kaufen, bei dessen Herstellung Kinderarbeit im Spiel sei. Das Ziel wurde freilich verfehlt, man wollte es bis 2009 erreicht haben, aber wie die Doku “Dark Side of Chocolade” von 2010 zeigt, hat sich nicht viel verbessert.  Wer also sichergehen will, ist weiterhin auf Schokolade aus fairem Handel angewiesen, die inzwischen von mehreren Einzelhandels-Organisationen vertrieben wird. Dennoch, auch die großen Hersteller beginnen unter dem Druck der Öffentlichkeit, ihre Verantwortung anzunehmen. Man setzt, wie der Schweizer Konzern Barry Callebaut, verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Musterfarmen in Ghana, wo die Bauern immerhin 70 Prozent des Weltmarktpreises bekommen. Zum Markenportfolio der Schweizer gehört auch Sarotti, und natürlich wäre es der Marke nicht zuträglich, würde sich der berühmte “Sarotti-Mohr” als geprügelter und geknechteter Kindersklave entpuppen.

Schokolade is(s)t in aller Munde, doch die meisten Menschen denken nicht darüber nach, unter welch unzarten Bedingungen die Inhaltsstoffe ihrer lila Kuh-Tafel oder des Power-Schokoriegels eigentlich gewonnen werden. Denn gerade bei konventionellen Industriewaren – anders, als es einem die Werbung mit Handarbeit unter Verwendung bester Zutaten suggerieren soll – bedeutet dies, dass alles, was in so einer Schokolade steckt, unter maximalen Kostensenkungskriterien hergestellt wird.

Selbst die versprochene Alpenmilch kommt von Kühen, die in Massentierhaltung aufwachsen und durch entsprechendes Kraftfutter (wieder aus der dritten Welt, oder möglicherweise gar “pfui Teufel-” aus Genmais? ) zur maximalen Leistung angetrieben werden – Profitmaximierung! Der Begriff ist ohnehin nicht geschützt, und kommt das Freihandelsabkommen mit den USA wird solcher Etikettenschwindel noch mehr um sich greifen. Das gleiche gilt auch für die restlichen Ingredenzien. Soweit sie auf Feldern angebaut werden, werden auch sie mit Pestiziden beaufschlagt. All das ist zwar gesetzlich erlaubt, aber es gibt Einem doch zu denken. Billige Schokolade enthält ausserdem noch zuviel Zucker, künstliche Aromen und ist daher auch vom Genusserlebnis als minderwertig anzusehen !!

Und trotzdem rennen viele zum Discounter und freuen sich, wenn sie wieder billigste Schokolade im Regal sehen!!! Warum müssen es immer Unmengen sein ? Qualität vor Quantität – weg vom amerikanischen “Super Size Me!”. Zu fett sind wir doch sowieso schon.

Was können wir als Verbraucher tun? Entscheidung leicht gemacht?

Einkaufen wird immer komplizierter. Für viele Kunden ist es nicht klar ersichtlich, welche Zutaten wirklich im Produkt stecken, woher sie kommen, welchen Anteil sie haben, usw. Eine klare Kennzeichnungspflicht besteht ja nicht immer.  Deshalb wurden Siegel (Labels) entwickelt, die für soziale und teilweise auch ökologische Mindeststandards stehen. Die Einhaltung der Standards wird, nach Angaben der Organisationen die sie vergeben, überwacht. (Wie auch immer: Da ich selbst im QM-Business tätig bin, weiss ich wie stark der Drang zur Schönfärberei ist, und wie schwierig aufzudecken). Dazu kommt mittlerweile auch eine gewisse Werbewirksamkeit der Fair-und Öko-Zerts.

schoko

Selbermachen: Schokoknusperlis aus fairen Bio-Zutaten

Fairtrade” ist eines der bekanntesten Siegel: Im Jahr 2012 lag der Umsatz in Deutschland mit Fairtrade-Produkten bei rund 533 Millionen Euro. “Fairtrade” will durch etwas höhere Preise für die Rohstoffe die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern verbessern.

GEPA – The Fair Trade Company” ist ein großer Importeur fair gehandelter Lebensmittel aus den südlichen Ländern. Es ist ein Siegel mit hohen Anforderungen für die Hersteller, häufig auch BIO-Qualität.

UTZ Certified” garantiert nach eigenen Angaben: nachhaltigen Landbau und bessere wirtschaftliche Bedingungen für die Bauern. Das UTZ-Programm ermöglicht den Bauern, bessere Anbaumethoden zu erlernen, ihre Arbeits-bedingungen zu optimieren und besser für ihre Kinder und die Umwelt zu sorgen.

Rainforest Alliance” verspricht nachhaltige Anbaumethoden. Dabei geht es neben besseren Arbeitsweisen und mehr Arbeitssicherheit auch um Umweltschutz, soziale Gleichstellung und bessere ökonomische Bedingungen für die Bauern.

Die Organisation “Sourcetrust” in Ghana überwacht zum Beispiel für die Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli. Der Kakao von Sourcetrust lässt sich bis ins einzelne Dorf zurückverfolgen.

Flo-Cert” ist eine unabhängige Organisation in Deutschland, die für Fairtrade-Farmen inspiziert und zertifiziert. Flo-Cert leistet Gewähr dafür, dass Hersteller und Händler internationale Standards des fairen Handels einhalten.

Manche reden von Konsumverweigerung wie beim früheren Apartheits-Südafrika.

Doch Vorsicht: Ein Boykott will gut überlegt sein. Wenn etwa keiner mehr Schokolade von der Elfenbeinküste kauft, stehen die Kleinbauern ohne Einnahmen da. Nicht den Sack schlagen, wenn man den Esel treffen will.

Hinweis: Bitte schaut Euch diese Webseite an, wenn Ihr nicht schon die Links verfolgt habt:

  • www.thedarksideofchocolate.org
  • Die katastrophalen Zustände, unter denen die meisten Kinder arbeiten müssen, sind schon seit Jahren bekannt und wurden sowohl im Internet als auch durch den Fernsehsender ARD veröffentlicht. Besonders jetzt, in der vom Aufruf zu mehr Achtsamkeit geprägten Fastenzeit, möchte ich daher intensiv auf das himmelschreiende Unrecht hinweisen, das die ARD zuletzt in ihrer Dokumentation Schmutzige Schokolade (Dark Side of Chokolade) aufgezeigt hat.
  • Der Film ist noch in der Mediathek.
  • Wer diesen Bericht gesehen hat, kann nicht mehr guten Gewissens Schokolade essen.

***Zusatz, gefunden im WWW:

Kakaoernte mit tausenden Kindersklaven

Eine Form der sogenannten ethnischen Sklaverei existiert im Sudan und in Mauretanien. Dort betrachtet eine arabische Herrschaftsschicht die schwarzafrikanische Bevölkerung als Eigentum. Bereits fünf mal hat Mauretanien Sklaverei per Gesetz verboten – das letzte Mal 2007. Geändert hat dies nichts. Vermutlich 600.000 Sklaven, 20 Prozent der Bevölkerung, sind weiter der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert. Sklavenhändler verschleppen Kinder in Westafrika und verkaufen sie zum Stückpreis von 30 bis 300 Dollar an die Kakaoplantagen der Elfenbeinküste.

In einem weiteren Bericht ist zu lesen:

Rund 35 Prozent der weltweiten Kakaoernte wird dort produziert – mit Hilfe zehntausender Kindersklaven. Die Sklaverei erlebt im Zeitalter der Globalisierung eine neue Blüte. Das Volumen des Menschenhandels hat sich seit Mitte der 1990er Jahre weltweit vervierfacht. Am Berliner Institut für Menschenrechte weiß man, dass dies nicht nur ein Problem ferner Armutsregionen ist. “Wir haben Sklaverei oder Sklaverei ähnliche Zustände 2011 auch in Deutschland. Wir haben ein ganz breites Spektrum an Arbeitsausbeutungen und am Ende dieses Spektrums stehen die Sklaverei ähnlichen Verhältnisse,“ so Heike Rabe vom Projekt “Zwangsarbeit heute”.

Wir reden immer davon, dass wir moderne Menschen zivilisierter seien als unsere Altvorderen. Wo bitte? Wenn es uns ungestraft möglich ist, scheinen wir noch in der Sklavenwirtschaft der Antike festzustecken! Oder ist dies schon die vielbeschworene Gesellschaft von Morgen, wo nur noch der Kommerz zählt, wo es arbeitsbienenartige Untermenschen gibt. Dies erinnert mich an die sozialdarwinistischen Ansichten des Kolonialzeitalters, oder seines Möchte-Gern Nachfolgers, den Nationalsozialisten.  Oh Schreck! Liegen diese Grausamkeiten  wirklich in der  Vergangenheit oder stellen sie schon wieder die gruselige Zukunft dar??!!

Denkt man an die Produktionsbedingungen beim Elektronikhersteller FOXCOM oder der Textilindustrie in China, Thailand oder Indien, wo Produkte für uns billigst unter ebenfalls Sklaverei-ähnlichen Arbeitsbedingungen hergestellt werden, um bei uns wiederum billig, aber immer noch mit gewaltigen Gewinnen verkauft werden:  Die Globalisierung des  postindustriellen Zeitalters ist wohl wirklich nur als neoliberale Fortsetzung des Kolonialismus zu sehen. East India Trading Company, holländische Handelskompagnie oder schweizerische Lebensmittel-Multis und die Zuckerbarone aus den USA, wo ist der Fortschritt, wo der Unterschied? Wohl nur, dass man die Ausbeuterei mit moderner Technik und schnelleren Transportwegen noch effizienter betreiben kann. Dass man auch die Waffen sprechen lässt, wenn die Pfründe gefährdet sind, wurde auch schon längst bewiesen – nur heute lässt man die Ausgebeuteten gleich auch die Stellvertreterkriege führen. Dann spart man die Kosten für die Truppen und verdient mit den Rüstungsgütern gleich noch mal.

O Brave New World – that has such people in it!

(nicht nach Shakespeare, sondern nach Huxley!)

Quellen: Wikipedia, TV-Doku (ARD-Mediathek) und aktuelle Tagespresse

Ein Nachtrag: Auch bei uns läuft was falsch – die eigene Bevölkerung wird zusehends auf Hartz IV Niveau herabgewürdigt oder in Zeitarbeitsvertägen zu Dumpinglöhnen geknebelt. Dazu holt man dann noch millionenfach Wirtschaftsmigranten (keine Flüchtlinge) ins Land, um die Situation zu verschärfen, künstliche Verknappungen zu erzeugen. Auch schon fast wie im Kolonialismus – oder wie zu Dickens Zeiten! Einige wenige gewinnen schamlos und skandalös an der Not, der Rest wird in einer abhanden gekommenen Demokratie mundtot gemacht oder wirtschaftlich ruiniert. Die Ausplünderung unserer Sozialsysteme durch Import von Beziehern wird die Gesellschaft endgültig entsolidarisieren – auch das ist eine geplante Entwicklung. Solange die Mehrheit sich gegenseitig zerfleischt und um die letzten Almosen wie Hunde kämpft, können Superreiche ungestört ihren Machenschaften nachgehen. Der Globus gehört ihnen sowieso schon. Unangefochten? Das liegt an uns – noch. Nur eine starke Mittelschicht, das hat die Geschichte uns gezeigt steht für bürgerliche Freiheit und Wohlstand für viele – und für Widerstand gegen Despoten (frz. oder amerikanische Revolution). Deshalb soll sie jetzt vernichtet werden. Aber – aus ihrer Mitte kamen auch die ehemaligen Gründer und Innovatoren, die Nobelpreisträger und Genies – oder habt Ihr schon was in dieser Hinsicht von den Abkömmlingen von Multimilliardären gehört – wohl eher nicht.

Posted by on Dezember 6th, 2016 Kommentare deaktiviert

Credo der postmodernen Gesellschaft: “Trends statt Werte”

Jedes Leben: Ein eigener einzigartiger Kosmos.

Jedes Leben: Einzigartig im Universum.

Ein Menschenleben, verschwendet für die Gier und Hybris einiger Weniger, verblendet durch den fadenscheinigen Glanz des Konsumwahns.

Wir werden in relativer Sicherheit geboren und wachsen einigermassen behütet auf, wenn die Eltern nicht gerade selbst Probleme haben, wie Arbeitslosigkeit oder Sucht. Schon in der Schule wird uns im Religionsunterricht erklärt, dass wir das höchstentwickelte Wesen auf unserer Erde sind und  deshalb über der restlichen Schöpfung stünden. Wir lernen auch, dass der technische Fortschritt die Welt in allen Bereichen dominiert.  Alles ist wohl heute mit dem Einsatz der Technik machbar, lautet der moderne Glaubenssatz. Wir träumen davon, das Wetter zu beeinflussen, Vulkanausbrüche vorherzusagen, vor Tornados und Tsunamis rechtzeitig zu warnen. Wir haben mit unserer Technik scheinbar alles im Griff.  Ein stetiges Wachstum in allen Belangen ist ein MUSS. An diesem Selbstverherrlichungs-Dogma darf nicht gerüttelt werden. Wir sollen fleissig konsumieren und kaputte Sachen müssen entsorgt werden. “Ending is better than mending …. wer kennt den Slogan nicht aus “Brave New World”. Reparaturen lohnen sich nicht mehr, selbst bei einfach zu behebenden Fehlern. Die Abfallhalden werden immer größer. Lebensmittel, deren Ablaufdatum erreicht wurde, die aber dennoch genießbar sind, müssen in unserer Überflussgesellschaft ebenfalls entsorgt werden. Oder Agrar-Überproduktionen, die den Preis drücken.

Versorgt mit all den Produkten der letzten IFA,  ist man dann angesagt, das appelliert an die Eitelkeit. Mit den neuen Geräten spart man ja auch Energie, das beruhigt das grüne Gewissen. Reicht der Einzelverdienst nicht aus, die eigene Familie mit allem Schnickschnack zu versorgen, der zum Status gehört, muss eben der Ehepartner mitarbeiten. Elektronische Babysitter, TV und PC, oder günstigenfalls die Oma werden es schon richten. Die Grosseltern chillen aber lieber auf Mallorca, als die verwöhnten Blagen ihres Nachwuchses zu betreuen. Wir haben kaum noch Zeit für unsere Familien und Freunde. Wie in Trance durchleben wir unsere Tage, den Verstand vernebelt von all den Zerstreuungen und Notwendigkeiten eines nicht selbstbestimmten Alltags.  Im Alter kommt dann der große Frust, wenn man erstaunt aufwacht und feststellt:  Was habe ich eigentlich mit meinem Leben angefangen? Diese Frage stellt sich früher oder später wohl jeder Mensch. Vielleicht fängt man zu überlegen an:

  • Was ist der Sinn des Daseins?
  • Was habe ich im Leben erreicht ?
  • Welche Chancen habe ich vertan ?
  • Was war mir früher immer wichtig?
  • Wie hätte ich mich in der Gesellschaft engagieren sollen ?
  • Was habe ich bewirkt ?

Sicher, solche Gedanken drängen sich uns typischerweise zum ersten Mal in der Midlife-Krise auf, oder später wieder im reiferen Alter. Doch wie sind wir darauf vorbereitet worden, von unserer Religion, unseren Eltern , der Schule, der Gesellschaft?  Die alte Maxime: “Einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und ein Haus bauen”, mutet eher patriarchalisch verstaubt an, und ist von “.. mein Haus, mein Auto, mein Boot …” verdrängt worden. Wobei das Pflanzen eines Baumes mittlerweile noch der sinnvollste Teil solcher Aufzählungen ist. Die Kinderfrage ist eher kompliziert geworden, obwohl es nun nicht mehr der Stammhalter sein muss. Häusle bauen ist wohl mehr was für Schwaben, mit Hypotheken für drei Generationen, und bei unverschämten Grundstückspreisen. Wenn Menschen dann ein gewisses Alter erreicht haben, wird ihnen schmerzlich bewusst, dass sie nicht das ewige Leben gepachtet haben. Die ersten Zipperlein machen sich bemerkbar, und lassen sich nicht wegleugnen. Jetzt soll noch in der verbleibenden Zeit das nachgeholt werden, was in 50 Jahren versäumt wurde. Was ja meist nicht mehr möglich ist, und deshalb zum sogenannten Rentner-Frust führt. Zudem ist unsere Gesellschaft mit ihrem “Ewige Jugend” Kult auch nicht in der Lage Ressourcen zu nutzen, die auf dem Erfahrungsschatz und Wissen älterer Mitbürger beruhen. Heute ist man zumindest äusserlich um Alterslosigkeit bemüht, das verhindert aber den menschlichen Reifungsprozess. Es wird ein Leben voller Trends, die andere setzen, und ohne echte Individualität. Das Kleid wird häufiger gewechselt, aber darunter kommt nicht wie bei der Schmetterlingspuppe ein neues Wesen hervor, sondern nur eine plappernde Schaufensterpuppe. Weshalb sind wohl Zombie-Filme so populär geworden? Sie spiegeln die zunehmende Angst vor Seelenlosigkeit und Sinnentleerung wieder, wie sie der Einzelne immer mehr verspürt.

Bei Naturvölkern liegen die Dinge noch anders. Da muss ein junger Mensch Prüfungen bestehen, um in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen zu werden. Da geht es darum, mit der Mitwelt auszukommen, auf die Natur zu vertrauen, und seinen eigenen Status in einer Gemeinschaft zu definieren.  Als vollkommen natürlich begriffene Lebensstadien werden von Ritualen begleitet, die solche Transformationsprozesse besser erfahrbar und auch erträglicher machen. Gerade alte Leute haben in diesen Kulturen noch ihre Daseinsberechtigung und sind vollwertige, geschätzte Mitglieder der Gemeinschaft. Werte und Richtlinien sind von sinnvollen Inhalten bestimmt, die sich an der Lebensrealität messen lassen.

Auch bei uns könnten schon im Kindesalter solche ethischen Grundwerte vermittelt würden, wie fairer Umgang mit dem Mitmenschen und der Natur. Und nicht nur als blosses Wortgeklingel.  Aber dazu gehört aber zuallererst die Herausbildung eines echten individuellen Charakters.  Realistische Selbsteinschätzung und Selbstwertgefühl ohne die Notwendigkeit zur Selbstdarstellung, bedeutet eigene Standpunkte zu den Dingen des täglichen Geschehens zu entwickeln. Vor allem aber eine gesunde Skepsis vor den Manipulationen und Täuschungen anderer.Wenn man sich nicht mehr einlullen lässt von den Werbetrommlern, fällt man weder dem Konsumterror noch Heilspredigern mit zweifelhaften Absichten zum Opfer. Auch Gruppendruck, der Mörder von Zivilcourage und ethischem Verhalten, hat dann wenig Chancen Unheil anzurichten. Unsinnige Trends, mit denen sich leicht Geld scheffeln lässt, sind dann aber nicht mehr so leicht unter das Volk zu bringen. Dies wäre natürlich der Tod unseres Wirtschaftssystems, das gerade von all diesen negativen Einflüssen und dem Rausch der Vielzahl an Ablenkungen lebt. Wobei man uns soviel an Annehmlichkeiten  zugesteht, dass wir nicht murren, aber ein deutlicher Abstand zu denen bleibt, die sich als herrschende Elite selbst definiert haben. Denn das schafft natürlich wieder Begehrlichkeiten und kurbelt den Konsum weiter an. Ausserdem fördert es den Bestand an stromlinienförmigen Ja-Sagern.  Das wussten schon die alten Zyniker, wie Diogenes, der um der Freiheit des Denkens willen lieber in einer Amphore am Strand lebte. Aber gewiss ist es nicht einfach einer Gesellschaft, die “Gier ist gut” und “Geiz ist Geil” auf ihren Fahnen stehen hat die Abkehr von Egoismus, von Macht- und Besitzstreben zu predigen. Denn es ist in erster Linie eine NEID-Gesellschaft. Dazu trägt auch bei, dass sich die selbsternannten Eliten immer gerne sehr weit vom Geschehen fern halten, wenn es zum Beispiel um Quartiere für Flüchtlinge oder ähnlich unangenehme Dinge geht. Die halst man dann völlig unvorbereiteten Gemeinden auf und Bürgerproteste landen dann schnell im rassistischen Lager, auch durch eine entsprechend manipulierte Presse (wer hat’s bezahlt …?).  Da kann man sich dann entspannt zurücklehnen und zusehen, wie die Normalbevölkerung “da unten” mit weiterer Alltagsproblematik belastet wird. Wenigstens kann das Wahlvieh, äh der Bürger bei so viel Stress nicht darüber nachdenken, ob es nicht besser wäre sich von solchen parasitären  Existenzen zu befreien, wie sie immer mehr in den Regierungs-und Wirtschaftskadern zu finden sind. Diese haben sich nämlich längst  verschworen, uns, die Bürger , aus allen Entscheidungsprozessen draussen zu halten, bei denen es um einseitige Wirtschaftsinteressen geht. Das letzte unrühmliche Beispiel, das unsägliche EU/US-Freihandelsabkommen spricht wohl Bände. Allerdings – der Schuss kann auch nach hinten losgehen – warum denken Sie dass die sogenannte Protestpartei AfD*** so erfolgreich ist?  Nicht einmal interner Parteizank  konnte sie bremsen, da sie wohl hauptsächlich als Regierungs-ABWAHL-Partei fungieren.  So “alternativlos” wie unsere Bundesmutti sich immer fühlt, ist sie jetzt wohl nicht mehr … auch wenn es keine glückliche Wahl ist, zurück zu mehr Nationalismus und Wirtschaftsliberalismus zu wollen. Wir bräuchten stattdessen mehr globale Solidarität von kleinräumigeren Gebieten. Das würde auch die Dezentralisierung von Macht fördern, lokalen Gegebenheiten gerechter werden und Ressourcen schonen. Lobbyisten hätten es dann auch schwerer. Aber viele würden jetzt wohl bei Luzifer persönlich ihr Kreuz machen, nur um Frau Staatsratsvoritzende loszuwerden.

Zum Schluss noch ein Vorschlag.

Wir füttern nur allzu gerne die, welche uns dann veräppeln. Dabei haben wir, die sogenannten Konsumenten (“WIR sind der Markt!“), den Schlüssel zu einem Paradigmenwechsel in unserer Hand. Nicht nur hier in Europa, sogar global. Wenn wir plötzlich unsere Autos nicht 5 Jahre, sondern 15 Jahre fahren würden, wenn wir nicht das neueste elektronische Gadget erwerben, wenn wir unnötigem Luxus entsagen und nur noch das kaufen, was wir wirklich brauchen, wären wir schon einen grossen Schritt weitergekommen. In unserem deutschen Lande , wie in vielen einstigen Produktions-Hochburgen in Europa, wird immer weniger hergestellt. Also Arbeitsplätze werden wir hier damit nicht gefährden, höchstens den “Share Holder Value” der Gross-Konzerne, die mit ihrem Globalisierungswahn uns um dieselben gebracht haben. In deren Firmen, teilweise am Hintern dieser Welt, jetzt Kindersklaven schuften. Vielleicht gibt es Umdenken nur durch Abstimmung mit den Füssen. Protestiert damit gegen eine entsolidarisierte Gesellschaft, wo man nur als Konsument was gilt! Oder gegen eine verfehlte Politik unreflektierter Zuwanderung, bei der es nur darum geht über die Kopfzahl einen gewissen Druck aufrecht zu erhalten, sei es am Arbeitsmarkt oder bei der Mietpreisgestaltung. Damit eine kleine Gruppe kräftig absahnen kann. Oder dagegen, dass wir Europäer die Prellböcke und das Auffangbecken für die Vertriebenen aus Konflikten sein sollen, die  unsere “Freunde” aus den USA eingefädelt haben, um in den Krisengebieten die Ressourcen ungestört auszubeuten. So wie Immobilienhaie Mieter aus Luxussanierobjekten vertreiben lassen.  Solidarität gegen Ausbeutung – wie wäre das mal zur Abwechslung? Hilfe für die Menschen in den Gebieten mit der höchsten Fluchtrate, wobei wir unseren transatlantischen Bruder kräftig mit zur Kasse bitten? Es gilt doch eigentlich das Verursacherprinzip! Und beerdigen wir CETA/TTIP oder wie auch immer die Konzernverschwörungsprogramme gegen uns Bürger heissen mögen.

Hier können wir den Hebel ansetzen: Eigentlich einfach – überlegen wir,  statt uns gegenseitig zu zerfleischen, ob wir mit der Negierung vieler dieser angepriesenen Glücklichmacher wirklich so viel verlieren !  Öfters mal NEIN zu all den Marktschreiern zu sagen, ist wirklich sehr befreiend.  Darin sind sich sogar viele Religionen einig: Das Christentum predigt Verzicht, der Buddhismus sieht im Begehren die Ursache von Leid. Die Verlierer einer solchen Abwäge-Strategie sind die Gruppen, die ihre Macht gegenüber anderen ausnutzen, die Menschen als “Human Resources” und als Konsumvieh ansehen, die Natur ausplündern und dabei immer reicher werden. Der Motor des Globalisierungs-Molochs kann trockengelegt werden: Schon Gandhi wusste um die Wirkung des Konsumverzichts. Letztlich erstritt er die Unabhängigkeit Indiens durch den Aufruf zum Verzicht importierter britischer Waren, vor allem BILLIGER Textilien.

Schaffen wir also eine “win-win Situation, bei der auch die Erde gewinnen kann: Wie haben nur die EINE. Stoppen wir diese Wachstums-Eskalationsspirale endlich ! Vielleicht können wir befreit von unnötigem Ballast, und mit der Fähigkeit zum Innehalten und Nachdenken, auch wieder erkennen was wichtig ist. Dann wirken die eingangs gestellten Fragen auch nicht mehr so bedrohlich. Wir haben nämlich eine Antwort.

 Exkurs:

****Nein, AFD-Wähler sind wohl keine Nazis – für viele ist es wie gesagt, eine Art Verzweiflungsakt, hier ihr Kreuz zu machen. Angela endlich abwählen – das ist eher ihr Credo. Nur ein Tipp – wenn man eine echte Alternative sein will, dann bitte meine Argumentationen beachten – Neoliberalismus wird uns nicht helfen. Aber natürlich dürfen wir uns wehren, wenn man uns mit Heerscharen ungewollter Zuwanderer mit einem anachronistischen und auch gewalttätigen Weltverständnis überflutet. Vor allem, wenn dies auch noch vollständig chaotisch und ohne Rücksicht auf soziale Verhältnisse oder Gefährdungspotentiale der eigenen Bevölkerung geschieht.  Denn diese stellt Eure Schutzbefohlenen mit erster Priorität, auf deren Verfassung habt Ihr einmal einen Eid abgelegt, liebe Politiker.

Das Problem mit Gruppierungen wie der AfD sind rechte Trittbrettfahrer, die Antisemitismus und anderes unerfreuliches Gedankengut in eigentlich eher konservative Parteien tragen. Antisemitismus ist aber auch ein Problem der Linken und der Grünen – sie tarnen dies lediglich als politischen Antizionismus.  “Pot calling the kettle black” ist wohl da die Devise. Und von den Linken ist ausser BRAUNEN Torten und unterirdisch gebildeten bis grenzdebilen AntFa wohl nichts Sinnvolles mehr zu erwarten. RIP. Bürgernähe sieht anders aus. Über die Gedankengänge meiner einstigen Präferenz-Partei, den Grünen nachzusinnieren, halte ich mittlerweile für Zeitverschwendung – da trifft man auf ein Vernunftsvakuum. Nicht zuletzt sind die von ihnen gepäppelten Dumpf-Moslems  (Kinderehen, Burka ist ein Zeichen von Religionsfreiheit …??)  die glühendsten Antisemiten. Gebildete Moslems sind mit dem Gedankengut der Aufklärung durchaus vertraut – nur sie sind leider eher in der Minderzahl, und schütteln über solche “grünen” Aussprüche den Kopf.

Eins noch: Eine Groko oder eine Mehrparteienregierung ohne echte Opposition  ist kein Weg einer echten Demokratie. So was gab es in der DDR, da hiess das Gebilde SED, wobei die Betonung nicht auf sozialistisch, sondern auf EINHEITSPARTEI lag. Direkte Demokratie, wie in der Schweiz wäre schlussendlich die Konsequenz aus dem fortdauernden Politikerversagen.

 

 

Posted by on September 30th, 2016 1 Comment

30 Jahre nach Wackersdorf: Bürgerprotest ade …?

Bürgerprotest vor 30 Jahren: Gedenklstein in Wackersdorf.

Erfolgreicher Bürgerprotest vor 30 Jahren: Gedenkstein in Wackersdorf.

Immer wieder im Gespräch: Neue Nuklearwaffen für Deutschland?!

Irgendwie gehen solche brisanten Themen mittlerweile unter in all dem Flüchtlingschaos – Absicht?

Habt Ihr denn gar nichts gelernt? Wo sind die Protest-Studenten und Akademiker geblieben? Vielleicht gerade mal noch auf einer Anti-TTIP Demo.

Warum haben wir uns in den 1980-igern für Euch Generation von Lahmärschen von der Polizei mit Wasserwerfern und CS-Gas traktieren lassen?

In Mutlangen und in Wackersdorf? Warum haben wir Schornsteine besetzt? Uns bei Greenpeace engagiert? Um eine friedlichere, grünere Welt zu schaffen, und der Atom-Lobby und der aggressiven Supermacht USA die Stirn zu bieten! Wir haben auch fleissig studiert und trotzdem mehr Zeit für einen Beitrag zur Gesellschafts- und Weltpolitik aufbringen können als für das neueste In-Produkt der Fun-Kultur. Und wir hatten keine digitalen Netzwerke, nur ein gemeinsames Anliegen.

Echte physische Präsenz zeigt keiner mehr gerne, aus dem Lager der angehenden Jung-Akademiker, es demonstrieren höchstens noch die erzkonservativen, oft schlicht gestrickten Wutbürger und auf der anderen Seite stehen geistig unterbelichtete AntiFa. Falsches Elite-Denken? Ein Shitstorm im Internet ist wohl schon eine gewaltige Anstrengung? Transparente schwenken statt Fitness-Lounge stärkt auch den Bizeps. Man muss sich ja schon dafür schämen, dass auf Demos mehr Rentner als junge Menschen ihren Protest in die Öffentlichkeit tragen. Und das hängt nicht am demographischen Faktor. Vielleicht liegt die Abwesenhenheit der Studenten bei echten Protestaktionn auch daran: Sie stammen zusehends nur noch aus der Oberschicht. Da will man doch lieber seine Privilegien nutzen, statt als Nestbeschmutzer dazustehen. Ausserdem ist Dauer-Party doch vieel schöner.

Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben.
Die Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben.

Thomas Jefferson

Das klappt aber nur, wenn die ReGIERung auch was von ihren Untertanen zu sehen bekommt. Besonders bei der WAHL und auf der Strasse!!

Wahrscheinlich war es unser Fehler für kommende Generation denken zu wollen: Man soll jede ihre Probleme selber lösen lassen … Zuviel fürsorgliche Achtsamkeit wird bestraft, da dann die Nachfolgegeneration zum verhätschelten, teilweise auch egomanischen Couch-Potato verkommt! Da sind wir wohl selber schuld, Erziehungskompetenz wegen Harmoniesucht:

  • 0 Punkte! Besonders bei den höheren Bildungsschichten.
  • Helikopter-Eltern, zieht Eure Rotorblätter ein und setzt zur Landung an!

Viel zu lange haben wir in Saturiertheit vor uns hingeschnarcht: Die Achziger Jahre sind anscheinend wieder da, nicht nur beim Musik-Geschmack! Gewalt eskaliert weltweit – und wie eingangs erwähnt, selbst Atomwaffen sind wieder im Gespräch – nicht nur bei Donald Trump! Viel Glück und rechtzeitig einen Logenplatz für den Weltuntergang buchen, wünsche ich Allen!

Oh Land of Confusion … !!

Final Countdown …   wie passend von der Gruppe Europe aus dem Jahr 1986.

Ein winziger Lichtblick:  CAMPACT und CETA:…und siehe da, ein paar Erfolge gibt es jetzt – vielleicht.

Und jetzt müssen sogar wieder Freuenrechte diskutiert werden…!!!

Ein schwarzer Sack über dem Kopf , mit oder ohne Sehschlitz, ist kein Zeichen der freien Religionsausübung, sondern ein Gewaltakt gegen Frauen. Der Koran schreibt nichts über Säcke. Frauen, die diese Vermummung als einen Sicherheitsaspekt begreifen müssen, tun mir leid. Unsere Männer sind keine Tiere, die bei einem sichtbaren Streifen Haut gleich eine Frau anfallen. Ich rede nicht vom Burkini – zuviel pralle Fleischbeschau am Strand ist auch mancher Nicht-Muslimin unangenehm, vom UV-Schutz für Überempfindliche mal abgesehen, den das Teil vielleicht bietet.  In ein Schwimmbad gehört sowas allerdings nicht. Da gibt es, wie bei der Sauna auch, eine “Girls only” Möglichkeit. Wer wirklich schwimmen will – Klamotten sind da einfach gefährlich, wie jeder Rettungsschwimmer weiss. Also ein sportlicher Schwimmanzug her, da wird sowieso alles plattgedrückt, was irgendwie weiblich aussieht. Und solange Männer nicht denselben Schamregeln unterworfen werden, ist dieser Verhüllungswahn einfach diskriminierend, egal wo und besonders hier:

Über der Strassenkleidung ein tragbares Textil-Gefängnis mit herumschleppen müssen – Nein, nein und NEIN!

Unsere Generation hat gegen Einschränkungen und Ungleichheit der Frau in der Gesellschaft gekämpft, um jetzt von vor allem grünen VollpfostINNEN in den Rücken gestochen zu werden. Schämt Euch in Grund und Boden für Burka-Verteidigung und Befürwortung von Sex mit Minderjährigen. Auch die Polygamie ist hierzulande gesetzeswidrig und soll es auch bleiben. Und ein Zeugnis kultureller Höhe der “Neubürger” sind all diese Begleiterscheinungen der Massenmigration beleibe nicht. Wenn Menschen hierher kommen und dann verlangen, dass das Gastland, das sie nährt, kleidet und medizinisch versorgt, sich gefälligst den eigenen anachronistischen Bräuchen zu unterwerfen hat, hört der Spass auf. Statt diese Frauen zu befreien, sperrt Ihr sie weiterhin in das Sack-Gefängnis. Natürlich haben sie nach jahrhundertelanger Entrechtung auch Angst vor so einem Schritt, hinaus ins grelle Licht sozusagen und Furcht vor Sanktionen durch den männlichen Teil ihrer Familie. Vollvermummung ist in erster Linie eine kulturelle Tradition, keine religiöse wie uns immer von grünen oder linken VollpfostINNEN weisgemacht wird. Davon abgesehen, um es überspitzt zu formulieren: Menschenopfer waren auch einmal kulturelles UND religiöses Brauchtum – wollen wir das auch wieder erlauben? ” 250 Jahre Aufklärung für nichts?

Und ja, wenn wir unseren liberalen Lebensstil weiter pflegen wollen, müssen wir sehr wohl darauf achten, wen wir in unsere Mitte aufnehmen. Wer für alles offen ist, ist wirklich nicht ganz dicht.

Hamburg bestätitg wieder einmal den fehlenden politischen Willen der Bildungseliten: Wenn nur noch randalierende und plundernde Horden selbsternannter Antifaschisten, aber ohne echtes politsiches Anliegen , die Masse der Demonstanten stellen, ist es mit der Demokratie sowieso vorbei.

Euer Abraxas

Für Mundan-Astrologie Interessierte, hier ist der exakte Saturn Ingress in den Schützen, vor ziemlich genau 30 Jahren. Den derzeitigen Saturn-Stand kann man als auch Saturn-Return der gesellschaftlichen Aktivitäten von uns Baby-Boomern deuten: Jetzt werden die Früchte und Konsequenzen der Aktionen aus den 1980 igern sichtbar. Auch mit den Fehlern werden wir konfrontiert.

Saturn Ingress Schütze, Mundanhoroskop Bonn, 1985. Man beachte den Mars in der Waage am Aszendenten. ASC-Bestimmung für den exakten Eintritt des Saturn in den Schützen.

Saturn Ingress Schütze, Mundanhoroskop Bonn, 1985.
Man beachte den Mars in der Waage am Aszendenten.
ASC-Bestimmung für den exakten Saturn-Ingress auf 0° Schütze.
Quelle: Astrodienst.

Der Saturn im Schützen (Regent Jupiter) stand damals in wechselseitiger Rezeption zum Jupiter im Wassermann (Saturn Co-regent) . Auch Jupiter und Uranus waren in gegenseitiger Rezeption. Da konnte man mit Organisation und dem Blick auf Nachhaltigkeit (2.Haus Saturn) etwas für mehr Idealismus (Uranus, Schütze, Jupiter im Wassermann) in der Heimat (4.Haus) tun. Dies geschah auch durch Kommunikation (3. Haus) neuer (Uranus conj. Merkur) Konzepte und Ideesn. Trotz der abkühlenden sozialen Klimas (Mond im Steinbock). Mars steht etwas auf verlorenem Posten in der Waage (Exil) und am Aszendenten (wie wir die Welt sehen wollen). Allerdings gibt es auch ein paar Probleme, die schon ihre Schatten werfen. Gespannt? Da bin ich jetzt mal wie Sherezade und sage: Eine genauere Analyse wäre mal einen Astro-Stammtisch wert: Also, wer traut sich ?? Email – Adressen findet Ihr unter Veranstaltungen.

Ambrosia

 

Posted by on September 25th, 2016 2 Comments

Liberté, Égalité, Fraternité: Brüderlichkeit als freimauerische Tugend

TrowelUse

Kelle (Trowel) als Symbol des Gesellengrades.
Mit ihr wird der Mörtel der Brüderlichkeit
für das Bauwerk der Humanität aufgetragen.

Das Thema meiner heutigen Zeichnung ist die Auseinandersetzung mit  dem Ideal der Brüderlichkeit.

Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit, das ist ein bekanntes Losungswort der Freimaurerei. In französischen Logen prangt der Wahlspruch stolz als Wandzier in fast jedem Tempel, da er auch einen besondern Bezug zur eigenen Geschichte hat. Aber wie schon bei Freiheit und Gleichheit ist auch der Begriff Brüderlichkeit ein schwer zu fassender.

Dabei hat besonders die Brüderlichkeit hat im Gedankengut der Freimaurerei einen hohen Stellenwert. Schon beim Aufnahmeritual leistet der Kandidat ein Gelübde, das  ihn zur Brüderlichkeit verpflichtet. Dieses immerhin ernste Versprechen muss mehr sein als nur ein Lippenbekenntnis.

Doch was hat es mit der Brüderlichkeit für eine  Bewandtnis ?

Der sprachliche Ursprung des Begriffs  ist das Wort Bruder, was zuerst eine blutsverwandtschaftliche Bindung meint. Eine rein genetische bzw. verwandschaftliche Bindung zwischen Menschen verhindert aber offensichtlich nicht, dass es zu blutrünstigen Auseinandersetzungen, Mord und Totschlag, kommt. Das kann man fast täglich der Tagespresse entnehmen. Bereits in der Bibel wird vom ersten Fall berichtet, nämlich vom Brudermord Kains an Abel. Weitere negative Beispiele sind die Bruder- bzw. Schwestern-Morde in nahezu allen früheren Herrscherhäusern, aus dynastischen und machtpolitischen Gründen. Das Motiv der feindlichen Brüder zieht sich durch quer durch viele Mythen in allen Kulturen, es ist richtiggehend weltumspannend. Das kann teilweise in vorgeschichtlichen Erziehungmodellen begründet sein, bei denen häufig der Erstgeborene bevorzugt wird. Geschwisterrivalität bei der Verteilung von Erbschaften, besonders von Grundbesitz, ist so sehr die Regel, dass in Gesetzeswerken schon sehr früh ein Erbrecht definiert wurde. Blut ist keineswegs dicker als Wasser. Auch unsere urban geprägte moderne Zivilisation der Gegenwart bildet hier keine Ausnahme, obwohl die Familien kleiner geworden sind. Vor dem sozialen Hintergrund der Kleinfamilie könnte man eigentlich vermuten, dass solche Rudelkämpfe seltener werden.

Aber Brüderlichkeit als Handlungsnorm basiert wohl auf etwas Anderem, als der mehr zufälligen Schicksalsgemeinschaft der Familie. Es ist ein ideelles Konzept, das moralisches und ethisches Handeln als Basis der zwischenmenschlichen Beziehung  fordert. Dieses muss erst durch Bewusstmachung menschlicher Handlungen und deren Konsequenzen erarbeitet werden. Brüderlichkeit entsteht auf dem Boden von Toleranz und Empathie. Es ist zuerst eine Bruderschaft im Geiste notwendig.

Der  Begriff der Brüderlichkeit als ethisches Konzept scheint auf den griechischen Philosophen und Begründer der Stoa, Zenon von Kition  zurückzugehen, der vor zirka 2300 Jahren die Zusammengehörigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen betonte und deshalb die Brüderlichkeit aller forderte. Das Stammes- und Sippendenken sollte überwunden werden um nicht jeden Nachbarn als potenziellen Feind zu betrachten. Auch die eingangs erwähnten Familiendispute sollten so vermieden werden.

Der Gedanke der Brüderlichkeit im westlichen Kulturraum stammt also aus der Philosophie der Stoa, einige Ansätze auch aus dem Judentum. Er resultierte in dem Satz: Es verbindet alle Menschen mehr, als sie je trennen könnte. Ich kann hier nur den interessanten Film: “Agora: Säulen des Himmels” empfehlen, der das Schicksal von Hypatia, der letzten Leiterin der “Grossen Bibliothek” von Alexandria schildert. Die Verpflichtung der Menschen zur Brüderlichkeit ist in vielen Lehrgesprächen mit ihren Studenten ein wesentlicher Grundsatz. Parallel dazu entwickelte sich der Begriff der Brüderlichkeit im asiatischen Raum aus dem Buddhismus. Der Grundgedanke der universellen Brüderlichkeit im Christentum stammt vielleicht sogar aus beiden kulturellen Einflüssen, die in Alexandria erstmals aufeinander trafen. (Graeco-Buddhismus, Orden der Therapeutae am Toten Meer). “Liebet Eure Feinde“, sagt Jesus, wahrlich eine grosse Forderung an den Einzelnen, aber auch an die Gesellschaft.

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Motto der französischen Revolution auf einem elsässischen Banner,
Im Elsass gab es viele Anhänger der Republik und heute noch erfreut sich die Freimaurerei hier grösserer Beliebtheit.
quelle: wikipedia

Gerade am Beispiel des Christentums lässt sich die Problematik der Umsetzung eines solchen Ideals ins tägliche Zusammenleben verdeutlichen. Vor und nach seiner Anerkennung als Staatsreligion in Rom waren blutige Glaubenskriege zwischen den Anhängern der verschiedenen Fraktionen ein gängiges Instrument, um jeweilige dogmatische Ansprüche auf den Besitz der alleinigen Wahrheit durchzusetzen. Das Konzil in Nicaea im Jahr 325 geht nicht zuletzt darauf zurück, dass Kaiser Konstantin endlich eine Einigung der theologischen Kombattanten erzielen wollte.

Auch mit dem Aufkommen der Aufklärung und des säkularen Humanismus änderte sich nicht viel. Die Väter der französischen Revolution haben Sklaven und ihren politischen Gegnern die Bruderschaft aberkannt. Motto: „und willst Du nicht mein Bruder (Kampfgenosse) sein, so schlage ich Dir den Schädel ein“. Nicht anders verhielten sich Lenin und andere radikale Revolutionskämpfer im Kampf gegen die als feindlich eingestufte Klassenideologie. Statt Liebe setzt es Hiebe.

Gefordert ist aber, wie zum Beispiel der Dalai-Lama sagte, eine Brüderlichkeit, die schrankenlos ist:

  • „Ohne eine universelle Brüderlichkeit werden wir die Gefahren nicht bestehen, die unsere ureigene Existenz bedrohen“.

Diese Notwendigkeit sahen auch die Gründungsväter der Vereinten Nationen.

Im Artikel 1 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen steht:

  • „Alle Menschen sind frei und gleich*** an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen*** begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“.

Alle Nationen haben diese Erklärung unterschrieben, doch mir scheint, dass der gute Vorsatz zwar da ist, jedoch dies nicht ausreicht.

Appelle, sei es von Philosophen oder Religionsstiftern, zur universellen Brüderlichkeit zu finden, fruchten scheinbar nur wenig. Viele Gemeinschaften benutzen zwar diesen Begriff der Brüderlichkeit, Gültigkeit hat er jedoch meist nur in der eigenen Gruppe.

Unsere Bruderschaft  der Freimaurer hat nun zum Ziel, diese universelle Brüderlichkeit innerhalb der Logen durch die Arbeit an sich selbst zu erlernen, mit Hilfe der Mitbrüder  zu leben und durch Vorbildfunktion in die profane Welt zu tragen.

Das wird im Symbol der Bruderkette zum Ausdruck gebracht.

Bruderkette mit Winkel&Zirkel

Bruderkette mit Winkel&Zirkel
Das G symbolisiert Gott als “Grossen Geometer”.

Als wesentliches Element bietet die Brüderlichkeit, wie sie in der Loge praktiziert wird, den Schutzraum und die Hilfestellung für den einzelnen Bruder, sich menschlich weiter zu entwickeln. Dies erfordert von allen Mitgliedern die Bereitschaft den Bruder nicht nur zu tolerieren, sondern auch über seine Schwächen hinweg zu helfen und seine Stärken zu fördern. Die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, muss eine der tragenden Säulen der Logenkultur sein.

Vorbedingung ist, dass alle Brüder aktiv mitzuarbeiten und auch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu schaffen. Eine wesentliche Quelle, um Brüderlichkeit kennen zu lernen und in sich selbst zu entwickeln, stellt die besondere Beziehung des Bürgen und des neu aufgenommenen Bruders dar, die durch Sympathie und Freundschaft geprägt sein sollte. Dies sollte Vorbildsfunktion besonders für das Miteinander der älteren und jüngeren Brüder haben.

Grundvorraussetzungen wie Zuhören, Konfliktfähigkeit und Versöhnungsbereitschaft können schon durch den Minimalansatz einer gepflegten Streit- und Diskussionskultur geübt werden.

Statt übereinander zu reden, sollte dies miteinander geschehen, wobei auch unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden dürfen. Eine Loge ist keine Harmoniehütte, sondern eine Bauhütte, in der miteinander und an sich selbst gearbeitet werden soll. Dass dies in behutsamer und angemessener Weise geschehen kann ohne zu Verletzung und Eskalation negativer Gefühle zu führen fusst letztlich auch auf den beiden anderen Säulen, der Freiheit in der Geisteshaltung, die auf Toleranz gegründet ist  und der Gleichheit der Brüder untereinander,  die auf der Menschenwürde beruht. Damit wären wir wieder bei Hypatia angelangt.

Man sieht daran, dass universelle Brüderlichkeit ohne die beiden anderen Begriffe nicht gut möglich ist. Erst Freiheit und Gleichheit, das ist der allumfassende humanitäre Ansatz, schaffen den Rahmen für Brüderlichkeit.

Daher möchte ich zum Schluss noch dem bekannten Zitat von Schiller eine etwas andere Wendung geben:

  • Alle Menschen werden Brüder ………………???
  • Vielleicht sollten alle Brüder doch zuerst einmal Menschen werden.

Ehrwürdiger Meister, meine Zeichnung ist beendet.

 

Anhang:

Anmerkungen:„Alle Menschen werden Brüder“ doch vielleicht es es besser, wenn alle Brüder Menschen würden ?

  • Friedrich Schiller galt als der große Idealist der Freiheit und Brüderlichkeit. Einige behaupten, er habe den deutschen Idealismus überhaupt erst erfunden.
  • Naja der olle Schiller hatte seine Finger in jedem Kuchen und liess sich von Mäzenen aushalten. Zur Idee der freimaurerischen Brüderlichkeit hat er sich nie offen bekannt, er wurde auch nie Mitglied einer Loge, obwohl er von der Bruderschaft grosszügig gefördert wurde. Ganz im Gegensatz zu Lessing oder Goethe, die Freimaurer mit Herz und Seele waren.

Was die Umsetzung des Gedankens wahrer Brüderlichkeit ermöglichen könnte:

  •  gegenseitiges Wohlwollen – Akzeptieren – Unterstützen – Vertrauen entgegenbringen – Schutz bieten – Fördern -
  • Ermutigen – Halt geben – Veränderung zulassen – Hilfe anbieten
  • Hilfe annehmen – Festhalten und loslassen können – sich um der anderen Willen zurücknehmen – Selbsterkenntnis -
  • Sich selbst richtig einschätzen und schätzen lernen -
  • Trost geben – Zusammen sein – Zusammen halten- im Positiven kritisch sein – gemeinsam etwas durchstehn -
  • Freude teilen – Meinungen austauschen – Private Bereiche teilen – Privatbereich des Andern schonen und schützen -
  • Lachen – Spass haben – streiten können – irren und scheitern dürfen – gegenseitig Freundschaft erweisen – sehen lernen was man selbst und was der Andere braucht -

Einfach Achtsamkeit leben.

Ach ja, und das Wichtigste – Brüderlichkeit erfordert aktives, respektvolles Handeln von allen Beteiligten. Falsch verstandene Brüderlichkeit ist Liederlichkeit, das hiesse im anderen jegliches Fehlverhalten zu tolerieren! Bruder sein, bedeutet nicht Märtyrertum, es heisst auch NICHT, dass man die andere Wange hinhalten muss. Wie sagt es Sarastro in der Zauberflöte es so schön: … und ist ein Mensch gefallen, führt Liebe ihn zur PFLICHT! Das erfordert auch eine Bereitschaft vom Gegenüber, dass man auch zur Änderung oder Einschränkung seiner egoistischen Triebe bereit ist. Eine reine Empfängermentalität oder Soziopathentum darf dabei nicht entstehen. Es funktioniert nur, wenn ALLE geben wollen, nach ihren Möglichkeiten.

Zum brüderlichen Verhalten gehört auch, dass Migranten (Flüchtlinge), denen wir hier Nahrung, Obdach und Kleidung gegeben haben, sich an unser Rechtsverständnis und UNSERE gesellschaftlichen Normen halten, besonders was unsere Auffassung von Menschenrechten und religiöser Toleranz anbelangt.

Quelle zu Hypatia: Carl Sagan.

Und was verloren ging

 

 ***frei und gleich: Frauenrechte ??, ****Vernunft und Gewissen: Religiöse Verblendung ?

Posted by on September 19th, 2016 1 Comment

Asträa für Freimaurer: Licht der Vernunft

Maria im Ährenkleid, ca. 1450. Quelle: wikimedia Commons.

Maria im Ährenkleid, ca. 1450. Quelle: wikimedia Commons.

Asträa als mythologische Figur gilt in der Tradition der Aufklärung und der Menschenrechtsbestrebungen ein Leitsymbol. Deshalb gibt es etliche Logen vor allem aus der Gründerzeit des Freimaurertums, die dieses Symbol zum Namensgeber und Leitbild für ihre Loge wählten. Was fanden diese Brüder der ersten Stunde so besonderes an der hellenischen Gottheit?

Asträa bedeutet Sternenjungfrau: Forscht man nach in ihrer Geschichte bietet sich ein komplexes Bild, das sich schon in der Vielfalt der bildlichen Darstellung abzeichnet.

Mit Sternen ist sie bekrönt oder mit einer richtigen Krone geschmückt. Manchmal trägt sie ein Sternengewand, häufig ist sie eher leichtgeschürzt oder nackt. Ihre Attribute sind ebenfalls umfangreich, ein Schwert, das nach oben weist, eine Waage, manchmal ein Bündel Kornähren. Am Nachthimmel glänzt sie als Sternbild der Jungfrau, lateinisch Virgo mit seinem auffälligen Hauptstern Spica. Laut Hesiod wurde sie vom Göttervater an den Himmel gesetzt, weil sie schwermütig über den Mangel an natürlichem Rechtsempfinden unter der Menschheit, dieser den Rücken gekehrt hatte und bei ihrem Vater Zeus Zuflucht fand. Daher findet man das astrologische Symbol der Virgo oft statt eines Abbildes in Bijoux von Logen, die die Asträa in ihrem Namen führen.

Asträa zu den drey Schwertern und zur Grünenden Raute mit der astrologischen Virgo-Glyphe

Asträa zu den drey Schwertern und zur Grünenden Raute
mit der astrologischen Virgo-Glyphe

Man sieht, sie ist ein vielschichtiges Wesen, das man nicht auf die Allegorie namens Justitia (die blinde Rechtssprechung) reduzieren darf. Asträa hat KEINe Augenbinde und hält oft einerseits die Kornähre, welche ein Bestandteil des Gesellenrituals und der drei symbolischen Entlohnungen Salomos ist, andererseits ein Schwert, das nicht gesenkt ist, sondern bereit die Frevler zu bestrafen und die Unterdrückten zu beschützen. Sie blickt sehenden Auges, da sie die Wahrheit verkörpert und daher auch oft nackt dargestellt wird. Auch ihr Freiheitsanspruch und damit ihre Unparteilichkeit spiegelt sich in ihrer Darstellung mit entblösster Brust oder gänzlicher Nacktheit wieder. Man denke an die allegorische Darstellung der Freiheit in Delacroix berühmten Revolutionsgemälde. Es symbolisiert dieses Himmelskleid auch ihre Reinheit, vor allem die Reinheit der Gedanken. Der Begriff Jungfrau darf nicht täuschen ,er hat nicht mit Keuschheit zu tun, sondern mit Unabhängigkeit. So nannte sich die englische Königin Elisabeth I. auch „Virgin Queen“ um ihre Freiheit von der Entrechtung durch das Ehejoch ihres Zeitalters auszudrücken.

Wie schon erwähnt, im alten  Griechenland war Asträa als Dike die Verkörperung des Natur-rechts, einer frühen Form der Menschenrechte und der harmonischen Beziehungen allen Lebens miteinander, die dann auf der Erde wandelte, als das goldene Zeitalter herrschte. Dieses bricht dann wieder an, wenn sie aus ihren himmlischen Gefilden zurückkehrt.

Um die Gleichwerigkeit allen Lebens im Angesicht der Natur zu verdeutlichen, trägt sie eine Waage, die das Prinzip der Ausgleichung und der Gleichheit verkörpert.

Wie wichtig für eine Zivilisation diese Figur ist, sieht man daran, dass sie bei den Griechen schon als Titanin Themis die Gerechtigkeit (nicht die Rechtsprechung – das war Sache des Zeus) verkörpert, also einer älteren Kulturschicht zuzuordnen ist als die Olympier. Auch die strafende Nemesis, daher das Schwert,  ist ein Aspekt von ihr. Asträa war wohl ein Teil einer ursprünglich triformen archaischen Muttergottheit der in Griechenland ansässigen Pelasger vor der dorischen Einwanderung in der Eisenzeit.

Dies erkennt man auch daran, dass die Sternenkonstellationen Virgo, Libra und Scorpio in alter Zeit als eine zusammenhängende Einheit gesehen wurden. Sie symbolisieren Naturrecht, Gerechtigkeit und Strafe, aber auch die Fruchtbarkeit der Urmutter. Erst in den späteren Überlieferungen durch Hesiods Theogonie wird die Sternenjungfrau zu Dike, Tochter des Zeus mit Themis als ihrer Mutter. Die bereits erwähnten Kornähren erinnern an Demeter und Persephone oder Kore der Eleusinischen Mysterien. Das ebenfalls mit dem Mythos vom Raub der Persephone in Zusammenhang gebrachte Sternbild Jungfrau hiess in der Frühzeit der Menschheit Ackerfurche, der fruchtbare Schoss, aus dem das Heil kommt, da seine beste Sichtbarkeit in die Zeit der Aussaat fällt.

Quelle: Wikimedia Commons.

Delacroix, Ende 18. Jhd.: Die Freiheit stürmt die Barrikaden von Paris.
Mit nackter Brust, versteht sich!

Viele Vorstellungen, die mit der Asträa verbunden sind, fanden auch eine Resonanz im Christentum, das den Geburtstag der Maria deshalb innerhalb des liturgischen Kalenders in das Sternzeichen Jungfrau, auf den 8. September, legte. Auch die Darstellung mit Sternenkranz, der schon im Namen Asträa mitklingt wurde übernommen, sowie das Himmelskleid, nun ein blauer Mantel statt der Nacktheit. Dieser ist zudem, besonders im Mittelalter, gerne mit Kornähren geschmückt.

Die Sternenjungfrau, von der fürsorglichen, nährenden Urmutter, die über das harmonische Zusammenleben der Menschen wacht, dem späteren Symbol der Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit zur jungfräulichen Mutter Christi, eine Figur, die die Zeiten überdauert hat.

Auch viele der grossartigen Kathedralen, welche in starker Beziehung zu unserer Bruderschaft stehen,  sind Marienkirchen. Die gesamte Gotik ist durchzogen von Marianischer Mystik und Verehrung, sie hat hier ihren Höhepunkt. Neben den beiden bekannten Patronen, Johannes, dem Täufer und dem Evangelisten, gilt auch die Gottesmutter als Schutzherrin der Steinmetzen und Dombaumeister.

Nicht zuletzt ist noch  ein Aspekt der Asträa für uns Freimaurer bestimmend: Durch ihren Sternenkranz ist sie auch ein Lichtsymbol, das Licht der reinen Wahrheit und der Vernunft, der Befreiung von der geistigen Unterdrückung, das auch für das Zeitalter der Aufklärung steht. Daher wird sie manchmal auch mit einer Fackel dargestellt, wie man sie von der Freiheitsstaue kennt.  Sie steht also für Werte, die gerade in unserer Zeit  nichts an Gültigkeit verloren haben.

Für eine komplette Behandlung des Themas Asträa mit allen zugrundeliegenden Mythen, die bis in Neolithikum und besonders ins Zweistromland zurückreichen, habe ich für Br. Freimaurer einen kompletten Vortrag anzubieten. Dauer ca. 2h. Kontakt über Ambrosia.

 

Posted by on September 17th, 2016 1 Comment